Eschershäuser Wappen

Persona­gramm Wil­helm Raabe

Nach Auf­zeich­nungen von Lothar Kaese, ver­ar­beitet von Martin Lucé

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Diese Seite enthält die Informationssammlung „Personagramm Wilhelm Raabe“ von Lothar Kaese, verarbeitet und herausgegeben von Martin Lucé in Eschershausen 2019.

Der Inhalt wird auf dieser Seite in einfachster Internet-Formatierung wiedergegeben. Eine PDF-Datei des Originals wird hier noch zur Verfügung gestellt.

Für weitere Informationen zum Original und zu den hier verfügbar gemachten Versionen siehe Kapitel „Notizen zum Digitalisat“.

Bearbeitung durch Christian Kaese, Eschershausen 2019.





Lebenswerk

Romantik 1750–1830Realismus 1800–1900
Brentanovon Droste-Hüshoff
von ChamissoFreytag
E. T. A. HoffmannFontane
von EichendorffHebbel
FichteKeller
von GoetheRaabe
von KleistReuter
von ArnimStorm

Die Stadt Braunschweig besitzt den nahezu vollständigen Nachlass: Raabes über 1 400 Titel umfassende Privatbibliothek, eine große Anzahl von Erstausgaben seiner Werke, seine Originalmanuskripte, seine Tagebücher und die Korrespondenz mit über 2 000 Briefpartnern, sowie sein umfangreiches zeichnerisches Werk mit über 5 800 Blättern. Archiviert im Raabe-Haus in Braunschweig und zum Teil zu besichtigen. Quelle: „Raabe-Haus Braunschweig 2000“.

Textgesamtausgaben Berlin-Grunewald 1913–1916 in 18 Bänden und 1934 in 15 Bänden. Braunschweigische Wissenschaftliche Gesellschaft ab 1951 in 20 Bänden.

„Wilhelm Raabe als Zeichner“ Prof. Dr. Karl Hoppe, 1960. 267 Seiten mit 118 Zeichnungen, Vandenhoek und Ruprecht, Göttingen.

„Wilhelm Raabe – Das zeichnerische Werk“ Dr. phil. Gabriele Henkel, 2010. Sie war 14 Jahre lang in der Raabe-Forschungsstelle Braunschweig tätig. 424 Seiten mit 712 Zeichnungen, Olms-Verlag, Hildesheim.

Schriftstellerische Werke

Kursiv = mit Bezug zum Weserbergland

Frühzeit 1854–1861

Stuttgarter Zeit 1862–1870

Braunschweig 1870–1890

Alterswerke 1890–1900

Verlage

Internet

Begriffe aus Raabes Wortschatz, die heute selten in Gebrauch sind:

Siehe auch: Heinrich Spiero „Raabe-Lexikon“

Geburtsstadt – Raabestadt Eschershausen

  1. Raabestraße
  2. Raabeturm im Hils
  3. Raabedenkmal im Hils
  4. Raabe-Gedenktafel aus Kupfer, im ersten Weltkrieg als „Kriegsopfer“ eingeschmolzen
  5. Raabeverein gegründet, Einstellung 1934, Wiedergründung 1948
  6. Raabe-Gedenktafel aus Dolomitstein
  7. Wilhelm-Raabe-Schule, Raabedenkmal vor der Schule
  8. Wilhelm-Raabe-Ithklippe
  9. Raabe-Apotheke
  10. Wilhelm-Raabe-Jugendherberge mit Raabe-Sandsteinrelief
  11. Blasorchester „Die Raabestädter“, bis 2015
  12. Buchpreisvergabe in der Schule
  13. Theater-Laienspielgruppe „Raabebühne“
  14. Raabebrunnen am Marktplatz
  15. Eschershäuser Stadtspaziergang mit Raabe
  16. Straßennamen: Altershausener Ring, Holunderblüte
  17. Großer Raabe-Wanderweg Weserbergland
  18. Altenwohnheim Wilhelm-Raabe-Residenz

Das Geburtshaus

  1. Zimmermeister Friedrich Wunderlich erbaut das Fachwerkhaus mit seitlicher Toreinfahrt und mittiger siebenstufiger Treppe als direkten Anbau an das Nachbarhaus. Dort war auch eine Holzwerkstatt.

  2. Ehepaar Gustav und Auguste Raabe (Gerichtsaktuar/Jurist) zieht ein.

  3. Ein Kind geboren. Stirbt nach wenigen Tagen.

  4. 8. September Geburt von Wilhelm Karl. Taufe nach 18 Tagen. Nach weiteren 20:

  5. 16. Oktober – Umzug der Familie nach Holzminden.

  6. Schneidermeister Hartmann kauft das Haus.

  7. Gerichtsregistrator August Rustenbach kauft das Haus. Er war 26 Jahre lang Eschershausens Bürgermeister von 1853 bis 1879.

  8. Großer Umbau: das Tor fällt weg. Dadurch entstehen zwei Zimmer mehr. Der Behang aus Sandstein wird angebracht.

  9. Das Nachbarhaus, der „Schiefe Ständer“ brennt ab.

  10. Im Erbgang kommt das Haus an die Familie Lucé.

  11. Eine kupferne Gedenkplatte wird an das Haus angebracht. Sie wird als Metallspende zur Rüstungsproduktion im Ersten Weltkrieg abgeliefert.

  12. 2. Juni – Louise Lucé stellt die beiden Räume der ehemaligen Toreinfahrt als „Raabezimmer“ zur Besichtigung zur Verfügung. Die Einrichtung – auch zur Stärkung des Fremdenverkehrs – erfolgte durch:
    • Raabe-Verein Eschershausen (Carl Kaese, Ernst Meyer, Adolf Lucé),
    • Stadt Eschershausen,
    • Raabe-Gesellschaft Braunschweig,
    • Familie Raabe (Frau Ehninger † 1985, Frau Clara Behrens-Raabe † 1959).
    Anzahl Besucher: 1958 2 140, 1959 1 528, 1963 2 000, 1967 600.

  13. Familie Lucé-Fricke verkauft das Haus an die Stadt.

  14. Großrenovierung inklusive des hinteren Seitenflügels. Ab 6. September eröffnet in der unteren Etage zum 150. Geburtstag die „Raabe-Gedenkstätte“. Förderung durch das Land Niedersachsen, den Landkreis Holzminden. Die Bewohner sind gleichzeitig Betreuer: Herr Otto fungiert als Hausmeister, Frau Otto führt Besucher.

  15. Anzahl Besucher: 1 179 (Täglicher Anzeiger Holzminden vom 21.1.1984).

  16. Nach einem Legat von 100 000 DM des Bürgers Kurt Schmalhoff erfolgt ein erneuter Umbau und Sanierung. Weitere Sponsoren: Norddeutsche Landesbank/Öffentliche Versicherung, Klosterkammer Hannover, Energie-Werk Wesertal, DASAG, Hilsverein Grünenplan-Delligsen und anderen (insgesamt 300 000 DM). Nach Konzeption von Dr. Angelika Klein und Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel erfolgt am 7. November 1999 die Wiedereröffnung als „Museum Raabe-Haus“. Nach dem Konzept des Landesmuseums Braunschweig erstreckt sich das Museum nunmehr über zwei Etagen. Die Fremdenverkehrsinformation der Stadt mit Frau Ingrid Reuther wird integriert, sodass für das Publikum gute Öffnungszeiten über die ganze Woche möglich sind.

  17. Einbau einer Zuschauertribüne im Museumshof für szenische Lesungen, Kleintheater (Konzept und Bau Dieter Theurich). Nutzung auch durch die Schauspielgruppe „Raabe-Bühne“.

  18. Einbau einer Geothermie-Heizung.

Lebensstationen

Wohnorte

  1. Eschershausen vom 8. September 1831 bis 16. Oktober 1831 = 38 Tage. Haus Assekuranz-Nummer 91/91b später Nr. 138.
    Eschershausen war seinerzeit die kleinste Stadt im Herzogtum Braunschweig, mit 128 Feuerstellen und dem Sitz eines herzoglichen Kreisgerichtes.
  2. Holzminden ab 16. Oktober 1831, Goldener Winkel Nr. 8.
    Dienstantritt Gustav Raabe als Gerichtsassessor (vorher Aktuar) bereits vor der Geburt am 23. September 1831. Holzminden: 3 000 Einwohner.
  3. Stadtoldendorf ab 1841. Am Markt 5. Stadtoldendorf: 1 800 Einwohner.
  4. Wolfenbüttel ab 1844. Okerstraße 17. Gymnasium „Große Schule“.
    Abgang 28. März 1849 ohne Abitur.
  5. Magdeburg 1. April 1849, Breite Straße. Creutzsche Buchhandlung.
    Sehr viel gelesen – Lampenölverbrauch zu hoch!
    Buchhändlerlehre 31. März 1853 abgebrochen.
  6. Wolfenbüttel ab April (Ostern) 1853.
  7. Berlin ab 1854, Spreestraße 11 bei einem Tafeldecker (Schneider).
    Umzug zirka 1855 Dachwohnung Oberwaltstraße wiederum „bei einem Schneider“. Hausnummer ist nicht feststellbar, da in der Straße sieben Schneider wohnten.
    Philosophie-, Geschichts-, Kunststudium. Befreundet mit Buchhändler/Antiquar August Stülpnagel – Markgrafenstraße.
    „Federansetzungstag“ 15. November 1854. Berlin: 450 000 Einwohner.
    Spreestraße umbenannt in Sperlingsgasse, jedoch im 2. Weltkrieg zerstört.
  8. Wolfenbüttel ab 1856, Okerstraße 16 (144 A), Eckhaus schräg gegenüber. (1854 im Besitz Glasermeister Klingenberg, 1913 im Besitz Witwe Fuhrunternehmer Herberth).
    Von dort häufig zu Fuß die 12 km ins Braunschweiger Theater und zurück. Freundschaft mit Adolf Glaser.
    Wohnort der Schwiegereltern Leiste: Am neuen Kirchhofe 390 (heute: An der Hauptkirche 1). Ein mehrgeschossiges Fachwerk aus dem Jahre 1686.
  9. Stuttgart ab 25. Juli 1862. Stuttgart: 60 000 Einwohner.
    Intellektuelles Zentrum mit 244 Schriftstellern, 56 Buchhandlungen, 21 Druckereien, 28 grafische Anstalten, 55 Zeitungen.

    25. Juli 1862 Hotel „König von Württemberg“, die Wohnung war nicht fertig.

    2. August 1862 Haus in der Gymnasiumstraße 13 (3 Treppen, unten im Hause Fleischer und Gastwirtschaft).

    23. Mai 1863 Schwester Emilie zu Besuch bis 20. August.

    16. Juli 1863 Raabes Schwiegermutter Leiste zu Besuch bis 7. August.

    17. Juli 1863 Geburt von Margarethe.

    2. Mai 1864 Haus in der Hermannstraße 11 (3 Treppen. Neubau von 1862).

    23. September 1864 Totgeburt. Berthas Schwester kommt zu Hilfe.

    6. August 1865 Totgeburt. Berthas Mutter kommt zu Hilfe bis 4. September.

    29. März 1866 Besuch Schwiegermutter bis 9. September.

    3. Oktober 1866 Besuch Raabes Mutter bis 27. Oktober.

    17. Juni 1868 Geburt von Elisabeth.

    25. März 1870 Kündigung der Wohnung „zum Sommer“.

    15. Juli 1870 Entschluss zur sofortigen Abreise.

    16./17. Übernachtung im „Petersburger Hof“. Dort 7. Geburtstagsfeier von Margarethe. Die militärische Mobilmachung verzögert die Eisenbahnreise.

  10. Braunschweig 21. Juli 1870 bis 30. September, Johannishof 4 (Straße Kattreppeln) bei Raabes Mutter. Am 8. September 39. Geburtstag.
    Tagebucheintrag 30. September 1870: „Glücklich bin ich vorgestern Nachmittag 3½ Uhr hier angekommen […] Die Umzugsverwüstung blüht – morgen Gipfel der Verwirrung!“

    1. Oktober 1870 Salzdahlumer Weg 3 (heute Böcklerstraße 8) im Krähenfeld* für 12 Jahre.

    1882 Wolfenbütteler Straße 9 im Krähenfeld* für 4 Jahre.

    1886 Leisewitzstraße 7 im Krähenfeld* für 10 Jahre.

    1. April 1896 Am Windmühlenberg 3 für 5 Jahre. **

    1. April 1901 Leonhardstraße 29a (8 Zimmer, 1. Stock, Beletage) für 9 Jahre. Die Familie blieb dort nach Wilhelms Tod wohnen. Das Gebäude wurde am 22./23. April 1944 durch eine Luftmine getroffen. Nur das Arbeitszimmer blieb weitgehend erhalten.***

    Am 14./15. Oktober 1944 verbrannte 80 % des historischen Braunschweigs.

* Zwischen 1873 und 1875 entstanden die „Krähenfelder Geschichten“. ** Beschreibung der Wohnung siehe „Mitteilungen“ 1983/1, Seiten 19–20. *** Siehe „Mitteilungen“ 1944, Seiten 43–45.

Vereine, Stammlokale

Vereine usw.

Kaffee – 5er Klub
in Wolfenbüttel, 1856–1862
  • Wilhelm Spieß, Jurist.
  • Gustav Spieß, Jurist.
  • Karl von Schmidt-Phiseldeck, Jurist.
  • Alle drei später höchste Wolfenbütteler Verwaltungsbeamte.

  • Karl Schrader, Jurist, Eisenbahndirektor, Politiker, Parteiführer. Verein Anhalter Eisenbahn.
  • Wilhelm Raabe, freier Schriftsteller.

Treffpunkt abwechselnd in ihren Wohnungen. Diskussionen über alle ernsthaften Fragen des Lebens. Foto in „Mitteilungen“ 1931/3-4, Seite 119.

Der „Namenlose Club“
– Wolfenbüttel

Raabes zweiter Verein. Treff der Wolfenbütteler Honoratioren.

Sonntags im vornehmsten Hotel der Stadt „Goldener Löwe“. Unterhaltung – Tanz – Festbälle. Raabe lernt dort seine Frau Bertha Leiste kennen.

Deutscher Nationalverein von 1859
Gegründet in Frankfurt nach dem Österreich-Italien Krieg. Zielsetzung: gegen die Grenzen in Deutschland und ein einiges Deutschland unter Preußens Führung. Auflösung am 11. November 1867 in Kassel in der irrigen Annahme, das Hauptziel sei erreicht. Beitritt Raabes am 26. Mai 1860.
Stuttgarter Museumsgesellschaft
Beitritt zum „Museum“ am 22. Oktober 1862. Nur Männer waren zugelassen. Fast jeder, der in Stuttgart Rang und Namen hatte, war Mitglied. Bälle, Konzerte, Sommerwirtschaft „Silberburg“. Ab 7. November tägliches Zeitungs- und Zeitschriftenstudium. An Bällen und Konzerten nahm Raabe weniger teil. Quelle: Hoffmeister „Wilhelm Raabe unter Reben“. Braunschweig 2005.
Stammtisch im Café Reinsburg
Ab 1. August 1863. Dann fast regelmäßiger abendlicher Besuch. Zwangloser Treff aller, die zum Schrifttum eine Beziehung hatten. Quelle: Hoffmeister „Wilhelm Raabe unter Reben“. Braunschweig 2005.
Das Bergwerk
– Stuttgarter Künstlergesellschaft Aufgenommen am 6. Oktober 1863 als „Tagewerksjunge“, dann Vortrag „Probegedinge“. Beförderung zum „Knappschaftsjungen“, dann Krähe. Der Vorsitzende hieß „Bergmeister“. Austritt am 23. Oktober 1865 aufgrund zu vieler Verpflichtungen. Bleibt aber freundschaftlich verbunden. Quelle: Hoffmeister „Wilhelm Raabe unter Reben“. Braunschweig 2005. Seiten 25, 26.
Sonntagskränzchen
– auch „Seifenkranz“. Bestand in Stuttgart bis nach 1890. Eintritt 10. Januar 1864. Alle zwei Wochen bei einem Mitglied. Kaffee, Bier, Tabak. Professor Ferdinand Scholl Professor Johann Georg Fischer Dr. Georg Scherer Feodor Löwe Hofrat Theodor Kerner Amtsrichter a. D. Ludwig Dill Ferner: Ferdinand Freiligrath, Edmund Hoefer, Wilhelm Jensen, Friedrich Notter u. a.
Deutsche Partei
27. August 1866 in Stuttgart. Wilhelm Raabe: „Wir haben jetzt hier eine ‚Deutsche Partei‘ gegründet.“
Buernschaft vom Kreyenfelde
– gegründet 1867 in Braunschweig. Nachbarschaftsverein im Krähenfeld. Gegründet auf das Prinzip der größtmöglichen Grobheiten und der saftigsten Geschichten. Jeden zweiten Freitag im Monat in Merkels Garten, Wolfenbütteler Straße, auch auf Holsts Garten. Ein „trinkfröhlicher“ Männerbund. Ab 16. Dezember 1870 Mitglied. Anführer war Carl Schultes. Mitglieder: Carl Schultes (bayr. Heyselbuer) Ludwig Hänselmann (Bänkerbuer) Wilhelm Raabe (Sparlingsbuer) Oskar Fischer (Heilebartbuer) Theodor Wolters (Oberbuer, Kanone) August Hermann (Käpelbuer) Heinrich Zschoske (Windbuer) Heinrich Büssing Emil Munte Hofzimmermeister Emil Bunte Gärtnermeister Grabbe (Veilchenbuer) Chemieprof. Dr. Otte (Schwefelbuer) Kammersekretär Fehn Eisenbahnbau Schulze (Stebbelbuer) Alle: Männerbuer
Quelle: Hoffmeister „Wilhelm Raabe und seine Braunschweiger Freunde.“
Der Große Klub
Raabes Verein für die tägliche Zeitungs- und Zeitschriftenlektüre in Braunschweig. Vereinslokal in der Breiten Straße. Gegründet bereits 1780 unter anderem von Lessing und Leisewitz. Erster Besuch Raabes am 25. Juli 1870. Im selben Jahr trifft Raabe dort Friedrich Gerstäcker.
Der Eisbahnverein
Braunschweig, gegründet von Turninspektor August Hermann *1835 †1906. Zum sicheren Schlittschuhlaufen auf den Okerwiesen. A. Hermann ließ den ersten Fußball von England nach Deutschland (Braunschweig) kommen. Die ersten Mitgliedskarten des Vereins zeichnete Margarethe Raabe. Alle 4 Töchter liefen Schlittschuh. Quelle: Hoffmeister, Mit Dinte, Feder u. Papier. S.87.
Der Dreierclub – 3R-Club
Familientanzklub in Braunschweig. Gegründet am 11. Februar 1882 von Meyer – Heyermann – Raabe. Drei Namen mit „R“. Turninspektor Hermann kam dazu. Im Winter auch Theateraufführungen aus Hermanns Feder. Raabes und Hermanns Töchter spielten immer auf der Bühne begeistert mit. Im Sommer Tanz im Stadtpark, wo Hermann am Klavier aufspielte, oft auch eigene Kompositionen. Raabe: „Habe vorgestern Nacht, morgens 2 Uhr, zum erstenmal seit einigen und zwanzig Jahren wieder die ‚Francaise‘ in einem Ballsaal verübt und zwar diesesmal mit ältestem Fräulein Tochter und nicht ohne Vergnügen.“ Quelle: Brief an Jensen 13. Februar 1882
Der Feuchte Pinsel (F. P.)
Am 21. September 1881 von Johannes Leitzen und Constantin Uhde gegründet als „Aquarellisten-Club“. Gründung nach H. M. Schulz in Schraders Hotel in der Gördelingerstraße. Andere Quelle: in „Sievers Weinstuben“.
Treffen alle 14 Tage. Dann wurden auch Kunsthistoriker, Bildhauer, Schriftsteller und andere Mitglieder. Auch Wilhelm Brandes und August Hermann stießen dazu. Leitzen führte 1883 Wilhelm Raabe ein. 1884 Beitritt von Gustav Bohnsack, der bald ständiger Banknachbar wurde und einer der besten Freunde Raabes. Raabe wurde ständiger Gast und unentbehrlicher Mittelpunkt. 8. September 1891 kamen die Mitglieder zum 60. Geburtstag als Raabe-Figuren verkleidet.
F.P. Vereinsleiter nach Leitzen: Prof. Wilhelm Bock, Prof. Franz Fühse.

Mitglieder

  • Johannes Leitzen, Prof., Direktor Kunstgewerbeschule. Gründer.
  • Constantin Uhde, Prof. Dr. Baumeister. Gründer des F. P.
  • W. Raabe, Schriftsteller, Beitritt 1883.
  • Gustav Bohnsack, Architekt, Professor, Beitritt 1884.
  • Wilhelm Brandes, Prof. Dr. Oberschulrat.
  • August Hermann, Turninspektor.
  • Karl Warnecke, Prof. Schwiegersohn Hermanns, gefallen 13. August 1915 Russland.
  • Richard Krüger, Studienrat, Ehemann von Hermanns Enkelin.
  • Götting, Bildhauer, viele Kunstreisen, fließend Italienisch. Beitritt 1887.
  • Apotheker Dr. Schiller, Beitritt 1889, Maler August Peters.
  • Baurat Breust.
  • Prof. Max Möller.
  • Prof. Höfer.
  • Dr. Willgerodt.
  • Hermann Viedt.
  • Ludwig Hänselmann (Kleiderseller).
  • Onkel Fehn.
  • Ingenieur Sech.
  • Direktor Heinrich Stegmann.

Quelle: „Mitteilungen“ 1927, Heft 4, ab Seite 178; zwei Gruppenfotos des „Feuchten Pinsels“.

Kleiderseller
Genauer: „Die ehrlichen Kleiderseller von Braunschweig.“ Nicht zu verwechseln mit Trödlern und Altwarenhändlern. Gegründet 1859 von Dr. Karl Schiller zur Beschaffung von Kulturgegenständen für ein zu gründendes städtisches Museum – im Anschluss an die 100-Jahrfeier der Stadt Braunschweig. Nach Erfüllung des Zwecks Umwandlung in einen Stammtisch historisch Interessierter. Raabes Beitritt am 29. August 1870, erste Teilnahme 15. Dezember 1870. Klublokal: Gastwirtschaft „Zum Gieseler“ in der Nähe zum Hauptbahnhof.
Ab 1875 im Lokal „Ulrici“ an der Straße „auf dem Sack“.
Ab 1882 März „Grüner Jäger“ in Riddagshausen.
Ab 1892 im „Großen Weghaus“ in Klein-Stöckheim.
Der Verein hatte keine Statuten, es gab keine Aufzeichnungen. Verlangt wurde: Geist und Redlichkeit. Verpönt: Plattheiten und Klatsch. 1881 redet Raabe anlässlich seines fünfzigsten Geburtstages: „Was gehen uns Amt und Würden an? Wir sind alle des nämlichen Ranges und wissen uns alle mit demselben buntscheckigen Fell überzogen! Geld tut es gar nicht unter uns! – Wir sind die Leute, die frei durchgehen durch die Philisterwelt.“

Quelle: Hoffmeister, Kleidersellerbriefe.

Mitglieder der Kleiderseller, unter anderen:

  • Dr. Karl Schiller, Privatgelehrter, Gründer.
  • Dr. Ludwig Hänselmann, Stadtarchivar.
  • Wilhelm Raabe, Schriftsteller.
  • Dr. Wilhelm Brandes, Gymnasialprofessor.
  • Heinrich Büssing, Industrieller.
  • Konrad Koch, Dr. Gymnasialprofessor.
  • Theodor Steinweg, Pianofabrikant.
  • Louis Engelbrecht, Jurist, Justizrat, Dramendichter.
  • Bernhard Abeken, Jurist, Landtags- u. Reichstagsabgeordneter.
  • Heinrich Stegmann, Prokurist der Eisenbahn-Signal-Bauanstalt.
  • Johannes Fehn, Kammersekretär. Otto Haeusler. Friedrich Brauns.
  • August Rinklage, Dr. Architektur, Prof. Technische Hochschule.
  • Ulrich Kirchenpauer, Leutnant, genialer Stegreifredner, Sänger.
  • Adolf Bäbenroth, Förster in Riddagshausen.
  • Ludwig Winter, Stadtbaurat. Von der Osten. Seeck. Bodenstein.
  • Heinrich Beckurts, Lebensmittelchemiker, Vater der Pharmazie.
  • Robert Jordan, nach 1945 Mittelpunkt der Kleiderseller.

1959 zum 100-jährigen zwanzig Teilnehmer. Noch 2006 regelmäßige Treffen.

Stammlokale Raabes in Braunschweig

„Ulrici“
in der Straße Sack.
Stammlokal der Kleiderseller 1875 bis 1882.
„Grüner Jäger“
in Riddagshausen.
Gastwirt August Frick hatte die verwahrloste Waldwirtschaft 1881 übernommen. Ab März 1882 Vereinslokal der Kleiderseller. Die Grabstätte von Raabes Tochter Gertrud († 24. Juni 1892) lag auf Raabes Weg, daher ab 1893 Umzug ins „Große Weghaus“.
„Großes Weghaus“
in Klein-Stöckheim zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel.
„Herbsts Weinstuben“
Braunschweig, Friedrich-Wilhelm-Straße.
Stammtisch von 1898 an fast täglich nach dem Besuch vom „Großen Club“.
„Großer Club“
in welchem Raabe die Zeitungen studierte.

Reisen

  1. 12. Juli Brocken. Mit acht Jahren. Besteigung mit Vater und Mutter. Handschriftlicher Eintrag im Gästebuch: „Raabe, Kreisgerichtsassessor aus Holzminden, Auguste Raabe, Wilhelm Raabe.“
    Quelle: Zeitschrift „Unser Harz“, September 1958, Prof. Dr. Karl Hoppe, Braunschweig.
  2. 5. April–18. Juli Wolfenbüttel–Leipzig–Dresden–Prag–Wien–Linz–Salzburg–München–Stuttgart–Heidelberg–Frankfurt– Mainz–Koblenz–Bonn–Köln–Wolfenbüttel. Reisedauer 3½ Monate, genannt „Die große Bildungsreise“. In Leipzig besucht er: Gustav Freytag, Friedrich Gerstäcker, „Gartenlaube“-Verleger Ernst Keil. In Stuttgart Hoefer und Hackländer.
  3. 13. Juli Wanderung von Harzburg über Ilsenburg nach Wernigerode. Am nächsten Tag über den Büchenberg und über Rübeland (Besuch der Baumannshöhle) nach Hüttenrode zum Pfarrhaus zur Familie Tappe. Am 15. Juli über Treseburg zur Roßtrappe und zum Hexentanzplatz (Bodetal). Am 16. Juli von Thale über Blankenburg und Halberstadt zurück nach Wolfenbüttel.
    September Reise zur ersten Generalversammlung des „deutschen Nationalvereins“ nach Coburg. Idee zu „Gutmanns Reisen“.
  4. 23.–24. August erneut zur Vereinsversammlung, diesmal in Heidelberg. 25. bis 27. August Aufenthalt in Stuttgart.
  5. 9. bis 13. März Reise mit Braut Bertha von Wolfenbüttel nach Stuttgart. Raabes dritte Fahrt nach Stuttgart. Wohnung gesucht. Zusammen mit Berthas Mutter die Wohnung Gymnasiumstraße 13 gemietet. Möbel bestellt.
    24. Juli. Hochzeitstag. Fahrt mit der Bahn ab Mittag. Übersiedlung nach Stuttgart. „Wir haben unsere Reise ziemlich gut überstanden; obgleich uns die Königin von Preußen, die sich auf demselben Zug befand, mehr als billig geelendet hat. Auf jeder Station musste sich für sie der Zug verspäten, und wir kamen der Person wegen erst sehr spät am folgenden Abend in Stuttgart an.“
    25. Juli: Unterkunft im „König von Württemberg“ bis 2. August, da die Möbel noch nicht fertig waren.
  6. 10. Juni bis 2. September. Große Sommerreise nach Norddeutschland mit Bertha, Gretchen (Margarethe) und einem Kindermädchen. Über Frankfurt nach Wolfenbüttel bei Mutter und Schwester. 26. Juni bis 4. August: Fahrt an die Nord- und Ostsee: Lübeck, Travemünde, Hamburg, Cuxhaven, Kiel, Laboe. Dampferfahrt Hamburg–Cuxhaven. Stoff für „Drei Federn“. 4. August: zurück nach Braunschweig. 20. August: Besuch bei Schwager Louis Tappe und Mathilde (geb. Leiste) in Hüttenrode im Harz.
  7. 4. Juni bis 9. September: Große Sommerreise nach Norddeutschland mit Bertha, Gretchen (Margarethe). 4.–6. Juni: über Kassel und Karlshafen nach Holzminden. Dort 14 Tage Aufenthalt! 20. Juni: nach Wolfenbüttel zu Mutter und Bruder Heinrich. 5.–19. Juli: Bei Schwager Louis Tappe in Hüttenrode. Harzausflüge. Ab 19. Juli: Bei Schwager Karl Leiste (Advokat) in Braunschweig. 6. August in Wolfenbüttel. Hochzeit von Bruder Heinrich. 8.–12. August: über Altona, Husum, Wyk und Föhr nach Tinnum auf Sylt. Idee zu „Deutscher Mondschein“. Sylt Aufenthalt bis 27. August. (Quelle: Hoffmeister, „Begegnungen“, Seiten 34–41.) Husum: „Visitenkarte beim Landvogt Storm abgegeben.“ 28. August: Rückfahrt nach Braunschweig. 3. September: nach Holzminden. 6.–9. September: über Düsseldorf, Köln, Bonn, Koblenz, Mainz (Dampferfahrten) nach Stuttgart.
  8. 16. Juli bis 27. August: Sommerferien in Bregenz. 14/15. Juli: Jensens zu Besuch. 18./19. Juli: Mit Jensens Ausflug in die Schweiz. In Lindau schwedische Kanonenkugel (Bild von Wrangel). 22. August: Beginn von „Der Marsch nach Hause.“ 25./27. August: Über Lindau, Konstanz, Schaffhausen, Singen (Hohentwiel), Rottweil, Tübingen nach Stuttgart.
  9. 17. Juli, Sonntag: Umzug nach Braunschweig bis 21. Juli unterwegs mit Frau und zwei Kindern. Alle Züge verspätet, Bahnhöfe verstopft, viel Militär. Ankunft in Nürnberg 3 Uhr nachts, in Eisenach um Mitternacht.
    9. September: Reise nach Flensburg zu Jensens. Bis Ende September Asthmaanfälle, jedoch Ausflüge nach Glücksburg, Kiel.
  10. Sommerreise nach Bad Harzburg (zum ersten Mal). Dort vom 1. Juli bis 15. August beim Forstwart Scheibel (jetzt Kurhausstraße 5). 1. August: Tageswanderung zum Brocken: 8 Uhr 45 Abmarsch, 12 Uhr 15 Brocken, 15 Uhr Abmarsch, 19 Uhr 30 Ankunft Harzburg. Mehrfach lange Wege zur Apotheke in Bündheim, da Margarethe krank. Anregung zu „Zum wilden Mann“. Das heutige Bad Harzburg hieß damals Neustadt unter der Harzburg und hatte weniger als 2 000 Einwohner.
  11. Sommerreise nach Bad Harzburg. 2. Juli bis 15. August Ferien im Haus des Köhlermeisters Fiedler, Alte Chaussee 61 (jetzt Herzog-Julius-Straße 40). Dort Entwurf zu „Frau Salome“.
  12. 31. Mai bis 8. Juni: Harzreise nach Blankenburg bei seinem Bruder Heinrich.
  13. 27. Mai bis 6. Juni: erneut zu Bruder Heinrich (seit 1876 Amtsrichter in Walkenried). Raabe begleitete Heinrich auf Dienstfahrten nach Hohegeiß, Zorge, bestieg den Ravensberg bei Bad Sachsa. Bleicherode an der Wipper.
    Juli: Sommerreise nach Altenau/Harz. Von Walkenried Durchwanderung der südlichen Harzberge. „Es regnete wieder einmal ganze vier Wochen fast ohne Unterlass.“ Anstoß zu „Das Horn von Wanza“. Siehe auch: Fluchtweg der „Wackerhahnschen“ in „Hastenbeck“: Osterode–Scharzfeld–Sachsa–Walkenried–Ellrich–Stolberg–Blankenburg. Ist von Raabe also selbst zu Fuß erwandert worden.
  14. 2.–21. Juli: Sommerreise nach Altenau im Harz. Erneute Brockenwanderung.
  15. Bad Harzburg.
  16. 18. Juli: Wanderung von Harzburg über Ilsenburg nach Hasserode. 19./20. Juli in Wernigerode. 21. Juli über Kloster Drübeck wieder nach Harzburg. Anregung zu „Kloster Lugau“.
  17. 21. September: Im Alter von 59 Jahren Tagesreise zu den Schauplätzen des „Odfelds“. 5 Uhr früh mit der Bahn nach Stadtoldendorf mit den Kleidersellern Brandes, Fehn, Brauns, Häußler, Seck, Stegmann, Büssing. In Stadtoldendorf noch Förster Bebenroth, Leutnant Kirchenpauer, Assessoren von der Osten und Bodenstein. Frühstück im Bahnhofshotel und Stadtbesichtigung. Besuch der Homburg-Ruine (Foto vorhanden). Abstieg nach Wickensen, am Waldrand nach Eschershausen. Mittagspause bei Kleinhans in der Gartenlaube. Am Raabehaus vorbei zur Rothen-Steinhöhle im Ith, dann über Scharfoldendorf, Holenberg und das Odfeld zum Kloster Amelungsborn. Kirchbesichtigung. Abstieg über die Gartenleiter an der Mauer ins Hooptal. Im Dunkeln zum Bahnhof Stadtoldendorf. Kurz vor Mitternacht zurück in Braunschweig. Angeblich letzte Reise in die Heimat. Anregung zu „Altershausen“.
    Quelle: Fehse, Seiten 547/548.
  18. Juli: Fahrt nach Wernigerode zur Hochzeit einer Nichte.
  19. 29. August bis 12. September: Ferienreise nach Borkum mit Bertha, Margarethe (39), Dr. Wilhelm (71). Foto: Eintragung ins Fremdenbuch des Nordseehotels. Gemischtes Wetter, des Öfteren Asthma-Anfälle. Treffen mit Hofbuchhändler Schwartz aus Oldenburg; Prof. Dr. Berthold Litzmann, Privatdozent und Literaturprofessor, Universität Bonn; Prof. Bekurts von der Technischen Universität Braunschweig.
    Am 8. September 64 Geburtstagsbriefe. Vom Verleger Otto Jahnke 1 200 Taler für die 16. (!) Auflage des „Hungerpastors“. 12. September: Abfahrt nach Minden, dort bis 22. bei Wasserfalls.
    Quelle: „Mitteilungen“ 1995/2 Seiten 11 bis 17.
  20. Sommerfrische in Borkum mit Bertha und Margarethe.
  21. 10. Mai: Fahrt nach Bad Harzburg zum Besuch der Großherzogin von Oldenburg auf deren Einladung.
  22. Ferienreise nach Niendorf (Ostsee) mit Bertha, Margarethe, Familien Wasserfall und Behrens.
  23. Reise zu Wasserfalls (Elisabeth) nach Rendsburg.

Ehrungen

Übersicht

Ehrentitel

  1. Auf Betreiben von Paul von Heyse (* 1830 † 1914, 1910 Nobelpreis) erhält Raabe von der Schillerstiftung einen jährlichen Ehrensold von 1 000 Mark für zunächst drei Jahre, die dann jährlich verlängert wird.
  2. 10. November: Umgewandelt in eine lebenslange Pension.
  3. 8. September: Zum 70. Geburtstag Promotion zum Ehrendoktor der Philosophie der Universität Göttingen. Doktor-Diplom der philosophischen Fakultät der Universität Tübingen. Ehrenbürgerschaft der Stadt Braunschweig und Ehrenbürgerbrief der Stadt Eschershausen.
  4. 8. September: Zum 75. Geburtstag Ehrenmitglied der Hamburger Kunstgesellschaft.
  5. 8. Dezember: Ehrenbruder der „Brüder vom großen Sohl“ durch eine Abordnung. Verkündung von Dr. Freytag anlässlich der sechsten Sohlfahrt am 19. Dezember.

    Ehrenmitglied der Schillerstiftung.

  6. 12. Oktober: Anlässlich des einhundertjährigen Bestehens der Universität Berlin Ernennung zum Ehrendoktor der Medizin.

    15. November: Ehrengrab der Stadt Braunschweig, Hauptfriedhof (Abteilung 23) Helmstedter Straße.

Denkmäler

Dolomitblock mit Bronzerelief
im Hils auf dem „Großen Sohl“ (circa acht Tonnen Gewicht). Initiiert von den „Brüdern vom großen Sohl“, errichtet am 23. Juni 1910. Bildhauer Ernst Müller. Eingeweiht 7./8. August 1910 mit Weiherede von Dr. Hans Freytag. Am 5. August lädt Freytag Raabe schriftlich zur Einweihung ein, der jedoch wegen seiner „79-jährigen Knochen“ mit einem umfangreichen Dankesbrief absagt.
Quelle: „Mitteilungen“ 1959 2/3, Seiten 42–49 mit Foto von Elisabeth Freytag.

Zum 70. Jubiläum der Einweihung Kranzniederlegung und Gedenkrede durch Maria Böttcher, Erste Vorsitzende Raabe-Gesellschaft Eschershausen.
Quelle: „Mitteilungen“ 1981 Heft 1, Seiten 17/18.

Klaus Eckenbrecher-Denkmal mit Brunnen
in Holzminden von Ludwig Isenbeck, Berlin. Der fiktive Eckenbrecher ist die Hauptfigur in „Der Heilige Born“. Einweihung am 2. Oktober 1927 vor der Gaststätte „Raabe-Eck“. Steleninschrift aus „Altershausen“: „Bleib in den Stiefeln, Mensch! Solange als möglich.“

Herbst 2014 bis April 2015 Renovierung durch Lions-Club Holzminden (10 000 €).

Wilhelm-Raabe-Gedenkstein
im Kurpark Seesen. Ein zwei Meter hoher Granitblock auf Zementsockel/Bruchsteinen. Einweihung am 8. September 1931 unter anderen mit Margarethe und Clara Behrens-Raabe.
Anneke Mey-Denkmal
Figur aus „Junker von Denow“. Eingeweiht am 5. Juni 1955 am Bahnhofsberg in Stadtoldendorf mit über 400 Teilnehmern. Bildhauer: Walter Lüchow. Initiator war Rektor Wilhelm Kuhlmann, Vorsitzender der Raabe Ortsgruppe Stadtoldendorf. Festrede von Dr. Curd Semmler, Braunschweig, Präsident Raabe-Gesellschaft. Enkelin Annemargret Ehninger-Raabe legte einen Blumenstrauß nieder.
Raabe-Brunnen
in Eschershausen. Eingeweiht am 8. September 1996 zu Raabes 165. Geburtstag durch Dr. Sporn vor mehreren hundert Gästen mit Empfang in der Norddeutschen Landesbank. Hauptredner Herr M. A. Gerd Biegel.
Quelle: TAH 10./11. September 1996; „Mitteilungen“ 1997/Heft 1: Artikel von Reinhard Krebs.
Gänsebrunnen
von Bützow. Die „Volksstimme“ vom 12. November 1985: „Bützow: Ein neues Wahrzeichen der Kreisstadt an der Warnow mit ihren rund 11 000 Einwohnern ist der Gänsebrunnen auf dem Markt. Die Idee für den Brunnen geht auf Wilhelm Raabes Novelle ‚Die Gänse von Bützow‘ zurück.“
Raabe-Denkmal mit Brunnen
auf dem Magnikirchplatz in Braunschweig, eingeweiht 8. September 1931 durch Rechtsanwalt Dr. Abitz-Schulze, München, Vors. des Denkmalausschusses. Bildhauer Professor Fritz Behn, München. Bronzegruppe aus Ritter mit Schwert, zu Füßen ein Einhorn, auf hohem Sockel in Brunnenschale. Die Planungen begannen 1925.
Der Denkmalausschuss umfasste rund 300 Personen, unter anderen von Hindenburg, Konrad Adenauer, Gerhard Hauptmann, Thomas Mann, Ricarda Huch. Nach nur zehn Jahren folgte die Zerstörung im Herbst 1944 zusammen mit dem historischen Braunschweig.
Quellen: „Mitteilungen“ 1926/3, Seiten 131–133; 1932/1; Hoffmeister: „Leben und Schaffen“ Seite 17.
Raabe-Denkmal
vor der Magnikirche in Braunschweig, enthüllt am 10. Oktober 1975. 2½ Tonnen schwerer Kalksteinblock aus dem Elm. 2,20 m hoch mit Bronze-Raabe-Relief vom Bildhauer Ernst Müller. Errichtet durch Privatinitiative von sechs Raabefreunden unter anderen Dr. med. Paul Dannenbaum. Inschrift: „Hütet Euch fernerhin, Eure Hand zu bieten, noch mehr Ruinen zu machen.“ aus „Höxter und Corvey“ von 1874.
Quellen: „Mitteilungen“ 1975/2 Seiten 32–34. Hoffmeister: „Leben und Schaffen“ Seite 18.
Raabe-Brunnen mit Denkmal
im Entwurfsstadium, Hildesheim. Nach Entwurf von Prof. Ernst Müller und auf Initiative Prof. Dr. Heinrich Goebel wurde ein beträchtlicher Spendenfonds gesammelt. Die Schaffung und Aufstellung verhinderte der Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914. Abbildung im Raabe-Kalender 1914, Seite 51.
Gedenkstein
in Bad Harzburg. Enthüllung im September 1983, Kurhausstraße.
Wilhelm-Raabe-Denkmal
vor der Schule in Eschershausen. Bronzestandbild in Über-Lebensgröße von 2,30 m vom Braunschweiger Bildhauer Karl Sagebiel. Einweihung 9. September 1931 zum 100. Geburtstag. Festansprache Dr. Constantin Bauer, Wolfenbüttel. Bürgermeister August Elsner übernahm das Denkmal. Gäste unter anderen Raabes Töchter und einige Enkel. Der Entwurf entstand nach einem Preiswettbewerb der Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes.

