Eschershäuser Wappen

Wilhelm Mundt

Raabestadt Eschers­hausen
Gegen­wart und Vergangen­heit

Infor­mationen über die Stadt und ihre Umgebung

Heraus­gegeben von der Stadt Eschers­hausen
Druck: Druck- und Verlags­haus Hüpke & Sohn, Weser­land­verlag GmbH & Co. KG, Holz­minden

Kaese-Logo


Zur digitalen Version

Diese Seite enthält eine Digitalisierung des Büchleins „Raabestadt Eschershausen – Gegenwart und Vergangenheit“, von Wilhelm Mundt, herausgegeben 1977 von der Stadt Eschershausen.

Der Inhalt wird auf dieser Seite in einfachster Internet-Formatierung wiedergegeben. Eine dem Original nachempfundene Version gibt es als PDF-Datei (13 MB): Raabestadt Eschershausen – Gegenwart und Vergangenheit.

Für weitere Informationen zum Original und zur Digitalisierung siehe Kapitel „Notizen zur Digitalisierung des Originals“.

Digitalisierung durch Christian Kaese, Eschershausen 2019.

Eine weitere Digitalisierung durch Martin Lucé, Eschershausen, steht ebenfalls als PDF-Datei (5 MB, siehe Seiten 1 bis 50) zur Verfügung: Chroniken der Stadt Eschershausen von 1977 und 1954.






Vorwort

Mit der Herausgabe dieser Schrift möchte die Stadt Eschershausen eine Lücke schließen, die entstand, als das von dem verstorbenen Amtsrat im Ruhestand Adolf Lucé verfasste Büchlein „Ein Streifzug durch die Geschichte und die Umgebung der Wilhelm-Raabe-Stadt Eschershausen“ vergriffen war.

In Anlehnung an dieses Büchlein und unter Verwendung des einschlägigen Schrifttums und der Unterlagen der Stadtverwaltung hat Realschullehrer außer Dienst Wilhelm Mundt diese neue Informationsschrift zusammengestellt und versucht, ein Bild der Raabestadt zu zeichnen, das die Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung nach dem Kriege und die Aufgaben der Stadt als Erholungs- und Fremdenverkehrsort in den Vordergrund stellt, ohne die Vergangenheit zu vernachlässigen.

Rat und Verwaltung der Stadt Eschershausen glauben, mit dieser Schrift das Informationsbedürfnis der Feriengäste, der Besucher und aller Freunde der Stadt befriedigen zu können, und hoffen, dass auch der Bürger seinen Nutzen daraus ziehen wird.

Eschershausen, den 1. Mai 1977

SASSINLENKE
BürgermeisterStadtdirektor



Blick auf Eschershausen und die Ithbörde
Blick auf Eschershausen und die Ithbörde

Eschershausen

Lage und Bedeutung

Eschershausen liegt in einer der schönsten, fruchtbarsten und geologisch interessantesten Tallandschaften des Weserberglandes – der Ithbörde, die sich zwischen den Kammgebirgen des Hils und Ith auf der einen Seite und Homburgbergen und Vogler auf der anderen Seite von Südost nach Nordwest hinzieht und auf breiter Front gegen die Weser zu öffnet. In den Grund der Talsohle hat sich die Lenne ihr Bett gegraben und bildet – von der übrigen Börde durch eine Bergkette getrennt – eine reizvolle Flusslandschaft mit einem engen Durchbruchstal zwischen Königszinne und Eckberg hindurch zur Weser.

Eschershausen ist bekannt geworden

durch den Dichter Wilhelm Raabe,
durch Gewinnung und Verarbeitung des Natur-Asphalts,
durch den Segelflug auf dem Ith,
durch die Deutsche Schlauchbootfabrik,
durch das Mineralwasser-Schwimmbad und
durch die Jugendherberge, die mit internationaler Hilfe und tätiger Mitarbeit von Jugendlichen vieler Nationen in den Jahren 1947/1948 – der großen Notzeit nach dem Kriege – erbaut wurde.

Bedeutung und Bekanntheitsgrad Eschershausen liegen weit höher, als man von einer Stadt in dieser Größe erwartet.

In Eschershausen treffen die Bundesstraßen 64 und 240 zusammen, deren Verlauf sich den alten Handelsstraßen Köln–Braunschweig und Hameln–Einbeck anpasst; und hier zweigen auch die Passstraßen über den Ith nach Hildesheim (Paderborner Heerstraße) und über den Hils (Alfelder Heerstraße) ab.

Porträt Wilhelm Raabe von Franz Jüttner

Sehens- und Bemerkenswertes

Wilhelm Raabe

Mit Fug und Recht nennt sich Eschershausen „Raabes Geburtsstadt“ oder kurz „Raabestadt“. Der Dichter Wilhelm Raabe wurde hier am 8. September 1831 geboren. Doch wurde der Vater Gustav Raabe, der seit 1827 als Aktuar am Herzoglichen Kreisamt in Eschershausen tätig war und 1829 Auguste Jeep, die Tochter des Holzmindener Stadtkämmerers, geheiratet hatte, wenige Tage nach der Geburt des Sohnes wieder nach Holzminden versetzt. Noch vor Weihnachten zog die Familie nach dort um.

So verbrachte Wilhelm Raabe nur die ersten Wochen seines Lebens in Eschershausen. Von der Taufe in der Eschershäuser Stadtkirche berichtet eine Familienlegende der Raabes, dass die abergläubische Hebamme nach dem Taufakt den Täufling mit dem Köpfchen gegen eine Säule der Kirche stieß und auf die verwunderte Frage der Taufzeugen, warum sie das mache, geantwortet haben soll: „Nu wird er ein berühmter Mann!“

Als der Vater – 1842 nach Stadtoldendorf versetzt und zum Justizamtmann befördert – 1845 ganz unerwartet starb, zog die Mutter mit ihren drei Kindern nach Wolfenbüttel, um Beistand und Hilfe von ihren beiden Brüdern zu haben, die am dortigen Gymnasium tätig waren.