Zur Familie des Künstlers Karl Sagebiel * 1891 † 1943:
Vater war Hofbildhauermeister Wilhelm Sagebiel *1855 †1940, später wohnhaft in Bodenwerder. Ab 1883 in Braunschweig tätig, schuf bedeutende Werke.
Bruder Ernst * 1892 † 1970 war Architekt, schuf mit anderen in Berlin: das Reichsluftfahrtministerium, den Flughafen Tempelhof.

Juhle-Johler-Brunnen
vor dem Ratskeller in Stadtoldendorf. Vom Bildhauer Walter Lüchow. Eingeweiht am 29. September 1957 durch Rektor Wilhelm Kuhlmann, Vorsitzender des Ortsvereins Stadtoldendorf. Die wirkliche Person Juhle Johler ist Vorbild für Raabes Minchen Ahrens in „Altershausen“.

Gedenktafeln

Tafel
am „Großen Weghaus“ in Klein-Stöckheim, angebracht am 22. Mai 1929 anlässlich der Jahreshauptversammlung eine Tafel angebracht worden. Einweihungsrede Prof. Dr. Karl Hoppe. „Hier weilten gern im Kreise ihrer Freunde G. E. Lessing 1770–1781 und Wilhelm Raabe 1893–1910.“
Quelle: „Mitteilungen“ 1929/3, Seiten 77–85.
Dolomitstein-Tafel
an Raabes Geburtshaus in Eschershausen. Eingeweiht zum 90. Geburtstag am 11. September 1921, als Ersatz für die erste kupferne Tafel von 1911 des Verkehrsvereins, die im ersten Weltkrieg als Metallspende abgeliefert werden musste.
Eiserne Gedenktafel
am Haus Hermannstraße 11, Stuttgart, worin Familie Raabe für sechs Jahre wohnte (1864 bis 1870). Angebracht am 6. September 1931 zu Raabes einhundertsten Geburtstag. Das Haus wurde 1862 vom Schokoladenfabrikanten Waldbaur erbaut.
Quelle: „Mitteilungen“ 1938, Heft 3 und 4, Seiten 126–127, Seite 94.
Gedenktafel mit Raaberelief
am Haus Gymnasiumstraße 13, Stuttgart. Angebracht zum 17. Juli 1938, am Vorabend von Margarethe Raabes 75. Geburtstages. Geburtshaus Margarethes. Raabes Wohnhaus 1862 bis 1864. Hier entstanden der „Hungerpastor“ und „Die Leute aus dem Walde“.
Quelle: „Mitteilungen“ 1938, Heft 3 und 4, Seite 94.
Eiserne Gedenktafel
am heutigen Herborthschen Eckhaus in Wolfenbüttel in der Okerstraße 16, angebracht am 15. November 1911. „Hier lebte und dichtete Wilhelm Raabe von 1856 bis 1862.“
Gedenktafel
am Haus Kurhausstraße 5 (früher Forstwart Scheibel) in Bad Harzburg. Enthüllt anlässlich der JHV in Bad Harzburg am 10. September 1983 durch Bürgermeister Dorka und Prof. Daum, Präsident Raabe-Gesellschaft. Text: „Hier schrieb Wilhelm Raabe im Sommer 1873 seine Erzählung ‚Zum wilden Mann‘“.
Gedenktafel
am Haus des Schlossermeisters Fiedler, Herzog-Julius-Straße 40 (früher Alte Chaussee 61). Raabe war dort vom 2. Juli bis 15. August 1874 als Sommergast und schrieb an der Novelle „Frau Salome“.
Quelle: „Mitteilungen“ 1958/3, Seite 92.
Gedenktafel
am Haus Nr. 8 im Goldener Winkel in Holzminden. „Hier wohnte Wilhelm Raabe 1831–1842.“
Gedenktafel
am Ratskeller in Stadtoldendorf. „Wilhelm Raabe – Altershausen – 1901“.
Gedenktafel
am Haus Leonhardstraße 29 in Braunschweig. Anbringung zum 90. Geburtstag am 8. September 1921. Ansprache Dr. Heinrich Spiero. „Hier starb Wilhelm Raabe am 15. November 1910“.
Gedenktafel
am Wohnhaus Sperlingsgasse (früher Spreestraße 11) in Berlin.
Gedenktafel
am Hause der „Creutzschen Buchhandlung“ in Magdeburg, dem fiktiven „Goldenen Weinfass“ im Roman „Unseres Herrgotts Kanzlei“. Angeregt vom „Verein der Presse“ in Magdeburg. Anbringung am 8. September 1921 zum 90. Geburtstag. „Hier lebte Wilhelm Raabe in den Jahren 1849 bis 1853“.
Quelle: wissenschaftliche Beiträge der Braunschweiger Landeszeitung vom 11. September 1921.

Büsten

Raabe-Büsten wurden von folgenden Künstlern geschaffen:

  • Hermann Siedentop, Bildhauer, Braunschweig
    (er erschuf auch drei von Adolf Hitler; † 1943 in Braunschweig).
  • Prof. Ernst Müller, Bildhauer, Braunschweig/Berlin.
  • Hans Bethmann.
  • Geheimrat Prof. Dr. Karl Seffner. Marmor 1916.

Portraitbüste Gips, Hermann Siedentop, 1892
Siedentop schuf diese Büste im Arbeitszimmer Wilhelm Raabes, der ihm im November 1891 vier Wochen lang etwa zwölfmal Modell saß oder stand.
Quelle: „Wie meine Raabebüste entstand“ von Hermann Siedentop im Raabe-Kalender 1913, Seiten 157–160 mit Abbildungen.

Die Büste befand sich lange Jahrzehnte im Sitzungszimmer des Rathauses Eschershausen. Seit 2015 im Museum Raabe-Haus gleich gegenüber.

Bronze-Büste
im Rathaussaal zu Holzminden. Sockelaufschrift: Wilhelm Raabe 1831–1910.
Raabe-Büste
von Ernst Müller in der Braunschweiger Hütte im Pitztal in 2 600 m Höhe. Geschenkt 1912 von der Sektion Braunschweig des Deutschen Alpenvereins.
Raabe-Büste
im Kaiser-Friedrich-Museum zu Magdeburg von Ernst Müller. Aufgestellt zum 100. Geburtstag am 8. September 1931.
Raabe-Büste
von Ernst Müller im städtischen Museum Braunschweig.
Büste aus Elm-Sandstein
von Karl Seffner. Erschaffen 1926 für den begeisterten Raabe-Freund, den rheinischen Pfarrer Falkenberg. Die überlebensgroße Büste schaut, auf eine Stele gesetzt, über den Pfarrgarten hin in das Rheintal gegen das Siebengebirge.
Marmor-Büste.
Letzte Raabe Büste von Karl Seffner 1930. Kam 1948 in die Eingangshalle des städtischen Museums Braunschweig. Annemargret Ehninger-Raabe: „Diese monumentale Marmorbüste ist das Schönste, was wir an Raabe-Darstellungen besitzen. Unter Fortlassung allen Beiwerks zeigt sie mir den überlebensgroßen Kopf, das Antlitz ernst, tief, weise, gütig und von unendlichem Gehalt.“
Raabe-Büste
von Karl Seffner 1916. Überlebensgroß im Deutschen Buch- und Schriftmuseum Leipzig/Nationalbibliothek zu Leipzig. Zeigt Raabe als etwa Fünfzigjährigen. Interessanterweise hat Geheimrat Prof. Dr. Seffner Wilhelm Raabe nie gesehen.
Quelle: Raabe-Gedenkbuch zum 90. Geburtstag, Verlag Klemm, Berlin, 1921.
Raabe-Büste.
Am 4. Januar 1904 wurde Raabe von Herzog Johann Albrecht ins herzogliche Museum gebeten. Herzog Johann Albrecht hatte vom Bildhauer Ernst Müller eine Raabe-Büste gekauft und gegenüber der Goethe-Büste aufstellen lassen. Raabe zeigte sich sehr überrascht und erfreut (obwohl er es heimlich schon erfahren hatte).

Reliefs usw.

Ernst Müller
schuf als Grundlage des Raabe-Reliefs eine Profilzeichnung. Eine erste Zeichnung wurde von Raabe signiert mit Datum 20. Oktober 1909 und wurde – auch als Postkarte – sehr bekannt. Daraus entstanden diese Reliefs:
  • Alabaster Braunschweig, Leonhardstraße; 35 cm × 45 cm.
  • Bronze Braunschweig, Martinikirche.
  • Bronze Hils, auf dem Großen Sohl. Eingelassen in Dolomitgestein.
  • Kalkstein Klostermauer Riddagshausen am Kleidersellerweg. Hing im Landhaus Kaufmanns von Heimburg in Bad Harzburg. Nach dem Kriege im Besitz der Raabe-Gesellschaft. Standort auf Vorschlag Prof. Albert Trapp.
Raabe-Relief aus Sandstein
Geschaffen von Walter Lüchow, Stadtoldendorf. Einweihung Sonntag, 29. April 1956 über dem Eingang der Jugendherberge Eschershausen, zugleich Umbenennung in Wilhelm-Raabe-Jugendherberge. Ehrengast: Frau Ehninger. Männerchor, Singkreis Alfeld. Rede: Stadtdirektor Friedrich Lenke.
Quelle: „Mitteilungen“ 1956/1, Seite 33; HAZ 3. Mai 1956.

Nach Umnutzung der Jugendherberge erwarb Martin Lucé (Enkel des Stifters) das Relief. Als erneute Stiftung fand es am 23. November 2017 Platz am Eingang der Wilhelm-Raabe-Realschule. Festredner: Prof. Dr. h. c. Gerd Biegel. Anwesend: Lehrer und die 10. Klasse, Vertreter der Raabe-Gesellschaft und der Stadt.

Keramik-Relief
der Künstlerin Grete Krämer-Zschäbitz (circa 1950) am Beginn des Kleidersellerweges in Riddagshausen. Wilhelm Raabe mit Hut, Schal und Stock. Ludwig Hänselmann in der Mitte, hinten Karl Fehland mit Schirm. Eisernes Porträt, vergoldet „Wilhelm Raabe“ Markt 5, Stadtoldendorf. 10. September 1931. Einweihungsrede Rektor Wilhelm Kuhlmann, Ehrengäste Margarethe Raabe, Clara Behrens-Raabe. Das Porträt ist nicht von Prof. E. Müller.

Aussichtstürme

Wilhelm-Raabe-Warte
auf dem Eichenberg, oberhalb Blankenburgs. Gebaut vom Harzklub, Zweigverein Blankenburg. Sandstein 22 m Höhe. Eingeweiht am 2. September 1896 als „Kaiserwarte“, 1950 umbenannt. Nach 1989 vom Harzklub restauriert. Am 15. September 1996 eröffnet im Gedenken an Raabe als „Harz-Dichter“.
Quelle: Vortrag Dr. Biegel 10. September 2005, Aula Eschershausen.
Raabeturm im Hils
auf dem „Großen Sohl“, 477 m über Normalnull. Baubeginn 1908, Baumeister Massing. Einweihung 4. Juli 1909, am 13. November 1909 bei Sturm umgefallen. Neu errichtet. Pfingsten 1914 Übernahme durch den Hannoveraner Touristik-Verein. Saniert 1997.

Verdienstorden

Verdienstorden für Kunst und Wissenschaft

  • 1899 Verdienstorden des Fürstenhauses von Bayern
  • 1901 Verdienstorden des Fürstenhauses von Baden
  • 1901 Verdienstorden des Fürstenhauses von Württemberg
  • 1901 Verdienstorden des Fürstenhauses von Braunschweig
  • 1901 Verdienstorden des Fürstenhauses von Sachsen-Weimar
  • 1901 Verdienstorden des Fürstenhauses von Preußen
  • 1901 Königlich Preußischer Kronenorden 3. Klasse
  • 1908 Erneut Verdienstorden des Fürstenhauses von Braunschweig

Ausgewählte Details

  • Königlich bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst
    Verliehen am 8. September 1899, überreicht am 28. November 1899 durch den Kanzleisekretär des BS Staatsministeriums. Verleihung aufgrund eines Gutachtens von Wilhelm von Hertz. Dankesbrief Raabes vom 30. November.
    Quelle: „Mitteilungen“, 1924, Heft 4 und XIV/113.
  • Verspätet nachgereicht zum 70. Geburtstag am 8. September 1901 erhielt Raabe den Königlich-Preußischen Kronenorden 3. Klasse.

    Diese Verleihung wurde allgemein als Fauxpas empfunden. Vielleicht wegen der Herabsetzung der Königin in Raabes Bericht über die Fahrt nach Stuttgart als „die Person“. Brief an Notar und Kleiderseller L. Engelbrecht vom 1. Oktober 1901:

    „Lieber Freund! Gestern Abend überbrachte ein Bote des hiesigen Ministeriums mir den Königl. Preuß. Kronenorden 3ter Klasse. Ich habe dem Boten Quittung und einen Thaler gegeben. Mehr war und ist wohl nicht nötig? In Treue. Wilhelm Raabe“.
    Quelle: „Mitteilungen“, 1979/2, Seite 33; Bibliografie Cecilia von Studnitz, Seite 329.

  • Zum 70. Geburtstag am 8. September 1901 Verleihung des Herzoglich Braunschweigischen Kommandeurskreuz des „Ordens Heinrichs des Löwen“.
  • Am 4. Dezember 1908 verlieh Herzog Johann Albrecht die neu geschaffene Braunschweigische Medaille für Kunst und Wissenschaft in Gold an Wilhelm Raabe als ersten Empfänger.

Straßenbenennungen

(unvollständig)

Nach Wilhelm Raabe

  • Raabestraße
  • Wilhelm-Raabe-Straße
  • Raabe-Weg
  • Wilhelm-Raabe-Weg

Von rund 250 Orten auszugsweise in:

Ahlen-Westfalen
Augsburg
Bad Kreuznach
Bad Salzuflen
Barsinghausen
Bayreuth
Berlin-Lichtenrade, 1902
Berlin-Prenzlau, 1902
Bielefeld
Blankenburg, 1906
Boffzen
Braunschweig
Brunkensen
Dassel
Deensen
Duingen
Düsseldorf
Eschershausen, 1906
Graz
Grünenplan
Hamburg
Hannover
Hildesheim
Holzminden
Kassel, 1906
Köln
Kreiensen
Leipzig
Lüchtringen
Magdeburg, 1901
Nürnberg
Salzhemmendorf
Sehnde (Stadt)
Stadtoldendorf
Stuttgart
Wolfenbüttel, 1901


Ausgewählte Details

Wolfenbüttel
18. September 1901: Benennung der Verbindung zwischen Friedrich-Wilhelm-Straße und Campe-Straße in Wilhelm-Raabe-Straße. Ferner: Sperlingsgasse, eine Sackgasse, von der Wilhelm-Raabe-Straße aus.
Eschershausen
8. September 1906 zu Raabes 75. Geburtstag. Von der Einmündung „Vor dem Tore“ bis zum „Brauhaus“ erfolgt die Umbenennung der „Holzmindener Straße“ in Raabestraße.

Nach Werken, Figuren oder dem Umfeld Raabes

EschershausenOdfeldstraße, Holunderblüte, Altershausener Ring.
HolzmindenSperlingsgasse, Vogelsang, Eckenbrecher Straße.
StadtoldendorfHolunderblüte.
BerlinSperlingsgasse, 8. September 1931 umbenannt von vorher Spreestraße. Berlin-Mitte, Ecke Friedrichsgracht. 1964 für einige DDR-Regierungsgebäude abgerissen.
WolfenbüttelSperlingsgasse.
BraunschweigKleidersellerweg, 1949, Riddagshausen am Flüsschen Wabe.

Quellen: Hoffmeister: Wilhelm Raabe und seine Braunschweiger Freunde. Seite 14; Raabe-Jahrbuch 2001, Seite 52; Deister- und Weserzeitung, 9. September 1931.

Schulen

Eschershausen – Wilhelm-Raabe-Schulzentrum
1927/1928 erste Überlegung zum Neubau. 17. Juli 1929 Grundstücksankauf. 12. Juni 1930 Baubeschluss. August 1930 Baubeginn. Architekt Dipl.-Ing. Joseph Kerlé, Braunschweig. Einweihung 20. September 1931 (100. Geburtstag) durch Bürgermeister Elsner und Festrede Ministerialrat Böse, Braunschweig. Feier zum 25-jährigen Bestehen 8. September 1956 durch Schulleiter Dr. Wilhelm Mohnkopf († 1966). Festredner Dr. Roeder, Hannover; Gäste: Damen Behrens-Raabe, Ehninger. 50-jähriges Bestehen 1981. 75-jähriges Bestehen (Frau Heppner) und Raabes 175. Geburtstag am 8. September 2006: Anreise von 1 100 Schülern und Schülerinnenn und 100 Lehrkräften in 24 Bussen von Braunschweig nach Eschershausen.
Quelle: TAH vom 9. September 2006.

Seit 1954 werden Schulabgänger der Schule in Eschershausen mit den besten Leistungen in Deutsch und im Aufsatz mit Büchern von Wilhelm Raabe belohnt. Die Auszeichnung (sowohl für die Hauptschule, wie auch für die Realschule) nimmt der jeweilige Vorsitzende des Raabe-Vereins Eschershausen auf Einladung der Schulleitung während der Schulentlassungsfeier vor. Seit 2017 werden auch die Besten des Vorlesewettbewerbs ausgezeichnet.

Hameln – Wilhelm-Raabe-Realschule
Innenstadt, zwischen Lohstraße und Sertürnerstraße. Die städtische Mittelschule für Knaben und Mädchen wurde anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens 1948 umbenannt. Sie erwirbt 1961 eine Raabe Marmor-Büste.
Quelle: „Mitteilungen“, 1963/1.
Braunschweig – Wilhelm-Raabe-Realschule
im Heidberg-Schulzentrum. Benannt in Raabeschule am 15. November 1926 (Taufakt). Auf Antrag des Studiendirektors Dr. Georg Daub durch Ministerialerlass. Nachmittag: Kranzniederlegung am Grabe Raabes.
Hannover – Wilhelm-Raabe-Gymnasium
Langensalzastraße neben Staatskanzlei. 1926 Leitung durch Dr. Roeder des Oberlyzeums I. Auf seine Veranlassung 1936 umbenannt. 1953 100-jähriges Bestehen der früheren „Oberschule für Mädchen“.
Bremerhaven – Wilhelm-Raabe-Schule
vorher: Geestemünder städtische Oberschule für Jungen, Realgymnasium Bremerhaven-Geestemünde.
Ilten (bei Sehnde) – Wilhelm-Raabe-Schule
Wolfenbüttel – Wilhelm-Raabe-Schule
Lüneburg – Wilhelm-Raabe-Schule (Gymnasium)

Und andere …

Museen

Raabe-Gedächtnisstätte Braunschweig
Leonhardtstraße 29a. In der Nacht vom 22. zum 23. April 1944 weitgehende Zerstörung des Hauses durch eine Luftmine. Margarethe Raabe: „Nun ist alles hin.“ Jedoch Wiederaufbau durch den Eigentümer und bereits zum 8. September 1948 (ein Kulturprojekt (!) in der Nachkriegszeit) Gedenkfeier und Eröffnung der Wilhelm-Raabe-Gedächtnisstätte. Zunächst nur ein Raum, nämlich das Arbeitszimmer, welches noch gut erhalten war. Margarethe Raabe starb 17. März 1947. Die Stätte wurde betreut von Käthe Fehse und Ursula Voges.
Raabe-Haus: Literaturzentrum Braunschweig
Leonhardtstraße 29a. So die Benennung des Hauses ab dem 23. September 2005.
Museum Raabe-Haus
Eschershausen, Raabestraße 5, im Geburtshaus des Dichters.
Raabe-Zimmer im „Grünen Jäger“
Riddagshausen. In diesem Raum, der speziell für die Kleiderseller eingerichtet war, erinnert ein großes Ölgemälde von R. Curdt aus dem Jahre 1933 mit dem Zug der Kleiderseller über die Teichdämme an Wilhelm Raabe. Das Original des Bildes, eine Federzeichnung, stammt von Wilhelm Raabe.

Notgeld, Sonderstempel und Briefmarken

  • Notgeld. Vom Rat der Stadt Eschershausen am 1. Juni 1921 herausgegeben. Die mit auf Raabe bezogenen Motiven bedruckten Scheine hatten eine Gültigkeit bis zum 1. Juli 1922. Sie waren gestaffelt zu: 10, 25, 50, 75 Pfennig, 1, 2 Mark. Vor-derseite: mit Wertangabe, oben Stadtansicht, links Raabehaus, rechts Raabe-turm mit Denkmal. Rückseite: ausgefüllt mit Raabe-Motiven und Raabe-Zitaten.
  • Auf Antrag der Stadt Eschershausen wurden zum 150. Geburtstag ab 2. Januar 1981 im Postamt daselbst die Briefmarken per Sonderstempel entwertet. Vorgestellt wurde der Stempel vom Holzmindener Amtsrat Wienecke dem Eschershäuser Bürgermeister Sassin, Stadtdirektor Amtsrat Gutacker, Raabe-Verein Vorsitzende Frau Böttcher, Stadtarchivar Herr Mundt. Bei täglichen 1 300 Postausgängen × 310 Tage = 400 000 Stempelungen = Raabekontakte.
  • Im gleichen Zeitraum wurde in der Stadt Braunschweig mit Sonderstempel/Sonderaufdruck gearbeitet, auf denen Raabes Kopf im Profil zu sehen war. Am 8. September 1981 wurde im städtischen Museum Braunschweig ein Sonderpostamt eingerichtet und die dort eingereichte Post mit einem wiederum anders gestalteten Stempel entwertet.
  • Am 28. März 1982, anlässlich des Verbandstag des „Verband Niedersächsischer Philatelistenvereine e. V.“ in Holzminden, wurde – auch in Verbindung mit der Raabe Sondermarke – mit „Holzminden, Raabe-Stadt“ gestempelt.
    Quelle: TAH vom 21. Oktober 2006.
  • Die Sonderbriefmarke der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1981: Kopfbild, Text: „Die Chronik der Sperlingsgasse“, hell-olivbraun-schwarz, zu 70 Pfennig, Auflage 3 500 000, Michel-Katalog Nr. 2608. WBV-Nr. DDR 19810506 EM. 6-er Satz „Bedeutende Persönlichkeiten“.
  • Die Sonderbriefmarke der Bundesrepublik Deutschland zum 150. Geburtstag: Kopfbild Raabes, Grün gefärbt, zu 50 Pfennig, Ausgabetag 13. August 1981, Auflage 33 500 000, Michel-Katalog Nr. 1104, WBV-Nr. BRD 19810801 EM. Ersttagsbrief 13. August 1981 Eschershausen mit Sonderstempel.

Medaillen

Die Raabe-Medaille
der Raabegesellschaft Braunschweig von 1959 wurde am 8. September 1961 in Eschershausen verliehen an Prof. Dr. Karl Hoppe (Präsident Raabe-Gesellschaft). Die Medaille wird im Raabe-Haus aufbewahrt.
Die Gedenkmedaille zum 150. Geburtstag
wurde als Münze 1000/1000 Feinsilber in einer Auflage von 1 000 Stück herausgegeben. Ein Stück wurde dem Rat der Stadt Eschershausen durch Volksbankdirektor Heinrich Arste im Sitzungssaal des Rathauses im Dezember 1980 übergeben. Die Anregung zur Münze kam von Stadtarchivar Wilhelm Mundt.
Quelle: TAH vom 10. Dezember 1980.
Die Gedenkmedaillen zum 175. Geburtstag
wurden als Feinsilber und Feingold ebenfalls von der Volksbank herausgegeben. In Silber wurden 500 Stück aufgelegt. In Gold wurde auf Bestellung gearbeitet. Das Erstexemplar wurde von Volksbankdirektor Jürgen Kind im Museum an Samtgemeinde Bürgermeister Friedrich Mönkemeyer übergeben.
Quelle: TAH vom 23. März 2006.
Die Glasmedaille
(3D-Laser, Abbildung des Lüchowschen Raabe Portraits) entstand 2018 mit etwa 50 Stück für Sammler, als Ehrengabe der Gesellschaft.

Skulpturen

Eine Raben-Figur
aus Porzellan der Fürstenberger Porzellanmanufaktur zum 175. Geburtstag 8. September 2006 (in Anlehnung an Raabes Pseudonym Jacob Corvinus = Corvus – der Raabe) erschien mit 350 Stück zu Weihnachten 2005 (zu 35 €). Die zweite Auflage erfolgte bereits im Februar 2006. Motiv: 14 cm hoher Rabe, weiß, lackiert, auf einem Buch sitzend, mit der Unterschrift Wilhelm Raabes und „175 Jahre Wilhelm Raabe“.
Eine Wilhelm-Raabe-Statuette
überreichte Dr. Christian Hirsch, Direktor der Porzellanmanufaktur Fürstenberg, in der Aula an Bürgermeister Friedrich Mönkemeyer. Erstauflage 300 Stück zu 350 € (nicht subventioniert 900 €). Motiv. Raabe mit Hut, Mantel, Stock in gebeugter Haltung. Höhe 29 cm. Vorlage war eine Gips-Statuette von Bildhauer Hans Bethmann, 1909.
Quelle: TAH vom 12. September 2006.
Eine Frauenskulptur,
die direkten Bezug auf Raabes Werk „Hastenbeck“ und die darin eine wichtige Rolle einnehmende Porzellanfabrik nimmt, wurde 2006 von Fürstenberg als „Die Wackerhahnsche“ herausgegeben. Farbig, lackiert. Siehe auch Buch „Hastenbeck“ von Thomas Krueger. Mitzkat Verlag 2006.

Drucksachen

Jahrbücher
Herausgegeben von der Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes durch Prof. Ernst August Roloff für das Jahr 1949, 1950.
Ab 1960 dann neugestaltet als „Jahrbücher“ der Raabegesellschaft.
Sonderdruckschrift
Zum Raabegedenkjahr 1981 wurde von der Stadt Braunschweig eine zwölfseitige, reich bebilderte Druckschrift in 10 000 Exemplaren erstellt. Text und Gestaltung durch Kurt Hoffmeister, Braunschweig.
Titel: „Auf den Spuren Wilhelm Raabes“.
Raabe-Kalender
Otto Elster und sein Sohn Hanns Martin Elster gaben zu Ehren Wilhelm Raabes heraus: Raabe-Kalender 1912, 1913, 1914 – erschienen jeweils im Vorjahr.

1912 Inhalt unter anderem. : Vorwort von Otto und Hanns Martin Elster, Bilder: Raabe von Immenkamp, von Marie Jensen, Ernst Müller, Creutzsche Buchhandlung, Holzminden, Eschershausen; Raabes Jugendheimat in seinen Werken; Ehrenbürgerbrief; Briefe Raabes an Jensen, H. v. Wolzogen, Karl Hage, Bürgermeister Peters; Marie Speyer: Frauengestalten; Hanns Martin Elster: Das Romanhafte; Gedicht „Auf alle Höhen“.

1913 Inhalt unter anderem: Was Wilhelm Raabe uns ist; Kleist von Nollendorf; Militär; Philosophie; Raabe-Nester; Liebe und Ehe; Briefe; Wie ich zu Raabe kam; Meister Autor; Hastenbeck und Patriotismus; Wie meine Raabe-Büste entstand; Christentum; Der Junker von Denow; Fontane.

1914 Inhalt unter anderem.: Ein Schulaufsatz; Freiheitskriege; Abschiedsgedichte; Lyrik; Verlorene Mädchen; Des Reiches Krone; Jungbrunnen; Philister; Gedicht; Unterströmung; Bilder.

1947 und 1948 gab die „Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes“ durch Prof. Ernst August Roloff zwei weitere Kalender heraus.

Mitteilungen
der „Gesellschaft der Freunde Wilhelm-Raabes“ erschienen erstmals im Jahre 1911 mit drei Heften. Seitdem weitgehend regelmäßig, auch im ersten und zweiten Weltkrieg! Nur nach dem Kriege 1945, 1946 und 1947 erschienen keine!
Eine Aufstellung aller Hefte erschien im Jahre 1973 in Heft 1. Bis dahin waren 175 Hefte ausgegeben worden.
Mit Heft 1 und 2 (Doppelheft) wurden die „Mitteilungen“ 1999 im 86. Jahrgang ersatzlos eingestellt.
Kleidersellerbrief
Erstmals erschienen im Juli und September 2005. Herausgeber: Kurt Hoffmeister, Kleiderseller Braunschweig. Als ein Versuch, die „Mitteilungen“ zu ersetzen.
Jahrbuch der Raabegesellschaft
Ab 1960 Herausgabe des wissenschaftlichen Jahrbuches. Initiator: Prof. Dr. Karl Hoppe. Inhalte: Aufsätze, Vorträge, Literaturberichte, Bibliografien, Rezensionen. Ab 51. Jahrgang (2010) zum 100. Todestag als gebundenes Buch.

Gemälde usw.

  • Das erste Porträt von Wilhelm Raabe, ein Ölbild, wurde gemalt von Marie Jensen im September 1880 in Freiburg. Er schreibt an seine Frau „Ich werde Dir in Öl gemalt und das Bild scheint wohl zu gelingen und wird Dir sicher Spaß machen.“ Das Bild war nach Familienaussagen recht ähnlich und das schönste daran sind die hellen klaren Augen des 49-jährigen. Das Bild hing immer bei Raabes.
    Quelle: Raabe-Kalender 1948; Ehninger-Raabe: Bildnisse und Denkmäler, Seite 38.
  • Raabes Freund Gustav Bohnsack schuf 1890 eine Zeichnung. Abbildung in „Raabe“ von Hans Oppermann, RoRoRo 1970, Seite 89.
  • Ölgemälde von Ludwig Probst. Abbildung im Raabe-Jahrbuch 1949.
  • Raabegemälde von Prof. Erich Körner. Enthüllung am 14. April 1927 mit Studiendirektor Dr. Daub in der Raabe-Schule zu Braunschweig.
    „Es stellt Raabe in älteren Jahren dar, im langen, zugeknöpften Rock die linke Hand in der Rocktasche versenkt, in der rechten den Hut und den Spazierstock. Im Hintergrund taucht Riddagshausens alte Kirche auf, leuchtendes Gewölk schwebt darüber.“
    Quelle: „Mitteilungen“, 1927/3, Seite 166.
  • Ölbilder geschaffen von Margarethe Raabe. Frau Ehninger-Raabe schrieb: „Wir besitzen derer verschiedene.“
  • Mehrfach reproduziert ist ein lebensgroßes Ölbild, das den Dichter in seinem Sessel sitzend und lesend zeigt. „Dieses Bild des grauhaarigen Dichters ist wohl mit das Beste zu nennen, das überhaupt existiert.“
  • Gute und lebendige Porträts sind die Bildnisse von Professor Wilhelm Immenkamp (* 1870 † 1931), gemalt 1909 – Wilhelm Raabe mit 78 Jahren.
    „So gut diese Bilder rein technisch und als Charakterstudien sein mögen, werden sie doch von vielen abgelehnt, da er dem feinnervigen, hochgeistigen Menschen Raabe Züge lieh, die eine Vergröberung und Verzerrung ins Spießbürgerliche bedeuten.“
    Quellen: „Mitteilungen“, 1994/1 Titelseite; Raabe-Kalender 1948: Frau Ehninger „Raabe-Bildnisse und Denkmäler“ ab Seite 38.
  • 1922 erschien im Julius Zwißler Verlag, Wolfenbüttel die vierfarbige Steinzeichnung von Franz Jüttner (Zeichner des „Kladderadatsch“ und der „Lustigen Blätter“). Zeichnung erwarb das Braunschweiger Landesmuseum/städtische Museum.
    Quelle: „Mitteilungen“, 1922, Heft 3, Seite 107.
  • Am 15. November 1938 wurde vor über 1 000 Schülern und Lehrern der Wilhelm-Raabe-Schule Hannover „das außerordentlich eindrucksvolle Bild Wilhelm Raabes, das von der Hand seiner Tochter Margarethe Raabe für die Schule gemalt wurde, eingeweiht.“
    Beide Töchter Raabes waren zu dieser Feierstunde erschienen. Nachmittags Teestunde mit Töchtern und Lehrerkollegium.
    Quelle: „Mitteilungen“, 1939, Heft 1, Seiten 28, 29.
  • Zwei farbige, lebensgroße Ölgemälde von Professor Hans Fechner, geschaffen 1892. Es zeigt Wilhelm Raabe im Arbeitszimmer vor der Bücherwand am Tisch sitzend. Raabe stand im Alter von 61 Jahren, es war jedoch kurz nach dem Tode von Tochter Gertrud. Raabe musste drei Wochen Modell sitzen. 1925 im Besitz der Familie Raabe. Nach dem 2. Weltkrieg in der Raabe-Gedächtnisstätte Braunschweig.
    Quelle: Raabe-Kalender 1948; Ehninger: Raabe-Bildnisse und Denkmäler, Seiten 38–55.
  • Von H. Bethmann wurden Scherenschnitte sehr bekannt. Motiv: Raabe mit Mantel, Hut und Spazierstock.

Raabe als Namensgeber

Blasorchester
in Eschershausen. „Die Raabestädter“ 1953 gegründet, seit 2015 Fusion mit AMCO-Blaskapelle, Kirchbrak, zur „Lennetaler Blasmusik“.
Raabe-Imker
GmbE der Haupt- und Realschule Eschershausen. Gegründet 2005. Betreuungslehrer Andreas Müller empfing im August 2016 im Rathaus zu Hannover die Urkunde in Gold für Nachhaltigkeit.
Wilhelm-Raabe-Residenz
in Eschershausen. Das Wohnheim für Lebensältere wurde nach einem Namenswettbewerb am 8. September 2010 so benannt. Der 1. Preis ging an den Heimat- und Kulturverein (300 €). Betreiber: Senioren Wohnpark Weser GmbH Bremen. 50 Wohnplätze mit 50 Betreuern.
Wilhelm-Raabe-Loge
Gegründet am 17. September 1922 als Ableger der 1873 gegründeten Lessingloge (Loge Nr.1), die mit über 200 Brüdern zu groß geworden war. Am 2. April 1933 nach Verbotsdrohung Selbstauflösung aller Braunschweiger Logen. Nach Kriegsende Weiterarbeit ab 12. Januar 1949. Ab 1. Januar 1965 Wiedervereinigung von Loge 1 und 2 als Lessing-Raabe-Loge, die bis heute (2018) aktiv besteht. Lothar Kaeses Lehrherr in Braunschweig, Wilhelm Roloff, Inhaber der Firma C. W. Böttger/„Grüner Löwe“, war ebenfalls Logenmitglied.
Jugendherberge
Eschershausen, erbaut 1947–1948 von Jugendlichen vieler Nationen. Wurde am 29. April 1956 umbenannt als „Wilhelm-Raabe-Jugendherberge“. Am selben Tag Enthüllung eines Sandstein-Raabe-Reliefs, gestiftet von Adolf Lucé dem Älteren, geschaffen vom Bildhauer Walter Lüchow, Stadtoldendorf. 1956 zählte die Herberge 2 200 Übernachtungen.
Eisenbahn
Der Intercity Bonn/Berlin nannte sich in den 1990-er Jahren ICE-„Wilhelm-Raabe“.
Raabe-Haus Braunschweig
Raabes Sterbehaus an der Leonhardstraße 29a. Erbaut 1898/1899. 1901 Wilhelm-Raabe bezieht mit seiner Familie die Sieben-Zimmer Wohnung im ersten Stock mit 4 m hohen Decken. 1910–1947 Margarethe Raabe verwaltet den Nachlass Ihres Vaters. 23. April 1944 Das Haus wird von einer Luftmine schwer geschädigt. 1945 Wiederherstellung und Modernisierung des Hauses. 8. September 1948 Einrichtung der „Wilhelm-Raabe-Gedächtnisstätte“. 1998 Umbenennung der Gedächtnisstätte in „Raabe-Haus“. 21. Januar 2000 Eröffnung der neuen Ausstellung. 23. September 2005 Umbenennung in „Raabe-Haus: Literaturzentrum“.
Gaststätte„Raabe-Eck“
in Holzminden. Direkt am Eckenbrecher-Brunnen.
„Am Raabebrunnen“
Wirtin Rosemarie Stanko, Steinweg 21, genau gegenüber des Raabebrunnens in Eschershausen. Eröffnet 2007 musste es nach wenigen Monaten bereits wieder schließen.
„Raabestadt“
Eschershausen. Inoffizieller, aber gängiger Zusatzname.
„Wilhelm-Raabe-Klippe“
Am 15. August 1931 wurde auf Vorschlag von Apotheker Cruse durch den Verkehrsverein die Klippe Nr. 8 (heute Nr. 15, Lüerdisser Klippen) mit einer Bildnisplakette und Bronzeinschrift benannt.
„Raabe-Apotheke“
zu Eschershausen, Raabestraße 2. Wurde am 11. März 1953 umbenannt (vorher: Salamander-Apotheke). Erbaut 1765, Assekuranz-Nummer 111. Der erste Apotheker hieß Braun.
„Wilhelm-Raabe-Apotheke“
zu Braunschweig, Querumer Straße 70.
„Corvinus-Apotheke“
in Höxter/Lüchtringen, Westfalenstraße 8. Sie sollte ursprünglich Wilhelm-Raabe-Apotheke genannt werden. Dies wurde aber von der Apothekerkammer nicht genehmigt, da der Name bereits in Eschershausen vorhanden war. Daher wurde Raabe einfach latinisiert.
Die Reservisten-Kameradschaft Eschershausen gab ihrer Arbeitsgemeinschaft den Namen „RAG Schießsport Wilhelm Raabe“. Die Arbeitsgemeinschaft lobt mit dem Wilhelm-Raabe-Wanderpokal einen Hauptpreis beim Vergleichsschießen im Schießsportzentrum Schelenhufe aus.
In Unna, Ortsteil Mühlhausen wurde um 1950 durch den Vorsitzenden Herrn Spruth eine Raabe-Eiche gepflanzt. Diese Eiche ging ein. 1967 wurde eine Raabe-Linde gepflanzt. Ein Gedenkstein trägt die Inschrift: „Was wird – wird still.“ 2015 wurde eine Raabe-Winterlinde gepflanzt und ein weiterer Gedenkstein gesetzt. Quelle: Zeitungsartikel zur Jahreshauptversammlung der Raabegesellschaft am 8./9. September 2015 in Unna.
Vor der Wilhelm-Raabe-Schule zu Eschershausen wurde neben dem Raabe-Denkmal von Museumsleiterin Ingrid Reuther und Bürgermeister Konrad Edelmann am 25. April 2006 (Tag des Baumes) eine Raabe-Gedenk-Eiche gepflanzt.
Im Museum Eschershausen wurde im Mai 2007 eine 15-minütige Tonbildschau mit Eberhard Gültzow als Wilhelm Raabe, Dr. Gabriele Henkel, Schülern der Raabe-Schule Braunschweig und Dr. Thomas Sporn als Moderator in Betrieb gesetzt.
Raabe-Wanderweg
Eingeweiht am 29. April bis 1. Mai 2006. Die Tagesetappen:
1) Eschershausen–Ith–Raabeturm–Wickensen–Stadtoldendorf.
2) Stadtoldendorf–Amelungsborn–Burgberg–Bevern–Holzminden.
3) Holzminden – Lüchtringen – Steinkrug – Boffzen – Fürstenberg.
Gefördert als Leader+ Projekt, initiiert von Friedrich Mönkemeyer, Oberkreisdirektor Klaus-Volker Kempa, Dr. Thomas Sporn.
Stadtspaziergang mit Wilhelm-Raabe
Im Herbst 2003 wurde ein 1,5 km langer Rundgang durch die Stadt Eschershausen eingeweiht. Ursprünglich wiesen auf dem Asphalt weiß aufgemalte Raben den Weg. Dreizehn Schilder erläutern die jeweiligen Standorte mit korrespondierenden Zitaten Raabes.
Holzgeschnitzte Wegweiser
des sudetendeutschen Malers Walter Womacker wurden 1949 am „Kleidersellerweg“ in der Nähe des Schmiedetores und an der Brücke der Wabe, nahe des „Grünen Jägers“ angebracht. Sie wurden durch zerstörungswütige Zeitgenossen vernichtet.
Die Wilhelm-Raabe-Schutzhütte am „Großen Sohl“ im Hils wurde am 20. Juni 1937 eingeweiht. Erbaut vom Hannoverschen Wander- und Gebirgsverein. Sie ersetzte eine an gleicher Stelle stehende und bot Platz für vierzig Personen.
Quelle: „Mitteilungen“ 1937, Heft 4, Seite 132.
Neubau durch den Hils- und Verkehrsverein Grünenplan im Jahr 2004.
Theateraufführungen
Im Braunschweiger Staatstheater, Kleines Haus, wurde 2002 „Der Afrikaner“ – inszeniert von Peter Schanz – frei nach Raabes „Abu Telfan“ aufgeführt.
Raabe-Bühne Eschershausen
Begann im März 1984 als Laienspielgruppe im MTSV, gegründet von Ingrid und Horst Reuther und Gisela Höhne. Das erste Stück ging 1986 mit „Die fröhlichen Geister“ über die Bühne. Es folgten Bauernschwänke, Volksstücke, Krimis, Boulevard-Komödien, Musicals. Nach einigen Jahre löste sich die Gruppe aus dem MTSV heraus und bekam ihren Namen. Bezogen auf Raabe wurde inszeniert: „Deutscher Mondschein“, „Keltische Knochen“, „Die Wackerhahnsche“ – 2005, „Die Gänse von Bützow“ – 2006 mit vier Aufführungen und 12 Mitwirkenden, „Abu Telfan“ – 2008 mit zwei Aufführungen und 11 Mitwirkenden, „Weihnachtsgeister“ – 2008 auf der „Kleinbühne“ im Bahnhof mit 8 Mitwirkenden und 25 Zuhörern.
Die Porzellan-Sonderausstellung in der Porzellan-Manufaktur Fürstenberg fand am 24. Mai 2006 bis 10. September 2006 statt. Gestaltet von Museumsleiter Thomas Krueger mit Dioramen der Schlacht von Hastenbeck.
„Raabe in Liedern“
Am 17. Juni 2006 fand im Museum Schloss Fürstenberg ein Konzert (15 €) mit vertonten Raabe-Gedichten statt. Oratoriensängerin Sylvia Bleimund (Sopran), Kammersänger Peter-Christoph Runge (Bariton), Christian Schulte (Klavier), Hartmut Klug (Pianist, Komponist) spielten vor fünfzig Teilnehmern. Initiiert wurde das Konzert von Dr. Seeliger und Thomas Krueger.
Quelle: TAH 20. Juni 2006.
Vertonte Gedichte
von Raabe und Künstlerkompositionen über Raabethemen wurden am 29. Oktober 2006 in der Schlosskapelle Bevern gegeben. Am Klavier war Yukiko Tanaka, Stadtoldendorf.
Quelle: TAH, 21. Oktober und 1. November 2006; Weg und Fähre Oktober 2006.
Raven-Rapper
Eine Rap-Gesangsgruppe wurde zum 175. Geburtstag Raabes von Ingrid Reuther in Eschershausen ins Leben gerufen. Mit etlichen Schülern unter der Leitung von Lehrer Rudolf Skora traten sie auf: „Grüne Woche“ Berlin, Niedersachsentag 2004 Holzminden. Gegründet 2004, wurde die Gruppe 2007 wieder aufgelöst. Finanzielle Stütze von Leader+ und Stiftung Norddeutsche Landesbank.
Quelle: TAH, 12. Januar 2007.

Preise und Plaketten

Am 8. September 1931 wurde in München der Verein „Wilhelm-Raabe-Stiftung e. V.“ gegründet, der einen „Raabepreis“ vergab, nämlich den Volkspreis für deutsche Dichtung – Raabe-Preis/Münchner Volkspreis.

  1. Ernst Wiechert für „Die Magd des Jürgen Doskocil“
  2. Gustav Frenssen für „Meino der Prahler“
  3. Karl Friedrich Kurz für „Tyra, die Märcheninsel“
  4. Anton Dörfler für „Der tausendjährige Krug“
  5. Hans Künkel für „Schicksal und Liebe des Niclas von Cues“
  6. Heinrich Eckmann für „Der Stein im Acker“
  7. Othfried Graf Finckenstein für „Die Mutter“

Der Preis wurde nach 1935 (zum 25. Todestag) zusammengelegt mit dem „Dichterpreis der Stadt Braunschweig“.
Quelle: „Mitteilungen“, 1983/2, Seite 35.

  1. J. G. Oberkofler für „Der Bannwald“, Fr. Griese für „Die Wagenburg“
  2. Ulrich Sander für „Mann vom See“, Hans Venatier für „Vogt Barthold“
  3. Berchtold Gierer (d. i. Walter Scheidt) für „Geschlechter am See“, Karl Götz für „Die große Heimkehr“
  4. Werner Jansen „Die Insel Heldentum“, Kurt Kluge „Die Zaubergeige“
  5. Kleo Pleyer für „Volk im Feld“, Ell Wendt für „Die stolze Nymphe“

Wilhelm-Raabe-Preis der Stadt Braunschweig – nach dem zweiten Weltkrieg mit veränderter Satzung.

  1. Ricarda Huch (1864–1947) für das Gesamtwerk
  2. Fritz von Unruh (1885–1970) für das Gesamtwerk
  3. Werner Bergengruen (1892–1964) für das Gesamtwerk
  4. Ina Seidel (1885–1962) für das Gesamtwerk
  5. Hermann Hesse (1877–1962) für das Gesamtwerk
  6. Max Frisch (1911–1991) für „Stiller“
  7. Friedrich Georg Jünger (1898–1977) für „Die beiden Schwestern“
  8. Dr. Gerd Gaiser (1908–1976) für „Schlußball“
  9. Hans Erich Nossack (1901–1977) für „Begegnung im Vorraum“
  10. Heimito von Doderer (1896–1966) für „Die Wasserfälle von Slunj“
  11. nicht vergeben
  12. Walter Kempowski (1929–2007) für „Tadellöser & Wolff“
  13. Uwe Johnson (1934–1984) für „Jahrestage“
  14. Horst Bienek (1930–1990) für „Die erste Polka, Septemberlicht“
  15. Hermann Lenz (1913–1998) für „Der innere Bezirk“
  16. Alois Brandstetter (1938) für „Altenehrung“
  17. Siegfried Lenz (1926–2014) für „Exerzierplatz“ und das Gesamtwerk
  18. Gerhard Köpf (1948) für „Eulensehen“

Neubeginn im Jahr 2000 als Raabe-Literaturpreis der Stadt Braunschweig in Verbindung mit dem Deutschland-Radio mit neuer Satzung.
Verleihung alle zwei Jahre (ab 2011 jährlich), jeweils am 15. November. Dotiert mit 25 000 €, ab 2010 mit 30 000 €. Preisträger:

  1. Rainold Goetz für „Abfall für alle“
  2. Jochen Missfeld für „Gespiegelter Himmel“
  3. Ralf Rothmann für „Junges Licht“
  4. Wolf Haas für „Das Wetter vor 15 Jahren“
  5. Katja Lange-Müller für „Böse Schafe“
  6. Andreas Maier für „Das Zimmer“
  7. Sibylle Lewitscharoff für „Blumenberg“
  8. Christian Kracht für „Imperium“
  9. Marion Poschmann für „Die Sonnenposition“
  10. Thomas Hettche für „Die Pfaueninsel“
  11. Clemens J. Setz für „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“
  12. Heinz Strunk für „Der goldene Handschuh“
  13. Petra Morsbach für „Justizpalast“
  14. Judith Schalansky für „Verzeichnis einiger Verluste“

Raabe-Plakette der Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes:

  1. Herbert Eulenberg und Rudolf Alexander Schröder
  2. Robert Jordan
  3. Robert Walter
  4. Moritz John
  5. Prof. Mackensen, Worpswede
  6. Friedrich Hartger
  7. Stadt Eschershausen (Verleihung durch die Raabe-Gesellschaft)

Raabe-Plakette der Stadt Eschershausen an Personen, die sich für die Raabe-Stadt verdient gemacht haben (nicht unbedingt um Wilhelm Raabe):

  1. Kurt Schmalhoff posthum am 14. April für sein Legat an die Stadt.
  2. Wolfgang Schultze, Mitglied Niedersächsischen Landtags am 3. Juli.
  3. Thomas Sporn, Ministerialdirigent der Niedersächsischen Landesregierung, am 11. September.
  4. Gerd Biegel, Historiker, Präsident der Internationalen Raabe-Gesellschaft e. V., am 8. September.
  5. Jürgen Gerling, Forstamtmann am 20. Dezember für seine Verdienste um die Vogler-Region: „Verein der Freunde des Voglers“, Naturpark Solling-Vogler, Arboretum am Kappenberg.

Freunde, Bekannte

Thaddäus Abitz-Schulze
(85) * 30. Juli 1878 in Warschau, † 30. August 1963. Dr. jur., Rechtsanwalt, Freund Raabes seit 1902. Gymnasium und Abitur in Königsberg, Jura-Studium in Freiburg, Heidelberg, Berlin, München. 1901 Referendarprüfung in Kassel. Lernte 1901 Wilhelm Raabe in Braunschweig kennen. 1902 bei ihm zu Haus eingeladen: „Ich war Wilhelm Raabe einfach verfallen und sehe es als eine ganz besondere Gunst des Schicksals an, dass ich diesem großen Dichter und herrlichen Menschen persönlich nahetreten durfte.“ Er war 1901 23 Jahre alt, also 47 Jahre jünger als Raabe. Er regte die Gründung der „Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes“ an. 1919 gründete er in Düsseldorf eine Ortsgruppe, damals eine der Wichtigsten. Setzte sich in fünfjähriger Arbeit für die Schaffung des Raabedenkmals in Braunschweig ein, das er 1931 einweihen konnte. Damals gründete er den Verein „Raabe-Stiftung“ in Braunschweig, der die ersten Literaturpreise vergab. Ehrenmitglied der Raabe-Gesellschaft. Er dachte und schrieb 1933–1945 sehr nationalsozialistisch und brachte Raabe dadurch in die braune Ecke. Quelle: Raabe-Jahrbuch 1949, Seiten 153–155.
Constantin Bauer
(83) * 27. Juli 1883, † 14. Oktober 1966 Bielefeld, wenige Wochen nach seiner Frau. Dr. Oberstudienrat, Dr. phil. Gehörte 1911 zu den Gründern der Raabe-Gesellschaft. Schriftführer, gab von 1912 bis 1933 die „Mitteilungen“ heraus. Vertonte Raabe-Gedichte, veröffentlichte etliche Bücher über Raabe. Gründete nach dem zweiten Weltkrieg die Ortsvereinigung Bielefeld. Quelle: „Mitteilungen“ 1967/2, Seite 31, Nachruf.
Gustav Bohnsack
(82) * 9. Mai 1843 Seesen, † 16. März 1925 Braunschweig. Prof., Architekt, 25 Jahre bester Freund Raabes im „Feuchten Pinsel“. Gymnasium in Blankenburg, mit 17 Studium an der Technischen Hochschule Braunschweig, später Akademie der Künste in München. 1870/1871 an der Baugewerkschule in Holzminden. Dann bei der Braunschweiger Eisenbahnverwaltung. Architekt bei der Herzoglichen Baudirektion. Baut den Neubau der Wolfenbütteler Bibliothek, Gebäude des Braunschweiger Polizei-Präsidiums. Seit 1897 Professor der Technischen Hochschule Braunschweig. 1914 Ernennung zum Geheimen Hofrat. Zwölf Jahre jünger als Raabe. Seit 1884 Mitglied im „Feuchten Pinsel“. Ständiger Sitznachbar Raabes im Club. Packender, begeisternder Redner. Fünf Italienbesuche mit Kunststudien. Unterhaltung mit Raabe meist im Scherz- und Neckton: „Schreiben Sie doch mal ein Buch, wo sie sich kriegen!“. Quelle: Raabe-Jahrbuch 1950; Hasenkamp: R u. G. Bohnsack Seiten 128ff; Hoffmeister: L u. S. Seite 13.
Wilhelm Brandes
(74) * 21. Juli 1854 Braunlage, † 6. Februar 1928 Wolfenbüttel. Oberschulrat Professor Dr., bester Freund Raabes. Sohn eines Oberförsters/Revierförsters. 1858 Umzug nach Danndorf bei Velpke. Ab 1864 Gymnasium in Braunschweig. Lehrerstudium im Catharineum Braunschweig. 1889 Dozent an der Technischen Hochschule in Braunschweig. Vorlesungen über deutsche Literatur. 1892 ernannt zum Gymnasiumsdirektor in Wolfenbüttel. Dann Schulrat und Oberschulrat. Bei den Kleidersellern genannt: „Barde Brandanus“. Hielt die Trauerrede zur Beisetzung Raabes. Quelle: „Mitteilungen“ 1924 Heft 3, Bericht zum 70. Geburtstag.
Heinrich Büssing
(86) * 29. Juni 1843 Nordsteimke (heute Wolfsburg), † 27. Oktober 1929 Braunschweig. Dr.-Ing. ehrenhalber, Geheimer Baurat, Ehrenbürger Braunschweigs. Beginnt als Schlosser im Krähenfeld, Erfinder, Unternehmer, Industrieller. Gründet 1903 die „Büssing Spezialfabrik für Motorlastwagen und Omnibusse“. Errichtet 1904 die erste regelmäßige Busverbindung zwischen Braunschweig und Wendeburg. Kleiderseller: „Buer im Kreyenfelde“.
Otto Elster
(70) * 11. November 1852 Eschershausen, † 1. Dezember 1922 Braunschweig. Landsmann und Freund Raabes. Vater war Arzt und Physikus in Eschershausen, Geburtshaus Raabestraße 8. Jugend und Gymnasium in Holzminden. Primaner und Abitur in Wolfenbüttel. 1872 Herzoglich Braunschweigisches Infanterieregiment – dort letzter Adjutant Herzog Wilhelms. 1884 Ende der Militärzeit, um keinen Eid auf Preußen ableisten zu müssen. Redakteur des „Braunschweigischen Tagesblattes“. 1887 Leitung „Kreuznacher Tageblatt“, Chefredakteur „Kölner Tagesblatt“. 1885 Freier Schriftsteller in Berlin. Gründet 1890 „Welfische Landes-Rechtspartei“ mit Graf von der Schulenburg, Hehlen. 1901 Archivar des Prinzen von Schaumburg-Lippe in Nachod, Böhmen. 1910 wieder in Berlin. 1911–1913 Herausgeber des „Wilhelm-Raabe-Kalender“ 1912, 1913, 1914 mit Sohn Hanns-Martin Elster. 1922 Übersiedlung nach Braunschweig. Pseudonym: Otto von Bruneck. Im Deutschen Literaturlexikon sind 109 Titel seiner Werke aufgeführt. Quellen: „Mitteilungen“ der Raab-Gesellschaft, Seiten 3–7; Detlef Creydt: „Literaten im Kreis Holzminden“ Hüpke und Sohn 1988.
Hanns-Martin Elster
(95) * 11. Juni 1888 Köln, † 17. November 1983 Gräfelfing. Dr. phil., Schriftsteller, Raabefreund, Kenner und Verehrer. Lektor beim Grote-Verlag, Berlin. Begegnete Wilhelm-Raabe 1898 und 1908. 1961 in der Jahreshauptversammlung in Eschershausen zum Ehrenmitglied der Raabe-Gesellschaft ernannt. Gab zusammen mit seinem Vater den Raabe-Kalender 1912–1914 heraus. Starke Einbringung in den Nationalsozialismus (Pressestelle für Beamte, Chefredakteur von „Das Dritte Reich“ und „Nationalsozialistische Beamtenzeitung“). Nach dem Krieg Tätigkeiten in Literatur und Buchhandel. Quelle: „Mitteilungen“ 1962/1, Seiten 11, 12; Wikipedia Biografie.
Louis Konrad Eobald Engelbrecht
(76) * 5. September 1857 Braunschweig, † 24. Juni 1934 Braunschweig. Justizrat, Dramatiker, Lyriker. Vorsitzender der Anwaltskammer. Im ersten Weltkrieg Hauptmann, später acht Jahre Vorsitzender des Kriegervereins Braunschweig. Guter Freund Wilhelm-Raabes. Eifriger Kleiderseller. Organisierte 1901 die offizielle 70. Geburtstagsfeier für Wilhelm Raabe. 1908 gratulierte Wilhelm Raabe Engelbrecht zur Geburt von dessen einzigem Enkelkind (gefallen 1942 in Stalingrad). Quelle: „Mitteilungen“ 1934/4, Seiten 129–131, Nachruf.
Wilhelm Fehse
(66) * 27. April 1880 Magdeburg, † 6. Januar 1946 Torgau (interniert). Enger Freund und Biograf von Wilhelm Raabe. Magdeburger Klosterschule, Universität Halle (Deutsch, Latein, Englisch, Griechisch). 1902 Dr. phil./Lehramt. Gymnasium Salzwedel. Professor. Wanderfahrten zu den Raabestätten. 1937 Biografie: „Wilhelm-Raabe – Sein Leben und seine Werke“. 675 Seiten mit 14 Federzeichnungen, drei Bildern. Seiner Frau und Witwe Käthe Fehse gelang es mühevoll, Fehses Bibliothek und Nachlass nach Braunschweig zu überführen und zu retten. Quellen: „Mitteilungen“ 195/1, Seiten 21–22; 1957/2, Seiten 66–72.
Käthe Fehse
(82) * 1889, † 29. Dezember 1971 in Braunschweig. Betreuerin der Raabe-Gedächtnisstätte in der Leonhardstraße von 1948 bis 1967. Fehlte auf keiner Hauptversammlung. Rege Besucherin der Veranstaltungen des Ortsvereins Braunschweig. Quelle: „Mitteilungen“ 1955/1, Seiten 21–22; 1957/2, Seiten 66–72.
Oskar Fischer
55) * 30. August 1840 Schleswig, † 7. April 1896 nahe Königslutter. Kleiderseller und Mitglied im „Drei-R-Club“. Nachbarschaftsverein vom Krähenfeld: Buer von Kreyenfeld–„Heilebartbuer“. Quelle: Hoffmeister „Begegnungen“, Seiten 42–46.
Hans Freytag
(80)* 6. Oktober 1865 Winden, † 5. Januar 1945 Lönsbunker Hannover. Studiendirektor Prof. Dr. Begründer der „Sohlfahrt“ und Gründer der „Brüder vom Großen Sohl“. Initiierte mit Prof. Ernst Müller das Dolomit-Denkmal auf dem Großen Sohl. Gehörte zu den ältesten Mitgliedern der Raabe-Gesellschaft. Mitgründer der Ortsvereinigung Hannover 1911. Besuchte Raabe 1908.
Adolf Glaser
(87) * 15. Dezember 1829 Wiesbaden, † 19. März 1916. Trauzeuge und Freund Raabes bis Lebensende. Studierte in Berlin Philosophie, schrieb Schauspiele, Dramen, Romane. 1856 als Redakteur von „Westermanns Illustrierten Monatsheften“. Lernte Raabe 1857 in Braunschweig kennen. 1857 Herausgabe „Der Student von Wittenberg“, „Lorenz Scheibenhart“, „Alte Universität“, „Junker von Denow“, „Alles über Corvinus“. Raabe erhielt 400 Taler von Glaser für „Unseres Hergotts Kanzlei“, was für die Hochzeit reichte. 1884 Ablehnung „Pfisters Mühle“. Ende der Beziehung zu Westermanns. 1889 noch ein Versuch mit „Der Lar“.
Fritz Hartmann
(71) * 2. Februar 1866 in Frankfurt, † 27. Juni 1937 in Lenglern. Dr. Studium in Berlin, Heidelberg. 1891–1907 an der Braunschweiger Landeszeitung. 1907–1926 Hauptschriftleiter beim Hannoverschen Kurier. Lernte 1891 Raabe kennen. Schrieb nach Raabes Tod „Wilhelm Raabe, wer er war und wie er dachte“. Quelle: „Mitteilungen“ 1937/4, mit Foto.
Ludwig Hänselmann
(70) * 4. März 1834 Braunschweig, † 22. März 1904 in Braunschweig. Dr. jur. h.c. Stadtarchivar von Braunschweig. Lernte Raabe am 27. August 1870 im Großen Weghaus kennen. Mitglied der Buern vom Kreyenfelde (Bäukerbuer); im Großen Club; Kleiderseller. Bewegte Raabe zum Eintritt in die Kleiderseller am 15. Dezember 1870. Wohnte im Krähenfeld nahe Raabe. Studierte Geschichte in Jena. 1862 Übernahme der Aufsicht des Stadtarchivs und der Stadtbibliothek. 1865 als Beamter Stadtarchivar. Zahlreiche Veröffentlichungen. 9. Aug. 1887 Dr. h. c. der Uni Göttingen. Gesellig, humorvoll, dichterisches Talent, Festreden aus dem Stegreif, aber zunehmend schwerhörig. Starb an seinem Arbeitsplatz. Quelle: Hoffmeister „Wilhelm Raabe und seine Braunschweiger Freunde“, Seiten 26–31.
August Hermann
(71) * 14. September 1835 Lehre (Braunschweig), † 20. Februar 1906 Braunschweig. Er war eine der markantesten Persönlichkeiten Braunschweigs. Kantorssohn. Lehrerausbildung in Wolfenbüttel. Turnlehrer am Katharineum und Neuen Gymnasium. Förderte Turnen/Turnspiel/Spiel und Sport. Führte den Mädchensport ein. Gründete den Eisbahnverein. Daher noch heute die Kunsteisbahn in Braunschweig. Er ließ auch den ersten Fußball (!) aus England nach Deutschland (Braunschweig) kommen. Dichtete, komponierte und sang bei allen Anlässen: Taufe, Hochzeit, Stiftungsfest, Versammlungen, Theateraufführungen in Clubs, Vereinen etc. Bekannt durch seine Sammlung plattdeutscher Gedichte. Dichtete das bekannte Weihnachtsgedicht: „Wenn‘s letzte Blümlein ausgeblüht und Schnee und Frost die Luft durchzieht, dann kommt der liebe Weihnachtsmann und klopft an unsere Haustür an.“ Quelle: „Mitteilungen“ 1978/2, Seiten 30–32; Hoffmeister in „Raabes Schriftverkehr mit August Hermann“; „Vom Dorfjungen zum herzoglich braunschweigischen Turninspektor“ Braunschweig 1976; „Wilhelm Raabe im Harz“ Seite 13: „August Hermann hat den Brocken 75 mal bestiegen!“.
Edmund Hoefer (63)
* 15. Oktober 1819 Greifswald, † 22. Mai 1882 Cannstatt. Novellist und Literaturkritiker, Herausgeber der Stuttgarter „Hausblätter“. Schrieb das Standardwerk „Goethe und Charlotte von Stein“. Einer der engsten Freunde Raabes in Stuttgart. Pate von Margarethe Raabe am 6. August 1863 in der Hospitalkirche zu Stuttgart. Lernte Raabe im Oktober 1857 kennen. Beeinflusste ihn, nach Stuttgart zu ziehen.
Fritz Jensch (66)
* 30. April 1879 Hannover, † 7. März 1945 Hamburg zusammen mit seiner Frau bei einem Bombenangriff. Regierungsrat. Herausgeber von Raabes „Zitatenschatz“, 1925, Heckners Verlag.
Marie Jensen (76)
* 31. August 1845 in Würzburg als Maria Elise Josepha Brühl, † 18. Dezember 1921 in Prien am Chiemsee. Mutter katholische Novellistin (1821–1871), Vater Moritz Brühl (1819–1877), Publizist, jüdisch geboren, ab Heirat katholisch. Maria wurde neben ihrem Mann Wilhelm auf der Fraueninsel beigesetzt. Kinder: Moritz (* 1866 † als Säugling), Thea (* 18.10.1867), Paul (* 30.10.1868), Maina (* 25.12.1870), Käthe (* 24.1.1874), Wilhelm (* 1876 † als Säugling). Alle vier überlebenden Kinder evangelisch getauft. Lernte Raabe am 20. Januar 1866 in Stuttgart bei einer Abendgesellschaft kennen, dann lebenslange Freundschaft. Ihren Geburtstag feierte sie an ihrem Namenstag „Marie“ am 8. September, also zeitgleich mit Raabes Geburtstag (8. September 1868). Ab 12. Oktober 1866 jeden Mittwoch gemeinsames Abendessen, abwechselnd bei Jensens und Raabes. Gemeinsame Wanderungen. 30. Oktober 1868: vier Minuten nach der Entbindung von einem Sohn teilt Marie dieses Raabe (!) auf einem Zettel mit. 12. Mai 1870: Marie schreibt aus Flensburg: „Könnten wir denn nicht einen dritten Ort ausfindig machen, an dem wir uns mittsammen ansiedelten? Braunschweig erfreut unser Herz nicht, lieber gehen wir wieder nach Stuttgart. Stuttgart hat seine Meriten, d. h. solange Ihr da seid.“ Quelle: „Mitteilungen“ 1986/1; Vortrag Biegel 8. Juli 2011 in Eschershausen (23 Zuhörer).
Wilhelm Jensen
(74) * 15. Februar 1837 Heiligenhafen, † 24. November 1911 München. 1868 Redakteur der „Schwäbischen Volkszeitung“. Erfolgsverwöhnter „Schnellschreiber“, populär, wurde viel gelesen, marktgefällig auf Effekt ausgerichtet. Schrieb mehr als 150 Romane, teils mehrbändig. 2008 neu verlegt (Kiepenheuer): „Die Juden von Cölln“ (1869, 2. Auflage 1897). Die Journalistin Eva Weissweiler hat diesen Roman als wohl letztes Exemplar in der Kölner Judaica-Bibliothek wiederentdeckt. 10. Dezember 1868 Jensens übersiedeln nach Flensburg. 4. März 1869 Jensens schicken ein Fässchen Austern an Raabes. 14./15. Juli 1869 Jensens zu Besuch in Stuttgart. 18./19. Juli 1869 Ausflug in die Schweiz.
Konrad Koch
Professor Dr. Philologe
Wilhelm Kosch
Professor Dr. an der Universität Nymwegen, Holland 1930. Persönlich bekannt mit Raabe (Briefwechsel).
Ludwig Kubel
(81) * 7. November 1859 Eschershausen, † 4. August 1940 Potsdam. Beigesetzt in Lugau (bei Chemnitz). Sohn des Apothekers August Kubel 1835–1876. [Das Wohnhaus, die Apotheke am Markt (erbaut 1765) wurde von Constantin Kruse von 1876 bis 1902 geführt. Dort auch Geschäftsanfänge von Carl Kaese dem Älteren 1859–1941]. Oberlehrer in Meißen und Lugau. Ruhestand in Potsdam. Bücher: „Die Glocke von Falkenried“ (1899), „Winzenburg“ (1901, Raabe gewidmet), „Die Apotheke von Angerbeck“ (1905, 2. Auflage 1907). Quellen: Detlef Creydt: „Literaten im Kreis Holzminden“, Seite 50 mit Fotos Geburtshaus.; Mundt/Pramann: „Eschershausen in Bildern“, 1985, Seiten 46, 47, Seite 53 Das Schloss; Henze/Reuschel 2002: „Eschershausen um 1900“, Seite 53 Foto L. Kubel, S. 54 Bild August mit Frau, Seite 88 „Das Schloss“, Seiten 92 bis 94; Henze/Reuschel 2006: „Eschershausen 1918–1933“, Seite 50 „Das Schloss“ (Abbruch 1930/31); Henze/Reuschel 2008: „Eschershausen in den 50er Jahren“, Seiten 64/65 Apotheke; Carl Kaese: Ansprache 30. August 1961 Jahreshauptversammlung Raabegesellschaft, Seite 8 Privatarchiv Kaese; Wilhelm Mundt: TAH-Aufsatz 10. Okt. 1984 „Die schwere verrostete Tür...“; Dr. Biegel Vortrag 15. Nov. 2009: „Die kleine Stadt mit großen Dichtern“, TAH 6., 7. Nov. und 8. Dez. 2009; Privatarchiv Kaese: November 1931 Danksagung L. Kubel zum 80. Geburstag und 4. August 1940 Todesanzeige; Adolf Lucé der Ältere, Seite 28 „Asphaltfunde“; Foto vom Schloss von Erika Kruse um 1900.
Johannes Leitzen
(74) * 13. November 1848 Stadtoldendorf † 30. Dezember 1922 Blankenburg. Baumeister, Professor. Sohn des Stadtoldendorfer Stadtphysikus (Arzt) Dr. Gerhard Leitzen. Gymnasium Holzminden, kurzes Kunststudium in Wien, Architekturstudium in Braunschweig, 1876 Leiter der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Braunschweig. Gründete mit Uhde den „Feuchten Pinsel“ (21. September 1881), „Aquarellistenclub“. Schriftsteller. Führte Raabe in den „Feuchten Pinsel“ ein. Margarethe Raabe gehörte zu seinen Schülern. Quelle: „Mitteilungen“ 1927 Heft 4, ab Seite 178.
Elisabeth von Oldenburg
(70) * 26. März 1826 Hildburghausen, † 2. Februar 1896 Oldenburg. Leidenschaftliche Raabe-Verehrerin. Lud Raabe während eines Sommeraufenthaltes in Bad Harzburg zu sich ein. Besuchte Wilhelm Raabe im Gegenzuge in dessen Wohnung in Braunschweig. Auf Mittelmeerreisen hatte sie stets Raabes Werke dabei, auch als Geschenke. Rüstete Bibliotheken mit Raabebüchern aus. Viel gemeinsamer Briefwechsel nach Raabes 70. Geburtstag. Quelle: „Mitteilungen“ 1954/1, Seiten 8–12.
Hans Reidemeister
(72) * 25. Januar 1864 in Braunschweig † 1936 Sohn eines angesehenen Kaufmanns. Abitur am Martino-Catharineum, Jurastudium in München, Bonn, Berlin. Referendar, Assessor, Dr. 1901 Regierungsrat in Braunschweig, bis 1926 LVA. 1. Weltkrieg 12. 8. 1914 – 31. 7. 1917 Oberleutnant, Kompanieführer, Hauptmann. Durch seinen Vater Kleiderseller im „Grünen Jäger“. 15. November 1904 Festrede für Raabe. Später juristischer Berater der Raabe-Gesellschaft. 1934 Ehrenmitglied der Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes. Quelle: „Mitteilungen“ 1934 / 2, Seiten 54–56.
Robert Rustenbach
(55) * 11. Januar 1854 Eschershausen, † 26. März 1909 Braunschweeig. Geboren im gleichen Haus wie Raabe. Landgerichtsdirektor in Braunschweig. Veröffentlichte 1900 in der „Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen“ eine Schrift über den Gau Wikanafelde, den er Raabe zum 70. Geburtstag mit dem drolligen Reim zusandte: Dem großen Sohn des kleinen Gaus, Schickt dies zum heut‘gen Ehrentag, Der (ihm als Sproß des gleichen Baues, Fast nächste) Landsmann Rustenbach. Er wäre lieber selbst gekommen, Jedoch sein Gastfreund Zipperlein, Der jüngst beim ihm Quartier genommen, Braucht ihn zur Zeit für sich allein. Doch hat sich dieser Gast empfohlen - Bald läuft die Rückfahrkarte ab - Kommt er, den Glückwunsch nachzuholen, im schärfsten Podagristentrab. Quelle: Wilhelm-Raabe Kalender 1948, Seite 165. Podagrist = Gichtkranker.
Sigmund Schott
(62) * 8. August 1852 Rödelheim, † 2. April 1910 Frankfurt. Bankier, Journalist, Literaturkritiker. Gehörte der israelitischen Gemeinde an. Korrespondierte von 1888 bis 1910 mit Wilhelm Raabe. Nur einmal persönliches Zusammentreffen 1898 in Braunschweig. Raabes Töchter mehrmals zu Gast im Hause Schott (Freundschaft Clara Raabe & Flora Schott).
Carl Schultes
(82) * 9. Juli 1822 Triesdorf (Ansbach), † 9. Juli 1904 Hannover. Schauspieler, Oberregisseur am BS Hoftheater und Wiesbaden. Schriftsteller. Führte Raabe 1870 in den „Club der Buern von Kreyenfelde“ ein. Schultes war die Seele des Clubs. Er wohnte zunächst mit Raabe im Haus Salzdahlumer 3 und besaß einige Raabebücher. Bekannt u. a. mit Gustav Freytag, Theodor Steinway.
Hans Martin Schultz
(67) * 14. Oktober 1865 Abbenrode/Elm, † 25. April 1932. Vater war Pastor in Abbenrode und bei Geburt des Sohnes bereits 54 Jahre alt. 1879–1884 Martino-Catharineum in Braunschweig, Professor, Dr. Heirat mit Anna Klie (1897–1913) und Emmy Ottonie Wirk (1922). Seit 1911 tätig in der „Gesellschaft der Freunde W. Raabes“. 1926 Vorsitzender bis zu seinem Tode. Schriften: 1931 „Raabe-Schriften“ eine systematische Zusammenstellung. 270 Seiten. Quelle: „Mitteilungen“ 1932 / 3. Nachruf, Seiten 93–100; 1932 / 2.
Heinrich Stegmann (55)
* 25. März 1846 Bückeburg, † 28. November 1901 Braunschweig. Kleiderseller, Ingenieur, Prokurist. Direktor Braunschweiger Eisenbahn-Signal-Bauanstalt. Gründer des Ortsvereins Dresden. Veröffentlichte: „Aus den Zetteltöpfen eines alten Raabefreundes.“ 1893 „Geschichte der Porzellanmanufaktur Fürstenberg“, die Raabe als Anregung und Vorlage für „Hastenbeck“ diente.
Karl Steinacker (72)
* 2. September 1872 Wolfenbüttel, † 21. Januar 1944 Braunschweig. Prof. Dr., Kunsthistoriker, Erster Direktor des Braunschweiger Landesmuseums. Vater: Prof. Dr. Eduard Steinacker * 25. März 1839 Holzminden – also acht Jahre jünger als Raabe. Militärdienst in München, dort Jurastudium. In Berlin Wechsel zu Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie. München, Berlin, Straßburg, Heidelberg. April 1901 Volontär im Hamburger „Kunst- und Gewerbemuseum“. 1. April 1910 Museumsinspektor in BS, dann Direktor. Schrieb Gedichte, u. a. 1894 in München „An Wilhelm Raabe“. Gab mit Meier heraus: „Bau- und Kunstdenkmäler im Landkreis Holzminden“. Vermittelte die Anfertigung des Immenkamp Raabegemäldes. Korrespondenz mit Raabe. Siehe auch Prof. Biegel „Festschrift zum 175. Geburtstag Raabe“, hintere Umschlagseite.
Theodor Steinweg
(64) * 6. November 1825 Seesen, † 26. März 1889 Braunschweig. Kleiderseller, Pianofabrikant Grotrian-Steinweg. Besitzer eines Fahrzeugs, genannt „Omnibus“. Er bot den Kleidersellern an, sie nach Riddagshausen zu fahren. Sie lehnten ab. Der Fußmarsch bei Wind und Wetter war ihnen lieber und wichtiger. Vererbte jeder Raabe-Tochter 1000 Mark.
August Stülpnagel
(84) *27. Februar 1819 Potsdam, † 3. Juni 1903 Eberswalde. Raabes väterlicher Freund von 1854 bis 1856 in Berlin. Raabe war 24, Stülpnagel 40 Jahre alt. Leih- und Antiquariatsbuchhändler mit Laden Ecke Markgrafen- und Behrensstraße. Raabe war sehr oft dort, auch in der Privatwohnung. Er bezeichnete ihn als einen lieben, feinsinnigen Mann. Quelle: Raabe-Jahrbuch 2001, ab Seite 50.
Constantin Uhde
(69) * 23. März 1836 Braunschweig, † 31. Mai 1905 Braunschweig. Professor 1871 der Baukunst an der Technischen Hofschule Braunschweig. Geheimer Hofrat. Gründer des Braunschweiger Kunstgewerbevereins. Viele Auslandsreisen. Verfasser vieler fachwissenschaftlicher Schriften. Baute mit Körner die Technische Hochschule und viele andere öffentliche Gebäude, u. a. auch die Eisenbahnstrecke Holzminden-Kreiensen. Gründete 21. September 1881 mit Leitzen den Aquarellclub „Feuchter Pinsel“. Malte selbst viele Aquarelle. Quelle: „Mitteilungen“ 1927/4, ab Seite 178.
Karl-Justus von Schmidt-Phiseldeck
(60) * 4. April 1835 Wolfenbüttel, † 11. Oktober 1895 Braunschweig. Jurist im Landeshauptarchiv, Konsistorialpräsident, viele Ehrenämter. Fünfzig Jahre seit der Schulzeit mit Raabe befreundet. Jugendfreund Raabes im Wolfenbütteler 5er Club „Kaffee“. Neun Geschwister, sechs jüngere Schwestern. Quelle: „Mitteilungen“ 1931/3, 4, Seite 118; Hoffmeister „Wilhelm Raabe – Schriftsteller in Wolfenbüttel.“, Seiten 35, 92.

Gesellschaft der Freunde

Ab 1948 Raabe-Gesellschaft, ab 2006 Internationale Raabe-Gesellschaft.

Wilhelm Brandes: „Als ich Wilhelm Raabe im Sommer 1909 von diesem Gedanken erzählte, antwortete er mit einem wehmütigen Lächeln“:
„Eine Raabe-Gesellschaft, wie die Goethe und Wagner-Gesellschaft? Das ist ein Gedanke. Nur kein gelehrter! Mögen sich meine Freunde denn einmal zusammenschließen! Das wäre schön! […]“

Angedacht vom Rechtsanwalt Dr. Abitz-Schulze, Dr. Spiero und Oberlehrer Henning schon zu Lebzeiten Raabes. Erste Kontakte schon während und sofort nach der Beerdigung. Zu Raabes posthumen 80. Geburtstag am 8. September 1911 im Altstadtrathaus Braunschweig erfolgt die erste offizielle Sitzung und Gründung durch zahlreiche Raabefreunde. Eröffnung Justizrat Engelbrecht; Vorsitz: Dr. Spiero, Oberbibliothekar Dr. Geiger, Tübingen, Oberschulrat Prof. Dr. Brandes. Sitz in Braunschweig. Am 8. September 1912 die erste Jahreshauptversammlung in Braunschweig. Am 9. September unternahmen die Raabefreunde eine Fahrt ins Weserland: auf den Großen Sohl, Eschershausen, Odfeld, Amelungsborn. Ortsgruppen: Braunschweig-Wolfenbüttel, Berlin, Hamburg, Hannover, Holzminden. 1913 schon über 1 000 Mitglieder, 1925/26: 25 Ortsvereine mit 3 000 Mitgliedern.

Quelle: BS-Landeszeitung 9. September 1911; „Mitteilungen“ 1961/2, Seiten 2–8.

Am 15. Oktober 1944 brannte bei der Zerstörung der Braunschweiger Innenstadt die Geschäftsstelle völlig aus. Von Akten, Briefen und sonstigen Dokumenten blieb so gut wie nichts erhalten. Nach der Besetzung wurde die Gesellschaft von der Militärregierung aufgelöst und musste neu beantragt werden. Die Wiederzulassungsverfügung verfolgte am 16. April 1948. 1950 erfolgt die Anerkennung der Gemeinnützigkeit durch die Bundesfinanzbehörde. Spenden und Beiträge waren somit steuerabzugsfähig.

Quelle: „Mitteilungen“ 195/2, Seite 27.

Internationale Raabe-Gesellschaft e. V.

Namensgebung auf Beschluss der Jahreshauptversammlung 2006 in Eschershausen unter Dr. h.c. G. Biegel.

Präsidenten:

1911 Februar–September:Louis Engelbrecht * 1857 † 1934, Ehrenmitglied
1911 September–1926 September:Wilhelm Brandes * 1854 † 1928
1926 September–1932 April:Hans Martin Schultz * 1865 † 1932
1932 April–November:Heinrich Spiero, kommissarisch * 1876 † 1947
1932 November–1944:Franz Hahne * 1865 † 1955
1944Ernst August Roloff d. Ä. * 1886 † 1955, Ehrenpräsident
1954–1957:Curd Semler * 1879 † 1965, Ehrenpräsident
1957 September–1971 September:Karl Hoppe * 1892 † 1973, Ehrenpräsident
1971 September–1994:Josef Daum * 1924 † 2004, Ehrenpräsident
1994 September:Gerd Biegel * 1947

Quelle: „Mitteilungen“ 1998/2.