Infolge der Schulversäumnisse musste Wilhelm Raabe hier in derselben Klasse wieder anfangen, aus der er das Holzmindener Gymnasium verlassen hatte (Quarta). Enttäuscht und überaltert ging er aus der Sekunda ab. Doch bescheinigte ihm das Abgangszeugnis, dass er im deutschen Stil und im freien Handzeichnen einen Grad der Vollkommenheit erreicht habe, wie es auf der Bildungsstufe, auf welcher er stehe, nicht häufig sei.

Auch die Lehre in der Creutzschen Buchhandlung in Magdeburg brach er ohne Abschluss ab (1849–1853). In der Verwandtschaft galt er als Versager; nur die Mutter hat niemals an ihrem Sohn gezweifelt.

Ostern 1854 begann Wilhelm Raabe ein Studium an der Berliner Universität. Die Spreegasse, in der er Wohnung nahm, wurde Vorbild für sein erstes Werk „Die Chronik der Sperlingsgasse“, das 1856 unter dem Pseudonym „Jacob Corvinus“ (corvinus = Rabe) erschien und ihm einen vollen Erfolg brachte. Den Tag, an dem er dieses Buch zu schreiben begann – es war der 15. November 1854 –, bezeichnete Raabe selber als den „Federansetzungstag“.

Als nunmehr anerkannter Schriftsteller lebte Raabe sechs Jahre in Wolfenbüttel, heiratete 1862 Bertha Leiste, Tochter des Advokaten und Prokurators Leiste in Wolfenbüttel, und zog mit ihr nach Stuttgart, der literarisch führenden Stadt Süddeutschlands. Hier entstanden seine großen Werke „Die Leute aus dem Walde“, „Der Hungerpastor“, „Abu Telfan“ und „Der Schüdderump“.

Die Übersiedlung nach Braunschweig (1870) fiel mit dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges zusammen.

Viele Romane und Erzählungen Raabes spielen ganz oder zum Teil in seiner Weserheimat und zeigen, wie tief sich das Land zwischen Weser, Solling und Ith, seine Menschen und Städte, die Gassen und Winkel, dem Knaben eingeprägt haben:

Die Chronik der Sperlingsgasse – Die Kinder von Finkenrode – Der Junker von Denow – Aus dem Leben des Schulmeisterleins Michel Haas – Der heilige Born – Die Hämelschen Kinder – Höxter und Corvey – Horacker – Alte Nester – Das Odfeld – Hastenbeck – Altershausen.

Die volle Anerkennung und Bestätigung seines Lebenswerkes wurde Wilhelm Raabe erst zu seinem 70. Geburtstag (1901) durch eine öffentliche Feier im Rathaus der Stadt Braunschweig und hohe Ehrungen – Ehrenbürgerschaft der Stadt Braunschweig und seiner Geburtsstadt Eschershausen, Ehrendoktorwürde der Universitäten Tübingen und Göttingen – zuteil.

Am 15. November 1910 starb Wilhelm Raabe im achtzigstem Lebensjahr und wurde in einem Ehrengrab auf dem Braunschweiger Zentralfriedhof beigesetzt.

Wilhelm Raabes Geburtshaus mit Gedenkstätte
Wilhelm Raabes Geburtshaus mit Gedenkstätte

Schon bald nach seinem Tode schlossen sich seine Verehrer in der Raabe-Gesellschaft zusammen, die sich nach dem Zweiten Weltkriege von einer Verehrergemeinschaft zu einer wissenschaftlich-literarischen Gesellschaft wandelte.

Seit dem Ersten Weltkrieg besteht auch in Eschershausen ein Raabe-Verein, der sich um Raabes Werk und das kulturelle Leben der Stadt bemüht.

Raabegedenkstätte und Raabedenkmal

In dem Geburtshaus Wilhelm Raabes, Raabestraße 5, richteten Stadtverwaltung, Raabeverein und Verkehrsverein 1957 gemeinsam ein Gedenkzimmer ein, in dem Möbel, Bilder und viele Erinnerungsstücke aus dem Besitz des Dichters gezeigt werden. Der literarisch interessierte Besucher findet Erstdrucke und Erstausgaben von Raabes Werken und manche Seltenheit aus der Raabeliteratur. Bei der Einweihung der Raabe-Gedenkstätte war Raabes Enkelin, Frau Annegret Ehninger, Wolfenbüttel, zugegen und sagte der Stadt Eschershausen Dank und Anerkennung. In der Gedenkstätte wird auch die Raabe-Medaille aufbewahrt, die die Raabe-Gesellschaft der Stadt Eschershausen in Würdigung ihrer Verdienste um Wilhelm Raabe und sein Werk verliehen hat.

Das Raabehaus hat der Zimmermeister Friedrich Wunderlich 1828 für sich erbaut. Als die Familie Raabe darin wohnte, war es ein noch ganz neues Fachwerkhaus mit einer Durchfahrt zum Hof rechts der Treppe. Später wurde die Durchfahrt ausgebaut und das Fachwerk der Vorderfront – wie das üblich geworden war – mit Sandsteinplatten behängt. 1972 hat die Stadt Eschershausen das Geburtshaus Wilhelm Raabes mit Unterstützung der Raabe-Gesellschaft, des Landkreises Holzminden und verschiedener Wirtschaftsunternehmen gekauft, um einer Zweckentfremdung vorzubeugen und es als Gedenkstätte zu bewahren und auszubauen.

Auf der Anhöhe vor der Schule steht das wohl ausdruckvollste Raabe-Denkmal. Es wurde von dem Braunschweiger Bildhauer Sagebiel gestaltet und gleichzeitig mit der Einweihung der neuen Schule, die den Namen „Wilhelm-Raabe-SchuIe“ erhielt, am 8. September 1931, dem 100. Geburtstag des Dichters, enthüllt. Die Feier schloss mit einem Raabe-Wort aus „Die Leute aus dem Walde“: „Arbeiten und schaffen soll jeder nach seiner Art; denn darin liegt sein Heil; bauen soll er in sich und außer sich, und was ihm in der Seele, was ihm im Umkreis seines Seins von feindlichen Kräften zerstört wurde, das soll er immer von neuem geduldig aufrichten, – denn darin liegt sein Glück. Wer die Arme sinken lässt, der ist überall verloren!“ Am gleichen Tage wurde auch das Braunschweiger Raabe-Denkmal eingeweiht, für das eine symbolische Darstellung gewählt wurde, während das Eschershäuser Denkmal den Dichter in Überlebensgröße darstellt. Das Holzmindener Raabe-Denkmal zeigt eine Figur aus „Der heilige Born“, den Klaus Eckenbrecher (Ludwig Isenbeck, Berlin), und die Inschrift „Bleib in den Stiefeln, Mensch, solange als möglich!“ (aus „Altershausen“). Und Stadtoldendorf hat die „Anneke Mey“ aus dem „Junker von Denow“, in Sandstein gehauen von dem Stadtoldendorfer Bildhauer Lüchow.

Das Braunschweiger Denkmal fiel dem Krieg zum Opfer. Ein neues Raabe-Denkmal an der Magnikirche, eine Stiftung Braunschweiger Bürger, wurde 1975 eingeweiht.

Die Brüder vom Großen Sohl

Eng verbunden mit Wilhelm Raabe und Eschershausen fühlen sich die „Brüder vom Großen Sohl“, eine Schülervereinigung des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums in Hannover, die von Dr. Hans Freytag ins Leben gerufen wurde. Zusammen mit dem Hilsverein Grünenplan errichteten sie 1910 auf dem Großen Sohl im Hils noch zu Lebzeiten des Dichters ein Raabe-Denkmal – einen großen Dolomitblock mit dem Bronzerelief des Dichters, das von dem Braunschweiger Bildhauer Professor Ernst Müller geschaffen wurde. Der Aussichtsturm bekam den Namen Raabeturm.

Alljährlich am letzten Sonntag vor Weihnachten wandern die Sohlbrüder zum Großen Sohl, um dort ihres Schutzpatrons und Ehrenbruders Wilhelm Raabe zu gedenken. Nach einer nachmittäglichen Feierstunde in der Bundestaberne in Eschershausen bewegt sich in der Abenddämmerung der Fackelzug der Sohlbrüder unter großer Beteiligung der Einwohnerschaft zum Raabehaus, zum Raabedenkmal vor der Schule und dann hinauf zum Kirchberg, wo das Sonnwendfeuer entzündet wird.

Kirche St. Martin

Auf der äußersten Spitze einer vom Stadtberg gegen die Lenne vorstoßenden, durch Driebebach und Salzbach geformten Bergzunge erhebt sich beherrschend der wehrhaft wirkende Bau der St. Martinskirche aus Bruchsteinmauerwerk (ursprünglich verputzt) mit behauenen Eckquadern und einem auf der Westseite eingerückten massigen Turm mit Zeltdach. Sie wurde anstelle einer wahrscheinlich sehr alten Kirche, die 1736 bei einem Gottesdienst auf der Südseite einstürzte, in mehrjähriger Bauzeit errichtet und am ersten Pfingsttag des Jahres 1746 geweiht. Hölzerne Säulen (unten achtseitig behauen, oberhalb der Emporen rund mit eckigem Kapitäl) gliedern das Innere in drei Schiffe, deren mittleres nach oben durch ein Tonnengewölbe aus Holzverschalung abgeschlossen wird. Zwei korinthische Pilaster und Flügelwerk mit Rokokogeschlinge fassen die erst nach 1751 eingebaute Altarkanzel ein. Seitlich schließen sich „Pastorenstühle“ an, die mit dem Altar durch rundbogige Durchgänge verbunden sind.

Kirche St. Martin
Kirche St. Martin

In den Jahren 1967 bis 1971 wurde der Kirchenbau gründlich überholt. Den Innenraum gestaltete Kirchenmaler Nauwald aus Holzminden in Anlehnung an die ursprüngliche Ausmalung. Die alten „Kirchenstühle“ mit hölzernem Gitterwerk und die Wickenser Empore wurden herausgenommen und die Sitzbänke um einen Mittelgang neu angeordnet. Auch die Orgel mit Rokokogehäuse auf der zweiten Empore an der Westseite aus dem Jahre 1774 wurde überholt und in der Klangfarbe geändert.

Die Freyenhagenschen Epitaphien (fürstliche Amtmänner auf Wickensen), die kaum sichtbar im Winkel der Wickenser Empore angebracht waren, sind nach der Restaurierung ein Schmuck der Kirche geworden.

Wann jene ältere Kirche erbaut wurde, wie groß sie war und wie sie aussah, ist nicht überliefert; doch ist anzunehmen, dass sie schon bald nach der Christianisierung entstanden ist. Dafür spricht, dass sie dem heiligen Martin, dem Schutzpatron des fränkischen Reiches, geweiht worden war. Auch der Hinweis in der Vita Godehardi, dass bei einer Bereisung der bischöflich hildesheimischen Güter 1040 Eschershausen als Rastort diente, unterstützt diese Annahme; denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man für solchen Zweck einen Ort mit einer Kirche wählte.