Jahreshauptversammlungen

Quelle: „Mitteilungen“ – dort vollständige Information.

Orte der Jahreshauptversammlungen

  1. 8.9. Braunschweig
  2. 8.9 Braunschweig
  3. Helmstedt
  4. keine
  5. Braunschweig
  6. Magdeburg
  7. keine (Inflation)
  8. Hamburg
  9. Düsseldorf
  10. Stuttgart
  11. Holzminden
  12. Bielefeld
  13. Braunschweig
  14. Coburg
  15. Braunschweig
  16. keine
  17. 6./7.10. Eisenach
  18. 14./16.11. Braunschweig
  19. 10/12.10. Wernigerode
  20. Dessau
  21. 15./17.10. Hameln
  22. keine
  23. Zweimal zwangsweise 8. Juni und 19. Oktober Braunschweig
  24. keine
  25. 1.11. Braunschweig
  26. keine
  27. 7./9.9. Braunschweig
  28. 9.10. Braunschweig
  29. 9./10.9 Göttingen
  30. 8./9.9 Eschershausen
  31. 6./7.9 Hannover
  32. Höxter
  33. Braunschweig
  34. 3./4.9. Seesen
  35. Düsseldorf
  36. 4./5.10. Holzminden
  37. Bad Harzburg
  38. Hildesheim
  39. 12./13.11. Braunschweig
  40. Eschershausen
  41. 8./9.9. Unna
  42. 14./15.9. Hameln
  43. 17./18.10. Hannover
  44. 4./5.9. Kassel
  45. 17./18.9. Walsrode
  46. 7./8.10. Celle
  47. 21./22.9. Ratzeburg
  48. 20./21.9. Unna
  49. 12./13.9. Goslar
  50. 25./26.9. Braunschweig
  51. 28./29.10. Düsseldorf
  52. 8./9.9. Göttingen
  53. 7./8.9. Stadtoldendorf
  54. Braunschweig
  55. Höxter
  56. Bad Bevensen
  57. 9./10.9. Holzminden
  58. Helmstedt
  59. Bad Berleburg
  60. Braunschweig
  61. Bad Bevensen
  62. 9./11.9. Bad Harzburg
  63. Marbach
  64. Braunschweig
  65. 5.10. Köln 75ster
  66. 8./12.9. Berlin
  67. Bad Bevensen
  68. Stuttgart/Esslingen
  69. Coburg
  70. Braunschweig
  71. Magdeburg
  72. Braunschweig
  73. 23./25.9. Hannover
  74. 29.9./1.10. Prien am Chiemsee
  75. 6./8.9. Holzminden
  76. 12./14.9. Braunschweig
  77. Eutin
  78. 11./12.9. Göttingen
  79. 7./10.9. Husum (mit Storm-Gesellschaft)
  80. 9.9. Braunschweig
  81. 27./29.9. Braunschweig
  82. Braunschweig
  83. 24./26.9. Braunschweig
  84. 23./25.9. Braunschweig
  85. 8./10.9. Eschershausen
  86. 28./30.9. Braunschweig
  87. 26./28.9. Braunschweig
  88. 25./27.9. Braunschweig
  89. 24./26.9. Braunschweig
  90. 23./25.9. Berlin (bei Fontane-Gesellschaft)
  91. 28./29.9. Braunschweig
  92. 27./28.9. Eschershausen
  93. 26./27.9 Braunschweig
  94. 26./27.9 Braunschweig
  95. 8./9.10. Braunschweig
  96. 23./24.9 Braunschweig
  97. 29./30.9. Braunschweig
  1. Vortrag Spiero: „Raabe und seine Zeitgenossen“.
  2. Festrede von Fehse. Enthüllung Gedenktafel Leonhardstraße.
  3. Vortrag Castelle: „Scenen aus Raabes Werken“.
  4. Vortrag Stapel. Besichtigungen.
  5. Falkenberg: „Die Raabe-Philologie in Vergangenheit und Zukunft“.
  6. Einweihung Raabebrunnen in Braunschweig. Fricke „Wilhelm Raabe und die Weserheimat“.
  7. Vortrag Spiero: „Raabes Kleine Novellen“.
  8. Vortrag Spiero: „Raabe und Wolfenbüttel“.
  9. Vortrag Hartmann: „Gutmanns Reisen“.
  10. Gründung der „Stiftung Raabehaus“. Festrede Naumann: „Feier des 100. Geburtstages“. Theateraufführungen.
  11. Vortrag Pongs: „Wilhelm Raabe und das Reich“.
  12. Besichtigungen. Vortrag Münchhausen: „Wiederauferweckung Raabes“.
  13. Sprechchor der SS-Führerschule: „Ans Werk – Ans Werk“. Telegramm an den Führer und Reichskanzler: „Die Hauptversammlung der Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes huldigt dem Führer, dem Erneuerer der deutschen Nation, dem Vollender der politischen Hoffnungen Raabes in unwandelbarer Treue!“.
    Redner: Junge, Fehse, Jänecke, Castelle, Abitz-Schulze, H. M. Elster. Öffentliche Feier der Stadt Braunschweig und der NS-Kulturgemeinde. Reichserziehungsminister Dr. Rust spricht über Wilhelm Raabe; Castelle über „Wer kann es wenden“. Dieser 15. November ist Raabes 25. Todestag.
  14. Vortrag Margarethe Raabe: „Raabe als Zeichner“; Fehse: „Raabe und der Harz“.
  15. Besichtigung Junkers-Werke. Huldigung an Hitler. 25. Bestehen.
  16. Vortrag Henning: „Raabe als Dichter des Weserberglandes“.
  17. Gleichschaltung „Reichswerk Buch und Volk“, Reichsschrifttumskammer.
  18. Trotz Krieg sollen die Tätigkeiten ausgeweitet werden.
  19. Ausflug: Großer Sohl, Eschershausen, Odfeld, Amelungsborn, Stadtoldendorf.
  20. Vortrag Junge: „Abu Telfan“. Einweihung Plakette Kleidersellerweg.
  21. Vortrag: Carl Kaese: „Raabearbeit in kleineren Städten“; E. Weniger: „Wilhelm Raabe und die bürgerliche Welt“. Ferner auch Munerts, Plischke.
  22. 400 Teilnehmer. 120. Geburtstag, 40. Jubiläum. Vortrag: J. Klein.
    Grußtelegramm an Bundespräsident Theodor Heuss. Dessen Antwort: „Dank für die Grußworte, die Sie mir aus Eschershausen gesandt haben. Für mich ist Eschershausen selber eine seltsame Erinnerung. Vor vielen Jahren sollte ich dort einmal eine politische Versammlung abhalten. Die war aber so mäßig besucht, dass wir aus der Propagandaabsicht einen liebenswürdig meditierenden Stammtisch machten, und wahrscheinlich sind wir damit dem Sohn der Stadt näher gewesen als mit irgendeiner geschwollenen Veranstaltung. Der Parteiredner will an sich gern seine Rede losgeworden sein.“
  23. Größte Teilnehmerzahl aus Eschershausen. Vortrag Frerking: „Raabe und die Anderen“.
  24. 300 Teilnehmer. Vortrag Oppermann. Raabe Ausstellung in Corvey.
  25. Ausstellung „Wilhelm Raabe“ 12. bis 30. September, städtisches Museum Braunschweig.
  26. Vortrag Frerking: „Raabes Harzerlebnis“. Hörspiel, Wanderungen.
  27. Rose Krey liest Raabe. Vortrag Hoppe.
  28. Vortrag Oppermann: „Lehrer in Raabes Werk“. Besuch des Zimmers in Eschershausen.
  29. Vortrag Schomerus: „Die Gestalt des Bösen in Raabes Werken“.
  30. Lichtbildvortrag Paulke: „Hildesheim zur Zeit Raabes“.
    Vortrag Hajek: „Wilhelm Raabe und die Jugend unserer Zeit“.
  31. Vortrag Hoppe: „Raabe einst und heute. Feier zu Raabes 50. Todestage“.
    Ehrenmitgliedschaft für den Braunschweiger Oberbürgermeister Ernst Böhme erneuert – die 1933 von den Nationalsozialisten aberkannt war.
  32. Vortrag Oppermann: „Raabes Erzählung Das Odfeld“.
  33. Vortrag Schlegel: „Das Geschichtsbild bei Wilhelm Raabe“.
  34. Vortrag Helmers: „Die Verfremdung im Werk Wilhelm Raabes“.
  35. Vortrag Kunz: „Die Novellenkunst Raabes“.
  36. Vortrag Oppermann: „Religion und Mythos im Werk Wilhelm Raabes“.
  37. Vortrag Hoppe: „Wilhelm Raabe und M. Jensen – Mythos einer Freundschaft“.
  38. Vortrag Hoppe: „Hastenbeck und die Überwindung der Lebensangst“.
  39. Vortrag Klein: „Der Schüdderump“.
  40. Vortrag Oppermann: „Raabes Weg zur eigenen Form“.
  41. Vortrag Daum: „Universitätsbibliotheken Gestern und Heute“.
  42. Stiftung von 20 000 DM für das Raabehaus in Eschershausen.
  43. Schrader: „Zur Vergegenwärtigung und Interpretation der Geschichte bei Raabe“.
  44. Wilhelm-Raabe-Preis an Uwe Johnson. Vortrag Skreb.
  45. Rundfahrt Boffzen, Fürstenberg, Derental, Neuhaus, Holzminden, Höxter.
  46. Vortrag Preisendanz: „Provokativer Humor – Wilhelm Raabes Horacker“.
  47. Gründung Ortsgruppe Holzminden. Fürstenberg, Dampferfahrt.
  48. Vortrag Ohl: „Der Bürger und das Unbedingte bei Wilhelm Raabe“.
  49. Vortrag Schrader. Besichtigungen.
  50. Emmrich: „Personalität und Zivilisation in ‚Die Akten des Vogelsang‘“.
    Wilhelm-Raabe liebte es, im Freundeskreis anhand von Abreißkalenderblättern die dort verzeichneten Gedenktage zu würdigen. Er riss die Kalender bis 11. November 1910 täglich selbst ab. Gedenktage 1981:
    • 25. Todestag Berthold Brecht 14. August
    • 75. Todestag Henrik Ibsen 23. Mai
    • 100. Geburtstag Stefan Zweig 28. November
    • 100. Todestag Fjodor Dostojewski 9. Februar
    • 125. Geburtstag Bernard Shaw 26. Juni
    • 125. Todestag Heinrich Heine 17. Februar
    • 150. Geburtstag Wilhelm Raabe 8. September
    • 150. Todestag Friedrich Wilhelm Hegel 14. November
    • 200. Geburtstag Achim von Arnim 21. Januar
    • 200. Geburtstag Adalbert von Chamisso 30. Januar
    • 200. Todestag Gotthold Ephraim Lessing 15. Februar
  51. Vortrag Ahrend: „Auf der Bühne des Welttheaters“.
  52. Vortrag Denkler. Gedenktafel „Frau Salome“ Bad Harzburg.
  53. Vortrag Meyer: „Aus Raabes Stuttgarter Freundeskreis“; Vortrag Martini: „Weltleid und Weltversöhnung, Wilhelm Raabe in seinem Jahrhundert“.
  54. Vortrag Horch: „Historische Standortbestimmung von Guinea – Raabes St. Thomas“.
  55. Vortrag Deubler: „Zur Geschichte der Raabe-Pflege der Raabe-Gesellschaft“. Vortrag Buck: „Altershausen – am Rande des inneren Monologs“.
  56. Eine Vielzahl an Vorträgen über fünf (!) Tagen.
  57. Vortrag Schrader: „Alte Nester“.
  58. Vortrag Graevenitz: „Ein Dicker namens Stopfkuchen“.
  59. Vortrag Henrich: „Wunsiedel und der Deutsche Nationalverein“.
  60. Vortrag Schillemeit: „Raabes literarische Notizbücher“; Detering: „Ökologische Krise und ästhetische Innovation im Werk Wilhelm Raabes“.
  61. Vortrag Windhagen: „Noch hinter dem Mondgebirge – Abu Telfan als Trost und Hilfsbüchlein für Heimkehrer“; Führmann: „Der Schulmeister im Werk Raabes“; Schneider: „… die schwachen Schattenbilder – unsere Geschichte in ‚Unseres Herrgotts Kanzlei‘“.
  62. Vortrag Henkel: „Fabian und Sebastian“; Stern: „Die Innerste“.
  63. Gerd Biegel neuer Präsident. Vortrag Denkler: „Krise der Raabe-Gesellschaft, Bilanz und Perspektiven“; Böschenstein: „Fermentierender Süd und flimmerndes Schütt. Zu Raabes Sprachmusik“.
  64. Vortrag: „Wilhelm Jensen“, Besichtigung des Jensen Grabes. Dr. Angela Klein neue Geschäftsführerin.
  65. Vortrag: „Unruhige Gäste“. Einweihung Raabe-Brunnen in Eschershausen.
  66. Vortrag Hieber und andere. Exkursionen
  67. Vortrag Biegel: „Umbau zum Raabe-Museum in Eschershausen“.

Mitgliederzahlen und Ortsvereinigungen (Ortsgruppen)

  1. 1 000
  2. 2 600, 25 Ortsvereinigungen
  3. 3 000, 25 Ortsvereinigungen
  4. 1 300, 21 Ortsvereinigungen
  5. 1 400, 21 Ortsvereinigungen
  6. 1 400
  7. 1 800, 25 Ortsvereinigungen
  8. 1 030, 17 Ortsvereinigungen
  9. 1 100
  10. 1 200, davon 200 in der DDR
  11. 630
  12. 510
  13. 610, 10 Ortsvereinigungen
  14. 620
  15. 700, 11 Ortsvereinigungen
  16. 730
  17. 690
  18. 660
  19. 520
  20. 340
  21. 320

Ortsvereinigung Eschershausen

Vorsitzende

  • August Elsner, Bürgermeister, 13. Dezember 1920 bis zur Einstellung der Lesungen am 19. Februar 1934.
  • Carl Kaese, Kaufmann, 15. April 1948 bis 31. Januar 1966.
  • Ernst Meyer, Lehrer außer Dienst, 1. Februar 1966 bis 31. Oktober 1973.
  • Maria Böttcher, Bankbevollmächtigte, 1. November 1973 bis 31. Dez. 1999.
  • Dieter Marahrens, seit 1. Januar 2000.

Am 13. Dezember 1920 gegründet als „Raabeverein zur Pflege von Kunst und Wissenschaft“. Schriftführer Carl Kaese, Kasse Carl Bremer. 1921 mit 100 Mitgliedern, 16 Veranstaltungen (9 Theater-Aufführungen, 5 Vortragsabende, 1 Operetten und 1 Konzertabend). 1926: 51 Mitglieder.

Wiedergründung nach dem 2. Weltkrieg am 15. April 1948 nach einem Vortrag von Prof. Dr. Ernst-August Roloff im Singsaal (Aula) der Raabeschule. Ortsgruppe mit 26 Mitgliedern. 1950: 40 Mitglieder. Schon 58 Leseabende seit 1948. Nie unter 30 Teilnehmern. 1969 der 500. Leseabend. 1980: 31 Mitglieder. 1988: 40 Jahr Feier im Café Odfeld (seit 1948 mit 814 Zusammenkünften und Veranstaltungen). Der 1 000 Leseabend am 13. Mai 1988.

Quelle: „Mitteilungen“ 1950/2, S. 12–17; Referat Carl Kaese; TAH 6. 12. 1969.

Mitgliederzahlen

1926 51, 1934 11, ab hier nur private Lesungen, 1948 26, 1950 40, 1965 52, 1980 31, 2018 15.

Lesungen

(Auszug): 2004 Horacker, Hastenbeck, 2005 Stopfkuchen als Hörspiel, Die Alte Universität, 2006 Das Odfeld, Höxter und Corvey, Weihnachtsgeister, 2007 Holunderblüte, Der Marsch nach Hause, 2008 Die schwarze Galeere, 2010 Junker von Denow, Aus dem Lebensbuch des Schulmeisters Michel Haas, 2014 Frau Salome, Die Innerste, Die Hämelschen Kinder, Gedelöcke, Else von der Tanne, Des Reiches Krone.

Gästebuch des „Raabevereins“

August Elsner schreibt: „1933 machten sich die Zeichen der Zeit sichtbar und am 19. Februar 1934, unter dem Motto ‚Je finsterer die Hölle, desto heller meine Sonne.‘ (Odfeld, 19. Kapitel) lesen elf Raabefreunde drei Kapitel am vorläufig letzten Leseabend und ‚quittieren Ihre Anwesenheit‘“.

Nach der Wiedergründung folgt der nächste Eintrag im gleichen Gästebuch am 26. Mai 1948. Peter Schanz, 2003: „Da ist nichts durchgestrichen, nichts radiert, nichts herausgerissen von den ‚tausendjährigen‘ elf Jahren dazwischen! Drei Jahre nach dem Kriege, nach 14 Jahren machen 31 Raabefreunde da wieder weiter, wo sie aufgehört hatten: beim Lesen des ‚Odfeld‘.“

Andere Ortsvereine

Quelle: „Mitteilungen“.

Bad Harzburg
* 6. April 1949. Raabekreis Vorsitz Prof. Franz Hahne.
Bad Salzuflen
zählt 1956 zwölf Mitglieder.
Berlin
* 1911. Vorsitz Pfarrer Stock. 1921 Dr. Heinrich Spiero.
Bielefeld
* 1924. Vorsitz Prof. Petri. 1924 bereits 60 Mitglieder.
Braunschweig
zählt 1956 125 Mitglieder.
Braunschweig-Wolfenbüttel
* 1911.
Calvörde
* 1922 von Studienrat Zornemann. Vorsitz Lehrer Pape.
Chemnitz
* 1922. Vorsitz Mittelschullehrer Mehnert. 1932 mit 105 Treffen.
(Mehnert * 1890 † Silvester 1946 im russischen KZ Neubrandenburg.)
Dessau
* 1912 Dr. Hübenthal. 1945 mit 100 Mitgliedern. 1946 offiziell zugelassen. 1948 mit 224 Mitgliedern. 1956 mit 100 Mitgliedern.
Dortmund
* 1982 mit 13 Mitgliedern.
Dresden
* 1928 Direktor Müller-Benedict. 1929 mit 28 Mitgliedern.
Düsseldorf
* 1919 Dr. Abitz-Schulze. 1923 mit 80 Mitgliedern.
Erfurt
* 1924 Lehrer Carl Böttger.
Eutin
* 1922 Studienrat Dr. Westerburg. 1924 mit 60 Mitgliedern.
Frankfurt am Main
* Erneut 1921 Studienrat Dr. Sander. 1956 mit 30 Mitgliedern.
Freiberg in Sachsen
* vor 1927. Landgerichtsrat Dr. Häbler.
Gera
* 1931. Gegründet zum 100. Geburtstag mit 15 Mitgliedern.
Göttingen
* 1931 Bibliotheksrat Dr. Kindervater. Die Ortsvereinigung ist die einzige (!) literarische Gesellschaft in Göttingen. 1980 mit 97 Mitgliedern.
Hamburg
* 1911 Dr. Spiero. 1956 mit 168 Mitgliedern.
Hamburg-Bergedorf
*1926 Rektor Wilhelm Kreyenberg.
Hameln
Hannover
* 1911. 1924 Vorsitz OSD Prof. Dr. Graefenhain. 1992 37 Mitgliedern.
Hildesheim
* 1911 Prof. Dr. Goebel. Wiedergründung 1955 mit 26 Mitgliedern.
Holzminden
* 1924 Prof. Hoeck. Erneut 1978 Studienrat Krebs.
Kassel
* 1901 zum 70. Geburtstag. „Kasseler Raabegesellschaft“. Ausführliches persönliches Dankschreiben Raabes nach Kassel.
Köln
* 1924 Pfarrer Lehmann mit sechzig Mitgliedern. 1997 mit 25 Mitgliedern.
Leipzig
* 1920 Justizrat Markert. Erneut 1926. Kasse: Clara Behrens-Raabe.
Lübeck
zählt 1956 zwanzig Mitglieder.
Magdeburg
* 1911. Erneut 1919 Dr. Fehse. 1924 Friedrich Böttger.
München
* 1911.
München/Landesgruppe Südbayern
* 1921 Dr. Lill mit 21 Mitgliedern.
Northeim
Vorsitz 1953 Oberstudiendirektor Kuhs.
Nürnberg
* 1921 Prof. Konrad Meyer. Als „Landesgruppe Nordbayern“.
Recklinghausen
* vor 1924 Seminaroberlehrer August Otto.
Seesen
* 1920 Schulinspektor Graumann mit 22 Mitgliedern als „Raabenest“.
Stadtoldendorf
* 1948 Lehrer Lamprecht, Frau Rühle von Lilienstern.
Stettin
* 1923 Studienrat Wilhelm Schäfer mit vierzig Mitgliedern.
Stollberg im Erzgebirge
* 1921 Lose Vereinigung. Studienrat Alwin Töpfer.
Stuttgart/Ortsvereinigung Schwaben
* 1921 Prof. Dr. Otto Ostertag. Erneut 1988.
Tübingen
* 1921 Oberbibliothekar Prof. Dr. Geiger.
Unna
* 1949 Paul Spruth mit sieben, dann 14 Mitgliedern.
Winsen an der Aller
Wien
* 1924 Schulrat Prof. Dr. Josef Baß.
Zittau
* 1922 Reichsbankvorstand a.D. Richard Liebs.

Brüder vom Großen Sohl

Die Gesellschaft der „Brüder vom Großen Sohl“ (Br.v.Gr.S) wurde am 18. Dezember 1904 auf dem Großen Sohl im Hils (477 m über Normalnull) ins Leben gerufen. Gründer: Oberlehrer Hans Freytag (später Prof. Dr.) vom Kaiser-Wilhelm-Gymnasium (KWG) in Hannover. Wanderfreund Freytag hörte im Herbst 1904 bei einer Klassenfahrt in Frankfurt von den „Tauniden“, einer Wandergesellschaft im Taunus. Das war für ihn Anlass, in seinem bevorzugtem Waldgebirge, dem Hils, ähnliches ins Leben zu rufen.

Erste Sohlfahrt am 4. Advent, 18. Dezember 1904, mit zwei Kollegen, 26 Tertianern und drei Gästen. Fahrt mit der Bahn nach Alfeld, Wanderung zum Hils und Rückmarsch über Grünenplan und Alfeld. Gründungsrede am Vermessungsturm und Namensgebung. Freytag: „Der Große Sohl, mein liebster Berg. Er wolle gern der Oberbruder sein.“
Quelle: Nachrichtenblatt der Br.v.Gr.S. Dez.1927 Nr.1.