Eingang der Scharfoldendorfer Kapelle
Eingang der Scharfoldendorfer Kapelle

Bis zum Jahre 1765 wurden um die Kirche herum die Toten aus Eschershausen und Wickensen und auch aus den Dörfern Holzen, Scharfoldendorf, Lüerdissen und Oelkassen begraben. Diese Dörfer gehörten von Anfang an zur Mutterkirche Eschershausen des Gaues Wikanafelde, dem südlichsten Zipfel des Bistums Hildesheim. Und auch heute noch gehören die Kapellengemeinden Holzen (St. Nicolai-Kapelle), Lüerdissen/Oelkassen (Marienkapelle) und Scharfoldendorf (die Kapelle vermutlich ebenfalls dem heiligen Nikolaus geweiht) zur Kirchengemeinde Eschershausen. Die Scharfoldendorfer Kapelle, aus Bruchsteinmauerwerk errichtet, ist dicht von Häusern eingeschlossen, über die nur der First des Daches und der Dachreiter hinausragen. Eine spitzbogige Tür – flankiert von zwei mächtigen Linden – führt in den flachgedeckten Kapellenraum, über dem sich ein großer Dachraum befindet, der als Gemeinderaum ausgebaut und über eine Außentreppe zu erreichen ist.

Lutherstein und Kreuzsteine

Auf der Höhe der Mühlenbergstraße (Abzweig der Straße „Am Kreuze“) steht ein Gedenkstein, den die Gemeinden des Kirchspiels Eschershausen zur 300-jährigen Wiederkehr des Reformationstages (Anschlag der 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg) am 31. Oktober 1817 aufrichteten und dann zu Luthers 400. Geburtstag am 10. November 1883 auf einen Sockel aus Dolomitsteinen stellten.

Sie nahmen dazu – und das ist das Bemerkenswerte an diesem Gedenkstein – ein altes Sandsteinkreuz, das hier am Wege nach Holzen mit noch zwei anderen eine Steinkreuzgruppe gebildet haben muss, wie aus der Flurortbezeichnung „Auf den drei Kreuzen“ hervorgeht.

Die Art der Bearbeitung des Steinkreuzes lässt auf ein sehr hohes Alter schließen. In die Rückseite des erhalten gebliebenen Steinkreuzes (ursprünglich wahrscheinlich die Vorderseite) ist ein Vortragekreuz eingehauen, das auch die beiden anderen Sandsteinkreuze geziert haben mag. Um Sühnesteine wird es sich wohl kaum gehandelt haben. Zu denken gibt die Dreiergruppe und der Standort, von dem aus das gesamte Kirchspiel (der gesamte Gau Wikanafelde) zu überschauen war. Doch wird die Frage nach Sinn und Bedeutung dieser alten Steinkreuzgruppe wohl immer unbeantwortet bleiben.

Als man das alte Sandsteinkreuz zu einem Gedenkstein umgestaltete, stand dieser noch weit draußen vor der Stadt. Inzwischen aber hat sich das Wohngebiet über den Gedenkstein hinaus ausgebreitet.

An der Bundestraße 240 ausgangs des Ortsteiles Scharfoldendorf stehen kurz vor der Bahnüberführung rechts am Feldrand zwei Kreuzsteine aus Sandstein. Der eine Kreuzstein trägt auf beiden Seiten ein Scheibenkreuz mit „Nasen“, durch die in den Kreuzwinkeln gotische Dreipassformen entstanden sind. Auf der Vorderseite befindet sich eine lateinische Umschrift (unleserliche Buchstaben ergänzt): „HIC FVIT INTERFECTVS HERMANNVS PARVVS FILIVS BERTOLDI“ (übersetzt: Hier wurde Hermann, der kleine Sohn des Bertold, getötet). Bei diesem Kreuzstein handelt es sich offensichtlich um einen Sühne- oder Gedenkstein.

Die Deutung des anderen Steines gibt Rätsel auf. Das Balkenkreuz (lateinisches Kreuz) auf beiden Seiten weist auf ein größeres Alter hin. Auf der Vorderseite ist dem Kreuz noch ein Beil zugefügt, das die Vermutung aufkommen lässt, dass ein Zusammenhang mit dem Hoch- und Halsgericht des Gaues Wikanafelde besteht, das hier in der Feldmark angenommen wird.

Alte Fachwerkhäuser

Um die Kirche scharen sich die Häuser des alten Stadtkernes. Hier steht auch das in gutem Zustand befindliche, älteste Haus der Stadt (Driebe 1), das Hans Brinkmann „Ano 1580“ erbaute und mit der Inschrift zieren ließ: „MEIN GOT VND HERR DIS HAVS BEWAR SO BLEIBET ES AVS ALLR GEFHAR“.

Ursprünglich hatte das Haus eine Breite von sechs Fach, nur eines davon links der Däle. Durch späteren Anbau eines Faches konnten auch auf dieser Seite Wohnräume eingerichtet werden. An dem Giebelgebälk ist diese Veränderung deutlich abzulesen. Das rundbogige Tor ist mit Flechttau und Sternenband eingefasst. Der kräftig vorgekragte Giebel ruht auf einfach profilierten Knaggen. Die Füllhölzer sind verziert.

Marktplatz
Marktplatz, in der Mitte das älteste Haus (1580), rechts die ehemalige Diakonatpfarre (1709)

In den vierhundert Jahren, die das Haus überdauerte, hat es mehrfach den Besitzer gewechselt. Als der Leineweber Heinrich Christoph Fricke 1783 das Haus im Erbtauschhandel an den Maurermeister Carl Klinkerfuß übergab, bestand dessen Ehefrau auf der gerichtlichen Eintragung, dass „wenn es in dem Frickschen, vorhin Vosschen Hause, spüken oder Gespenster geben sollte, wie die Rede ginge, sie den Tausch widerrufen und in das Haus auf der Wohrt zurückziehen könne“.

Erwähnenswert ist das Ohrmannsche Bauernhaus (Stadtbergstraße 14). Es ist größer als das vorgenannte und ebenfalls in einem gepflegten Zustande. Die vorgekragten Geschosse sind durch Ständer und Riegel mit ornamental wirkenden Streben klar gegliedert. Der Türsturz trägt – wie üblich – Jahreszahl und Namen der Erbauer: „HANS HINRICH SCHOPMEIER ALTARISTE · ILSE MARGRETA HAVSEISEN · ANO 1736“. Die Oberstockschwelle zeigt die Inschriften: „DV HERRE BIST DER SCHILD FVR MCH VND HILFEST MIR DAS ICH SICHER WOHNE · ALLE DIE MICH KENEN GEBE GOT WAS SIE MICH GÖNNEN!“

Altes Rathaus
Altes Rathaus, 1876 abgerissen

Eine Besonderheit findet sich an dem Bauernhause Stadtbergstraße 9 von 1770; nämlich eine vorgebaute Auslucht links der Däleneinfahrt, die den Giebel in verkleinertem Maßstab wiederholt. Das Fachwerk in beiden Giebeln ist mit Sandsteinplatten behängt.

Interessant ist das kleine Fachwerkhaus Steinweg 18 von 1734 (Frisörgeschäft). Vor der Modernisierung füllte die Däle die ganze rechte Haushälfte aus. Die lateinische Inschrift „VIR FUIT DOMUS QUOD INDICAT CONDITOR EJUS“ (frei übersetzt: Wie das Haus es zeiget an, so war, der es gebaut, der Mann) fiel auch Goethe auf, als er 1801 auf der Reise nach Pyrmont durch Eschershausen kam. In seinem Tagebuch findet sich über seine weiteren Feststellungen diese Notiz: „Die Bauern in Eschershausen hatten weiße Kittel, rot vorgestoßen, weiße kattunene Westen, blaue tuchene Beinkleider und blaue Kamaschen. Die Bauernhäuser mit artigem Schmuck und Inscriptionen verziert, übrigens aber große Haustüren, inwendig befand sich eine Tenne, gleich in der Nachbarschaft das Vieh. Herd, Küche und Wohnung der Menschen, alles beisammen unter einem Dach. Die Öfen und Rauchlöcher gingen fast alle auf der Seite des Hauses unter dem Dache, auch zur Haustür selbst heraus.“

Viele schöne Fachwerkhäuser – auch mit Auslucht – weist der Ortsteil Scharfoldendorf auf.

Als nach den Freiheitskriegen manche Einwohner versuchten, auf wenig rechtmäßige Art durch „warmen Abbruch“ ihrer Häuser die Entschädigung der Landesbrandversicherung zu erlangen, stationierte das Fürstliche Cammer Collegium in Braunschweig zur Unterbindung der Brandstiftungen 1815 Herzogliches Militär in Eschershausen, für das die Einwohner die Quartierlasten aufzubringen hatten.

Ganz rechtmäßig aber ging es beim Abbruch des alten Brauhauses zu, das 1835 dem neuen Amtsgericht (jetzt Norddeutsche Landesbank) weichen musste, und beim Abbruch des alten Rathauses, das etwa dort stand, wo sich heute das Ehrenmal befindet. Die Stadt hatte es 1863 meistbietend verkauft, um die Instandsetzungskosten zu sparen. Zehnmal wechselte das Gebäude noch den Besitzer, ehe es 1876 von der Landesregierung zum Abbruch erworben wurde. In unserer heutigen Zeit hätte man wahrscheinlich versucht, ein solch ehrwürdiges Fachwerkhaus zu erhalten. Im Rathaus hängt ein Bild dieses alten Gebäudes, das der Kunstmaler Rademacher nach einer Beschreibung des Schriftstellers Ludwig Kubel, Sohn des Eschershäuser Apothekers Kubel, und nach einer Meisterprüfungsarbeit (Handzeichnung, Grundriss, Beschreibung) des Zimmergesellen L. Remke, Brunkensen, aus dem Jahre 1855 malte.

Alte Lennebrücke

Die alte Bogenbrücke, die Worth und Altstadt miteinander verbindet, ist zu einem Wahrzeichen der Raabestadt geworden. Herzog Carl I. ließ sie im Jahre 1742 aus Sandstein-Mauerwerk erbauen, um dem Fürstlichen Postverkehr bei Hochwasser einen ungehinderten Übergang über die Lenne zu sichern. Normalerweise war die Brücke durch Schlagbäume gesperrt und nur für den Fußgängerverkehr geöffnet, Fuhrwerke oder Viehherden benutzten bei Niedrigwasser das Lennebett, das parallel zur Worth verlief, bis sie an der Lennebiegung wieder auf den Weg nach Holzen (Mühlenbergstraße) oder nach Wickensen (Homburgstraße) gelangten.

Die jährlich auftretenden Hochwassergefahren für die Bewohner der Worth waren schließlich Anlass, die Lenne umzuleiten (1887) und in der Nähe der alten Brücke eine neue Brücke zu bauen, die die Verbindung zu der schon 1831 angelegten Bahnhofstraße herstellte, die diesen Namen aber erst erhielt, als 1900 die Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn in Betrieb genommen wurde. Die Häuser dieser Straße gegen die Worth zu sind in dem ehemaligen Lennebett erbaut worden.