  1. 4. Advent. „Als wir Weihnachten 1906 in der ‚Waldlust‘ bei Alfeld saßen, erschien – jubelnd begrüßt – der Direktor Prof. Dr. Wachsmuth, der als Weihnachtsmann Honigkuchen, Dresdner Christstollen und andere Süßigkeiten brachte.“
    Quelle: Mitteilungen der Br.v.Gr.S. Dez. 1927 Nr.1.
  2. Am 12. Dezember schon 64 Anmeldungen. 22. Dezember Abfahrt 05:15 Uhr. Rückkehr 23:05 Uhr. Zum erstenmal Abstieg vom Hils über die Ithwiesen und Scharfoldendorf nach Eschershausen zur „Bundestaberna“ von Otto Sander (Hotel Sander = Mittelsander) am Steinweg. Festessen mit geistreichen Reden gewürzt. Dr. Freytag spricht vor dem Raabehaus, dann Fackelzug zum Sonnenwendfeuer auf dem Kirchberg.
    Quelle: Mitteilungen der Br.v.Gr.S. Dez. 1927/1.
  3. 4. Advent. Am 8. September wurde Raabe 77. Drei Sohlbrüder überbrachten Glückwünsche der Br.v.Gr.S. Raabe schreibt zum 4. Advent: „Der Bruderschaft vom Großen Sohle sendet zu ihrem 5. Wintersonnen-wende- und Weihnachtsfest auf dem Berg und im Tal die herzlichsten Grüße und zum Übertritt in das Jahr 1909 die aufrichtigsten Glückwünsche der Alte an der Oker, Wilhelm Raabe.“
    Das alte Vermessungsgerüst an dem Großen Sohl wurde morsch. Freytag regt den Bau eines neuen Turmes an.
  4. 4. Juni. Einweihung des „Raabe-Turms“ auf dem Großen Sohl. Jedoch: am 13. November warf ein gewaltiger Sturm den eisernen Turm um. Am 4. Advent lag er „als gefallener Recke“ am Boden. Freytag teilt mit: „Wilhelm Raabe hat eingewilligt, unser Ehrenbruder zu sein.“ Raabe dankt mit Brief vom 25. Dezember 1909: „… Im Geist bin ich dabei gewesen, sowohl auf des Berges Gipfel, wie in der wohligen Bundestaberna zu Eschershausen.“
    Quelle: Mitteilungen d.Br.v.Gr.S. Dez. 1927/1.
  5. 22. Dezember. Leichtes Winterwetter mit Reif, dunstig. 133 Teilnehmer ab Hannover 05:29 Uhr. Scharfer Marsch von Alfeld auf neuer Strecke / Punschabteilung vorweg, über den Ith (nach 1½ Stunden bereits am Turm: kein Fremder dort) nach Hölscher in Scharfoldendorf. Mittagessen um 15 Uhr bei Otto Sander (Eberbraten). Viele Lieder gesungen. Schauspiel von Wilhelm Brandes „Schlacht bei Ölper“ aufgeführt. Vor dem Raabehaus stilles Gedenken mit entblößtem Haupt, dann: Links-um, Fackelzugmarsch. Feuerrede: Sohlbruder Ernst Viktor Kohlrausch. Am Bahnhof „Gaudeamus igitur“ und „Muß i denn“. Rückfahrt nach Emmerthal mit der Vorwohle-Emmerthaler Bahn.
    Quelle: ausführlicher Pressebericht im Raabearchiv.
  6. 4. Advent. In althergebrachter Weise mit Abstieg nach Eschershausen, Fackelzug zu unseres verstorbenen Ehrenbruders Geburtshaus und Sonnenwendfeuer auf dem Kirchberg. Unser 1. Oberbruder Hans Freytag wurde 1911 als Direktor an das Realgymnasium Nienburg berufen. Neuer Oberbruder: Mitbegründer Wilhelm Bohne.
    Quelle: Mitteilungen d.Br.v.Gr.S. 1927/1
  7. 10. Sohlfahrt.
  8. Wegen des ersten Weltkriegs konnten keine Sohlfahrten von 1914 bis 1919 sowie, bedingt durch die Inflation, 1923 stattfinden. Allein dreißig der bisherigen Teilnehmer starben im Jahr 1914 in Belgien. Insgesamt fielen sieben Jahre aus.
  9. 4. Advent. Auf Initiative von Oberbruder W. Bohne zum ersten Mal wieder nach 1913. Bahnfahrt nach Alfeld, Fußmarsch. Kleine, ernste Feier am Großen Sohl, Rückmarsch zum Gasthaus, „Zum grünen Wald“ in Warzen, Abfahrt ab Alfeld. Keine Möglichkeit, von Eschershausen nachmittags oder abends noch nach Hannover zu kommen.
  10. 15. Sohlfahrt am 20. Dezember. Zum ersten Mal nach dem ersten Weltkrieg wieder in alter Weise mit Abstieg nach Eschershausen. In der Woche Schnee, 18./19. Tauwetter und Matsch. Am 20. erneuter Schneefall. Am Turm dickster Nebel und Schneesturm. Schnee Kniehoch. Turmrede und Wanderung über den Ith fallen wegen des Schneesturms aus. Kein Feuer. 14:30 Uhr in Eschershausen. Festrede Oberst Dr. Groehe, Rede Prof. Bock, Rede Oberleutnant außer Dienst Ernst Schmidt, Rede/Gedicht Otto Sander. Am Kirchberg: „Ganz Eschershausen nahm an der Feier teil.“ (1925: 1 988 Einwohner) Rückfahrt mit der Bahn.
    Quelle: Raabearchiv Brief von Otto Sander; Nachrichtenblatt Br.v.Gr.S. 1927/1.
  11. 19. Dezember. Ab Lippoldshöhle Schneegestöber, am Großen Sohl echte Winterlandschaft. Eschershausen: Gasthof Sander, 70 Teilnehmer ab Hannover. Unter anderen Studiendirektor Freytag, Studiendirektor Prof. Dr. Graefenhain. Weihnachtsrede Pastor Knop. Für Eschershausen August Elsner und mehrere Raabefreunde. Abschiedsrede Oberstudiendirektor Groebe. Studienrat Hattenbach per Akklamation zum Oberbruder gewählt.
    Quelle: Nachrichtenblatt Br.v.Gr.S. 1927/1.
  12. Am 9. Dezember die Absage mit Entschuldigung von seiner Hoheit Prinz Georg von Sachsen-Meiningen. 4. Advent. Bei herrlichem Winterwetter am 18. Dezember mit 79 Teilnehmern ab Hannover. Im Hotel Sander „große Wäsche“ – Strumpfwechsel, Hausschuhe. Rückkehr in Hannover um 23:37 Uhr.
    Quelle: Nachrichtenblatt Br.v.Gr.S. Nr. 2, Dez. 1930.
  13. 4. Advent, 23. Dezember. 52 Teilnehmer ab Hannover Turmrede: Bundeskanzler Oberleutnant im Ruhestand Ernst Schmidt. Verschneite Wälder und Felder. Wirt der Bundestaberna: Hermann Sander. Begrüßung: Oberstudiendirektor Dr. Groebe, Direktor des KWG und August Elsner, Bürgermeister Eschershausen. Weihnachtsrede: Stadtrat Kramer. Darbietung der Kaeseschen Kapelle. Gedächtnisrede: Prof. Bock, Hannover. Zurück 23:40 Uhr.
    Quelle: „Mitteilungen“ 1929/1, S. 44; Nachrichtenblatt Br.v.Gr.S. Nr. 2, 1930.
  14. 4. Advent, 22. Dez. 25-jähriges Jubiläum. Bestes Winterwetter, aber schneidender Nordostwind. Turmrede: Hans Freytag. Wohlig geheizter Sanderscher Gasthof. Begrüßungsrede: Oberbruder Studienrat Hattenbach und Bürgermeister Elsner. Weihnachtsrede Pastor Schütze. Ernennungen: Freytag zum Ehrenoberbruder, Prof. Bock zum Ehrenbruder, Elsner zum Ehrenmitglied. 1928 und 1929 einstündiger Aufenthalt in Kreiensen! Bahnhofswirt Curt Ackermann am Zug, ein Raum festlich geschmückt mit Weihnachtsbaum und eingedeckt mit Kaffee und Kuchen.
    Quelle: Einladungsschreiben und Nachrichtenblatt Br.v.Gr.S. Nr. 2, 1930.
  15. 4. Advent, 21. Dez. Bisher keine nachträgliche Berichterstattung aufgefunden – „Mitteilungen“ 1931/1, S. 45/46. Jedoch: Gedenken für den verstorbenen Sohlbruder Studienrat Hattenbach (53) * 12.9.1877 † 11.10.1930 „Wir werfen in Eschershausen unsere Fackeln nicht zusammen und löschen sie aus, sondern nehmen sie mit nach Hannover und zünden sie am Grabe unseres toten Oberbruders erneut an.“ 24 Uhr am Lindener Friedhof, um 1 Uhr morgens […] mit Straßenbahn zurück zum Bahnhof. Wir singen: „Jesus lebt, mit ihm auch ich“ und „Harre, meine Seele“. Seit 17. Februar 1930 heißt Oberleutnant Ernst Schmidt amtlich Schmidt-Vogelsang.
    Quelle: Einladungsschreiben und Nachrichtenblatt Br.v.Gr.S.
  16. 4. Advent, 18. Dez. „Trotz alledem“ 22. Sohlfahrt. Aus Not und Geldknappheit nur 28 Teilnehmer aus Hannover. Herrliches, fast vorfrühlingshaftes Wetter. Turmrede Oberleutnant a. D. Schmidt-Vogelsang begrüßte einige Eschershäuser (Elsner und andere). Tischrede in Sanders Hotel: Freytag, Prof. Hoesch, Dr. C. Bauer, Oberst Orke, Schwertfeger, Schütze. Denkmalsrede an der Schule: Freytag. Von Hannover 7 Uhr nach Alfeld. Zurück mit Bahnbus nach Alfeld, von dort per Bahn. Ankunft 0:40 Uhr wieder in Hannover.
    Quelle: Zeitung 30. Dez. 1932 und „Mitteilungen“ der R.G. 1933 S. 31,32.
  17. 4. Advent, 17. Dez. Tief verschneite Landschaft schaut aus dem Nebelmeer der Täler, Sonne. Aus Hannover 70 Teilnehmer unter Bundeskanzler Schmidt-Vogelsang. Prof. Hoesch zum Oberbruder ernannt. Zum ersten Mal mit modernsten Verkehrsmittel, nämlich mit großen Omnibussen von Hannover. Prof. Bock, der Senior der Sohlbrüder in der Bundestaberna: „Hier wohnen gute Geister, drum Heil der Wilhelm-Raabe-Stadt, drum Heil dem Bürgermeister.“ Bürgermeister Elsner seit 10 Jahren Sohlbruder. Auf dem Kirchberg: Horst-Wessel-Lied und Deutschlandlied.
    Quelle: „Mitteilungen“ d.R.G. 1934/2, Seiten 58–60; Zeitungseite „Hauptstadt Hannover“ und NTZ Hol. 20. Dez. 1933.
  18. 3. Advent, 24 Sohlfahrt und 30-jähriges Sohljubiläum mit zwei Bussen. Kein Schnee. Auf den Ithwiesen blühen Gänseblümchen. Am Raabeturm Bürgermeister Elsner und Rektor Ernst Wesarg. Turmreden: Bundeskanzler Hauptmann Schmidt-Vogelsang, Studienrat Knoche, Hannover. Nachmittags bei Sander mit Nationalhymne und Horst-Wessel-Lied. Alles schwülstig-hitlerisch. „Sieg Heil“ und „geheiligte Weihelieder“ klangen ins nächtliche Raabeland hinaus.
    Quelle: „Mitteilungen“ 1935, Heft 2.
  19. 22. Dez., 25. Sohlfahrt. Tiefer Schnee, Raabeturm vereist. Auf dem Großen Sohl Bürgermeister Elsner und andere Vertreter der Stadtverwaltung. Prominente: Direktor Dr. Ullrich, Prof. Bock, Schriftleiter Friedrich Sack. Grußadresse Prof. Franz Hahne von der Gesellschaft der Freunde Raabes. Turmrede: Studiendirektor im Ruhestand Prof. Freytag (70). Am bereiften Raabedenkmal ein gewaltiges zweifaches Sieg Heil auf den Führer. Redner in Eschershausen: Freytag, Hoesch, Schmidt-Vogelsang. „O du fröhliche“ bei Sander. Auf dem Kirchberg: Die nationalen Weihelieder klangen ins abendliche Tal hinaus.
    Quelle: „Mitteilungen“ 1936, Heft 2; Täglicher Anzeiger Holzminden (TAH) 3.1.1936.
  20. 4. Advent, 20. Dez. 75 Teilnehmer aus Hannover. Kein Schnee, blauer Himmel, Sonne, Fernsicht, aber scharfer Wind. Am Raabeturm: Elsner. Turmrede: Freytag. Tischredner: Freytag, Hoesch, Sack. Schmidt-Vogelsang – nach Berlin versetzt – wurde Ehren-Bundeskanzler. Neuer Bundeskanzler: Erich Hildebrand. Weihnachtsrede: Prof. Bock. Kirchberg: Flammenspruch Erich Hildebrand. Ganz Eschershausen mit unterwegs beim Fackelzug mit dem Hohenfriedberger Marsch.
    Quelle: „Mitteilungen“ 1937/2; Nachrichtenblatt der Br.v.Gr.S. Mai 1937.
  21. 19. Dez. Winterliche, verschneite Bergwelt, vereister Raabeturm. Neue Schutzhütte an Stelle der alten. Am Turm, wie immer Bürgermeister Ehrenbruder Elsner zur Stelle. Turmrede: Freytag, Mittagessen in der Bundestaberna Sanders Hotel. Redner: Bürgermeister Elsner, Sack. Weihnachtsrede: Gräfenhain. Denkmalsrede: Hoesch. Sonnenwend-Flammenspruch: Arzt Dr. Ruge, Hannover. „Beim Abschied auf dem Bahnhofsvorplatz war wieder ganz Eschershausen versammelt.“
    Quelle: „Mitteilungen“ 1938, Heft 2.
  22. 18. Dez. Die Brüder vom Großen Sohl kämpften sich bei grimmiger Kälte über den Hils. Begrüßungsansprache: Elsner. Weihnachtsrede: 2. Vorsitzender Graefenhain (Freytag erkrankt). Anwesend: der Raabe-Enkel Holzmindens Stadtbaurat Konrad Behrens-Raabe. Arzt Dr. Walter Ruge, Hannover, sang vertonte Raabe-Gedichte. Denkmalsrede: Hoesch. Abenteuer bei der Heimfahrt.
    Quelle: „Mitteilungen“ 1939, Heft 2 Seite 76.
  23. Wegen des zweiten Weltkrieges (Beginn 1939) konnten neun Jahre lang keine Sohlfahrten stattfinden. Zusammen mit dem ersten Weltkrieg fielen insgesamt 16 Jahre aus. Wiederbeginn mit der 29. Sohlfahrt 1948.
    Zeitungsanzeige 50×20 mm: „Auch im 5. Kriegsjahre grüßen die Brüder vom Großen Sohl zum Wintersonnenwende- und Weihnachtsfeste die alte, gute Raabestadt Eschershausen, Hannover, am 19. Dezember 1943.“
  24. 18. Dezember. Erste Sohlfahrt nach dem Krieg. Die Einladung unterzeichneten Oberbruder Hoesch, Bundeskanzler Hildebrand. Vorher intensiver Schriftverkehr mit Carl Kaese und der Stadt Eschershausen betreffs Wiederaufnahme. Carl Kaese ernannt zum Ehrenbruder.
  25. 18. Dezember. Telegramm an Carl Kaese 17. Dezember 11:50 Uhr: „HUNDERT PERSONEN ERBSEN“ HILDEBRAND. Abfahrt Hannover 07:30 Uhr in geheizten Omnibussen. Festmahl in der wohligen Bundestaberna. Bürgermeister: Kassebeere (Klages ist im Ruhestand), Stadtdirektor: Lenke.
    Quelle: Einladung Hann. Hoesch und Hildebrand vom 21. November 1949.
  26. 4. Advent, 17. Dezember. Abfahrt Hannover 08:00 Uhr. Diverser Schriftverkehr zum Thema: Der KWG-Schüler Emme stürzte in der „Rothen Steinhöhle“ und erlitt einen Schädelbruch. Bei den Sohlbrüdern waren drei Ärzte dabei. Dr. Ruge begleitete den Schüler beim Transport im Krankenwagen nach Hannover. Therapie: sechs Wochen absolute Bettruhe!
    Quelle: Einladung zur Sohlfahrt d. KWG, Hoesch, Hildebrand.
  27. 4. Advent. 32. Sohlfahrt.
  28. 4. Advent, 21. Dezember. Abfahrt am Aegi um 8 Uhr mit geheizten Omnibussen. An der Lippoldshöhle Frühstück mit mitgebrachten Stullen. In der neuen Bundestaberna Weihnachtsrede des Ehrenoberbruders Prof. Hoesch. Im Jahr 1952 erheblicher Schriftwechsel wegen des Überganges der „Bundestaberna“ in andere Hände betreffs des Eigentums an Bildern.
    Quelle: Einladung Hannover vom 27. Nov. Drygalski, Hoesch, Hildebrand.
  29. 4. Advent, 20. Dezember. Abfahrt 8 Uhr am Aegi. Anzug: „Räuberzivil und ein Paar Ersatzstrümpfe im Rucksack. Für die Jugend: Kopfbedeckung nicht vergessen!“ Weihnachtsrede in der Bundestaberna Ehrenoberbruder Prof. Hoesch.
    Quelle: Einladung Hannover vom 30. Nov. 1953 Drygalski, Hoesch, Hildebrand.
  30. 4. Advent, 19. Dezember. Sohlfahrt seit 1904 = seit 50 Jahren. Abfahrt Hannover 07:30 Uhr vom Aegi. Schüler 5 DM, Erwachsene 10 DM.
    Quelle: Einladung vom 4. Dez. 1954. Drygalski, Hoesch, Hildebrand.
  31. 4. Advent. Fahrt in den schneebedeckten Hils. Von Hannover 120 Personen. An der Lippoldshöhle das Lippoldslied von Dr. Ruge. Turmrede Bundeskanzler Hildebrand. Feuerwehrkapelle Grünenplan „Gott grüße Dich“. Erbsensuppe in der Bundestaberna. Bürgermeister Willi Schewe. Festansprache: Ehrenoberbruder Prof. Hoesch, früherer langjähriger Leiter des KWG. Rede am Raabedenkmal Ehrenoberbruder Dr. Roeder, Bad Nenndorf. Teilnehmer u. a. Drygalski, Dr. Schmedes.
    Quelle: Hannoversche Presse vom 27. Dezember 1957.
  32. 4. Advent. Vierzigste Sohlfahrt. Von Hannover zwei Busse. Bei trüben Wetter am Großen Sohl rund 200 Personen unter anderen Carl Einecke (90), Oberreichsbahnrat a. D. D. Nöldeke (weit über 80) im traditionellen alten Reichsbahnmantel. Musik: Feuerwehrmusikzug Grünenplan. Begrüßung: Rektor Behrens und erster Vorsitzende. Turmrede: E. Hildebrand seit nunmehr 25 Jahren Bundeskanzler. Mittag: Hotel zum Stadtberg. Festansprache: Hoesch, Stadtdirektor: Fritz Lenke. Für den Raabeverein: Ernst Meyer. Rede am Raabedenkmal: Roeder. Buchpreise durch Drygalski vom KWG.
    Quelle: TAH 23. Dezember 1959.
  33. 4. Advent. Wunderschöner, schneeverhangener Wald. Von Hannover zwei Busse. Am Großen Sohl über 200 Personen. Begrüßung: 1. Vorsitzender Hilsverein Rektor Behrens. Kranzniederlegung: Schmidt-Vogelsang. Turmrede: Hildebrand. Musik Feuerwehr-Musikzug Fritz Hentze. Teilnehmer unter anderen D. Nöldeke, Postmeister Eschershausen. Karl Einecke, 91 Jahre. Quelle: TAH 22. Dez. 1960.
  34. 4. Advent, 17. Dez. Minus 10 °C, sonnig, kein Schnee, kein Wind, Wege etwas vereist. Von Hannover 40 Schüler und 40 Alte Herren mit zwei Bussen. Turmrede: Sohlbruder Burhenne, H. Begrüßung: Herr Hennecke vom Hilsverein. Nachmittag Saal „Hotel zum Stadtberg“. Festredner: Hoesch. Schriftleiter Fr. Sack, Oldenburg wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Stadtdirektor Lenke, Bürgermeister und Landrat Willi Schewe. Drygalski verlieh Buchpreise an Hannoversche Schüler. Denkmalsrede: Oberstudienrat Stolte.
    Quelle: TAH vom 31. Dez. 1961.
  35. 4. Advent. Von Hannover drei Busse mit 120 Teilnehmern. Turmrede: Hildebrand. Mittagessen im Braunschweiger Hof. Gäste: Schewe, Lehrer a. D. Ernst Meyer. Festredner: Studienrat Matthias über „Keltische Knochen“.
    Quelle: TAH vom 23. Dez. 1964.
  36. 4. Advent. Wetter: regnerisch, stürmisch. 12 Uhr Feier am sturmumtosten Turm. Von Hannover zwei Busse mit 100 Teilnehmern. Turmrede: Dr. Reichelt. Wanderführer: Hermann Arste aus Eschershausen. Grußworte: Karl Göhmann vom Verkehrsverein Eschershausen auch für Grünenplan, Kaierde – im strömenden Regen. 14 Uhr Mittagessen in der Bundestaberna vorher Hotel Sander, jetzt Braunschweiger Hof. Grußworte: Lenke, Meyer. Redner: Drygalski. Festvortrag Prof. Dr. Schnath, Landesuniversität Göttingen. Fackelzug mit Kapelle Wagner verkürzt wegen „des prasselnden Regens“.
    Quelle: TAH 22. Dez. 1965; Hann. Presse; Einladung.
  37. 4. Advent, 18. Dez. Abfahrt Hannover 8:30 Uhr. Kosten Schüler 8 DM, Erwachsene 14 DM. Leiter des KWG: Drygalski. 14 Uhr Mittagessen in Eschershausen Braunschweiger Hof. 1966 verstarb das Ehrenmitglied des Raabevereins Eschershausen (seit 1962) Postmeister Karl Einecke.
    Quelle: Einladung des KWG vom 22. Nov. 1966.
  38. 4. Advent. Von Hannover drei Busse mit 130 Teilnehmern. Dünne Schneedecke, Frost mit Nebel. Sicht unter 100 m, aber fantastischer Raureif. Viele Wanderer und Raabefreunde. Turmrede: Nöldeke. Begrüßung: Horst Nolte, Grünenplan, FW-Musikzug. Holzfeuer und Teepunsch. Erbseneintopf Hotel zum Stadtberg. Festrede: Frau Dr. Landgraf, Wiesbaden über „Der Marsch nach Hause“, Dr. Holtermann vom KWG überreicht Bürgermeister Heinz Sassin die Raabebüste für das Sitzungszimmer, gestiftet vom Sohlbrudersenior Dr. Ruge. Nachmittagsregie: Dr. Schmedes. Kirchberg: Blasmusiker „Die Raabestädter“ „Flamme empor“, „Gaudeamus igitur“, „Muss i denn“.
    Quelle: TAH Dez. 1976.
  39. 3. Advent, 17. Dez. Abfahrt Hannover 08:30 Uhr. 14 Mittagessen Hotel zum Stadtberg. 19:15 Uhr Abfahrt. Referat: Dr. Holtermann.
    Quelle: Einladung des KWG vom 13. Nov. 1978.
  40. 4. Advent, sechzigste Sohlfahrt. Über 500 Teilnehmer auf dem Großen Sohl. Von Hannover drei Busse. Begrüßung: Horst Nolte. Turmrede: Dr. Osterdieck, Leiter der Raabe-Ortgruppe Hannover. Vor 70 Jahren (1909) am 25. Juli Einweihung des Raabe-Turms. Musik: FW-Kapelle Grünenplan, Bruno Spormann. Hotel zum Stadtberg. Dres. Schmedes, Holterman, Ruge. Festvortrag: Dr. Sporn. Bürgermeister Sassin, Stadtdirektor Fritz Lenke wird zum Ehren-Sohlbruder ernannt (Dr. Schmedes).
    Quelle: TAH vom 2. Januar 1980.
  41. 4. Advent, 21. Dez. Kalt, leichte Schneedecke. Turmrede: Nöldeke, Begrüßung: Nolte, Musik: Feuerwehr-Kapelle Grünenplan unter Fritz Hentze. Mit dabei: Dres. Schmedes, Ruge, Holtermann, Rektor Georg Schiersch u. v. a. Rede am Raabedenkmal Eschershausen hielt Frau Gerke (zum ersten Mal eine Frau). Hotel zum Stadtberg als Taberna. Sassin, Lenke.
    Quelle: TAH 30. Dez. 1980.
  42. 4. Advent, 20. Dez. „Die Wanderer hatten sehr mit dem Schnee zu kämpfen“. Turmrede: Holtermann. Begrüßung: Nolte.
    Raabe-Gedenkmünze für Holtermann und Nöldeke. Sassin, Lenke, Gutacker, Frau Böttcher. Festvortrag Dr. Daum. Durchs Programm führte Sohlbruder Dr. Schmedes. Von Hannover drei Busse.
    Quelle: TAH 24. Dez. 1981; Einladung 16. Nov. 1981 Holtermann, Nöldeke.
  43. 4. Advent, 19. Dez. Feier erstmals in der Aula. „Es werden mehr Teilnehmer als sonst erwartet.“ Programm wie immer.
    Quelle: TAH Nov. 1982; Einladung vom 2. Nov. Holtermann, Nöldeke.
  44. 4. Advent, 18. Dez. Leicht winterliches, sonniges Wetter. Turmrede: Rechtsanwalt Sielmann-Eggebrecht. Begrüßung: Nolte. Von Hannover drei Busse. Festvortrag: Odfeld und Hastenbeck. Aufführung Klasse 9, Herr Netzel: Die Gänse von Bützow. Capella Wilhelmina. Aula-Festrede: Dr. Dittrich von der Herzog-August-Bibliothek, Wolfenbüttel. Bürgermeister Sassin, Stadtdirektor Hermann Gutacker. Denkmalrede: Dr. Sporn. Fackelzug-Musik: Die Raabestädter.
    Quelle: TAH 23. Dez. 1983.
  45. 4. Advent, 23. Dez. Am Großen Sohl einige Hundert Teilnehmer. Turmrede: Nöldeke. Begrüßung: Nolte. Feuerwehr-Musikzug Grünenplan, Fritz Hentze. Von Hannover vier Busse mit 200 Personen. Aula Festvortrag: Dr. Sporn. Der TAH-Artikel von Herrn Mundt dazu ist sehr lesenswert.
    Quelle: TAH 28. Dez. 1984 mit zwei Artikeln a) Grünenplan b) Eschershausen.
  46. 4. Advent, 22. Dez. 16 Uhr Vortrag von Dr. Taureck „Moderne Kunst und Philosophie“. 17 Uhr Capella Wilhelmina.
    Quelle: Einladung v. 21. Nov. 1985, Nöldeke.
  47. 4. Advent. Neblig-trüb mit Schnee. Turmrede: Nöldeke. Rund 140 Teilnehmer aus Hannover. Große Beteiligung mit etwa 300 Personen. Festrede: Dr. Asendorf.
    Quelle: TAH Dez. 1986 und 14. Jan. 1987.
  48. 4. Advent. Neblig-regnerisch, kein Schnee, trotzdem 300 Unentwegte unterwegs. Turmrede: Dr. Scholl vom KWG. Begrüßung: Nolte. Feuerwehr-Musikzug mit Annette Klünker.
    Quelle: TAH 29. Dez. 1992
  49. 4. Advent. Frische Brise, bedeckt, kein Schnee. Turmrede: Dr. Rademacher vom KWG. Begrüßung: Nolte, Feuerwehr-Musikzug mit Annette Klünker. Seit 90 Jahren Sohlfahrt (1904), seit 85 Jahren Raabeturm (1909) – dies ist die 75. Sohlfahrt.
  50. 4. Advent, 22. Dez. Hervorragende Fernsicht mit Brockenblick. Kalt, 3 cm Schnee. Teilnehmer am Großen Sohl laut Presse „über 500“! Turmrede: Herr Günkel (Jahrgang 1961) ehemaliger Schüler des KWG.
    Quelle: TAH 16. Jan. 1977.
  51. 4. Advent. Neblig-trüb, trocken, kein Schnee. Turmrede: Dr. Sporn. Begrüßung: Nolte, Grünenplan.
  52. 4. Advent. Programm: 9 Uhr Abfahrt, 10 Uhr Lippoldshöhle, 12:45 Uhr Feier am Raabeturm, 14:30 Uhr Essen in der Aula. 16 Uhr Nachmittagsprogramm, 18 Uhr Fackelzug, 19 Uhr Abfahrt, 20:15 Uhr Ankunft Hannover. 35 DM Erwachsene, 20 DM Schüler.
  53. 3. Advent, 17. Dezember – der 4. Advent fiel auf Heiligabend. Neblig-diesiges Wetter, kein Schnee. Turmrede: Dr. Sporn und Nolte.
  54. 4. Advent, 22. Dezember. Bis 13 Uhr im Hils sehr schön winterlich, aber starker Ostwind. Ab Nachmittag inklusive Fackelzug total verregnet. Kostenbeitrag Erwachsene 25 €, Schüler 15 €.
  55. 4. Advent. Die 85. Sohlfahrt und 100-jähriges Jubiläum des Beginns der Sohlfahrten am 18. Dezember 1904. Bei herrlichem Winterwetter rund 300 Personen am Raabeturm. Windstill und 10 cm Schnee. Schild an der Sohlhütte: „100 Jahre Sohlwanderung“. Dr. Thomas Sporn, Hannover wurde zum neuen Vorsitzenden und Bundeskanzler.
  56. 4. Advent, 18. Dezember. Herrliches Winterwetter, 15 cm Schnee. Wenig Wind, tiefverschneite Bäume. 300 Personen am Turm. Reden von Dr. Rademacher und Nolte. Schöner Fackelzug.
  57. 3. Advent, 17. Dezember. Kein Schnee, kein Frost, neblig-trüb, keine Fernsicht. 250 Personen am Turm. Turmrede: Bundeskanzler Dr. Sporn. Begrüßung: Prof. Krämer, Grünenplan (Herr Nolte 2006 verstorben). Von Hannover nur ein Bus, kaum Schüler. Nachmittags: Bigband des KWR. Zu wenig Besuch in der Aula, doch 18 Uhr schöner Fackelzug zum Kirchberg. „Flamme empor“, „Gaudeamus igitur“.
    Quelle: TAH 20. Dez. 2006.
  58. 4. Advent, 23. Dezember. Beginnender Eisregen um 10 Uhr. Am Großen Sohl Reif, minimaler Schnee, nasskalter Wind, aber trocken. 300 Personen. Sohlfahrer aus Hannover: rund 50 Personen, ein Bus. Turmrede: Dr. Sporn, Prof. Dr. Krämer, Stadtdirektor Mönkemeyer. Aula-Festrede: Dr. Nöldeke junior. Begrüßung durch Frau Reuther. Polnischer Starpianist Barlog spielt hervorragend. 18 Uhr Fackelzug bei zunehmenden Regen.
    Quelle: TAH 28. Dez. 2007.
  59. 4. Advent, 21. Dezember. Neblig-trüb-naßkalt, trotzdem 300 Personen am Turm. Reden: Dr. Nöldeke, Prof. Dr. Krämer. Wieder dabei: Dr. Schmedes. Nachmittags Führungen im Raabe-Museum für ca. 15 Personen, dabei unter anderen der neue Schulleiter des KW-Ratsgymnasiums Dr. Christian Stock.
  60. 90. Sohlfahrt 20. Dezember. Turmrede Dr. Rademacher, Schulleiter des Kaiser-Wilhelm und Ratsgymnasium KWR. Raabeturm 100 Jahre ein Kultur- und zeitgeschichtliches Denkmal. Gedenkschrift Prof. Dr. Bernd Krämer. Ansonsten traditioneller Ablauf auf dem Großen Sohl und Eschershausen.
  61. 19. Dezember. Verschneite Winterlandschaft. Begrüßung Prof. Krämer, Grünenplan. Turmrede Prof. Dr. Erdmann, Hann. Ministerialrat. In Eschershausen traditioneller Ablauf mit Fackelzug und „Taugenichts“. 100. Todestag von Wilhelm Raabe und 100 Jahre Gedenkstein am Raabe-Turm.
  62. 18. Dezember. Begrüßung Prof. Krämer. Turmrede Barbara Hilmer, Hannover. In Eschershausen Erbsensuppe in der Aula. Grußworte Schulleiter Dr. Christian Stock und Konrad Edelmann. Dr. Sporn hält Laudatio für Friedrich Mönkemeyer und ernennt ihn zum Ehrenbruder. Raabehaus geöffnet, Fackelzug, Raabestädter Blaskapelle, Sonnenwendfeuer.
  63. 23. Dezember. Turmrede Prof. Burchard, Hannover. Kranzniederlegung Hans-Joachim Bode, Grünenplan und Dr. Nöldeke. Nachmittag: Vortrag Dr. Sporn, Aula in Eschershausen. Ab April 2013 wird der Raabeturm renoviert: alte Holzbohlen werden durch Gitterroste ersetzt und die Maschendrahtumkleidung durch verzinkte Stahlmatten erneuert. 30 000 €.
    Quelle: Alfelder Zeitung mit sehr guter Berichterstattung vom 19. Dezember; TAH ohne Nachricht.
  64. 22. Dezember. Mit Beteiligung des Hannoverschen Wander- und Gebirgsvereines. Turmrede Dr. Rademacher. Kranzniederlegung H-J. Bode und Dr. Nöldeke. Die Hannoveraner zogen nach Grünenplan zur Glasmuseumsbesichtigung. Kein nachträglicher Pressebericht.
  65. 21. Dezember. 95. Sohlfahrt. Nach erbittertem Streit zwischen Dr. Sporn und KWR-Leitung machen beide nicht mehr mit. Trotzdem fand die Sohlfeier mit dem Hilsverein Grünenplan und vielen Ehemaligen aus Hannover statt. In Eschershausen: Fackelzug, Kapelle und Sonnenwendfeuer gestrichen. Stattdessen Nachmittags ca. 20 Hannoveraner im Raabe-Haus empfangen und mit Getränken versorgt von Samtgemeindedirektor Herrn Wolfgang Anders und Lothar Kaese. Viele gute Gespräche und Gesang. Nach 1½ Stunden mit Dank abgereist. Kein TAH-Artikel.
  66. 20. Dezember. (4. Advent). Wetter bedeckt, 10 °C plus, fast windstill. Sehr schönes Wanderwetter. Mindestens 200 Teilnehmer, davon etliche aus Hannover (Dr. Nöldecke) und Landtagsabgeordnete Sabine Tippelt. Turmrede Professor Krämer, Grünenplan, Vorsitzender des Hils-Vereins. KWR Hannover nicht mehr dabei. In Eschershausen keinerlei Aktivitäten mehr. Bericht und Fotos im TAH 22. Dezember
  67. 18. Dezember. 97. Sohlfahrt Neblig-trüb, keine Aussicht, wenig Wind, leichter Sprühregen. 4–5 °C. 300 Personen am Turm. Zirka zehn Ehemalige mit Frau Hilmer und Dr. Nöldeke. Alfelder Zeitung schickte eifrige, junge Redakteurin. Turmrede: Herr Bode (Hilsverein), Herr Waack, Sohlbruder. Alfelder Zeitung mit sehr guter Berichterstattung am 19. Dezember. TAH kein Nachbericht.
  68. 17. Dezember, 3. Advent, da 4. Advent Heiligabend. Bestes Winterwetter mit 6–8 cm Schnee. Wenig Wind. 200 bis 250 Teilnehmer, davon 10 aus Hannover. Begrüßung durch Herrn Bode, Grünenplan. Turmrede erstmals Dieter Marahrens von der Raabe-Gesellschaft Eschershausen. Keine Aktivität in Eschershausen: kein Fackelzug, Raabe-Haus geschlossen. Jedoch ein schöner Bericht im TAH am 19. Dezember.
  69. 23. Dezember, neblig-trüb, wenig Wind, 7 °C. Gut 150 Personen vor Ort, zirka ein Drittel der Wanderer sind wohl jünger als 35 Jahre. Turmredner HVV Ehrenvorsitzender Dr. Bernd Krämer berichtet über den Turmbau, die Renovierungen und das dieser jetzt als eingetragenes Kulturdenkmal geführt wird. Er bittet bereits um die tatkräftige Unterstützung aller Vereine der Gegend für die 100. Sohlfahrt. Der Vorsitzende des Hils- und Verkehrsverein Grünenplan Hans-Joachim Bode bestätigt die Fortsetzung der Tradition der Sohlwanderung am 22. Dezember 2019 zur dann 100. Sohlfahrt.
  70. 4. Advent. Die einhundertste Sohlfahrt! Gutes Wanderwetter bei etwa 8 °C, aber bedeckt. Sehr hohe Beteiligung. Ehrengast und Turmredner ist der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der bereits vor 43 Jahren als Schüler des KWG an einer Sohlfahrt teilnahm. Schöne Rede mit klugen Raabezitaten. Weil wünscht unter anderem eine Wiederaufnahme der Sohlfahrten durch das KWG; derzeit beteiligt sich nur die Ehemaligen-Vereinigung (zum Beispiel vertreten durch Frau Hilmer, Dr. Nöldeke). Organisation vom HVV (Vorsitzender Hans-Joachim Bode), Musik von der Feuerwehr Grünenplan (unter anderem „Droben im Hils“ und „Weserbogenlied“). Teilnehmer neben anderen die drei Landtagsabgeordnete Sabine Tippelt, Volker Senftleben, Hermann Grupe (auch Eschershäuser Bürgermeister), dazu der Delligser Bürgermeister Stephan Willudda und der Grünenplaner Bürgermeister Markus Oppermann. Glas-Gedenkbecher und -münzen. Nach Abschluss sehr lauter Heavy Metal der Einbecker Rockband „Green Machine“ (unter anderem auch wieder mit „Droben im Hils“).
    Am Nachmittag Raabefeier im Mehrgenerationenhaus in Eschershausen. Bus nach Hannover fährt ab um 18 Uhr.
    Schöner Artikel und Aufmacher auf der Titelseite im TAH vom 23. Dezember 2019.

Raabe-Kenner

Gerd Biegel
* 26. Mai 1947 Mannheim. Prof. Dr. h.c. Seit 1962 aufgewachsen in Köln. Dort Studium Germanistik, Geschichte, Philologie. Seit 1. August 1986 Direktor des Braunschweigischen Landesmuseums. Präsident der Raabe-Gesellschaft 25. September 1994. Vorsitzender der literarischen Vereinigung Braunschweig. Ehrenpromotion der Technischen Universität Braunschweig 7. Dezember 2002. Lehrbeauftragter für Museumspädagogik, Geschichte und Mathematik. September 2005 Professur. Unter anderem. „W. Raabe zum 175. Geburtstag 8.9.2006“. Unermüdliche Vortragsreihen zur Historie und Literatur.
Maria Böttcher
* 1. Dezember 1919 in Braunschweig † 11. Oktober 2011 Schöningen. Zwillingsschwester: Ilse Böttcher starb 1995 mit 76 Jahren in Eschershausen. Töchter von Obergerichtsvollzieher Heinrich Böttcher und Ehefrau Luise. Beisetzung von Maria Böttcher am 15. Oktober 2011 im Familiengrab in Eschershausen. 25 Jahre lang Vorsitzende der Raabe-Gesellschaft (des „Raabenestes“) Eschershausen. 1973–2000. Beruflich vierzig Jahre bei der Norddeutschen Landesbank, Bankbevollmächtigte. Sie war bis zu ihrem Tode Mitglied. Ihre gesamten Vereinsunterlagen wurden 2001 bis 2005 von Lothar Kaese durchgesehen, in Ordnern sortiert und im Klubraum des Museums Raabe-Haus archiviert.
Friedrich Castelle
(75) * 30. April 1879 Appelhülsen (Münsterland) † 15. Januar 1954 in Rheine. Dr. phil. an der Uni Münster. Der beste Raabe-Rezitator. Lektor für Ausdruckskunst. Mitgründer des Westfälischen Heimatbundes, Niederdeutsche Bühne, Herausgeber führender literarischer Zeitungen. Feuilletonschriftleiter. Sendeleiter in Köln und Düsseldorf. Intendant Radio Luxemburg. Schrieb Erzählungen und Romane. Hielt mehr als 5000 Lesungen über Raabe, Busch, von Droste-Hülshoff, Liliencron und anderen in vollendeter Kunst. Quelle: „Mitteilungen“ 1954 Heft 2, Seiten 37, 38.
Ralf Georg Czapla
* 24. Juni 1964. Literaturwissenschaftler Dr. der Universität Heidelberg. Vortrag in Arhus 5. April 2008 „Daß er seinen Geburtsort tief aus der Vergangenheit heraufholen mußte“ […] Raabes „Altershausen“ als Katabasis-Erzählung.
Josef Daum
(80) * 8. Februar 1924 Merzig/Saar † 18. August 2003 ebenda. Ehrenpräsident der Raabe-Gesellschaft. Vorsitz der Sektion Braunschweig. Präsident der Raabe-Gesellschaft von 1972 bis 1994. 1954 Dr. rer. nat. Wissenschaft. Arbeiten über Höhlenforschung. Ausbildung für den höheren Bibliotheksdienst. Ab 1967 Leiter der Bibliothek der Technischen Hochschule Braunschweig. Privatinteressen Volkskunst und Keramik. 1972–1993 Zusammen mit Prof. Dr. Hans-Jürgen Schrader Herausgeber der Jahrbücher.
Horst Denkler
* 1935 Thale im Harz. Prof. Dr. Emeritierter Professor für deutsche Literaturwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Exzellenter Raabekenner und Fachmann. 1998 Hauptversammlung Eutin Ehrenmitglied Raabe-Gesellschaft.
Heinrich Detering
* 1. November 1959 Neumünster. Prof. Dr. Institut für Neue deutsche Literatur und Medien der Universität Kiel. Mitherausgeber der Jahrbücher der Raabe-Gesellschaft.
August Dresbach
(74) * 13. November 1894 Pergenroth, † 4. Oktober 1968 Ründeroth/Bonn. Dr. phil. Dr. jur. h.c., Sohn eines Steinbrucharbeiters. Universitätstudium, lange Jahre Redakteur an namhaften Zeitungen. Bundestagsabgeordneter CDU über vier Legislaturen. Flocht in seine Reden stets Raabeworte ein. Erhielt 1960 die Raabe-Medaille der Raabe-Gesellschaft. Lebte die letzten Jahre völlig erblindet in seinem Wohnhaus mit Namen „Altershausen“. Nachruf in „Mitteilungen“, 1968/2 Seiten 30–31.
Carl Einecke
(96) * 27. Dezember 1869 † 23. April 1968 Eschershausen. Postmeister in Eschershausen. Vierzig Jahre lang Mitglied des Raabevereins. Verfasser der Chronik von Eschershausen.
August Elsner
(85) * 23. September 1888 Hasselfelde/Harz † 6. Dezember 1973 Eschershausen. Mai 1926 heiratet Auguste Bremer (Ehe blieb kinderlos). Bürgermeister der Stadt vom 1. April 1920 bis 7. April 1945. 1922–1931 Vorsitzender der Schützengesellschaft. 1928 Schützenkönig. 13. Dezember 1920–19. Februar 1934 Vorsitzender des Raabevereins Eschershausen. Zu seiner Amtszeit: Bau des Schwimmbades, Bau der Wilhelm-Raabe-Schule 1931 und des Wilhelm-Raabe-Denkmals. Bau der Knüllstraße. Ehrenbruder der Brüder vom Großen Sohl. Ehrung seiner Person mit der Benennung der Straße: Elsnerweg. Elsner hat sich mutig den Kriegsmetallspenden widersetzt: Raabedenkmal vor der Schule von Sagebiel. Quelle: Henze/Reuschel Eschershausen 1918–1933, Seiten 89–91.
Barker Fairley
(99) * 1887 Yorkshire † 11. Oktober 1986 Toronto. Dr. Phil. Prof. für Germanistik, Universität Toronto. Übersetzte „Stopfkuchen“ in die englische Sprache. Veröffentlichte 1960 in Oxford „Wilhelm Raabe. An introduction to his novels“. Deutsch übersetzt 1961.
Søren R. Fauth
Dr. Forskmingslektor. Afdeling for Tysk. Universität Arhus/Dänemark.
Elisabeth Freytag
(105) * 16. August 1891 † 23. März 1996 Langenhagen. Ehefrau und Witwe von Prof. Dr. Hans Freytag. Arbeitete nach dessen Tode in seinem Sinne weiter. Gab zum 6. Oktober 1965 (100. Geburtstag Ihres Mannes) eine Gedenkschrift über „Entstehungsgeschichte und Schicksale der Raabe-Denkmäler“ heraus. Seit 1952 Mitglied der Raabe-Gesellschaft. Mitgründerin der Ortsvereinigung Hannover 1962. Seit 1981 Ehrenmitglied. Zwanzig Jahre Schriftführerin der Ortsvereinigung Hannover. Zum 90. Geburtstag persönlicher Glückwunsch von Bundespräsident Karl Carstens. Quelle: „Mitteilungen“ 1997/1, Seite 14; 1982/2, Seite 38.
Ludwig Gerloff
(93) * 2. Februar 1888 † 22. Januar 1981. Lernte Raabe als Schüler noch persönlich kennen. Studierte Philosophie und Psychologie, später kaufmännischer Beruf. Außergewöhnlicher Raabe-Kenner. Viele Vorträge und intensiver Mitstreiter der Raabe-Gesellschaft. Ehrenmitglied der Raabe-Gesellschaft, Vorsitzender der Ortsvereinigung Göttingen. Quelle: „Mitteilungen“ Nachruf 1981/1 Seite 15.
Joseph Goebbels
* 29. Oktober 1897 Rheydt † 1. Mai 1945 Berlin. Reichspropaganda-Minister. „Raabes umfangreicher, von seinen Hinterbliebenen in seltener Vollständigkeit zusammengehaltener Nachlass war 1940 von dem Germanisten und Raabe-Verehrer Dr. Joseph Goebbels für die Stadt Braunschweig gesichert und ihr zur Betreuung übereignet worden, nachdem man die beiden noch lebenden Raabe-Töchter mit einer bescheidenen Pension der ‚Deutschen Schillerstiftung‘ abgefunden hatte.“ Quelle: Druckschrift „Raabe-Haus“, Braunschweig von 2000.
Heinrich Goebel
* 22. Mai 1870 Lübeck. Sohn einer Großkaufmannsfamilie. Mutter war Norwegerin. Prof. Dr. Lehrer am Gymnasium „Andreaneum“ in Hildesheim. Gab 1912 eine 200-seitige Raabe-Gedächtnisschrift heraus (Xenien-Verlag). Betrieb die Schaffung eines Raabe-Brunnen- und Denkmals in Hildesheim am Godehardiplatz. Alle Pläne waren fertig, die Ausführung verhinderte der Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914. Entwurf von → Ernst Müller.
Dirk Göttsche
Prof. Dr. „Department of German Studies“, Universität Nottingham. Vizepräsident der Raabe-Gesellschaft (nach Silvia Serena Tschopp) von 2006 bis 2013. Mitherausgeber „Jahrbuch der Raabe-Gesellschaft“ zusammen mit Dr. Ulf-Michael Schneider von 2008 bis 2012. Ehrenpräsident.
Helmut Grubert
(91) * 1. Februar 1894 † 7. März 1985 Seesen. Lehrer, Vorsitz Ortsvereinigung Seesen, enge Freundschaft mit Ortsvereinigung Eschershausen. Einer der treuesten Raabefreunde. Legte großen Wert auf Lesungen, Geselligkeit, weniger auf Wissenschaft.
Franz Hahne
(90) * 15. Februar 1866 Zorge im Harz † 4. Oktober 1955 Bad Harzburg. Studium in Göttingen, Prof. 1892–1933 Schuldienst in Braunschweig, Wilhelmgymnasium, Deutsch, Sport. 1932–1944 Vorsitzender der Ge-sellschaft der Freunde Wilhelm Raabes. Schrieb unter anderem „Neck- und Kampfspiele für Knaben“. Trat 1944 vom Vorsitz zurück, nachdem er durch Luftangriff Wohnung und sämtliche Arbeitsmittel verloren hat. Quelle: „Mitteilungen“ 1941/2; 1944/2; 1955/3 Seite 108.
Hermann Helmers
(63) * 14. August 1923 † 10. Mai 1987. Schüler von Prof. Hoppe, Dissertation 1960 über „Die bildenden Mächte in den Romanen Wilhelm Raabes.“ Prof. Dr. Wissenschaftler und Raabe-Forscher in der Raabe-Gesellschaft. Viele Veröffentlichungen unter anderem in den Raabe-Jahrbüchern. Quelle: „Mitteilungen“ 1988/2 Seite 21.
Gabriele Henkel
Dr. Leiterin der Raabe-Forschungsstelle in Braunschweig. Herausgeberin des Werkes „Wilhelm Raabe – Das zeichnerische Werk“. Georg Olms Verlag, Hildesheim, Zürich, New York, 2010, 423 Seiten. Eine hervorragende Arbeit mit 712 Positionen im Werksverzeichnis.
Kurt Hoffmeister
* 28. September 1924 Mitglied der Raabe-Gesellschaft, Kleiderseller. Zahlreiche Ehrungen, Bundesverdienstkreuz. Freund und Helfer: Ingo Beck. Über 300 Schriften, unter anderem: „Wilhelm Raabes Leben und Schaffen in biografischen Skizzen“ 24 Seiten, 1981 „Wilhelm Raabes Leben und Wirken in Anekdoten“ 62 Seiten, 1983 „Wilhelm Raabe und seine Braunschweiger Freunde“ 112 Seiten, 1984 „Der junge Raabe – Mitglied der Wolfenbütteler Turngemeinde“ Jahrbuch 1986 „Mit Dinte, Feder und Papier. Wilhelm Raabes Dichteralltag in Braunschweig“ 190 Seiten, 1999 „Ich habe Lust, mehr zu schreiben. Wilhelm Raabe, Schriftsteller in Wolfenbüttel.“ 114 Seiten, 2000 „Vom Grünen Jäger zum Großen Weghaus. Die Kleiderseller und. Wilhelm Raabe.“ 2002 „Wilhelm Raabe unter Reben“ „Wilhelm Raabe – Begegnungen“ 152 Seiten, 2005 „Mit Wilhelm Raabe im Harz“ 104 Seiten, 2007 „Der Dichter weicht, der Sänger kommt. Kleine Beiträge über Wilhelm Raabe.“
Karl Hoppe
* 21. Oktober 1892 Osterwick/Harz † 27. Juni 1973 Braunschweig. Prof. Dr. Ordinarius für deutsche Literatur an der Technischen Univer-sität Braunschweig. Schrieb auch über Keller, Storm, Goethe, Lessing, Freytag. Studierte in Heidelberg, Berlin. Dr. 1920 in Leipzig über Georg Büchner. Herausgeber der Historisch-kritischen Gesamtausgabe von Raabes Werken. Weihte 1929 die Gedenktafel am Großen Weghaus ein. Präsident, dann Ehrenpräsident der Raabe-Gesellschaft. 5. Juli 1968: das große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Am Tage der Beerdigung, 2. Juli 1973, zu Beginn der Trauerfeier starb seine Frau Dr. Else Hoppe, geb. Meyer. Noch bei der Goldenen Hochzeit hatten beide Eheleute auch das Goldene Doktor-Jubiläum gemeinsam gefeiert. Beide wurden gemeinsam in der Nähe von Wilhelm Raabes Grab bestattet.
Frau Dr. Else Hoppe
schrieb viele Veröffentlichungen über deutsche Literatur. Sie war befreundet mit Agnes Miegel, Ricarda Huch und Ina Seidel. Quelle: „Mitteilungen“ 1963/2 Seiten 2, 3; 1973/1 Seiten 23, 24.
Hermann Junge
(69) * 31. März 1884 Hamburg † 29. Mai 1953 bei Flugreise. Dr. Pastor. Verlor im zweiten Weltkrieg in Hamburg Haus und Habe und im Russlandfeldzug alle drei Söhne. Hielt den Festvortrag der Jah-reshauptversammlung am 9. Oktober 1949 in Braunschweig. Schrieb 1910 „Wilhelm Raabe: Studien über Form und Inhalt seiner Werke“ 140 Seiten. Schrieb die erste Doktorarbeit über Wilhelm Raabe. Besuchte Wilhelm Raabe in Braunschweig am 2. September 1910. Quelle: „Mitteilungen“ 1949/1 Seiten 36, 37. Horst Leweling: Wilhelm Raabe und die Männer in Schwarz, 2010
Carl Kaese
(76) * 9. Juni 1892 Eschershausen † 1. Juni 1968 ebenda. Kaufmannslehre in Uelzen, Mittlere Reife in Harburg. Angestellter in Stuttgart. 1914–1918 Frontsoldat in Frankreich, Vizefeldwebel. 1944 und 1945 Soldat in Deutschland als Leutnant. Amerikanische Gefangenschaft. Vorsitz Ortsvereinigung Eschershausen 1948–1965.
Johannes Klein
Dr. Phil. Universitätsprofessor in Marburg. Hielt am 8./9. September 1951 bei der Jahreshauptversammlung in Eschershausens Aula vor 400 Personen den Festvortrag. Davon existiert ein Foto in Postkartengröße. Ferner Foto 130 × 180 auf der Treppe der Wilhelm-Raabe-Schule.
Wilhelm Kreyenberg
(81) * 2. September 1868 Öbisfelde † 16. Mai 1949 Bergedorf. Ehrenmitglied der Raabe-Gesellschaft. 1888 Lehrerprüfung. Bis 1906 an einer Mädchenschule in Hamburg. Dann Rektor der Mädchenschule in Bergedorf. Begann mit sieben Freunden 1926 Raabe-Abende. Schuf die große und rege Ortsvereinigung Bergedorf. Quelle: Raabe-Kalender 1950, Seiten 152–154.
Florian Krobb
Prof. Dr. School of modern Languages, Literatures and Cultures. National University of Ireland. Maymooth, County Kildare. Verfasser zahlreicher Beiträge für die Jahrbücher der Raabe-Gesellschaft. Mitherausgeber des Jahrbuches 2012.
Ludwig Kubel
* 7. November 1859 Eschershausen † 4. August 1940 Potsdam. Verheiratet mit Helene Bochow. Sohn des Apothekers August Kubel, Eschershausen. Geburtshaus: Apotheke am Markt. Oberlehrer in Meißen und Lugau bei Chemnitz. Die letzten Jahre wohnhaft in Potsdam. Roman 1 „Die Glocke von Falkenried“ beginnt in Eschershausen, Roman 3 „Die Apotheke von Angerbeck“ spielt in Eschershausen. Roman 2 „Winzenburg“ zweibändig. Kubel war ein Sprachtalent, er konnte Latein, Griechisch, Französisch, Englisch, Tschechisch und Bulgarisch. Der Roman „Die Apotheke zu Angerbeck“ (Eschershausen) beschreibt sein Eltern-haus Raabestraße 2. Das Geburtshaus am Marktplatz ist auch das Geburtshaus von Carl Kaese. 1864 kaufte Kubels Vater das Haus des verstorbenen Medizinalrats Dr. Eicke, heute Raabestraße 2 (erbaut 1765) und verlegte die Apotheke wieder nach dort. Quelle: Detlef Creydt „Die Literaten des Kreises Holzminden“, 1988.
Adolf Lucé der Ältere
(69) * 1. Oktober 1889 im Raabe-Geburtshaus in Eschershausen † 23. August 1959 Eschershausen. Schwager von Carl Kaese. Zuletzt Amtsrat am Rechnungshof Potsdam. Im Ruhestand Stadtarchivar, Landkreisarchivar, Touristenführer. Er stiftete das Raabe-Relief an der Jugendherberge. Schrieb 1956 die Bro-schüre „Wilhelm Raabe Stadt Eschershausen“. Richtete 1957 das Raabezimmer mit ein.
Ernst Meyer
† 31. Oktober 1973 Eschershausen. Lehrer. Vorsitzender Ortsverein 1966–1973.
Dominik Müller
Dr. Universität Genf, Départment de langue et de littérature allemandes. Jahrbuch 2011: Rezension von Henkel „Das zeichnerische Werk“.
Hans Oppermann
(86) * 1895 Braunschweig † 28. August 1982 Tübingen. Prof. Dr. der Philologie in Greifswald, Heidelberg, Freiburg, Straßburg, Hamburg. Vize-Ehrenpräsident der Raabe-Gesellschaft 1954. Rektor der Gelehrtenschule des Johanneums Hamburg bis 1961. Forschung zu Caesar, Horaz, Vergil. Vorsitz Ortsvereinigung Hamburg. Schrieb: „Wilhelm Raabe“ 160 Seiten bei Rowohlt. Quelle: „Mitteilungen“ 1982/2 Seite 33 Nachruf von E. Waltemath.
Rolf Parr
Prof. Dr. Universität Bielefeld, Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft (LiLi). Duisburg, Essen. Fakultät für Geisteswissenschaften und Germanistik, Literatur und Medienwissenschaften. Vizepräsident 2013 der Raabe-Gesellschaft.
Hermann Pongs
* 23. März 1889 Oldenkirchen † 3. März 1979 Gerlingen. Promotion in Marburg. 1927 Professur Groningen, 1929 Stuttgart, 1942–1945 Göttingen. Veröffentlichte mehrere große Werke, so 1958 die Raabe-Monografie. Gilt als überholt, hat „eine allseitige wissenschaftliche Untersuchung eher behindert, als gefördert. Hatte biedermeierliches Unbehagen an der modernen Literatur.“ Die Forschung hat aber seine umfangreichen Fakten dankbar aufgegriffen. Quelle: „Mitteilungen“ 1979/1 Seite 19 Nachruf.
Michael Ritterson
Prof. Dr. of German at Gettysburg College, Pennsylvania. Übersetzte „Das Odfeld“ ins Englische. Als „The Odin Field“ erschienen 2001, Verlag Camden House in USA. Buchbesprechung im „Jahrbuch der Raabe-Gesellschaft 2002 ab Seite 172 von Dr. Florian Krobb, Dublin.
Hans Roeder (90)
* 16. März 1889 Magdeburg † 5. Juli 1979. Fand schon als Schüler zu Wilhelm Raabe. Studierte Naturwissenschaften in Halle, promovierte dort. Lehramt in Magdeburg. 1914 Studienrat in Hannover. Im ersten Weltkrieg zweimal verwundet. Ab 1921 Pädagoge in Hannover in leitender Stellung. Direktor der größten Oberschule für Mädchen in Hannover. Diese erhielt durch ihn initiiert den Namen „Wilhelm-Raabe-Schule“. Kleiderseller, Sohlbruder. Am 24. November 1961 Bundesverdienstkreuz erster Klasse. 1954 Pensionierung. War bereits mit 31 Jahren Oberstudiendirektor. Quelle: „Mitteilungen“ 1962/2 Seiten 9, 10.
Ernst August Roloff
(69) * 1884 † 14. November 1955. Professor an der Technischen Hochschule Braunschweig. War zehn Jahre lang Präsident der Raabe-Gesellschaft. Geriet in der zweiten Hälfte der Präsidentschaft in Streit mit den anderen Mitarbeiten, Trennung von der Raabe-Gesellschaft.
Eberhard Rose
Dr. Akad. Oberrat im Ruhestand. Göttingen. Zahlreiche Raabe-Veröffentlichungen.
Jeffrey L. Sammons
Prof. Dr. Yale-University, New Haven/USA. Laut „Mitteilungen“ 1996/2 Autor vieler Abhandlungen über Wilhelm-Raabe.
Ulf-Michael Schneider
Dr. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für neuere deutsche und europäische Literatur, Fern-Universität Hagen. Mitherausgeber Raabe-Jahrbücher 2005/2006, 2009–2012.
Hans Schomerus
* Indien/Missionarssohn † 20. Mai 1969. Studium in Göttingen, Leipzig, dann Pastor in Niedersachsen. Einige Zeit Domprediger in Braunschweig. Studiendirektor des Predigerseminars Wittenberg. Soldat in Russland. Nach 1945 Mitarbeiter bei „Christ und Welt“. 1957–1967 Studienleiter der Evangelischen Akademie Herrenalb. Nach Pensionierung 1967 sesshaft in Schielberg bei Herrenalb. Intensive Raabestudien und zu Shakespeare. Autor von Beiträgen für die Raabe-Jahrbücher, zuletzt 1968. Quelle: „Mitteilungen“ 1969/2 Seiten 34, 35 Nachruf.
Kurd Semler
(86) * 1879 † 5. November 1965 in Braunschweig. Dr. jur. Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig. Präsident der Rechtsanwaltskammer. Präsident der Raabe-Gesellschaft von 1954 bis 1956. Großer Raabefreund und -Kenner. Träger des Großkreuzes zum Bundesverdienstkreuz.
Hans-Jürgen Schrader
* Bad Harzburg. Prof. Dr. in Genf. Von 1991 bis Jahreshauptversammlung 1997 Vizepräsident der Raabe-Gesellschaft. Zusammen mit Prof. Dr. Daum Herausgeber der Jahrbücher 1972–1993. Seit Jahreshauptversammlung 1998 Ehrenpräsident. 1. Oktober 2011 Besuch im Eschershausen. Raabemuseum mit einer Literaturgruppe aus Bregenz. Gastprofessur in Tokio (Kulturschock). Zur Jahreshauptversammlung 2013 für sechs Tage in Eschershausen mit Frau und Schwester.
Zdenko Skreb
(81) * 20. September 1904 † 26. September 1985 ertrunken in der Adria. Prof. Dr. an der Universität Zagreb. Gelehrter von höchstem internationalem Ansehen. Mitglied vieler Akademien, Gremien. Vizepräsident Welt-Germanisten-Verband, Mitglied der Raabe-Gesellschaft. Viele Vorträge in der Ortsvereinigung Göttingen. Bad Bevensen, Helmstedt, Braunschweig, Wolfenbüttel. Beiträge in den Jahrbüchern. Studien zu Grillparzer, Lenau, Goethe, Fontane. Über hundert Publikationen. Quelle: „Mitteilungen“ 1985/2 Seite 4, Nachruf von Prof. Dr. Hans-Jürgen Schrader.
Heinrich Sohnrey
* 19. Juni 1859 Jühnde/Münden † 26. Januar 1948 Neuhaus. Prof. Dr. Dr. h.c. Ehrenmitglied der Raabe-Gesellschaft. Studium der Sprachwissenschaft, Literatur, Geschichte und Botanik. 1876–1888 Lehrer in Nienhagen und Drope, dann Schriftleiter. Ab 1894 Berlin. Gründet eigenen Verlag: „Deutsche Landbuchhandlung“. Herausgabe vieler eigener Werke. 1945 in Berlin total ausgebombt. Neuer Wohnsitz in Neuhaus. Viele Ehrungen. Ehrenbürger von Northeim. Benennung von Sohnrey-Schulen. Quellen: Creydt „Literaten des Kreise Holzminden“. Raabe-Jahrbuch 1949, 1950. Erich Rosendahl: Erinnerungen an Heinrich Sohnrey. Seiten 142–150.
Heinrich Spiero
(71) * 24. März 1876 Königsberg † 8. März 1947 Berlin. Ehrengrab des Senats Berlin. Herausgeber einer hervorragenden Raabe-Biografie. Eines der wissenschaftlich regsamsten und ältesten Mitglieder der Raabe-Gesellschaft. Schon 1911 ein Band „Wilhelm Raabe“. Hervorragender Literaturkenner (Fontane, von Liliencron, Gerhart Hauptmann). Wurde 1933 aus der Raabe-Gesellschaft ausgeschlossen, weil er „nichtarischer Abstammung“ war. Spiero veröffentliche 42 Ab-handlungen und Werke über Wihelm Raabe, unter anderem 1924 die Biografie „Wilhelm Raabe: Leben–Werk–Wirkung“ und 1927 das Raabe-Lexikon. Quelle: „Mitteilungen“ 1990/2, Seite 24.
Thomas Sporn
Dr. jur. Exzellenter Raabefreund und sehr guter Redner. Ministerialdirigent im niedersächsischen Sozialministerium. 11. September 2004 Raabe-Plakette und damit der dritte Preisträger der Stadt Eschershausen. Seit 4. Advent 2004 neuer Bundeskanzler der Brüder vom Großen Sohl. Mitgestalter der Tonbildschau im Museum Raabe-Haus.
Aribert Steffen
(53) * 1926 Magdeburg † 3. Oktober 1979. Schüler des Wilhelm-Raabe-Gymnasiums Magdeburg. Seit 1971 Vizepräsident der Raabe-Gesellschaft. Vorsitzender Ortsvereinigung Düsseldorf seit 1966. Quelle: „Mitteilungen“ 1979/2 Seite 22 von Karl-Wilhelm Kaese, Nachruf.
Albert Trapp
* 10. März 1890 Braunschweig † 13. September 1966 Braunschweig durch Verkehrsunfall. Sohn eines Handwerksmeisters. Lehrerseminar/Mittelschullehrer von 1923 bis 1945. Dozent für praktische Pädagogik, 1948 Prof. an der Kant-Hochschule, 1948–1963 Vorsitz Ortsvereinigung Braunschweig, 1954–1959 Herausgeber der „Mitteilungen“. Kleiderseller, angeborene Erzählergabe, unerschöpflicher Vorrat an Anekdoten. Quelle: „Mitteilungen“ 1966/2 Seiten 39, 40.
Silvia Serena Tschopp
Prof. Dr. in Augsburg. Lehrstuhl für europäische Kulturgeschichte. Vizepräsidentin der Raabe-Gesellschaft (endete 2006). Mitherausgeberin der Raabe-Jahrbücher 2005/2006.
Ursula Voges
† 2. Dezember 2003 Braunschweig. Nachfolge von Käthe Fehse 1967. Führungen und Literaturtreffs. Erwarb sich große Verdienste um die Raabe-Gedächtnisstätte in Braunschweig. Langjährige Hüterin derselben und Geschäftsführerin der Raabe-Gesellschaft. Ehrenmitglied.
Emil Waltemath
* 11. Februar 1912 † 19. März 1984. Hervorragender Raabefreund und Kenner, dreißig Jahre lang Kleiderseller, vierzig Jahre Mitglied der Raabe-Gesellschaft, davon dreißig Jahre Schatzmeister. Zwanzig Jahre Vorsitz Ortsvereinigung Braunschweig.
Freiherr Hans Paul von Wolzogen
(90) * 13. November. 1848 † 2. Juni 1938 Bayreuth. Literaturfreund und Schriftsteller. Lebte in Bayreuth. Zeitweise befreundet mit und Vorkämpfer für Richard Wagner. Zentrale Figur im pseudoreligiösen, antisemitischen „Wahnfried-Kreis“. Verehrte Raabe schon seit 1868. Traf Raabe bei Prof. Hans Sommer in Braunschweig und besuchte ihn. Schrieb „Raabeweisheit“, erschienen 1901 bei Otto Janke. In den Bayreuther Blättern viele Artikel über Raabe. Quelle: „Mitteilungen“ 1933/4, Seite 119.
Bernhard Zornemann
Lehrer an der Bürgerschule zu Eschershausen, Rektor daselbst. Machte den Umzug 1931 von der alten Schule in die neue Wilhelm-Raabe-Schule mit. Versetzung in Ruhestand am 30. September 1933. Sohn Erich B. Zornemann.
Erich B. Zornemann
* Eschershausen. Studienrat und Professor an der Hochschule für Lehrerbildung, Berlin. Gab 1912 eine Broschüre über Wilhelm Raabe heraus. Quelle: TAH 14. September 1981.

Dichterkollegen

Wilhelm Busch
(76) * 15. April 1832 Wiedensahl † 9. Jan. 1908 Mechtshausen.
Fast gleichaltriger Zeitgenosse Wilhelm Raabes., Dichter, Maler, Zeichner von Bildergeschichten. Beide sind sich nie begegnet, sie stehen sich innerlich völlig fern. Lebensstation: geht mit neun Jahren zur Schulausbildung zum Onkel, Pastor Georg Kleine nach Ebergötzen. 1846 Umzug nach Lüthorst, welches ihm zur zweiten Heimat wurde.
Joachim Heinrich Campe
(72) * 29. Juni 1746 Deensen † 22. Oktober 1818 Braunschweig.
Mutter: Tochter des Zollinspektors Klingemann aus Eschershausen. Vater: Burchard Hilmar Campe, Besitzer eines kleinen Hauses in Deensen (abgebrochen). Handel mit Leinen und Garn, starb als Joachim Heinrich zwölf Jahre alt war. Joachim Heinrich war der zweite Sohn von sechs Kindern (vier Söhne, zwei Mädchen).
1760–1766 Gymnasium Holzminden, 1766 Universität Helmstedt Theologie, Philosophie, 1768 Studium in Halle, 1778/1779 „Robinson der Jüngere“ erscheint, 1786–1805 Schulrat in Braunschweig. Schwiegervater des Verlegers Vieweg in Braunschweig. Große Anzahl von Veröffentlichungen, vor allem pädagogischer Schriften und Bücher.
Der älteste Sohn Friedrich Heinrich war erst Gastwirt in Wickensen, dann Kaufmann in Deensen, dann Jura-Studium in Helmstedt und Rechtsgelehrter.
Vater von: Dr. Campe, Gardelegen; Heinrich Campe, bayerischer Generalkonsul, Leipzig; August Campe, Hamburg, Friedrich Campe, Nürnberg; Julius Campe, Hamburg – alle drei Buchhändler.
Quellen: Creydt, Literaten des Kreises Holzminden, TAH 1. November 1959.
Otto Elster
(70) * 11. November 1852 Eschershausen † 1. Dezember 1922 Braunschweig.
Journalist, Historiker, Schriftsteller. Vater Arzt und Physikus in Eschershausen. Hinterließ 112 Veröffentlichungen, unter anderem 73 Romane (also mehr als Raabe). Pseudonym: Otto von Bruneck. Werke unter andere,: Die Husaren des Herrn von Riedesel (Wickensen, Freyenhagen), Der Klosterschüler von Corvey, Giganten und Zwerge, Maria Stuarts Kampf um Schottlands Krone, Die Lippoldshöhle, Durch eigene Kraft.
Raabe schrieb an Otto Elster am 2. Oktober 1888: „Hochverehrter Landsmann! Es freut mich sehr, dass ich auch Ihrer Ansicht nach die richtige Farbe für die Niederung unserer Heimatgegend getroffen habe. […] Dass Sie herausgefühlt haben, dass der eigentliche „Held“ des Buches das „Odfeld“ selber ist. […] Jedenfalls kann ich auf Ihr Zeugnis annehmen, dass ich den Gau um den Ith mit lebendigen Menschenwesen bevölkert habe. […] Die Kleiderseller florieren noch nach alter Weise. Lassen Sie sich doch bald einmal wieder sehen. […] Baumeister Leitzen hat mir in schönen Aquarellen Abbildungen des Klosters Amelungsborn, so wie des Odfelds neulich von der Weser mitgebracht. […] Wir werden die Gegend doch noch in der Leute Mund bringen! Mit herzlichen Gruß Ihr Wilhelm Raabe“.
Theodor Fontane
(89) * 30. Dezember 1819 Neuruppin † 20. September 1898 Berlin.
Ein Brief Fontanes an Raabe: „Wernigerode, 13. Juli 1881. Hochgeehrter Herr. Empfangen Sie meinen besten Dank für Ihre freundlichen Zeilen, die mir nach Thale hin, wo ich mich seit Ende Juni befand, nachgeschickt wurden. Dass dieser Dank so verhältnismäßig spät erfolgt, wollen sie gütigst damit entschuldigen, dass mich eine sehr pressante Arbeit, eine Reihe von Aufsätzen, mit der die ‚Gegenwart‘ das neue Vierteljahr beginnen wollte (und schließlich unterblieb es dennoch) bis an den ‚Waldkater‘ und den Badekessel verfolgte. Seit drei Tagen bin ich nun hier in Wernigerode, wo ich seit einer Reihe von Jahren meine Sommermonate zu verbringen pflege, dem Lärm der großen Stadt entrückt, der mir immer störender und selbst in dem, was anregend darin ist, immer gleichgültiger wird. Ich lese hier viel, die beste Form persönlichen Verkehrs, und freue mich darauf, im Laufe der nächsten Monate die Bekanntschaft mit Ihnen fortsetzen zu können. Ihre früheren Arbeiten sind mir unbekannt geblieben und ich will nun tüchtig nachexerzieren. Es ist so hoch erfreulich einem Individuum zu begegnen und seiner Eigenart; alles was jetzt den Tag und die Journale beherrscht, ist physiognomielos, es kann von Müller, aber auch von Schultze sein. Spaltenfutter und damit Basta. Dass es Ihnen vergönnt sein möge, uns noch manches Aparte zu bringen, ist der aufrichtige Wunsch Ihres hochachtungsvoll ergebensten Theodor Fontane.“
Quellen: Fontane-Archiv in Potsdam; „Mitteilungen“ 1938/3, Seiten 85–88.
Gustav Freytag
(79) * 13. Juli 1816 Kreuzburg in Oberschlesien † 30. Apr. 1895 Wiesbaden.
Dichter und Schriftsteller. Wurde berühmt durch „Soll und Haben“, 1855. Raabe besuchte Freytag während der „großen Bildungsreise“ 1859 in Leipzig. Freytag war „sehr reserviert“.
Friedrich Gerstäcker
(56) * 10. Mai 1816 Braunschweig † 31. Mai 1872 Braunschweig.
Ausgedehnte Amerika-Reisen. Abenteuer-Romane aus Amerika: „Streif- und Jagdzüge durch die Vereinigten Staaten“ 1844, „Die Regulatoren von Arkansas“ 1845, „Die Flusspiraten des Mississippi“ 1848, „Gold“ 1858. Lebte nach 1868 abwechselnd in Dresden und Braunsschweig. Am 18. April 1859 schreibt Wilhelm Raabe „Bei Schatz in der Ritterstraße (in Leipzig) habe ich Gerstäcker kennengelernt“ in einem Brief an seine Mutter. Mit der Figur Konrad von Faber in „Die Leute aus dem Walde“ könnte Gerstäcker gemeint sein.
Quelle: „Mitteilungen“ 1981/1, Seiten 20–22.
Heinrich Heine
* 13. Dezember 1797 Düsseldorf † 17. Februar 1856 Paris.
Sohn des jüdischen Kaufmanns Samson Heine und Betty, geb. van Geldern. Trat als Student in Göttingen 1825 zum Protestantismus über und ließ sich in Heiligenstadt evangelisch taufen (Harry → Heinrich).
Wilhelm Raabe sagte öfter, Heine sei sein besonderer Liebling. Er schrieb im November 1899 „Wer könnte ungestraft ihn missen in den Kämpferreihen des 19. Jahrhunderts, diesen Heinrich Heine.“
Hermann Hesse
* 2. Juli 1877 Calw † 9. August 1962 Montagnola im Tessin.
Besuchte 33-jährig Wilhelm Raabe am 25. Oktober 1909. Seit 1923 Schweizer Staatsbürger. Nobelpreis für Literatur 1946.
Paul von Heyse
(84) * 15. März 1830 Berlin † 2. April 1914 München.
Schrieb meisterhafte Novellen – über einhundert! 1910 Nobelpreis für Literatur. Briefkontakte mit Wilhelm Raabe.
Quelle: Dietel Reiseführer für Literaturfreunde 1965, Seite 45.
Gotthold Ephraim Lessing
(52) * 22. Januar 1729 Kamenz † 15. Februar 1781 Braunschweig.
Vertreter der Aufklärung. Studierte Theologie, Philologie, Medizin. 1767–1769 Dramaturg Nationaltheater Hamburg. Ab 1770 Bibliothekar in Wolfenbüttel an der Herzog August Bibliothek für 11 Jahre. Verkehrte oft im „Großen Weghaus“ in Stöckheim. Werke unter anderen: „Minna von Barnhelm“, „Nathan der Weise“, „Emilia Galotti“.
Eduard Mörike
(71) * 8. September 1804 Ludwigsburg † 4. Juni 1875 Stuttgart.
1826–1834 Vikar in Nürtingen, 1834–1843 Pfarrer in Cleversulzbach, 1844–1851 in Bad Mergentheim. Heirat 1851 Margarete von Speeth. Lehrer für Literatur in Stuttgart 1867–1869 in Lorch, 1870–1871 in Nürtingen, 1871–1875 Stuttgart. Trotz achtjährigem Aufenthalt in Stuttgart hatte Wilhelm Raabe keinerlei Kontakt mit Mörike. Bedeutender Lyriker, Balladendichter und Erzähler. Unter anderem „Mozart auf der Reise nach Prag“.
Jean Paul
* 1763 † 1825. Wilhelm Raabe 1903: „Von Jean Paul habe ich nicht viel gelesen, aber dass er mir wesensverwandt ist, fühle ich.“
Elise Polko
* 31. Januar 1823 Wackerbarths Ruh’ bei Dresden † 15. Mai 1899 München.
Korrespondenz und ein- oder zweimaliges Treffen mit Wilhelm Raabe. Elises Bruder, Dr. Eduard Vogel war als Afrika-Forscher 1856 in Afrika verschollen, auf Geheiß eines Sultans ermordet. Für Raabe einer der Anstöße zu „Abu Telfan“. 1860 besuchte Raabe Elise Polko in Minden. Sie war als Schriftstellerin und Sängerin beliebt. 1859–1871 schwärmerischer Schriftwechsel ihrerseits mit Raabe. Korrespondiert 1863–1887 ähnlich auch mit Theodor Storm. Ihr Mann war Eisenbahningenieur, der sachlich-kühl für ihre Schwärmereien nichts übrig hatte.
Quellen: Hoffmeister „Begegnungen“ 2006, Seiten 6–27.
Peter Rosegger
* 31. Juli 1843 Alpl in der Steiermark † 26. Juni 1918.
Autodidakt, begann als Schneiderlehrling, dann Grazer Handelsakademie. Beruf: „Wald-Schulmeister“, also Lehrer. Später rastloser Schreiber, schrieb mehr als doppelt so viel wie Raabe. Beide Dichter schätzten sich gegenseitig sehr. Rosegger gratulierte Raabe zum 70. Geburtstag. Raabe diesem zum 60. und Eintritt ins „Greisenalter“. Quelle: „Mitteilungen“ 1943/2, Seiten 67–69.
Friedrich von Schiller
(46) * 10. November 1759 Marbach † 9. Mai 1805 Weimar.
Ab 1788 Professor für Geschichte in Jena. 1859 Feiern zum 100. Geburtstag. Raabe wirkte in Wolfenbüttel mit. Festansprache Theodor Steinweg, Festgedicht von Wilhelm Raabe. Danach lebenslange Freundschaft beider.
„Der Dräumling“ geht ironisch mit der Hundert-Jahrfeier um (erschien 1872). Raabe empfingt ab 1. Oktober 1894 eine lebenslängliche Pensi-on von der Schillerstiftung.
Arthur Schopenhauer
* 1788 † 1860.
Beeinflusste auch Wilhelm Raabe. Wilhelm Jensen, Oktober 1879 in Westermanns Monatsheften: „Raabe ist unbedingter Anhänger Scho-penhauers bis zu gewissen Grenzen, doch wo diese beginnen, weiß niemand als er allein. Aber irgendwo sind sie vorhanden.“
Heinrich Seidel
* 1842 † 1906.
Maschinen und Stahlbauer (Dach des Anhalter Bahnhofs in Berlin mit Spannweite 62,5 m). Ab 1880 freier Schriftsteller. Bekannter Roman „Leberecht Hühnchen“. Onkel von Ina Seidel. Brüder: Mediziner Hermann Seidel (Vater von Ina; Freitod durch Gift nach verleumderischen Anschuldigungen), Jurist und Museumsdirektor Paul Seidel.
Heinrich Seidel traf Wilhelm Raabe am 9. April 1889 im Gewandhaus und beim Rehabilitierungsprozeß (endete mit Freispruch) fast täglich.
Quelle: „Mitteilungen“ 1985/1, Seiten 12–14.
Heinrich Seidels Sohn, Heinrich Wolfgang, heiratete seine Cousine Ina.
Ina Seidel
* 1855.
Romanschreiberin: „Das Wunschkind“, „Lennacker“, „Das Labyrinth“, „Das unverwesliche Erbe“, und andere.
Theodor Storm
(71) * 1817 † 1888.
Landvogt (Jurist) in Husum. Anfang August 1867 wollte Raabe Storm in Husum besuchen, traf ihn aber nicht an: „Karte beim Landvogt Storm abgegeben“. Theodor Storms Frau Constanze starb am 20. Mai 1865 nach der Geburt des siebten Kindes am Kindbettfieber. 1887 Storms jüngste Tochter war Haustochter bei Elise Polko.

Einkommen

Gerd Biegel in „Der entwöhnte Dichter“: Horst Denkler schreibt in seinen Untersuchungen zu ‚Legende – Leben – Literatur‘ „Raabe hatte sich über seine Einkommensverhältnisse seit seiner Hochzeit 1862 nicht zu beklagen! Die entsprachen etwa dem Gehalt eines Ministerialbeamten im mittleren Dienst!“ Das Raabezitat betreffs Einkommen ist also nicht übermäßig ernst zu nehmen: „Ich bin mein ganzes Leben durch die heiße Hand an der Gurgel mit der Frage, ‚Was wird aus Dir und Deinen morgen?‘ nicht losgeworden.“ Frau Bertha Raabe hat (laut Brandes) 13 000 Taler mit in die Ehe gebracht. Sie hatten sich das Wort gegeben, nicht daran zu rühren. Dieses Abkommen ist von beiden mit eiserner Enthaltsamkeit gehalten worden.

Quelle: „BS Nachrichten“ 15. Juli 1955.

Raabe in Jahreszahlen, Biografisches

  1. Ältester Nachweis der direkten Ahnenreihe = sieben Generationen vor Wilhelm Raabe.
  2. 14. Mai * Gustav Raabe, Wilhelm Raabes Vater.
  3. 7. Juli: Gustav wird vom Auditor am Distriktsgericht Holzminden zum Aktuar am Herzoglichen Kreisamt Eschershausen.
  4. Zimmermeister Wunderlich baut Haus Assekuranznummer 138, heute Raabestraße 5.
  5. 16. Juni Gustav heiratet Auguste Jeep, Tochter des Holzmindener Stadtkämmerers.
  6. Raabes Eltern wohnen in Eschershausen. Haus Raabestraße. Am 19. April Geburt von Ida. Sie stirbt am 15. August, Beisetzung: alter Friedhof an der Kirche.
    Revolution am 9. Juli in Braunschweig gegen Herzog Karl II. Sein Schloss brennt nieder.
  7. Eschershausen hat 1 244 Einwohner und ist Sitz des „Herzoglichen Kreisgerichtes“. Bürgermeister ist von Rosenstern.
    8. September 18 Uhr Geburt Wilhelms. Nach 18 Tagen, am 26. September Taufe in St. Martin, wo die Hebamme Wilhelms Kopf gegen eine Säule anstieß, mit den Worten „Nu wird er ein berühmter Mann“ (Quelle: Raabe-Kalender 1913).
    Umzug nach Holzminden am 16. Oktober. 15./17. September Übergabe der Geschäfte an Aktuar Steinacker. Dienstantritt in Holzminden am 23. September als Distriktsgerichtsaktuar (Protokollamt). Gustav kam also zur Taufe nach Eschershausen.
  8. Gustav wird in Holzminden zum Assessor befördert. Emilie Raabe * 6. September.
    Eschershausen bekommt seit altersher ausgeübte Stadtrechte bestätigt.
  9. 12. Februar. Raabes Großvater wird beim 50. Dienstjubiläum „Postrat“.
  10. Heinrich Raabe * 21. April. Bertha Leiste * 12. Juli Wolfenbüttel.
  11. Raabe wird sechs Jahre alt und kommt zu Ostern in die Bürgerschule.
  12. 50. Dienstjubiläum des Großvaters: „Erster kleiner Rausch“ aus Pokal.
  13. Ab Ostern Eintritt in die Sexta, Gymnasium. 12. Juli Brockenausflug.
  14. Großvater August stirbt 81-jährig am 4. Oktober in Holzminden.
  15. Umzug nach Stadtoldendorf als Justizamtmann. Wilhelm ist elf Jahre und wechselt von der Gymnasium Quarta in die Stadtschule. Erhält Privatunterricht vom Rektor Karl-Heinrich Pape in Latein und Musik.
  16. Die Eisenbahnlinie Wolfenbüttel–Bad Harzburg eröffnet.
  17. Gustav stirbt am 31. Januar mit 44 Jahren. Witwe Raabe zieht mit den drei Kindern nach Wolfenbüttel zu ihren zwei Brüdern Jeep. Wilhelm, 14-jährig, geht auf das Gymnasium „Große Schule“.
  18. Wilhelm kommt zu Ostern in die Creutzsche Buchhandlung in Magdeburg als Lehrling, Inhaber Kretschmann.
  19. Mit 22 Jahren Abbruch der Buchhändlerlehre ohne Abschluss. Kommt krank nach Hause. Seelische Krise nach Selbstmord des Sohnes vom Buchhändler Kretschmann. Neuer Versuch, das Abitur zu schaffen.
  20. Abitur nicht geschafft. Ab Ostern Gasthörer an der Uni Berlin, um „Das Leben zu studieren!“. Belegt Philosophie, Kunstgeschichte, Geschichte, Literatur. Adresse: Spreegasse Nr. 11. Raabe stilisiert den 15. November als Federansetzungstag für die „Chronik der Sperlingsgasse“.
  21. Die „Chronik“ erscheint. Mit 25 Jahren zurück nach Wolfenbüttel, Okerstraße 16. Freundliche Aufnahme in die Wolfenbütteler Gesellschaft.
  22. Es erscheinen „Ein Frühling“, „Der Weg zum Lachen“, „Der Student von Wittenberg“. Wilhelm Raabe lernt Adolf Glaser, den Redakteur der „Westermanns Monatshefte“ kennen. 10. Juni–10. Juli Konzept für „Horacker“ fertig. Ab dem 1. Oktober führt Raabe Tagebuch bis ans Lebensende.
  23. „Weihnachtsgeister“, „Lorenz Scheibenhart“, „Einer aus der Menge“.
    2. April: der Vater seiner späteren Frau Christian Ludwig Leiste, Oberappellations- und Oberlandesgerichtsprokurator stirbt.
  24. „Halb Mär, halb mehr“, „Die Kinder von Finkenrode“, „Die Alte Universität“, „Der Junker von Denow“, „Wer kann es wenden?“
    Große Bildungsreise für 3½ Monate, 5. April–18. Juli. Schillerfeier in Wolfenbüttel, Freundschaft mit Theodor Steinweg, lernt Gustav Freytag und Friedrich Gerstäcker kennen.
  25. „Aus dem Leben des Schulmeisters Haas“, „Ein Geheimnis“. Eintritt in den Deutschen Nationalverein. Fahrt zu dessen Tagung in Coburg. Dies inspiriert zu „Gutmanns Reisen“.
  26. „Der Heilige Born“, „Auf dunklem Grunde“, „Die schwarze Galeere“, „Nach dem großen Kriege“. 14. März: Wilhelm (30) verlobt sich mit Bertha Leiste (26). Fahrt zur Tagung des Deutschen Nationalvereins nach Heidelberg.
  27. Am 24. Juli Hochzeit in Wolfenbüttel, Umzug nach Stuttgart. „Unseres Herrgotts Kanzlei“, „Verworrenes Leben“, „Kleist von Nollendorf“, „Das letzte Recht“.
  28. „Eine Grabrede aus dem Jahre 1609“, „Die Leute aus dem Walde“, „Holunderblüte“, „Die Hämelschen Kinder“. Geburt von Margarete 17. Juli.
  29. „Der Hungerpastor“, „Keltische Knochen“. Raabes künftiger Schwiegersohn Paul Wasserfall wird geboren. Reise nach Norddeutschland.
  30. „Ferne Stimmen“, „Else von der Tanne“, „Drei Federn“, „J.K.A. Musäus“. Totgeburt eines Jungen am 6. August.
  31. „Die Gänse von Bützow“, „Sankt Thomas“, „Gedelöcke“, „Im Siegeskranze“. Beginn der Freundschaft mit Wilhelm und Marie Jensen.
  32. „Abu Telfan“, Reise durch das Weserland.
    6. August Bruder Heinrich heiratet mit 32 in Wolfenbüttel Luise Brakebusch (25).
  33. „Theklas Erbschaft“. Elisabeth * 17. Juni. Raabes künftiger Schwieger-sohn Behrens in Cramme geboren. Erster Sohn * 7. Juli bei Bruder Heinrich.
  34. „Der Regenbogen“, „Der Schüdderump“. Reise mit Jensens nach Bregenz und in die Schweiz.
  35. „Der Marsch nach Hause“, „Des Reiches Krone“. Umzug nach Braunschweig. Margarete ist sieben, Elisabeth zwei Jahre alt. Margaretes Einschulung 18. Oktober. Wilhelm tritt am 29. August den Kleidersellern bei.
  36. Neubearbeitung von „Ein Frühling“. Raabe wird 40. Ein zweiter Sohn wird am 1. Dezember bei Bruder Heinrich geboren. Der deutsch-französische Krieg 1870/71 führt zum „Deutschen Reich“ unter Kaiser Wilhelm I.
  37. „Der Dräumling“. Bertha wird 37 Jahre. Im August Geburt von Clara.
  38. „Deutscher Mondschein“, „Christoph Pechlin“. Ferien in Bad Harzburg.
  39. „Meister Autor“, „Zum wilden Mann“. Raabes Mutter stirbt am 1. November in Wolfenbüttel mit 67 Jahren.
  40. „Höxter und Corvey“, „Eulenpfingsten“, „Frau Salome“. Weserlandreise.
  41. „Die Innerste“, „Vom alten Proteus“, „Horacker“. Berta wird 40 Jahre. Tochter Gertrud * 19. Februar.
  42. „Wunnigel“, „Auf dem Altenteil“, „Deutscher Adel“.
  43. „Krähenfelder Geschichten“, „Alte Nester“.
  44. „Das Horn von Wanza“. Freundschaft mit Wilhelm Brandes. Raabe hält seine bekannte „Kleidersellerrede“ am 13. September Leitzen und Uhde gründen den Aquarelllistenclub, den „Feuchten Pinsel“ am 21. September.
  45. „Fabian und Sebastian“. Teilnahme am Schriftstellertag in Braunschweig.
    11. Februar. Gründung des „Dreierclub“ in Schraders Hotel = regelmäßige Tanzabende.
  46. „Prinzessin Fisch“. Wilhelm wird Mitglied im „Feuchten Pinsel“.
  47. „Villa Schönow“, „Pfisters Mühle“, „Ein Besuch“. Abbruch der Zusammenarbeit mit dem Westermann Verlag. G. Bohnsack tritt „Feuchtem Pinsel“ bei.
  48. „Unruhige Gäste“. Braunschweig hat 85 000 Einwohner.
  49. Ehrensold der Schillerstiftung 1 000 Mark für drei Jahre. Raabes Schwiegermutter stirbt in Braunschweig am 30. September.
  50. „Im alten Eisen“. 29. Juli: Margarete ist „Akademisch geprüfte deutsche ‚Reichszeichenlehrerin‘“.
  51. „Das Odfeld“.
  52. „Der Lar“. Befreundet mit Lehrer E. Ströter. Braunschweig hat 100 000 Einwohner.
  53. Verbindung mit dem Berliner Verlag Janke. 21. September Tagesfahrt mit den Kleidersellern nach Stadtoldendorf, Homburg, Eschershausen. Tanzstundenabschlussball am 12. Dezember von Gertrud.
  54. „Stopfkuchen“. Wilhelm hat 60. Geburtstag. Am 8. September führen die Freunde vom „Feuchten Pinsel“ in Kostümen von Raabe-Romanfiguren ein Stück von August Hermann auf. Viele Ehrungen, Zeitungsartikel, Flut von Briefen aus aller Welt. Bildhauer Siedentop fertigt die erste Raabe-Büste.
  55. „Gutmanns Reisen“. Schwager Karl Leiste (Berthas Bruder) † 4. Januar. Tochter Gertrud † 24. Juni.
  56. „Kloster Lugau“. Clara Lehrerinnenexamen 23. Februar. Ab 1. Oktober lebenslängliche Pension von der Schillerstiftung.
  57. 15. Januar. Tochter Elisabeth heiratet den Marinearzt Dr. Paul Wasserfall.
  58. „Die Akten des Vogelsangs“. „Gesammelte Erzählungen“ Band 1 und 2. Geburt des ersten Enkels 30. März in Wilhelmshaven: Kurt Wasserfall.
  59. „Gesammelte Erzählungen“ 3. Band.
  60. „Hastenbeck“. Danach bezeichnet sich Wilhelm Raabe als „Schriftsteller außer Dienst.“
    Am 8. September Verleihung des Maximilians-Orden.
  61. „Gesammelte Erzählungen“ 4. Band. Braunschweig hat 128 000 Einwohner.
  62. Raabe hat 70. Geburtstag. Tochter Clara heiratet Oberlehrer Dr. Gustav Behrens. Am 8. September Ehrenbürgerschaft von Eschershausen. Im September Raabes letzter Besuch in Stadtoldendorf. Verbringt einige Tage im Ratskeller.
  63. „Deutsche Not und Deutsches Ringen“, „Altershausen“ unveröffentlicht abgebrochen. Raabes Enkel Friedrich Wilhelm Wasserfall * 23. Februar Minden; Annamargret * 26. April in Braunschweig.
  64. 50. Jahrestag der „Federansetzung“ mit Festessen mit vielen Verehrern im „Deutschen Haus“.
    4. Advent: Gründung der „Brüder vom großen Sohl“.
  65. 9. August. Wilhelm Raabe schreibt seine bekannte Kurzbiografie für den „Haidger-Kalender“.
    8. September. 75. Geburtstagsfeier im „Grünen Jäger“.
    Eschershausen benennt die Holzmindener Straße um in Raabestraße. Ehrenmitgliedschaft der „Hamburger Kunstgesellschaft“.
  66. Der dritte Enkel, Conrad-Wilhelm Behrens * 3. März Braunschweig von Clara.
  67. Familie Clara Behrens (zwei Kinder) zieht in die Leonhardstraße mit ein.
  68. Ernennung von Wilhelm Raabe zum Ehrenmitglied der Schillerstiftung und Ehrenbruder vom Großen Sohl. Als siebte Stadt in Deutschland benennt Stuttgart eine Straße nach Wilhelm Raabe.
  69. Schwester Emilie (77) † 24. Januar unverheiratet in Braunschweig.
    Wilhelm Raabe klagt über diverse Alterskrankheiten (Seh- und Hörschwäche, Blasenleiden, Schlafsucht, häufig bettlägerig).
    7./8. August Einweihung Denkmal im Hils.
    12. Oktober Dr. h. c. der Universität Berlin.
    Wilhelm-Raabe † 15. November in Braunschweig am 56. Jahrestag des Beginns der „Chronik“.

Biografisches – von Raabe selbst

  • 1861 sollte „Holunderblüte“ in der Zeitschrift „Land und Meer“ erscheinen. Dazu sandte Raabe einige biografische Angaben an Dr. Thaddeus Lau in Ottweil. „Der November, den die meisten Menschen hassen und fürchten, ist mir in meinen Arbeiten der willkommenste Monat“, vom 23. Mai 1861. – „Über Land und Meer“ 1863 Nr. 25 und 26. Das Wesentliche daraus ist wiedergegeben in „Mitteilungen“ 1/41–43. Hans-Martin Schulz „Aus der ersten Biografie Raabes“.
  • Der Herausgeber des Kalenders „Der Heidjer“ 1906 bekam von Raabe nach erster Ablehnung eine kurze Biografie, die dann erschien. Der komplette Text steht unter anderem im Raabe Gedenkbuch von 1935, Seiten 11–13.
  • Brief an Otto Buchmann 25. Juli 1910: „Sie reden da über mich, meine Frau, meine Kinder und meine häusliche Umgebung, als ob Sie jeden Tag als Hausfreund meine Thürklingel zögen. Dazu habe Sie nicht das Recht, und fast gegen Alles, was Sie für Ihr Massenpublikum vorbringen, hätte ich meine Einwendungen zu machen.“
  • „Ich habe nichts erlebt – oder – was ich erlebt habe, steht längst in meinen Büchern!“
  • „Was für gute Ratschläge habe ich schon seit Beginn meiner schriftstellerischen Laufbahn, seit dem Erscheinen der ‚Chronik‘ bekommen […] Frische und Originalität werden nicht leichter vernichtet als durch die Befolgung guter Rathschläge. Ich fühle, daß ich noch Besseres leisten kann, als ich bis jetzt geleistet habe; aber ich kann zu diesem Besseren, wie gesagt nur auf meinem eigenen Weg gelangen und das ist nicht die ausgetretene Heerstraße.“ 1859.
  • „Einen großen Zeitroman schreibe ich nicht, wie Du mir anräthst. Ich bin entweder zu dumm oder zu klug dazu und will die Entscheidung über Letzteres Dir überlassen, aber erst nach Ablauf von fünfzehn Jahren.“ 1871.
  • Biografisches von Hans Martin Schultz, Braunschweig in der Raabe-Gedächtnisschrift von Prof. Dr. Heinrich Goebel „Erstes Sonderheft der ‚Xenien‘“, Leipzig 1913: „Der alte Herr“, Seiten 77–96.
  • Brief an Verleger Sigmund Schott am 18. Juli 1891 auf dessen Anfrage: „Biografisches? Er lebte, schrieb, nahm ein Weib, schrieb weiter und so fort. O heiliger Cervantes: – Also: 8. September 1831 geboren in Eschershausen. Holzminden, Braunschweig. Vater braunschweigischer Justizbeamter. Mutter Tochter des Stadtkämmerers von Holzminden. Volksschule und Gymnasium in Holzminden. Volksschule in Stadtoldendorf. Gymnasium in Wolfenbüttel. 1849 von Schulen geloffen um sogleich in Magdeburg den Buchhandel zu lernen. Auf Schulen zurückgeloffen. 1854–1856 Universität Berlin: Chronik der Sperlingsgasse. – Von da an Schriftstellerleben von der Hand in den Mund. Wolfenbüttel. Stuttgart. Heirath 1862. 1870 Übersiedelung nach Braunschweig. 4 Töchter, des Namens nach aus jeder der 4 großen Kultursprachen Eine: Margarethe – Elisabeth – Clara – Gertrud = Griechisch, hebräisch, lateinisch und deutsch! – Jetzt im 60. Lebensjahre unberufen noch so ziemlich auf den Beinen, und Dank der innigen Theilnahme der Nation auch mit der Feder noch im Gange: Von der Hand in den Mund!
    Ja, so geht es, wenn man kein ehrbar Handwerk ergreift, sondern auf‘s Seil steigt und sich dort auf den Kopf stellt. Machen Sie nun damit, was Sie wollen, lieber Freund; aber um Gottes willen kommen Sie mir nicht um nähere Facta und Data.“

Weitere biografische Angaben sind zu finden in

  • „Wilhelm Raabe: Eine Biografie“, Werner Fuld, C. Hanser Verlag, 1993, 384 Seiten.
  • „Raabe-Biografie“, Fritz Meyen, 1955.
  • „Wilhelm Raabe – Sein Leben und seine Werke“ Wilhelm Fehse, Vieweg Verlag 1937, 676 Seiten.
  • „Raabe-Biografie“ Hermann Pongs, Prof. Dr. Literaturhistoriker und Raabe-Forscher. 655 Seiten. 1958 bei Quelle und Meyer, Heidelberg.
  • „Wilhelm Raabe“ von Prof. Dr. Hans Oppermann. 1970 Rowohlt-Verlag. Broschiert, 160 Seiten mit 71 Abbildungen. 2001: 7. Auflage.
  • „Wilhelm Raabe – Schriftsteller“ Cecilia von Studnitz, Journalistin, Dr. Phil. 345 Seiten, 33 Fotos und Zeichnungen, Droste-Verlag, Düsseldorf. 1989. Die Biografie ist eine Fleißarbeit mit sehr viel Recherche, enthält aber trotzdem etliche Fehler! Zu sehr Romanstil, zu sehr Moll-Töne.
  • „Wilhelm Raabe – Schriftsteller in Wolfenbüttel“, Kurt Hoffmeister, Braunschweig, 2000.
  • „Wilhelm Raabes Leben und Schaffen in biografischen Skizzen“, Kurt Hoffmeister, 24 Seiten.
  • „Mit Dinte, Feder und Papier“, Kurt Hoffmeister, Braunschweig 1999, 190 Seiten.