Alte Lennebrücke
Alte Lennebrücke von 1742

Im Allgemeinen ist die Lenne, die im Wolpersgrund des Holzberges entspringt, ein friedliches Flüsschen. In Trockenzeiten ist die Wasserführung so gering, dass man sich nicht vorstellen kann, wie gefährlich die Lenne werden kann. Zum Glück zeigt sie ihr bösartiges Gesicht nur alle paar Jahrzehnte. Das letzte Mal geschah es am 28. August 1955, als über ganz Südniedersachsen ein Unwetter niederging. Die Fluten suchten – alles mitreißend – ihr altes Bett und richteten daher gerade in der Worth große Verwüstungen an. Die Bundestraße 64 stand vom Ehrenmal bis zum Bahnhofsberg unter Wasser, an der tiefsten Stelle bis zu fast zwei Metern. Auch in Scharfoldendorf überfluteten die Wassermassen das Dorf und rissen Gartenzäune, Tiere und parkende Autos fort. Dieser Augusttag des Jahres 1955 war ein Schreckenstag für das ganze Lennetal. In Kirchbrak forderte er sogar ein Menschenleben.

Das „Wilde Feuer“

Gegen den früher geübten Brauch, die Schweine durch ein „wildes Feuer“ gegen die Bräune (Rotlauf) zu schützen, wandte sich 1787 die Obrigkeit mit einer Verordnung, die weniger die Wirksamkeit dieser Maßnahme bezweifelte, als vielmehr die abergläubischen Begleitumstände verurteilte:

„Die Gewohnheit, die Schweine zur Zeit, da man die Krankheit der Bräune anselbigen besorgt, durch ein mittelst heftigen Reibens (von Holzstückchen aneinander) angemachtes Feuer in einen engen Wege mit Holz-Wasen vorgerichtetes Flammen-Feuer mit Gewalt hindurch zu treiben, mag in Ansehung des Schreckens der Thiere gut seyn, aber daß man solches angeriebenes Feuer, ein wildes Feuer noch nennen, und während dessen Anzündung in den Häusern, kein Herd-Feuer haben soll, ist alt abergläubisch, und abzustellen.

Wenn das Feuer für die dadurch zu zwingenden Schweine, wie das Feuer in der Küche angezündet wird, so kann der abergläubische Namen des wilden Feuers wegbleiben und ein Feuer für die Schweine heißen.

Für die Veranstaltung des Feuers, und des Dadurchtreibens mögen sechs Mariengroschen (für den Schweinehirten) übrigens wol in Ausgabe kommen.

Es wird dieses der Gemeinde zu bedeuten seyn, damit der Aberglaube abgestellt werden möge.“

Eschershäuser Platt

Rentner August Becker vertellt: Düsse Geschichte hät seck ümme dä Jahrhundertwenne töudrägen. Damals kamm von Tait töu Tait ’n Draihorgelmann na Eschershiusen. Hai lange seck von’n Magistrate ’n Erlaubnisschain un toog dann dörr dä Straten un make Musaik. For dä Jungen und Mäken was dat ’n grauten Spaß. Aber auk dä Aulen harren ühr Vergnäugen an dä Musaik. Wenn dä Draihorgelmann – hai hait Tacke – över Nacht in Eschershiusen blaiben moßte, denn slaip hai bei Herbergsvader Kiuhlmann. Saine Draihorgel, dä up’n Plateauwagen stund, moßte hai aber in'n Spritzenhiuse unnerstellen. Dat Spritzenhius stund damals an’n Spritzenbarge (huite Hirtenbrink) glaik hinner Pöttchen Brandts Kaupladen (huite Zimmermann). Up dä annern Saite stund dat Hius von Bürgermester Peters, un dä harre auk dän Slöttel för dat Spritzenhius. Dat Petersche Hius staiht nicht mehr. Da is dä naie Schöule hen’ekumen.

Gerade as dä Draihorgelmann mal wie’r in Eschershiusen spielt harre un abends nich mehr wegkonne – et was November – da brook in Scharfauldendörpe Fuier iut. Ne Schuine un Stallungen stunnen in Flammen. Malermester Kauhlenbarg – dä Horniste von dä Fuierwehr – make mie sainen Signalhorn Alarm un auk dä Sturmglocke make dä Luie wach.

Fuierwehrhauptmann Timmermester Walter wuhne in’r Ithstraaten, wo huite Schöuhmakermester Schütte wuhnt, un was denn auk dä ierste an’n Spritzenhiuse. As dä annern kaimen, kommandiere hai: „Vier Mann mit dem Schlauchwagen los!“ – Dä snappen seck dän Plateauwagen mie’n Slauchhaspel – sau dachten se, aber sai harren seck in’r Duisterness vergriepen un siusen mie dä Draihorgel laus. An’n Briuhiusbarge raipen dä beiden an’r Daißen: „Kerls, bremset an, wai künnt dän Wagen nich mehr haulen!“ – Karl Sottmann packe dän Kreckel un draihe, wat dat Tuich haulen wolle. Un da fung et hell un klar an tau spielen: „Jetzt geht's nach Lindenau, da ist der Himmel blau …“ –

Na, da künnt je jök vorrstellen, wat dä Vier förr Augen maket hebben. Un nahherst harren se auk noch dän Spott tau erdragen.

Eschershausen nach dem Kriege

Bevölkerungsentwicklung

Als der Flecken Eschershausen im Jahre 1833 die Stadtrechte erhielt, war die junge Stadt mit wenig mehr als 1200 Einwohnern die kleinste Stadt im Herzogtum Braunschweig. Trotz kräftiger Bevölkerungszunahme blieb sie die kleinste unter den Städten des Landes Braunschweig, bis im Jahre 1941 der Kreis Holzminden gegen den Kreis Goslar ausgetauscht wurde, um das Salzgittergebiet unter eine einheitliche Verwaltung zu bringen. Seitdem gehört Eschershausen mit dem Kreis Holzminden zum Regierungsbezirk Hildesheim – zunächst der Provinz Hannover, ab 23. August 1946 des Landes Niedersachsen.