Posthume Aktivitäten

  1. „Altershausen“ erscheint posthum. 7. September: Vier Sohlbrüder legen Kranz auf dem Großen Sohl am Denkmal nieder zum 80. Geburtstag. 8. September: Treffen im Altstadtrathaus der Freunde; Feier im Hoftheater; Treffen in „Herbsts Weinstuben“; Verlesung von Glückwunsch-Depeschen; Anbringung einer kupfernen Gedenktafel an Raabes Geburtshaus.
    Quelle: „BS Landeszeitung“ vom 9. September 1911.
  2. „Der gute Tag“ erscheint, die Novelle war geschrieben 1875. Der Band: „Gesammelte Gedichte“ erscheint. Der erste Raabe-Kalender von Otto und Hanns-Martin Elster erscheint. Scheidung Tochter Clara von G. Behrens.
  3. Der zweite Raabe-Kalender erscheint.
  4. Der dritte und – kriegsbedingt – letzte Raabe-Kalender erscheint.
    Bertha Raabe (79) † 7. Mai in Braunschweig. Beisetzung neben Wilhelm, Hauptfriedhof.
  5. Gründung des „Raabevereins zur Pflege von Kunst und Wissenschaft“ in Eschershausen am 13. Dezember.
  6. Eschershausen hat 1 905 Einwohner. Constantin Bauer und Hans-Martin Schultz geben zum 90. Raabe-Geburtstag das „Raabe-Gedenkbuch“ heraus. Am 1. Juni gibt die Stadt Eschershausen das „Raabe-Notgeld“ mit sechs Werten heraus (10, 25, 50, 75 Pfennig, 1 und 2 Mark). Am 11. September Einweihung der Dolomitgedenktafel am Raabe Geburtshaus durch Pastor Blumenberg, Hannover. Vortrag: Dr. Abitz-Schulze, Düsseldorf. Ende des Jahres existieren 14 Ortsgruppen, die Mitgliederzahl hat 2 000 überschritten.
  7. 10. Januar Jahreshauptversammlung Raabe-Verein Eschershausen mit genau 100 Mitgliedern.
  8. Raabes zweite Tochter Elisabeth Wasserfall (55) † 31. Januar Hannover.
  9. Raabes Bruder Heinrich (89) † 5. Juni in Braunschweig.
  10. Raabes bester Freund Oberschulrat Wilhelm Brandes † 6. Februar.
    Zweiter Sohn von Bruder Heinrich, Regierungsrat Richard (56) † 7. September Wolfenbüttel.
  11. Raabes Schwiegersohn Generaloberarzt Paul Wasserfall † 10. April in Hannover.
  12. 8. September. Zum 100. Geburtstag sind in Braunschweig alle öffentlichen Gebäude geflaggt. Festversammlung im Altstadtrathaus. Ansprache: Dr. Hans Martin Schultz, Vortrag von Prof. Dr. Hans Kossmann von der Uni Frankfurt.
    Zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft der Freunde Wilhelm-Raabes wurden ernannt: Margarete Raabe, Rechtsanwalt Dr. Abitz-Schulze, Justizrat Louis Engelbrecht. Viele, viele Festredner, unter anderen auch Bürgermeister August Elsner aus Eschershausen.
    Feiern in Wolfenbüttel, Braunschweig mit Denkmalsweihe vor der Magnikirche, Eschershausen mit Einweihung der Wilhelm-Raabe-Schule und -Denkmal, und einer Wilhelm-Raabe-Klippe am Ith, Stadtoldendorf mit Einweihung der Gedenktafel am Wohnhaus Markt 5.
  13. Enkelin Annamargret (32) heiratet Stud. Assessor Hermann Ehninger.
  14. Annamargret bekommt Zwillinge * 1. Januar Konrad und Friedrich.
    Margarete Raabes 75. Geburtstag, 17. Juli, Anbringung der Gedenktafel an ihrem Geburtshaus in Stuttgart, Gymnasiumstraße 13.
  15. Im Juni und Oktober zwei außerordentliche Hauptversammlungen zur zwangsweisen Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten.
    Vertragsunterzeichnung im Rathaus Braunschweig über die Übergabe des Raabe-Nachlasses an die Stadt Braunschweig. Verbleibt in der Leonhardtstraße. Stadt tritt als Mieter auf. Margarete Raabe betreut den Nachlass, Clara als Nachfolgerin. Familie behält das Urheberrecht. Beide Töchter beziehen Rente der Schillerstiftung.
  16. Margarete Raabe 80. Geburtstag am 17. Juli. Enkel Conrad Wilhelm Behrens fällt als Hauptmann in Russland † 30. Juli.
  17. Luftmine im Wohnhaus Leonhardtstraße 29a am 22./23. April. Margarete zieht um nach Wolfenbüttel. Fast die gesamte Innenstadt Braunschweigs wird zerstört, 80 000 Obdachlose. Braunschweig erlitt 1941–1944 vierzig Luftangriffe.
  18. Raabes Enkel Kurt Wasserfall (49) fällt bei Potsdam als Oberleutnant † 26. April.
  19. Beginn der Trümmerräumung in Braunschweig, Abschluss 1963.
  20. Raabes älteste Tochter Margarete (84) † 17. März in Wolfenbüttel, Lungenentzündung, Beisetzung in Braunschweig in der Nähe ihrer Eltern.
  21. Der erste Raabe-Kalender nach dem zweiten Weltkrieg erscheint, Prof. E. A. Roloff. Wiedergründung zahlreicher Ortsvereine, unter anderen Eschershausen am 26. Mai. Vorbereitende Sitzung am 16. April 1948.
  22. Im Raabenest Eschershausen am 16. Mai der fünfzigste Leseabend. Konrad Beste liest aus seinen Werken vor 73 Personen.
    15. November ist der 40. Todestag Wilhelm Raabes.
  23. Wilhelm Raabes 120. Geburtstag. 27. März, 70. Leseabend in Eschershausen. Jahreshauptversammlung und Feier zum vierzigjährigen Bestehen der Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes in Eschershausen am 8./9. September.
  24. 100. Leseabend am 5. August im Raabenest. Achtzigster Geburtstag von Clara Behrens-Raabe am 14. August.
  25. 200. Leseabend am 25. Januar im Raabenest mit Dr. Roeder, Hannover.
  26. 125. Geburtstag. In Eschershausen: Schulausstellung und gleichzeitig 25. Jahr Wilhelm-Raabe-Schule (Dr. Mohnkopf), Einweihung des Raabe-Reliefs an der Jugendherberge und Umbenennung. Gäste: Clara Behrens-Raabe und Tochter Frau Ehninger, Dr. Roeder, Prof. Dr. Albert Trapp, Braunschweig.
  27. 85. Geburtstag von Clara Behrens-Raabe am 14. August.
  28. Clara Behrens-Raabe † 24. Mai in Wolfenbüttel. Grab neben Margarethe Raabe. Trauerfeier Pastor Wasserfall. Anwesend: Carl Kaese, Adolf Lucé.
    Am 8. September 300. Leseabend des Raabenestes mit Prof. Hoppe.
  29. Zu Bußtag ein Fernsehfilm im 1. Programm über Wilhelm Raabe. Stationen: Eschershausen, Holzminden, Berlin, Wolfenbüttel, Braunschweig, Ernst Rowohlt, Westermann-Verlag, Präsident Prof. Hoppe, Prof. Trapp, etc.
    Prof. Hoppe beschreibt in einem Leserbrief (19./20. Nov. BS Zeitung) den Film als „absolut misslungen“. Bedauert es, sich für ein Interview zur Verfügung gestellt zu haben.
  30. Friedrich Wilhelm Wasserfall (60), Enkel Raabes † 3. März Schöningen.
  31. Raabenest 400. Leseabend mit Elisabeth Freytag, Hannover. 22. September.
  32. Januar. Carl Kaese übergibt den Vorsitz im Raabe-Verein an Ernst Meyer.
  33. Technische Hochschule Braunschweig wird Technische Universität.
  34. Raabenest 500. Leseabend seit Wiederbeginn 1948.
  35. Bürgermeister außer Dienst August Elsner (85) † 6. Dezember.
  36. Raabenest 600. Leseabend mit Prof. Daum Braunschweig, Stadtdirektor Lenke, Ilse-Marie Schmidt, Stadtoldendorf im Saal „Hotel zum Stadtberg“.
    Im August sind Prof. Yasuo Takeuchi und Frau Mieko in Eschershausen bei Wilhelm Kreykenbohm.
    10. Oktober. Einweihung des neuen Braunschweiger Raabe-Denkmals an der Magnikirche.
  37. 70. Jubiläum der Errichtung des Raabe-Denkmals auf dem Großen Sohl am 7. August. Am 15. November 70. Jahrestag des Todes Wilhelm Raabes. Gedenkfeier in der Schule mit Kranzniederlegung und Ansprache von Frau Böttcher.
  38. Am 8. Sept. 150. Geburtstag Wihelm Raabes Sonderstempel der Post in Braunschweig, Eschershausen. Sonderbriefmarke in Bundesrepublik und DDR. Festvortrag Dr. Sporn vor 100 Gästen.
  39. Raabe-Vortrag in Holzminden vom Ministerialdirigent des Landes Niedersachsen, Dr. Thomas Sporn am 26. März.
    Der Eschershäuser Stadtdirektor Lenke geht am 30. Mai nach 32 Jahren in den Ruhestand.
  40. Raabes Enkelin Annamargret Ehninger-Raabe (83) † 15. März in Wolfenbüttel.
  41. Vor 175 Jahre wurde das Raabehaus erbaut. Verleihung der Eschershäuser Raabe-Plakette an Dr. Wolfgang Schultze.
  42. Am 4. Advent sind 100 Jahre seit Beginn der Sohlfahrt vergangen.
  43. 175. Geburtstag Wilhelm Raabes. Jahreshauptversammlung der Internationalen Raabe-Gesellschaft in Eschershausen. Äußerst vielfältige und zahlreiche Veranstaltungen!

Antisemitismusvorwürfe

In „Der Hungerpastor“ von 1864 fungiert die zweite Hauptperson als herzenskalter, jüdischer Freund zur schwarz/weiß Abscheidung vom deutschen Wesen. Raabe bedient damit die antisemitischen Vorurteile seiner Zeit, welche schließlich den Roman ab 1885 äußerst populär machen. Am Ende des dritten Kapitels schreibt er allerdings klar abweichend:

  • „In jenen Tagen herrschte – vorzüglich in kleineren Städten und Ortschaften – noch eine Missachtung der Juden, die man, so stark ausgeprägt, glücklicherweise heute nicht mehr findet.“
  • „Die Alten wie die Jungen des Volkes Gottes hatten viel zu dulden von ihren christlichen Nachbarn; unendlich langsam ist das alte, schauerliche ‚Hepp-Hepp‘, welches so unsägliches Unheil anrichtete, verklungen in der Welt.“
  • „Vorzüglich waren die Kinder unter den Kindern elend dran, und der kleine, gelbe, kränkliche Moses führte gewiss kein angenehmes Dasein in der Kröppelstraße. […] Es gab wenige Leute in der Kröppelstraße, die nicht ihren Spaß an solcher infamen Quälerei gefunden hätten. Keiner von den Gaffern in den Haustüren trat dazwischen, um der Erbärmlichkeit ein Ende zu machen. Man lachte, zuckte die Achseln und hetzte wohl gar noch ein wenig; es hatte eben wenig auf sich, wenn der schmutzige Judenjunge ein bisschen in seiner Menschenwürde gekränkt wurde.“
  • „Wie ein Blitz durchzuckte es ihn (Hans Unwirsch), dass da eben eine große Niederträchtigkeit und Feigheit ausgeübt werde.“
  • Viertes Kapitel: Samuel Freudenstein wurde bei seiner Ankunft in Neustadt als Jude „nach damaligen löblichen Gebrauch“ gleich dem eingetriebenen Schlachtvieh verzollt:
    „‚Heute am […] Jan. 178 […] verzollt und versteuert am Kreuzthor: I. Drei Rinder, II. Vierzehn Schweine, III. Zehn Kälber, IV. Ein Jüd, nennt sich Moses Mendelssohn aus Berlin.‘
    Die Schlacht bei Jena, welche so manche Niederträchtigkeit, so manchen Unsinn über den Haufen warf, machte auch diesem Skandal ein Ende […]“

In „Höxter und Corvey“, Kapitel V. (Simeoth)

  • „Es war eben auch ein Sprössling jenes tapfersten aller Völker, das sich auf jedem Brandschutt seines Glückes schier noch hartnäckiger als das deutsche Volk mit seinen Wurzelfasern wieder anzuheften wusste.“
  • Lambert Tewes: „Was zu viel ist, ist zu viel, und dies ist eine Bestialität!“
  • „Auf für Jerusalem! Nieder mit den mordbrennerischen Halunken!“
  • „Donner und Teufel, seid ihr für Höxter und Corvey, so bin ich, Lambert Tewes, diesmal für Juda und Israel.“
  • „Fürchte dich nicht, Juda hat seit der Makkabaer Zeit keinen besseren Kavalier gehabt als mich.“

Anderes

  • 18. Juli 1868. In der Liederhalle Stuttgart nimmt Raabe teil an der Feier des Arbeiterbildungsvereins zur Wahl Eduard Pfeifers (1836–1921) als Abgeordneter der Deutschen Partei in den Württembergischen Landtag als erster Israelit.
  • Der Vater von Marie Jensen, Raabes bester Freundin seit 1866, der Publizist Moritz Brühl war vom Judentum zum Katholizismus konvertiert. Marie war also jüdischer Abstammung (Halbjüdin).
  • Prof. Dr. H.-M. Schulz, „Raabe-Schriften“ 1931, Kapitel „Juden“, Seiten 71, 72.
  • Brief Wilhelm Raabes vom 4. Februar 1903 an die jüdische Mitbürgerin Frau Ullmann in Stadtoldendorf. Zitat der letzten Sätze: „Auch aus ‚Höxter und Corvey‘ können Sie wohl entnehmen, dass ich nicht zu den Antisemiten zu zählen bin, sondern – wie der Herrgott in seiner Welt – mein Licht in meiner Kunst leuchten lasse – über Gerechte und Ungerechte. Juden haben in meinem Leben immer mit zu meinen besten Freunden und verständnisvollsten Lesern gehört, und daran hat sich bis heute nichts geändert.“
  • „Die jüdischen Gestalten bei Raabe“ von Josef Baß, Wien. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft, Nov./Dez. 1910, Seiten 641–688.
  • Raabe-Gedächtnisschrift von Prof. Dr. Heinr. Goebel, Leipzig 1913, Seiten 107–138. Widerlegung aller bisher in dieser Richtung erhobenen Vorwürfe. „Immer und überall steht Raabe auf der Seite der Unterdrückten und Verächteten.“
  • Dr. Friedrich Rüttger 1930 (!) über „Holunderblüte“ in „Volk u. Vaterland bei Wilhelm-Raabe“:
    „Die eigentliche Handlung spielt auf dem Prager Judenfriedhof. Jemima, eine junge Jüdin, ist die Hauptperson. Kein anderes Werk des Dichters zeigt in so hohem Maße als die ‚Holunderblüte‘ das rein menschliche Wohlwollen, das der Dichter dem jüdischen Volk entgegenbrachte.“
  • Prof. Heinrich Rodenstein, Ehrenbürger der Stadt Braunschweig in seiner Dankesrede 1977 laut „Mitteilungen“ 1981/1, Seiten 19, 20:
    „Nein, Wilhelm Raabe hatte nichts von jener Unmenschlichkeit und Dummheit, die einen Antisemiten ausmachen.“
  • Bewunderndes Raabezitat: „Das kleine christlich-germanische Geldzusammenscharren gegenüber dem jüdischen Geldweltblick. Das Volk hat es gelernt durch seinen Verkehr mit den vorübergehenden Völkern.“
  • „Wilhelm Raabe unter Demokraten, Hoflieferanten und Philistern – Eine Chronik seiner Stuttgarter Jahre“, Jochen Meyer 1981, Seiten 13, 14:
    „Raabe hat in seinen Werken die Juden nicht als Schablonen, sondern als wirkliche Menschen mit guten und schlechten Eigenschaften gezeichnet und sich in diesem gerechten und unbefangenen Sinne auch persönlich ausgesprochen.“
  • Zitat Stellungnahme unter Hinweis auf „Frau Salome“, „Holunderblüte“, „Höxter und Corvey“:
    „Ich hoffe nicht, dass aus meinen Arbeiten eine solche Tendenzhaftigkeit hervorgeht, wie Sie darin zu finden meinen.“
  • „Mitteilungen“ der Raabe-Gesellschaft 1997/1, Seiten 16–24, Julia Pfaff:
    „Wilhelm Raabes Stellung zum Judentum in seinem Roman ‚Der Hungerpastor‘“. Fazit am Schluss: „Doch die gedankenlose Übernahme der Vorurteile aus der Gesellschaft führte in ein Dilemma, das dem ‚Hungerpastor‘ wohl immer anhaften wird.“
  • Jahrbücher der Raabe-Gesellschaft 2004, Florian Krobb über Hannah Burdekin:
    „The Ambivalent Author, Five German Writers and their Jewish Characters.“ 1848–1914, Oxford 2002 mit Gustav Freytag, Wilhelm Raabe, Leopold von Sacher-Masoch, Theodor Fontane, Thomas Mann. Seiten 102–108. „Die Forschungsergebnisse bleiben unergiebig, denn weiterhin werden die gleichen Texte in den gleichen Kategorien bewertet wie schon seit Jahrzehnten“. „Die vorliegende Arbeit bringt keinen Ergebnisfortschritt.“
  • „Der Heilige Born“ Prof. Dr. Wilhelm Kosch 1930 in „Dt. Quellen und Studien“ 7. Heft, Dr. Fr. Röttger: „Einmal erscheint ein Jude im Roman: ‚Der Pfarrer Fichtner mochte die Juden durchaus nicht leiden und hielt sie nicht anders als ein schmutzig beißend Ungeziefer, so sich am reinen Leben der deut. Nation eingenistet habe und welches durch Kamm und Bürste zu vertreiben sei.‘ Hüten wir uns jedoch davor, aus diesen Worten auf Raabes Ansicht über die Juden zu schließen. Einmal schon deshalb, weil der Pfarrer durchaus nicht immer Raabes Meinung vertritt, sodann, weil eine solche Auffassung in offenbarem Widerspruch stehen würde mit der Liebe, mit der (man denke an den ‚Frühling‘) Raabe bis jetzt jüdische Umwelt gezeichnet hat.“
  • Albin Stamm, Raabekritiker, schrieb eine Anklage gegen Raabe als Judenfreund in der Zeitschrift „Scheinwerfer leuchten“, Beilage der Ludendorff-Halbmonatsschrift „Am heiligen Quell Deutscher Kraft“ vom 20. März 1939: „Wie kein zweiter Schriftsteller seiner Zeit, war Raabe ein Bahnbrecher für die Gleichberechtigung der Juden. Fern allen rassischen Instinkten lässt Raabe verschiedene seiner Helden sich in schöne Jüdinnen verlieben, wie die Hochschüler in Höxter und Corvey und in Holunderblüte und den Justizrat in Frau Salome. Wo es nur geht, da bricht Raabe eine Lanze für die Juden!“
  • Versuch einer Widerlegung in „Mitteilungen“ 1939/2 (!) Prof. Dr. Franz Hahne: „‚Frau Salome‘ – Baronin Salome Veitor, Bankdirektorswitwe und Jüdin wird im gesamten Roman durch und durch positiv dargestellt. Als ‚hübsche, kluge Jüdin‘, ‚kluge, klare hebräische Freundin‘, als liebevoll und hilfsbereit ‚Eilike soll es gut bei mir haben‘. Auch ihre Religion wird positiv und respektvoll behandelt. Auch nicht die Spur von Antisemitismus.“

Geografie der Werke, Lesevorschläge

Geografie

  • 12 × Weserbergland, 12 × Harz, 9 × Braunschweig, 9 × Berlin
  • 37 × überregional
Weserbergland
1859Die Kinder von FinkenrodeHolzminden, Solling
1859Der Junker von DenowWeserbergland, Stadtoldendorf
1860Aus dem Lebensbuch des Schulmeisterleins Michael HaasRaum Lippe-Detmold und Südniedersachsen, Eschershausen
1861Der Heilige BornHolzminden, Bad Pyrmont
1863Die Hämelschen KinderRaum Hameln
1875Höxter und CorveyKloster Corvey und Höxter
1876HorackerHolzminden, Solling, Boffzen
1879Alte NesterWeserregion um Bodenwerder
1888Das OdfeldAmelungsborn, Eschershausen
1899HastenbeckBoffzen, Solling, Harz
1901AltershausenStadtoldendorf
Harz
Die InnersteHarz und Harzvorland
Zum Wilden MannWestliche Ortsteile von Harzburg
Frau SaloméHarz, Nähe Brocken
Prinzessin FischIlmenau an der Ilme, Harzburg
Else von der TanneHarzgebiet
Villa SchönowHarzvorland und Berlin
Unruhige Gäste Einsames Harzdorf und Harzburg
Der SchüdderumpHarzvorland „Krodebeck“ und Wien
Kloster LugauHarzvorland, Kloster Drübeck
Nach dem großen KriegeHarz
HastenbeckHarz und Blankenburg
Die alte UniversitätHelmstedt und Harz
Das Horn von WanzaSüdharz und „Goldene Aue“
Braunschweig
StopfkuchenWolfenbüttel bis Südafrika
Unseres Herrgotts KanzleiMagdeburg
Pfisters MühleBraunschweig, Berlin
Der Larwahrscheinlich Braunschweig
Die Akten des VogelsangsBraunschweig, Krähenfeld
Lorenz ScheibenhartBraunschweig, Wolfenbüttel
Die alte UniversitätHelmstedt
Der Altstadtmarkt zu Braunschweig
Meister AutorForsthaus im Elm, Lübeck – gemeint ist Braunschweig
Berlin
Chronik der SperlingsgasseBerliner Spreestraße
Im alten EisenZu Beginn in Lübeck, dann Berlin
Der Weg zum Lachenvermutlich Berlin
Ein FrühlingBerlin
WeihnachtsgeisterBerlin
Einer aus der Mengevermutlich Berlin
Theklas ErbschaftBerlin 1865
Der gute TagBerlin
Wer kann es wendenmöglicherweise Berlin
Überregional
Der Student von WittenbergMagdeburg 1595
Der Junker von DenowRees am Niederrhein, Wolfenbüttel
Edmund HoeferStuttgart
Der alte MusäusWeimar
Christoph PechlinStuttgart und Schwaben
Das Horn von WanzaGoldene Aue – Kyffhäuser
Fabian und Sebastianmöglicherweise Stuttgart
Des Reiches KroneNürnberg
Drei FedernIm Schwäbischen
Der DräumlingDrömling, südwestliche Altmark
HolunderblütePrag
Eine Grabrede aus dem Jahr 1609Magdeburg
Das letzte RechtSüddeutschland, eventuell Schwaben
Die Gänse von BützowBützow an der Warne, Mecklenburg
Im SiegeskranzeIm Königreich Westfalen 1813/1814
Gutmanns ReisenCoburg
Die schwarze GaleereAntwerpen, Niederlande
St. ThomasInseln São Tomé und Príncipe, Afrika
WunnigelSchwaben, Raum Stuttgart
Keltische KnochenHallstatt, Salzkammergut
GedelöckeRaum Kopenhagen
EulenpfingstenFrankfurt am Main
Unseres Herrgotts KanzleiMagdeburg
Der Marsch nach HauseBregenz-Lindau bis Mecklenburg
Deutscher AdelBerlin, teilweise Schwaben
Ein Geheimnisvorwiegend Paris und Versailles
Deutscher MondscheinWesterland auf Sylt
Der Brocken
Norddeutschlands höchster Berg 1 140 m über Normalnull.
Hexentanzplatz zum 1. Mai. Raabe war dreimal auf dem Brocken (wie Goethe):
12. Juli 1840 mit acht Jahren mit den Eltern von Holzminden aus.
1. August 1873 mit Frau Bertha.
13. Juli 1880 mit Frau Bertha und Margarete (fast 17 Jahre jung).
Pfarrhaus Boffzen
Das alte Pfarrhaus zu Boffzen wurde erbaut von 1730 bis 1737. Geschenkt von Herzog Heinrich dem Jüngeren mit Haus, Hof und 18 Morgen Land.
Pfarrer Louis Tappe bewohnte es von 1867 bis 1879. Amtseinführung 22. Dezember 1867. Großer Garten mit einer alten Buche (Raabe-Buche) und einem Runden Sandsteintisch im Garten. Das Pfarrhaus wurde abgebrochen und 1907–1908 durch einen Neubau ersetzt. Finanziert vom Glashüttenbesitzer Max Noelle.
Quellen: Raabe-Schriften Heft 4 der Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes; „Hastenbeck“ von Thomas Krüger, Seiten 51–62.
Finkenrode
Ortsname in „Die Kinder von Finkenrode“, es ist ein 1360 wüst gewordenes Dorf namens „Vinkerod“ bei Lenne.
Hurlebach
Ein Bach bei Harlingerode bei Bad Harzburg, 1175 Hurlah (= Sumpfwald).
Fürstenberg
Errichtet 1747 als Jagdschloss für Herzog Karl I. durch Landesjägermeister von Langen. Dann Gründung der „Herzoglichen Braunschwei-gischen Porzellanmanufaktur“. Erst ab 1773 Gewinnerzielung. Der Kleiderseller Heinrich Stegmann schrieb 1893 ein Buch über die Fabrik. Dies war Vorlage für Raabes „Hastenbeck“. Pold Wille war einer der aufgeführten Porzellanmaler der Liste von 1757.
Universität Helmstedt
1576 gegründet von Herzog Julius als sein „Juleum Novum“. Durch Dekret von König Jerome zugunsten der Georgia Augusta in Göttingen geschlossen zum 1. Mai 1810 – bestand also 234 Jahre. Raabes Großvater August studierte von 1779 bis 1782 in Helmstedt.
Hüttenrode im Harz
Dorf im Harz zwischen Blankenburg und Rübeland (heute Bundestraße 27). In der Nähe Neuwerk an der Bode. Raabe war dort 1860, 1862, 1864, 1867.
In Harzburg war Raabe am 9. Juni 1874: Nachmittags schweres Gewitter, bei dem Hüttenrode zu zwei Dritteln abbrennt. In Harzburg schwerer Wolkenbruch.
Vorlage zur Novelle „Frau Salome“. Ähnlichkeit mit Goethes Erlebnis beim Brand von Großbrembach, wo er fleißig mithilft.
Krähenfeld
Auch Kreyenfeld oder Kraienfeld. Braunschweiger Stadteil im Südosten bei „Viewegs Garten“. „Das Krähenfeld war eine vor dem Augusttore sich ziemlich weit hinziehende Ebene mit wenigen Ein- und Zwei-Familienhäusern, deren Gärten durch Zäune und Hecken nur unvollkommen getrennt waren.“ Clara Behrens-Raabe 1931. Bei allen Wohnungswechseln blieb Raabe im Krähenfeld oder in der Nähe. Mit 38 Jahren Ersteinzug, dann fast vierzig Jahre. Sechs Erzählungen von 1874 bis 1876 nennt er die „Krähenfelder Geschichten“. Im Krähenfeld wohnten etliche Braunschweiger Berühmtheiten.
Quadthagen
Auch „Katthagen“. Schreibweise Kathagen erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Uralter Gemarkungsname im Odfeld. In der Bedeutung sehr umstritten. Siedlung „Quadthagen“ des Grafen Siegfried von Northeim um 1129. Seit 1245 Teil der Klostergemarkung Amelungsborn und bis 1557 „ein Gegenstand unaufhörlicher Streitigkeiten zwischen dem Kloster, der Kirche und den Einwohnern von Eschershausen.“
Quelle: „Mitteilungen“ 1950/2, Seiten 8–11. Eberhard Tacke, Göttingen. Fürstenberg hat einen Katthagenweg an der Weser.
Spreegasse
Ecke Friedrichsgracht in Berlin. 1931 umbenannt in „Sperlingsgasse“. Im Kriege weitgehend zerstört. 1964 total abgerissen, um Platz für Regierungsgebäude der DDR zu machen.
Das Große Weghaus
In Klein-Stöckheim zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel, mitten auf der alten Heerstraße, erbaut 1691. Diente als Ausspann (28 Pferdeställe), Gasthaus und Zollstation (Wegezoll). Lessing und Wilhelm Raabe weilten dort oft (Kleiderseller). Seit 8. September 1931 Gedenktafel am Hause. Das Weghaus ist Raabes „Riedhorn“ im „Wunnigel“. 1773 heiratet Prof. Zacharia vom Collegium Carolinum, Redakteur des „BS Anzeigers“, im Weghaus die Tochter Elisabeth der Gastwirtin Wegener. Lessing ist Hochzeitsgast und schwärmt von der Feier.
Quelle: „Mitteilungen“ 1959/1, Seiten 7–16.

Lesevorschläge

  • Dr. Walter Flemmer am 25. Juni 2005 im Bayerischen Rundfunk, Radio Alpha: „Sie müssen nicht die 68 Romane und Erzählungen von Raabe gelesen haben, aber lesen Sie ‚Stopfkuchen‘“.
  • Gegensätzlich urteilt Prof. Dr. h.c. Biegel: „Wer mit ‚Stopfkuchen‘ bei Raabe beginnt, liest nicht mehr weiter. Beginnen Sie mit ‚Abu Telfan‘!“
  • Prof. Dr. H. A. Krüger in den „Blättern für Volkskultur“: Lesen Sie in dieser Reihenfolge: Das Horn von Wanza, Wunnigel, Drei Federn, Der Hungerpastor, Die Akten des Vogelsang, Der Schüdderump.
  • Prof. Dr. Hans Martin Schultz:
    1. Stufe: Die Leute aus dem Walde, Alte Nester, Wunnigel, Unseres Herrgotts Kanzlei, Die Schwarze Galeere.
    2. Stufe: Chronik der Sperlingsgasse, Hungerpastor, Drei Federn, Frau Salome, Das Horn von Wanza, Horacker, Das Odfeld, Nach dem großen Kriege, Gutmanns Reisen.
    3. Stufe: Schüdderump, Abu Telfan, Zum Wilden Mann, Unruhige Gäste, Holunderblüte, Stopfkuchen, Die Akten des Vogelsangs, Altershausen.
  • Oberstudiendirektor Dr. Hans Roeder für die höheren Schulen des Landes Niedersachsens:
    Mittelstufe: Die schwarze Galeere, Else von der Tanne.
    Oberstufe: Des Reiches Krone, Der Hungerpastor, Der Schüdderump, Abu Telfan.
  • Für den praktischen und schnell erfolgreichen Einstieg in Raabes Schreibstil und Lebenszeit bieten sich die Werke mit weniger als hundert Seiten an.

Aussprüche, Zitate, Gedichte

  • Neckerei zwischen Wilhelm Raabe und Gustav Bohnsack im „Feuchten Pinsel“: „Raabe: Haben Sie die neue Geschichte gelesen? Bohnsack: Welche Geschichte? Raabe: Die Zeitungsgeschichte! Bohnsack: Lesen Sie denn die Zeitungsgeschichte? Raabe: Natürlich lese ich die ganze Zeitung! Bohnsack: Das hätten Sie schon früher tun sollen, dann wäre auch etwas Gescheites aus Ihnen geworden!“
    Kurt Hoffmeister, Braunschweig 1983, „Wilhelm Raabes Leben und Wirken in Anekdoten“.
  • Die Hebamme stieß nach der Taufe Wilhelm Raabes den achtzehn Tage alten Täufling zum Entsetzen der Taufzeugen mit dem Köpfchen an eine Säule in der St. Martin-Kirche zu Eschershausen. Auf die Frag: „Wozu dies?“ gab sie die verblüffende Antwort: „Nu wird er ein berühmter Mann!“
    Quelle: Friedrich Jeep im Raabe-Kalender 1913, Seite 84: „Erst vor kurzem teilte dieses ein Neffe des Dichters, Herr Regierungsrat Richard Raabe in Wolfenbüttel, dem Schreiber dieses mit.“
  • Am 8. September 1887 schreibt Wilhelm an seinen Freund Hänselmann:
    „Lieber Freund! Ich kann auch heute nicht mit nach dem Grünen Jäger. Meine Frau wünscht diesen Tag aus einem mir dunklen Grunde ‚festlich zu begehen‘ und mich ‚dabei zu haben‘. Seien Sie mit den anderen recht vergnügt und gehen Sie ja nicht zu früh nach Hause! Ihr Wilhelm Raabe.“
  • „Was gehen uns Amt und Würde an? Wir sind alle des nämlichen Ranges und wissen uns allesamt mit demselben buntscheckigen Fell überzogen! – Geld tut es gar nicht unter uns! – Wir sind Leute, die frei durchgehen durch die Philisterwelt.“
    Aus Raabes „Kleidersellerrede“ anlässlich seines fünfzigsten Geburtstages (15. November 1881).
  • „Ob wir heute zu zwanzig oder dreißig zu Tische sitzen oder morgen zu drei – es ist gleichgültig: Wir sind da […] wir können uns nicht anders wollen, als wir sind und entbehren können wir einander gar nicht. So wollen wir bleiben, wie wir sein müssen: bescheiden und frech, still und großschnäuzig, kurz: so bunt wie möglich.“
    Aus Raabes „Kleidersellerrede“ anlässlich seines fünfzigsten Geburtstages (15. November 1881).
  • „Ich liebe einen Kreis guter Gesellen, eine gute Zigarre und wenn es sein muss, einen guten Trunk.“
    Aus Hoffmeister: Wilhelm Raabes Leben und Schaffen in biografischen Skizzen.

In Raabes Notizbüchern und Manuskripträndern finden sich 370 Zitate, Sinnsprüche von 1863 bis 1900.
Zuerst veröffentlicht in der 18-bändigen Klemm-Ausgabe 1913–1916 in Band 6 der 3. Serie = Band 18 = „Nachlese“.
Diese Gedanken und Einfälle kommen nicht in seinen Werken vor.