Mit der Entdeckung des Asphaltgesteins im Hils in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts kam die Ackerbürgerstadt Eschershausen in den Sog der industriellen Entwicklung. Die Bevölkerungszahl stieg von 1605 im Jahre 1895 auf 2039 im Jahre 1910. Mit dem Abklingen des Asphaltbooms stagnierte die Bevölkerungszahl für fast dreißig Jahre um 2000 Einwohner. Bei Ausbruch des Krieges (1939) zählte E⁠schershausen gut 2300 Einwohner.

Der Zustrom der aus ihrer schlesischen Heimat vertriebenen Deutschen brachte dann eine Bevölkerungsexplosion unvorstellbaren Ausmaßes. Innerhalb kürzester Zeit wuchs die Bevölkerung – wie überall in den der Zonengrenze nahen Gebieten Niedersachsens – auf das Doppelte an. Allein im Mai und Juni 1946 trafen Transporte mit über eintausend Menschen aus den schlesischen Kreisen Hirschberg und Landeshut ein und im Juli 1946 kam ein weiterer Transport mit einigen hundert Menschen, diesmal aus dem Kreise Leobschütz. Bis Ende des Jahres 1946 war die Einwohnerzahl Eschershausen auf 4367 angestiegen.

Die verantwortlichen Männer der Stadt standen vor der schier unlösbaren Aufgabe, die Heimatvertriebenen zunächst einmal in dem vorhandenen Wohnraum mit unterzubringen, Wohnraum für sie zu schaffen und sie in das Wirtschaftsleben einzugliedern. Dieser Prozess war durch die Notlage der Nachkriegsjahre stark behindert. Er konnte sich erst entwickeln, als nach der Währungsreform 1948 ein Wirtschaftsaufschwung anlief, der als das „deutsche Wirtschaftswunder“ bereits in die Geschichte eingegangen ist. Die nun möglich gewordene Abwanderung vieler Heimatvertriebener in die aufnahmefähigen Industriegebiete der Bundesrepublik lockerte den Bevölkerungsdruck. Während der fünfziger Jahre lag die Bevölkerungszahl nur wenig über 4100. Das Ausmaß der Abwanderung wird jedoch durch den natürlichen Bevölkerungszuwachs überdeckt.

Ein erneutes Ansteigen seit dem Jahre 1960 hat seine Ursachen in dem Abklingen der Abwanderungswelle und dem Zuzug von Einpendlern, die sich in Eschershausen Häuser bauten. 1973 zählte die Stadt wieder 4322 Einwohner.

Alt- und Neubürger

standen sich in etwa gleicher Zahl gegenüber. Da konnte es kein Aufgehen der Heimatvertriebenen in der einheimischen Bevölkerung geben, sondern nur ein gegenseitiges Anpassen und Anerkennen. Es war eine Selbstverständlichkeit, dass sich die Neubürger zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen zusammenschlossen, ebenso sehr aber auch zur Wahrung ihres Volkstums, ihrer Sitten und Gebräuche und der Eigenheit ihrer Sprache. Hinzu kam, dass die Heimatvertriebenen aus dem Kreise Leobschütz dem römisch-katholischen Glauben anhängen, während die ansässige Bevölkerung des Eschershäuser Raumes sich seit Einführung der Reformation im Jahre 1568 zur evangelisch-lutherischen Lehre bekennt. Der katholische Bevölkerungsanteil betrug 1970 bei der Volkszählung 17,6 %.

So bildete sich in Eschershausen – einschließlich der Nachbarorte – eine katholische Diasporagemeinde, der für ihre Gottesdienste die St. Martinskirche zur Verfügung stand, bis sie 1954 in Eschershausen (und 1964 in Dielmissen) ihr eigenes Gotteshaus weihen konnte.

Da die Mehrzahl der Leobschützer im Landkreis Holzminden eine neue Heimat gefunden hatte (in Eschershausen aus den Gemeinden Soppau und Sauerwitz), übernahm dieser 1955 die Patenschaft für die Leobschützer. Die Veranstaltungen bei den pfingstlichen Heimattreffen verteilen sich auf Holzminden, Stadtoldendorf und Eschershausen; dabei fällt Eschershausen eine zentrale Bedeutung zu, die an die Person des Prälaten Beigel gebunden ist, der als Kanonischer Visitator des Branitzer Anteils der Erzdiözese Olmütz Sitz und Stimme in der Deutschen Bischofskonferenz hat, der für die Vertriebenen im Weserbergland als Nachfolger von Bischof Nathan ein Stück der schlesischen Heimat verkörpert und der im Bischof-Nathan-Heim in Eschershausen ein Heimatarchiv einrichtete, in dem alles aufbewahrt wird, was man aus der alten Heimat herüberretten oder aus der Erinnerung und dem Gedächtnis rekonstruieren konnte.

Die aus den niederschlesischen, überwiegend evangelischen Landkreisen Hirschberg und Landeshut stammenden Neubürger haben ihre Heimattreffen in Alfeld beziehungsweise Wolfenbüttel.

Neue Siedlungsgebiete

entstanden rings um die Stadt, als nach der Währungsreform die Bautätigkeit – zunächst zaghaft, dann aber intensiver werdend – einsetzte: Am Papenkamp/Büe – Auf der Steine – Hoppenkamp/Hüschebrink – Am Fried – Bruchweg – Othberg – Stadtberg. Bauförderungsprogramme und die Abgabe billigen Baulandes durch die Stadtverwaltung gaben vielen Bürgern den Mut, sich ein Eigenheim zu errichten. Ergänzend wirkten die Bau- und Siedlungsgesellschaft des Landkreises Holzminden und die Niedersächsische Heimstätte (Kinderreichensiedlung am Höfeweg).

Von 1949 bis 1961 entstanden 251 Neubauten mit 465 Wohnungen. Damit hatte sich der Wohnungsbestand gegenüber der Vorkriegszeit verdoppelt.

Als in anderen Gebieten Niedersachsens und der Bundesrepublik das „Baufieber“ bereits Ausdruck des Wohlstandes war, ging es im Eschershäuser Raum noch vorwiegend um Bedarfsdeckung.