Aphorismen

„Aus einem Raabenfittich“ Dr. Hans Roeder, Hannover 1967, Madsack, 68 Seiten.
Daraus nach subjektivem Empfinden ausgewählt:

  • Was im deutschen Honoratiorentum versinkt, ist für alle Zeit verloren.
  • Knie dem Philister auf der Seele, und Du drückst doch keinen Geist heraus!
  • Arbeiten und schaffen soll jeder nach seiner Art, denn darin liegt sein Heil. Bauen soll er in sich und außer sich, und was ihm in der Seele, was ihm im Umkreis seines Sinns von gegenwirkenden Kräften zerstört wurde, das soll er immer von neuem geduldig aufrichten, denn darin liegt sein Glück. Wer die Arme sinken lässt, ist überall verloren!
  • Ich habe gottlob nicht die Fähigkeit und den Wunsch und das Bedürfnis, durch meine Persönlichkeit zu imponieren. Ich habe sie kennengelernt, diese Helden des Augenblicks.
  • Ein sich prügelnder Haufen Jungen. Einer bindet sich einen Fetzen an einen Stock und setzt sich mit einem Marschgeschrei in Bewegung. Sofort schweigt aller Zwiespalt. In Marschtritt folgt alles demselben Banner und demselben Geschrei, und je höher die Stange und je bunter der Lappen dran, desto größer der Enthusiasmus.
  • Die Massen in Bewegung zu setzen, braucht‘s nur der Phrase eines Dummkopfs. Wie lange Zeit gebraucht der kluge Mann, um nur einen einzigen zu seiner Meinung zu bekehren!
  • Man kann die ganze Kulturwelt unter seinem Fuß haben, aber seine Frau doch noch lange nicht.
  • Man erlebt nicht das, was man erlebt, sondern wie man es erlebt.
  • Das entzückende Gefühl des richtigen Alters: Wenn ich den Krempel um mich her ansehe und mir sagen darf, das brauchst du ja nicht mehr!
  • Im sechzigsten Jahr. Man genießt alles besser, weil man mehr auf achtet. Man sagt sich eben: Sieh es dir noch einmal an; und die Damen – das heißt die Frauen und die jungen Mädchen, sieh sie dir auch noch einmal an! Du siehst sie zwar jetzt mit ganz anderen Augen wie im zwanzigsten, im dreißigsten – und dann die behagliche Frage: „Lohnt es sich noch?“ In früheren Zeiten war es die bittere Frage: „Lohnt es sich?“
  • Der niedrigste Grabhügel überragt oft die höchsten Gebirge der Erde.
  • Es muss ja, Gott weiß es, jeder Mensch das Seinige aushalten.
  • Niemand muss nüchterner in die Welt hineinsehen, als ein ernster Romanschreiber.
  • Was einem, wenn man jung ist, als Mücke umschwirrt, das wird im Alter zu einer Hornisse.
  • Im Augenblick, wo der rechte Künstler schafft, hat er weder Weib noch Kind und am allerwenigsten Freunde.
  • Ein klassisches Kunstwerk – man sieht die Fäden nicht, an denen die Puppen gezogen werden.
  • Die Bücher sind die besten, die der Verfasser selber nicht zum zweiten Mal machen kann, über die er sich selber wundert.
  • Erst durch das Lesen lernt man, wieviel man ungelesen lassen kann.
  • Die Leute, die am häufigsten sagen: „Wir wollen sehen!“ sehen gemeiniglich am allerwenigsten, und zwar in dem betreffenden Falle, gewöhnlich mit Absicht.
  • Es kommt immer ganz anders! Das ist das wahrste Wort und im Grunde auch der beste Trost, der dem Menschen in seinem Erdenleben mit auf den Weg gegeben worden ist.
  • Sie duldete keine Spinnen in ihrer Behausung, weil sie die einzige darin sein und bleiben wollte.
  • Das Weib: Wenn ich mein Kind in seinem Kinderwagen vor mir herschiebe, brauche ich wahrhaftig nicht den „Faust“ geschrieben oder die Schlacht bei Mars la Tour gewonnen zu haben. Die sollen mir nur kommen und mir einen Austausch unserer Gefühle anbieten!
  • Wenn die Frau die Tür schlägt und der Mann sie sacht schließt, gibt es, wenn nicht eine Musterehe, so doch eine erträgliche. Schlagen sie beide die Tür, so ist das freilich schon so etwas wie die „Hölle auf Erden“. Schlägt der Mann sie und die Frau schließt sie sacht, dann ist‘s manchmal der Himmel, aber manchmal auch die Langeweile auf Erden.
  • Der ernste furchtbare Tag, an dem der Mutter die Gewissheit wird, dass das Kind, welches sie geboren hat, ein Anderes ist als sie selbst.
  • Jedes Wochenbett löst dem Weibe die „Frauenfrage“ und dem Manne auch.
  • Wer erfahren hat, wie merkwürdig schwarz die Nacht unter Umständen sein kann, der weiß auch, welch ein Licht ein einziger Johanniskäfer in den Busch zu werfen vermag.
  • Es steht zu keiner Zeit ein Glück so fest, dass es nicht von einem Windhauch oder dem Hauch eines Kindes umgestürzt werden könnte.
  • Einer, der so objektiv geworden ist, dass er bei allem, was ihn persönlich betrifft, nur ruhig sagt: „Ja, das gehört zum Leben zu“.
  • Alles in der Welt geht in der Wellenlinie. Jede Landstraße und so weiter. Wehe dem, der überall das Lineal anlegt!
  • Hat es jemals einen Menschen gegeben, der berechtigt gewesen wäre, über das Leben eines anderen abzuurteilen?
  • Ich fand einmal angeschrieben: Was soll ich an dieser schönen Stelle mit meinem Unglück?
  • O Mensch, lass dich nie mit einer Menschenart ein, heirate nie in eine Familie, die beim dritten Wort stets unterbricht oder bemerkt: „Ich finde aber, dass …“
  • Die Kunsttätigkeit der Neuzeit hat uns einen neuen Maßstab für die Berechnung der Individualitäten gegeben. Je häufiger und je lieber sich ein Mensch fotografieren lässt, desto weniger steckt hinter ihm.
  • Die Menschen leben in der Illusion, dass jeder das, was er tut, für sich tut; und das ist der größeste der Irrtümer der Individualisten.
  • Wir müssen den Feind in uns bekämpfen, die Selbstsucht nämlich, durch die jeder einzelne glaubt, sein Weg sei der beste.
  • Der Mensch lebt von seinen Illusionen.
  • Meine Bücher gewonnen – mein Leben verloren.
  • Ich fürchte mich nicht mehr vor den Dingen, denn die Liebe steht mir zur Seite.
  • Heute behältst du recht, heute über hundert Jahre habe ich es.
  • Ich gehöre jetzt allmählich zu den buntesten Hunden in der deutschen Literatur.
  • Braunschweig! Von alters her berühmt durch Heinrich den Löwen, den „Heldenherzog“ Friedrich-Wilhelm, Wurst und Honigkuchen. Neuerdings durch Spargel und Wilhelm Raabe.
  • Verpflichtet bin ich durch mein Auftauchen auf der Erde zu nichts. Es kann niemand verlangen, dass ich ein sogenannter „Guter Mensch“ werde.
  • Nichts bildet den Menschen mehr, als Menschenschicksale sehen.
  • Das Deutsche Reich ist mit der ersten Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth gegründet worden.
  • Das französische Gewissen sitzt in Paris, das englische in London, aber das deutsche noch lange nicht in Berlin.
  • Was ist unsereins, wenn er nicht wie Gott ist, wenn er nicht alle gelten lässt?
  • Es gibt gewachsenen Boden und aufgeschütteten. Es gibt Werke, die aus gewachsenen, und solche, die aus aufgeschüttetem Boden aufwachsen.
  • Die Menschen stellen sich im Verkehr mit den Menschen nur zu häufig auf den falschen Standpunkt: sie ärgern sich, wo sie sich ergötzen sollten; sie erbosen sich, anstatt zu lernen.
  • Es fällt immer eine erste Schneeflocke, was für ein Gewimmel nachher auch kommen mag.
  • Der Mensch ist groß, wenn er menschlich ist.
  • Unentbehrlich ist keiner, aber entbehrlich auch keiner.
  • Und wenn der Mensch noch so gerne immer in das Fernste schweifen möchte: er wird doch immer wieder mit der Nase auf das Nächstliegende gestoßen.
  • Man spricht viel zu leichtfertig vom Lachen in der Welt; ich halte es für eine der ernsthaftesten Angelegenheiten der Menschheit.
  • Die ruhige Hand greift am sichersten!
  • Beuge dich nicht tiefer, als es nötig ist!
  • Die Sonne muss die Frau in die Ehe, in das Haus mitbringen.
  • Man muss sein Brot mit dem Messer schneiden, welches einem das Schicksal, ob stumpf oder scharf, dazu in die Hand gibt.
  • „Hu, welch ein Wetter!“ „So? Glaubst Du wirklich, dass überall, wo Du Dich aufhältst, die Sonne auf Deine Engelhaftigkeit scheinen muss?“
  • Jeder, der in einem Religionskriege fällt, kommt in die Hölle.
  • Dem ungebildeten Menschen erscheint alles als Einzelheit, dem Gebildeten alles im Zusammenhang. Es gibt da aber allerlei Nuancen.
  • Mir ist gleichgültig der Rock, den ich trage, was ich esse und trinke und was die Narren von mir sagen.
  • Wer mit mir reden will, der darf nicht bloß seine eigene Meinung hören wollen.
  • Singt und betet nicht nur von Gottes Gütigkeit und Allweisheit, sondern trauet auf sie!
  • Was ist der Mensch, wenn er nicht das Geringste verrichtet, als ob er die allergrößte Ehre damit einlegen müsse?
  • Wem nicht jeder Satz, den er schreibt, der wichtigste ist, soll das Schreiben lassen.
  • Da man sich in das Leben hat fügen müssen, wieviel leichter sollte man sich in den Tod fügen können.
  • Werde nur alt! Werde alt! Recht, recht alt! Wenn du den Kopf oben behältst, tut dir auch das Altwerden nichts.
  • Die wirklich großen Herren knöpfen erst im Tode ihren Oberrock auf, um ihren Stern zu zeigen.
  • Und dabei zieht sich jeder dieser Helden und Erdenwüteriche abends nicht nur den Harnisch, sondern auch die Hosen aus und die Bettdecke über den Kopf.
  • Ich habe nicht immer das Gefühl, als sei es gerade meine Pflicht und Schuldigkeit, dem Herrgott seine verpfuschte Welt wieder einzurenken.
  • Blase dein Stückchen, aber wolle deinen Takt nicht der ganzen übrigen Menschheit aufdrängen!
  • Das ist das menschliche Leben! Bei dem einen raucht der Ofen, wenn der Wind von Nordwesten, bei dem anderen, wenn er von Südosten kommt.
  • Das hervorstechend Angenehme, was die Franzosen gezeugt haben, ist Paris; das, was den Deutschen gelungen ist, sind die deutschen Mittelstädte, eine von den wenigen Behaglichkeiten, die der deutsche Nationalcharakter erzeugt hat.
  • Wieviele Leute gibt es denn, deren Blick über ihre Nasenspitze hinaus weiter reicht, als eine Handbreit, oder, zum weitesten, eine Armlänge, das heißt soweit sie greifen können?
  • Es staubt auch in der Stube des Königs. Ein Floh hüpft auch über den Teppich der Königin und findet, wen er sucht.
  • Man muss in den Dreck hineingeschlagen haben, um zu wissen, wie weit er spritzt.
  • Da ist eine Redensart: „Es war einmal in der Zeit, da die Leute noch dumm waren“ und so weiter. – Die Redensart ist dumm und sollte lauten: „… da die Leute noch nicht so dumm waren wie heute“.

Zitate

  • „Kinderschrien is ok en Gesangbauksversch!“
    Kinderschreien ist auch ein Gesangsbuchvers! Aus: Chronik der Sperlingsgasse. Kapitel Strobelina. Szene in einem Dorf an der Weser, sonntagvormittags zur Gottesdienstzeit.
  • „Das Ewige ist stille, Laut die Vergänglichkeit; schweigend geht Gottes Wille über den Erdenstreit.“
    Aus dem Gedicht „Wenn über stiller Heide“, Vers 3, Seite 122. Aus „Gesammelte Gedichte“, Wilhelm Brandes. Otto Janke, Berlin 1913.
  • „Welch ein Segen und was für eine Freude ist es, wenn Menschen friedlich beieinander wohnen; aber wie selten ist‘s der Fall.“
    Aus „Das Odfeld“ und aus „Hastenbeck“, 6. Kapitel.
  • „Bleib in den Stiefeln, Mensch! Solange als möglich.“
    Aus: „Altershausen“.
  • „Sieh nach den Sternen! Gib acht auf die Gassen!
    Aus „Die Leute aus dem Walde“, Kapitel 13. Ulex und Fiebiger zu Robert Wolf. Ähnliches in der Bibel, Jesaja 51.6 „Hebt Eure Augen auf gen Himmel und schaut unten auf die Erde!“
  • „Hütet Euch fernerhin Eure Hand zu bieten, noch mehr Ruinen zu machen!“
    Aus „Höxter und Corvey“. Der Text steht auch auf dem Raabedenkmal vor der Magnikirche in Braunschweig.
  • Ausspruch von Bruder Henricus aus dem Kloster Corvey zum Studenten Lambert Tewes anlässlich der Unruhen in Höxter.
  • „Frei durchgehen! Ist das nicht das größte Wort, das in diesem in Stricken und Banden liegenden Menschenleben gesprochen werden kann?“
    Aus „Deutscher Adel“.
  • „Wenn ihr wüßtet, was ich weiß, so würdet ihr viel weinen und wenig lachen!“
    Aus „Abu Telfan“, Täubrich-Pascha und Leonhard Hagebucher als Schlusssatz des Werkes. In freier Anlehnung an die Predigt vom Jüngsten Gericht, Schlusssatz Koran, Sure 53, Vers 59 f.
  • „Es lebe Nippenburg und Bumsdorf! Der Bierkrug und die Kaffeekanne, der Strickstrumpf und das Dintenfaß. Es lebe der Boden, auf welchem wir stehen, und in welchem wir begraben werden! Es lebe der Herr von Bumsdorf! Es lebe der Onkel und die Tante Schnödler, es lebe der Onkel und Stadtrat Hagebucher, es lebe die Cousine Clementine! Und vor allen Dingen lebe der Vetter Wassertreter!“
    Aus „Abu Telfan“, Kapitel 35. Philosophisch-ironische Betrachtung des deutschen Philistertums.
  • „Ho, es wird wohl einmal die Stunde kommen, wo der Auktionator mit dem Hammer auf den Tisch klopft und den ganzen Trödel vor dem ganzen deutschen Volk versteigert. Zwölf Exzellenzen für‘n Groschen und die dreizehnte zu! Zwölf Durchlauchten für einen Groschen und die dreizehnte zu!“
    Aus „Abu Telfan“, Kapitel 31. Der zornige Leutnant Kind zu Leonhard Hagebucher und Major Wildberg.
  • „Du lieber Gott, und wenn man auch allen Sonnenschein wegstreicht, so gibt es doch noch den Mond und die hübschen Sterne und die Lampe am Winterabend: es ist so viel schönes Licht in der Welt.“
    Aus „Drei Federn“, Kapitel 2. Worte von Mathilde Sonntag.
  • „Der Mensch könnte manchmal viel darum geben, wenn er aus seinem eigenen Rat und Trost eine Beruhigung auch für sich ziehen könnte.“
    Aus „Prinzessin Fisch“, Kapitel 11. Witwe Schubach zum „Bruseberger“.
  • „Es ist kein übler Monat, dieser Februar, man muss ihn nur zu nehmen wissen.“
    Aus „Chronik der Sperlingsgasse“.
  • „Eine Blume, die sich erschließt, macht keinen Lärm dabei. Auf leisen Sohlen wandeln die Schönheit, das wahre Glück und das echte Heldentum.“
    Aus „Alte Nester“ – der Roman beginnt mit diesen Worten.
  • „Mit dem Hunger nach Unendlichkeit wird der Mensch geboren; er spürt ihn früh, aber wenn er in die Jahre des Verstandes kommt, erstickt er ihn meistens leicht und schnell.“
    Aus „Der Hungerpastor“, 1863.
  • „Über den Tod kommt jeder leicht hinweg, aber mit dem Sterben ist‘s eine anderes Sache.“
    Aus „Gedanken und Einfälle“
  • „…da man in das Leben sich hat fügen müssen, wieviel leichter sollte man sich in den Tod fügen können.“
    Aus „Gedanken und Einfälle“
  • „Was haben wir vom wachen Leben mehr als unsere Träume?“
    Aus „Die Akten des Vogelsang“, Seite 269.
  • „Nur immer über den Dingen bleiben und möglichst wenig von ihnen haben wollen!“
    Aus „Die Akten des Vogelsang“, Seite 290.
  • „Auch die Illusion gehört eben zu den Mitteln, die Erde grün zu machen und schön zu erhalten.“
    Aus „Die Akten des Vogelsang“, Seite 302.
  • „Es ist kein größeres Wunder, als wenn der Mensch sich über sich selbst verwundert.“
    Aus „Die Akten des Vogelsang“, Seite 304.
  • „Man kann auch heute noch mancherlei Beruhigendes erfahren und erleben, man warte nur immer möglichst ruhig die nächste Stunde ab.“
    Aus „Horacker“, Seite 352.
  • „Trotz aller Lehrer, trotz aller Schulen steht der Mensch zuletzt doch immer allein seinem Schicksal gegenüber, und er allein hat mit seiner Persönlichkeit Antwort zu geben.“
    Aus: „Die Leute aus dem Walde“, Kapitel 4, Seite 436.
  • „Ein Vivat allen guten wackeren Gesellen zu Wasser und zu Lande auf ebener Erde und auf den goldenen Wolken im blauen Äther, den guten wackeren Gesellen, die aushalten und sich nicht irren lassen und bei jeder Witterung den Tag preisen.“
    Aus „Abu Telfan“, Kapitel 7. Vetter Wassertreter zu Leonhard Hagebucher an der Landstraße unter einem Apfelbaum sitzend.
  • „Man muß den Menschen nur ein bisschen verrückt vorkommen, dann kommt man schon weiter.“
    Aus „Hastenbeck“. Zitat der Wackerhahnschen, nachdem sie von der Gräfin Stolberg ein Empfehlungsschreiben für Herzog Carl in Blankenburg erhalten hat.
  • „Es ist eine Gegend, in der man schon mit erklecklichem Behagen geboren sein kann. Eine recht schöne Gegend in der wirklichen Bedeutung des Wortes.“
    Aus „Horacker“, Seite 293.
  • „In meiner Heimat ist es gar schön. Da sind die Berge und die Wiesen so grün, da scheint die alte Burg, sie heißen sie die Homburg, herab auf das Städtel. Da sind die hohen weißen Felsen, ganz weiß, weiß – da wohnen die klugen Zwerge in tiefen runden Löchern. Das ist wahr, ganz gewiß wahr! Es ist auch schaurig da, manchmal rührt sich der Boden und der Wald sinkt ein in die Erde, tief, tief – und ein Wässerlein springt dann unten in dem Grund auf; das Wasser trinken die Leute nicht gern. Aber mitten in den Bergen, da ist ein kühler Bronn, der Wellborn geheißen, aus dem kommt das Wasser durch Röhren in die Stadt und die Brunnen rauschen und plätschern immer zu.“
    Aus „Der Junker von Denow“. Worte von Anneke Mey.
  • „Die Berge sind den Göttern heilig […]“ und bezogen auf den Brocken, die Wartburg, den Kyffhäuser: „Welche andere Nation kann solche Berggipfel aufweisen“.
    Aus „Nach dem großen Kriege“.
  • „Die Viecherei bleibt dieselbe, ob man sich heute mit Zündnadel und Chassepot zu Leibe geht oder, wie vor längeren Jahren und Jahrtausenden, seinen Stein in die Schleuder legt und sich den an die Köpfe wirft.“
    (Antoine Alphonse Chassepot, 1833–1905, Erfinder des nach ihm benannten Hinterladergewehrs.)
    Aus „Das Odfeld“.
  • „Auf Gottes Weg und Stegen,
    dem Maien frisch entgegen.
    Zum grünen Wald voll Gnaden
    hat er Euch eingeladen.“
    Aus „Der Student von Wittenberg“.
  • „Über den Marktplatz zu schweifen,
    Durch die Gassen zu streifen
    Licht aus Schatten zu greifen,
    Das ist Dichterberuf.“
    Aus „Die Kinder von Finkenrode“.
  • „Auf alle Höhen da wollt‘ ich steigen,
    zu allen Tiefen mich niederneigen.
    Das Nah‘ und Ferne wollt‘ ich erkünden,
    Geheimste Wunder wollt‘ ich ergründen.
    Gewaltig Sehnen, unendlich Schweifen,
    Im ew‘gen Streben ein Nieergreifen –
    Das war mein Leben.“

    „Nun ist‘s geschehen; – aus allen Räumen
    hab‘ ich gewonnen ein holdes Träumen.
    Nun sind umschlossen im engsten Ringe,
    Im stillsten Herzen weltweite Dinge.
    Lichtblauer Schleier sank nieder leise;
    In Liebesweben, Goldzauberkreise –
    Ist nun mein Leben.“

    Aus: „Hungerpastor“, Einleitung Kapitel 35.

Romanfiguren

„Jeder Versuch, die vielen hundert Frauenfiguren bei Wilhelm Raabe zu klassifizieren, kann nur ein Versuch bleiben, denn jede ist ein Unikat, ein individuelles Geschöpf. Es gibt Ähnlichkeiten, aber keine zwei gleichartigen Frauen in den Romanen.“
Aus: „Die verlorenen Mädchen bei Raabe“. J. Baß, Raabe-Kalender 1914, 74/96.

Die armen, weisen Alten:

Die WackerhahnscheHastenbeck
Minchen AhrensAltershausen
Base SchlotterbeckHungerpastor
Claudine FehleysenAbu Telfan

Die starken, couragierten:

Anneke MeyDer Junker von Denow
Salome VietorFrau Salome

Die verlorenen, schlechten, schlimmen:

Fausta la TedescaDer heilige Born
Miss Christabel EddishChristoph Pechlin
Doris RadebreckerDie Innerste

Die Verführten:

Marianne ErdenerFabian und Sebastian

Die soliden, braven, duldsamen:

Monika FichtnerDer heilige Born
Regina LottherUnseres Herrgotts Kanzlei
Franziska GötzHungerpastor
Eva SixtusAlte Nester
Anselma WunnigelWunnigel
KlotildeGutmanns Reisen
Erhardine CellariusDie alte Universität
Ännchen, Anna von RhodaNach dem großen Kriege

Anneke Mey – „Eine Gestalt, klein und zierlich gebaut, aber trutzig und unverzagt, im Heerlager aufgewachsen, gebräunt von Wind und Wetter, abgehärtet in mancher bösen Sturmnacht am schwächlichen Lagerfeuer, ein klein Hütlein, geziert mit einer Häherfeder, auf den krausen, wirren Locken, ein Dolchmesser im Gürtel, […] stets dem Heere zur Hand: Anneke Mey von Stadtoldendorf, des Braunschweigischen Regiments Marketenderin und Schenkin.“

Raabes Vorbild für Minchen Ahrens in „Altershausen“ war:
Juhle Johler, Kräuterfrau in Stadtoldendorf * 26. Oktober 1822 † 29. Dezember 1910. Tochter eines Tischlermeisters, blieb unverheiratet, hatte aber einen unehelichen Sohn, der nach Amerika auswanderte. Sie war arm, ohne Beruf, aber immer hilfsbereit. Hatte große Kenntnisse von Heilkräutern und Waldfrüchten. Half bei Krankheiten, hatte das „zweite Gesicht“, tierlieb.
Quelle: TAH 29. Juni 1981.

Pastoren – in Raabes Verwandtschaft

  • Louis Tappe, Schwager, Heirat mit Mathilde Leiste, Schwester von Raabes Frau Bertha. Pastor in Boffzen 1867–1879 und in Hüttenrode im Harz.
  • Friedrich-Wilhelm Wasserfall, Enkel Wilhelm Raabes, Sohn von Tochter Emilie und Stabsarzt Paul Wasserfall. * 23. Februar 1902 Minden † 3. März 1962 Schöningen. Seit 1952 Pastor in Schöningen.

Pastoren – in Raabes Werken

HungerpastorJohannes Unwirrsch, Ehrn Josias Tillenius
Else von der TannePastor Friedemann Leutenbacher
HorackerPastor „Krischan“ Winkler
Höxter und CorveyEhrn Helmrich Vollbord von der Kilianikirche
Von Galen, Bischof von Münster
Prior Nicolaus von Zitzewitz
Etliche Mönche (Henricus…)
HastenbeckEhrn Gottlieb Holtnicker
Pastor Störenfreden, Derental
Abt Jerusalem Riddagshausen
OdfeldNoah Buchius, Pastorensohn
Zum Wilden MannPastor Schönlank
Die alte UniversitätPastor Adam Cellarius, Sachsenborn
Der heilige BornPastor Valentin Fichtner
Pfarrer Chrystosomus, Stahle
Bruder Festus, Vikar in Stahle
Frau SalomePastor Peter Schwanewede, Pilsum
Unseres Herrgotts K.Nebenfiguren aus dem Bereich der Kirche
Die Hämelschen K.indirekt: Bischof Wedekind vom Hochstift
Abt Heinrich von Fulda
Eine Grabrede […]Aaron Burckhardt, Prediger, Ulrichskirche, Magdeburg
Die Kinder von F.Pastor Arnold Ruhwold, Rußingen
Pastor Primarius Wachtel
Gutmanns ReisenPastor Nodth, früherer Lützower Jäger
Sankt ThomasHeinrich Leflerus, holländischer Geistlicher
Die Gänse von B.Pastor Primarius Ehrn Jobst Klafautius
Unruhige Gäste Pastor Prudens Hahnemeyer
Der SchüdderumpPastor Buschmann und Sohn Franz
Kloster LugauTheologieprofessor Martin Kleynkauer
Oberin Priorin Seraphine von Kaffelen

Quelle: Hermann Junge, Hamburg, in Raabegedächtnisschrift 1913, Seiten 139–149.



Etliche Zitate finden sich in Wilhelm Raabes Werken:

  • 313 × aus der Bibel
  • 220 × aus dem Lateinischen
  • 200 × von Goethe
  • 200 × aus dem Englischen, davon 130 von Shakespeare
  • 118 × aus dem Griechischen

Quelle: Fritz Jensch, „Wilhelm Raabes Zitatenschatz“, 1925, Heckners Verlag, Wolfenbüttel und „Raabe-Lexikon“ Heinrich Spiero, Klemm, Berlin 1927.

Dazu Fritz Jensch: „Es gibt wohl keinen zweiten Schriftsteller, der solch ausgedehnten Gebrauch von Zitaten gemacht hat, wie Wilhelm Raabe.“

Historische Eckpunkte

Der Dreißigjährige Krieg
1618–1648.
Beendigung durch Westfälischen Frieden in Münster, Osnabrück 24. Oktober.

Die Schlesischen Kriege

Friedrich der Große II. gegen Österreich um den Besitz von Schlesien.

  1. Krieg 1740–1742.
  2. Krieg 1744–1745. Beendigung durch Dresdner Frieden 25. Dezember 1745.
  3. Krieg, genannt „Siebenjähriger Krieg“, von 1756 bis zum 15. Februar 1763.
Schlacht bei Hastenbeck
26. Juli 1757 bei Hameln.
Sieg der Franzosen über die Engländer im Siebenjährigen Krieg.
40 000 Alliierte (Engländer, Braunschweiger, Hannoveraner, Hessen, Bückeburger) gegen 100 000 Franzosen unter Marschall d‘Estree.
Wilhelm August von Cumberland gibt die Schlacht verloren und flüchtet, obwohl die Franzosen ihrerseits bereits den Rückzug antraten. Kein Überblick, Lage falsch eingeschätzt. Alliierte Verluste 1 200 Mann. Rückzug bis Stade.

Es folgt die Konvention (Kapitulation) von Zeven (ehemaliges Benediktiner Kloster im Bezirk Stade) am 8. September 1757: Niedersachsen geht an Frankreich. Herzog Karl flüchtet nach Blankenburg. Friedrich der Große erkennt die Kapitulation nicht an und zerreißt das Papier von Zeven.

Schlacht bei Roßbach
5. November 1757 (Dorf im Kreis Querfurt).
Sieg Friedrichs des Großen über die Franzosen und Reichsarmee.
Schlacht bei Zorndorf
25. August 1758 (Dorf im Kreis Königsberg/Neumark).
Sieg Friedrich des Großen über die Russen.
1. Mai 1759.
Herzog Ferdinand von Braunschweig siegt über die Franzosen.
Schlacht bei Kunersdorf
12. August 1759 (Dorf bei Frankfurt an der Oder).
Sieg der Österreicher und Russen über Preußen.

Napoleonische Kriege und Vasallenstaaten

Rheinbund (États confédérés du Rhin)
1806–1813.
Unter dem Protektorat von Napoleon I. bestand aus:
Bayern, Württemberg, Baden, Berg, Darmstadt, Nassau, Hohenzollern, Salm, Arenberg, Isenburg, Liechtenstein, Leyen, Dalberg/Würzburg, Sachsen, die sächsischen Herzöge, Schwarzburg, Anhalt, Lippe, Reuß, Westfalen, Mecklenburg, Oldenburg.
Schlacht bei Jena und Auerstedt
14. Oktober 1806.
Sieg der Franzosen über Preußen unter Herzog Karl-Wilhelm Ferdinand. Dieser wird schwer verwundet, flieht vor den Franzosen nach Ottensen bei Altona (damals Dänisch). Stirbt dort am 10. November.
Königreich Westfalen
1807–1813.
Gebildet von Napoleon I. aus Braunschweig, Kurhessen, Teilen Preußens, Hannovers und Sachsens, Corvey, Kanitz-Rietberg. Aus Kassel heraus regiert von Napoleons Bruder Jerome, genannt „König Lustig“.
Befreiungs-Kriege
1813–1815.
Preußen, Österreich, Russland, England und Verbündete gegen Napoleon.
Völkerschlacht bei Leipzig
16; 18./19. Oktober 1813.
Sieg der Verbündeten über Napoleon.
Schlacht bei Quatre-Bras
16. Juni 1815.
Ort in Belgien im Bezirk Nivelles. Deutsch-britisches Heer gegen die Franzosen. Der „Schwarze Herzog“ Friedrich-Wilhelm von Braunschweig, fällt.
Schlacht bei Waterloo
18. Juni 1815.
Dorf in der belgischen Provinz Brabant, 15 km südlich von Brüssel. Sieg der Verbündeten über Napoleon I.

Spätere Schlachten und Kriege des 19. Jahrhunderts

Schlacht bei Magenta
4. Juni 1859 (Ort in der Provinz Mailand).
Sieg der Franzosen und Sardinier über Österreich-Ungarn.
Schleswig-Holsteinische Erhebung
1848–1851 – gegen Dänemark.
Erstürmung der Düppeler Schanzen
18. April 1864 (Dorf in Nordschleswig).
Sieg Preußens im Deutsch-Dänischen Krieg.
Schlacht bei Langensalza
27. Juni 1866.
Sieg der Hannoveraner über Preußen.
Kämpfe bei Sadowa „Schlacht bei Königgrätz“
3. Juli 1866.
Sieg Preußens (mit England) gegen Österreich (mit Franzosen) mit 400 000 Mann. Böhmisches Dorf im Bezirk Königgrätz am Fluss Bisfritz.

Braunschweigische Herzöge

Herzog Karl I.
(67) * 1713 † 1780.
Verheiratet mit Philipine Charlotte (Lottine) von Preußen, Schwester Friedrich II. Beliebter Herrscher. Vertreter der Barockzeit, Opernfreund, Kunstsammler. Flieht nach der Schlacht bei Hastenbeck in die Blankenburg. Sein Bruder Ferdinand treibt 1758 die Franzosen zum Rhein zurück, diese sind jedoch 1761 wieder da.
Nach 1775 verkauft Karl 4 000 Braunschweiger Soldaten für zwei Millionen Reichstaler an die Engländer für deren Krieg in Nordamerika. Ab 1740 Industriegründungen wie z. B. die Carlshütte (Eisenverarbeitung) und die Porzellanfabrik in Fürstenberg. Haben 14 Kinder, 6 Töchter, 7 Söhne. Der älteste ist Herzog Karl-Wilhelm Ferdinand.
Herzog Ferdinand
* 1721 † 1792.
Bruder des Herzog Karl I. Starb verarmt auf seinem Landsitz in Vechelde. Er ist der gute Herzog Ferdinand in Raabes „Odfeld“.
Herzog Karl-Wilhelm Ferdinand
* 1735 † 1806.
Heirat mit Augusta von Großbritannien. Beliebter Herrscher. Minimale und sparsame Hofhaltung. Schlacht bei Jena und Auerstedt tödlich verwundet.
Herzog Friedrich Wilhelm
* 1771 † 1815.
Folgt seinem Vater Karl-Wilhelm Ferdinand 1806 auf den Thron. Braunschweig war ab 1810 unter französischer Verwaltung des Königreichs Westfalen. Kämpfte ab 1809 mit 2 000 Mann der „Totenkopf“-Husaren als „Schwarzer Herzog“ gegen Napoleon und fiel bei Quatre-Bras am Vorabend von Waterloo.
Herzog Karl II.
* 1804 † 1873.
Sohn vom „Schwarzen Herzog“. Äußerst unbeliebter Herrscher. Sein Volk revoltiert, stürzt ihn und brennt sein Schloss ab. Versucht mehrmals die Macht wieder zu erringen. Die Regierung übernimmt 1831 Bruder Wilhelm.
Herzog Wilhelm August
* 1806 † 1884.
Erstellte für das Herzogtum eine neue Verfassung, die Landschafts-Ordnung, die den Bürgern wichtige Rechte garantierte.
1909 Herzog-Wilhelm Denkmal auf dem Weinberg, Rühle bei Bodenwerder.

Andere Fürsten

Herzog William-August von Cumberland
* 1721 † 1765 London.
Sohn König Georgs von England und Hannover. Versagte als Feldherr in der Schlacht bei Hastenbeck 1757. Kannte keine Gnade bei der – nachträglich offiziell als unehrenhaft eingestuften – Niederschlagung des Jakobitenaufstandes in Schottland. Spitzname in Schottland „The Butcher (Schlächter) of Culloden“, in Deutschland „Herzog von Kummerland“.

Bekenntnisse zu Wilhelm Raabe

„Im Dreigestirn deutscher Kunstprosa des Realismus, das er mit Storm und Fontane bildet, hat er sich klar als der Strahlendste behauptet.“
Aus: „Die Welt“, 13. November 2010 zum 100. Todestag. Von Tilman Krause.

„Im Hause meines Vaters, des Schriftstellers T. Fontane, habe ich schon in meinen Schülerjahren Gelegenheit gewonnen, ein begeisterter Verehrer Ihrer Schriften zu werden.“
Friedrich Fontane, Verlagsbuchhändler, am 2. September 1890 an Wilhelm Raabe.

„Wilhelm Raabe ist zwar der Schilderer des deutschen Volkes vor 1870, aber er hat auch unserer Zeit etwas zu sagen, weil sein dichterisches Erleben von tiefster Menschlichkeit erfüllt und daher zeitlos ist. Gerade der moderne Mensch, der den politischen und sozialen Zusammenbruch, die seelischen Nöte unserer Tage miterlebt hat, wird aus dem Beispiel der von Raabe geformten Menschen Trost und Kraft schöpfen, wird den Glauben an den endlichen Sieg des Guten und Edlen wiedergewinnen können. Darum bleibt Raabes Vermächtnis unverlierbares deutsches Volksgut!“
Konrad Adenauer am 13.06.1931 als Oberbürgermeister von Köln. Quelle: „Mitteilungen“ 1958, 1,2, Seite 43.

„Nichts wäre falscher, als wenn man Raabe wie einen naiven Erzähler behandelt, der mit seinen Geschichten drauflos plaudert.“
Theodor Heuss 1910, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland 1949–1959.

„Welcher deutsche Dichter hat deutschen Geistes innerstes Wesen so tief erfaßt, wer deutsches Leben so echt und wahr gestaltet, wer die Liebe zu Heimat und Vaterland so eindringlich gelehrt wie Wilhelm Raabe?“
Auszug aus der Einweihungsrede des Raabe-Standbildes vor der Wilhelm-Raabe-Schule in Eschershausen vom 9.9.1931 durch Oberstudienrat im Ruhestand Dr. Konstantin Bauer, Bielefeld.

„Skeptisch sein, Sie wissen es, Skepsis ist der Optimismus, der sich nicht traut. Auch das Werk des großen Wilhelm Raabe ist durchzogen von Skepsis oder, vielleicht besser, von stiller, trauriger Resignation. Er hat auch ein großes Wissen von Glück gehabt und von Enttäuschung.“
Walter Kempowski, Schriftsteller, 1972.

„Ich bewundere an Raabe … den großen Reichtum an Wissenschaft im alten Sinn, die Schätze an Bildung des Herzens und des Verstandes, die ihn auszeichnen und mit denen er seine Figuren gezeichnet und ausgezeichnet hat. Das Humanistische ist wie ein humusreicher saftiger Biotop, aus dem seine Menschen existieren.“
Alois Brandstetter, Prof. Phil, Uni Klagenfurt, Raabe-Preisträger Braunschweig 1984. Quelle: „Mitteilungen“ 1984/2, Seiten 32–33.

„Wilhelm Raabe gilt bis zum heutigen Tage als der größte niedersächsische Dichter, was ihn jedoch, wie ich meine, sehr stark verkleinert, denn er war ein Dichter von Weltformat. Er war, wie man heute vielleicht sagen muß, ein verkannter Dichter, den es wieder zu entdecken gilt.“ […] „Im Alltag dem anderen Glück zu schenken, das ist eine Botschaft, die von Raabe ausgeht.“
Prof. Dr. Wolfgang Frühwald im Bayerischen Radio „Alpha“ 25. Juni 2005.

„Raabe gehört zu den großen Erzählern des vergangenen Jahrhunderts; ich glaube aber nicht, daß ihn das allgemeine Bewusstsein als den kennt, der er eigentlich war.“
Romano Guardini * 1885 † 1968, Religionsphilosoph.

„Wie ich zu Raabe gekommen bin: Zunächst war es für mich einfach reizvoll, die eigene Heimat in den Werken eines bekannten Autors wiederzufinden, etwa in ‚Höxter und Corvey‘ oder dem ‚Odfeld‘. Bald aber begannen mich die altertümliche Sprache und die vielen Zitate und Querverbindungen zu Geschichte und Kultur zu faszinieren. Natürlich wurde Raabe mein Abitur-Wahlautor, und so hatte ich Anlass genug, mich mit seinem Werk näher zu befassen. Das Raabesche Weltbild, der Kampf gegen das Böse, bilden für mich immer wieder den Antrieb, zu seinen Büchern zu greifen. Sein etwas spöttischer Humor lässt das Lesen zum Genuss werden. Gerade weil Raabe so wenig in unsere heutige Welt passt, ist er für mich die ideale Lektüre, um die entscheidende humorvolle Distanz zur Umwelt zu finden …“
Mathias Gömann. Quelle: „Mitteilungen“ 1978/2, S. 35.

„Raabe ist zweifellos einer der bedeutendsten und hervorragendsten Dichter der deutschen Literatur.“
Wilhelm von Hertz. Schrieb das Gutachten über Wilhelm Raabe, das zur Verleihung des Maximiliansordens führte.

„Die Literatur spricht von ihm mit Achtung, sie kennt ihn, sie hat Notiz von ihm genommen, aber das einmalige und innigste seiner Dichtung, das eigentliche Wunder seiner Person und seines Wortes ist immer noch nicht eigentlich erkannt und als ewiger Wert anerkannt. … Man wird vielleicht in einem späteren Deutschland ihn doch erkennen; er hat die Anwartschaft darauf, denn er hat jenes die Kritik verwirrende Plus, jene Dimension zu viel, die so schwer einzureihen ist und die sich mit der Zeit doch meistens durchsetzt.“
Hermann Hesse, Literatur-Nobelpreis 1946. Quelle: „Merian“ 1950 Heft 3, Seite 21; „Mitteilungen“ 1954/2, Seite 67.

„Die Legende vom ‚Stilschluderer‘ Raabe, der eines Tages die Feder angesetzt habe und sie dann auf gut Glück habe laufen lassen, ist im Absterben begriffen, seit die Tatsache, daß wir in ihm einen Meister wohldurchdachter Komposition und fein abgewogener Sprachform vor uns haben, beinahe Werk für Werk erwiesen worden ist.“
Quelle: „Mitteilungen“ 1949/2. Ernst August Roloff, Hochschulprofessor Dr.

„Lieber Freund! Von Zeit zu Zeit fühle ich das dringende Bedürfnis, Ihnen einen schriftlichen Händedruck zu schicken, und zwar immer, wenn ich wieder einmal ein Buch oder Heft, das Ihren Namen trägt, aus der Hand gelegt habe. Ich habe eben ein paar Stunden am Waldrand in der Hängematte gelegen. … Da las ich die letzten Kapitel Ihrer „Alten Nester“ und es stieg und schwoll mir immer wärmer und wohliger zum Herzen … und: diesmal, sagte ich mir, schreibst du ihm aber, was für ein begnadeter Mensch er ist und wie er so mit vollen Händen zu geben weiß. … Es ist von Ihrem Allerschönsten, Innigsten, Reinsten und Besten und ich staune nur immer, in wie gleicher Kraft und Fülle das Alles aus Ihrem lieben Gemüthe quillt …“
Paul von Heyse, Literatur-Nobelpreis 1910.

„In Eschershausen wurde am 8. September 1831 Wilhelm Raabe (Jacob Corvinus) geboren, einer der hervorragendsten Romanschriftsteller der Gegenwart.“
Quelle: „Das Herzogtum Braunschweig – Ein Handbuch der gesamten Landeskunde“, Fr. Knoll und R. Bode, Verlag Helm. Westermann, BS 1891.

„… und für mein Teil bin ich schon dankbar, daß sie mir Gelegenheit geben, mich mit einem Wort des Grußes und treuer Bewunderung an der Feier für den großdeutschen Erzähler Wilhelm Raabe zu beteiligen.“
Thomas Mann, Literatur-Nobelpreis 1929. Quelle: „Mitteilungen“ 1931, 3, 4, Seite 176.

„Raabe ist einer der größten Gesundheitsapostel im deutschen Lande; er hat‘s auf die Gesundheit der Seele abgesehen.“
Quelle: „Monatsschrift für Hygienische Aufklärung und Reform.“ Prof. Dr. med. Hans Erich Blaich * 1873 † 1945 (Dr. Owlglass), Schriftsteller, Mitarbeiter des „Simplizissimus“.

„Wilhelm Raabe was Germany‘s greatest realist novelist.“
Quelle: „The Odin Field“. Camden House 2001, Prof. Michael Ritterson.

„Drei Dinge hast Du Deinem Volke gelehrt: den Glauben an das Gute, die Liebe zu den Menschen, die Treue zur Heimat.“
Peter Rosegger an Wilhelm Raabe zum 70. Geburtstag.

„Und Raabes Lampe leuchtet immer noch über seiner stillen Welt.“
Ernst Wiechert, Schriftsteller.

„Wilhelm Raabe was the major novelist in the German language between Goethe and Fontane“.
„Raabe knew a hundred years ago what we should know now!“
Quelle: „The Odin Field“, 2001; Raabefreunde: Prof. Dr. Jeffrey L. Sammons.

„Raabe: das ist ein feiner, stiller, melancholisch-lächelnder, weiser Mensch, der Bücher geschrieben hat.“
„Wer Wilhelm Raabe lieben gelernt hat, wird ihm nimmer untreu.“
Richard von Schaukal, Wien. Quelle: „Mitteilungen“ 1931 Nr. 3, 4.

„Ich lebe mich immer wieder in Raabe hinein (genau wie in Shakespeare). Das sind zwei gewaltige Geister! Sie sind für mich mehr als Literatur, sie sind für mich Lebenshilfe im besten Sinn.“
Pfarrer Dr. Dr. Hans Schomerus. Quelle: „Mitteilungen“ 1969/2, Seiten 34, 35.

„Wen Raabe hat – den hat er für immer!“
Diedrich Speckmann, Pfarrer und Dichter von Heide-Moor-Romanen („Jan Murken“).

„Ja, Wilhelm Raabe ist würdig, in die Walhalla aufgenommen zu werden.“
Ricarda Huch, Schriftstellerin und Historikerin, Philosophin 1931.



Notizen zum Digitalisat

Das „Personagramm Wilhelm Raabe“ entstand aus einer Karteikarten-basierten Informationssammlung, die über Jahrzehnte vom Raabefreund Lothar Kaese angelegt wurde. Lothar Kaese, geboren und wohnhaft in der Raabestraße in Eschershausen, gegenüber dem Geburtshaus von Wilhelm Raabe, nutzte dazu das kaesesche Familienarchiv, Informationen und Archiv des Eschershäuser Raabevereins, und vielfältige andere Quellen, wie Vorträge, Korrespondenz, Zeitschriften usw. Die Sammlung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Wissenschaftlichkeit.

Um diesen reichhaltigen Wissensschatz anderen Raabefreunden zur Verfügung zu stellen, digitalisierte Martin Lucé 2019 das hauptsächlich handschriftliche Material und veröffentlichte es in Selbstverlag.

Das Original wurde als nachschlagefreundliches Spiralbuch A5 quer produziert, gesetzt in der Schriftart Open Sans von Steve Matteson in der großen Schriftgröße 14 Punkt. Verfügbar gemacht wurde es bisher hauptsächlich für die Zwecke des Eschershäuser Raabevereins.

Diese Version sowie die im Internet verfügbare Version wurde von mir überarbeitet. Dabei habe ich, soweit vorhanden, Schreib- und Satzfehler korrigiert, die zahlreichen Abkürzungen ausgeschrieben, und einige stilistische Änderungen vorgenommen (beispielsweise Zahlwörter statt Ziffernschreibweise). Schriftauszeichnungen wurden vom Original übernommen.

Hinzugefügt wurde, gemeinsam mit Lothar Kaese, der Eintrag über die einhundertste Sohlfahrt 2019.

Christian Kaese
Eschershausen 2019