Siedlungsgebiet Auf der Steine
Siedlungsgebiet „Auf der Steine“. – Links: Katholische Kirche; Mitte: Sozialstation (ehemaliges Amtsgericht); dahinter: DRK-Altersheim mit Pflegestation

Die Trinkwasserversorgung

für die doppelte Zahl an Menschen, für die wachsenden Ansprüche und für die gestiegene Zahl der Industrie- und Gewerbebetriebe war mit der Salzwasserquelle nicht mehr gewährleistet. Eine Sickerwasserfassung am Mittelberg (1950) und ein neuer Tiefbrunnen am Stadtberge (1955) brachten Abhilfe, zumal in Trockenzeiten aus der alten Salzquelle Wasser zugepumpt werden konnte.

Um für die Zukunft die Trinkwasserversorgung zu sichern, schloss sich die Samtgemeinde Eschershausen dem vom Landkreis Holzminden und von der Regierung in Hildesheim geförderten „Wasserbeschaffungsverband Ithbörde“ an, der die Samtgemeinden Eschershausen und Bodenwerder umfasst. Vorläufer dieses Großraumverbandes war das Gruppenwasserwerk Ithbörde, das seit 1937 über ein 35 km langes Hauptrohrnetz vierzehn Dörfer der Ithbörde aus einer Quelle bei Holzen belieferte. Der neue Verband – 1974 gegründet – bezieht das Wasser aus dem Hils, aus einem Tiefbrunnen im Wellenspringtal bei Kaierde. Die Bohrung von 110 m Tiefe reicht bis in den zweiten Grundwasserhorizont der Hilsmulde. Die Befürchtungen der Hilsgemeinden, dass eine Wasserentnahme solchen Ausmaßes ihre eigene Wasserversorgung gefährden könnte, wurden durch Messung der Niederschläge, die für eine stete Auffüllung des Grundwasserreservoirs ausreichen, zerstreut. In das Ring- und Verbundsystem werden aber auch die vorhandenen Tiefbrunnen und Quellen im Bereich beider Samtgemeinden einbezogen.

Maßgebend für die Berechnung des zukünftigen Wasserbedarfs war die vermutliche Entwicklung dieses Raumes bis zum Jahre 2000.

Die Abwasserbeseitigung

verlangte ebenfalls nach einer zeitgemäßen, umweltbewussten Lösung. Schon seit 1955 – als die Stadt größeren Umfang annahm – beschäftigten sich Rat und Verwaltung mit diesem Problem. Zur Erreichung einer optimalen Lösung schloss Eschershausen sich mit den Gemeinden Holzen und Scharfoldendorf zu einem Abwasserverband zusammen, dem auch die Gemeinde Lüerdissen beitrat.

In zweijähriger Bauzeit errichtete der Verband in der Lenneniederung zwischen Scharfoldendorf und Oelkassen ein modernes biologisches Klärwerk – das erste im Kreis Holzminden, das 1966 voll in Betrieb genommen wurde. Zwangsläufig damit verbunden war eine gesonderte Abwasserkanalisation in den angeschlossenen Gemeinden. In Eschershausen hat dieses Netz eine Länge von 18 Kilometern. Mit der Auflösung des Abwasserverbandes zum Jahresende 1976 gingen dessen Aufgaben an die Samtgemeinde Eschershausen über.

Zum Wohle der Einwohnerschaft

hat die Stadt nach dem Kriege beachtliche Einrichtungen geschaffen oder deren Schaffung gefördert. Mitte der fünfziger Jahre entstanden oberhalb des Schulgeländes neue Sportstätten – Fußballspielfeld, 400-m-Bahn, Einrichtungen für leichtathletische Wettkämpfe und ein Faustballplatz. Bei den ersten Planierungsarbeiten half damals eine britische Pioniereinheit. Die Einweihung fand am 24. August 1958 statt. Der MTSV Jahn von 1864 erstellte am Rande des Sportgeländes 1965/1966 – zum Teil in Eigenarbeit – ein Vereinsheim mit Wasch- und Duschanlagen im Untergeschoß. Das alte Schwimmbad wurde 1964/1965 durch eine großzügige Luft- und Schwimmbadanlage ersetzt, die auch von Badegästen aus der weiteren Umgebung gern aufgesucht wird und von größter Bedeutung für den Fremdenverkehr ist.

Mit dem Bau einer modernen Mehrzweck-Sporthalle 1976/1977 ging ein langgehegter Wunsch aller Turner und Sportler in Erfüllung. Die 45 m lange und 27 m breite Halle kann durch Trennwände in drei Bereiche geteilt werden. Die Tribünen bieten Platz für 450 Personen. Angegliedert sind ein Jugend- und ein Versammlungsraum.

Ein so ideales Beieinander von Schule mit Turnhalle und Gymnastikhalle, von Sportanlagen, Mehrzweckhalle und Schwimmbad findet man wohl nur ganz selten. Weitere Anlagen sollen das Gelände zu einem „Freizeitzentrum“ abrunden.

In der Lenneaue nahe dem Zentrum der Stadt schufen Stadt und Verkehrsverein gemeinsam eine Parkanlage und vertrauten sie mit einer festlichen Veranstaltung am 2. September 1973 der Obhut der Öffentlichkeit an. Die Anlage wird von Einwohnern und Gästen gern aufgesucht. Sie bietet auch einen geeigneten Rahmen für sommerliche Veranstaltungen.

Geplante Grünanlagen entlang des Lennelaufes sollen den Ortsteil Scharfoldendorf stärker an das alte Stadtgebiet binden.

Die Jüngsten der Stadt erhielten einen neuen Kindergarten auf dem „Büe“. Zum 1. Dezember 1965 konnten sie aus der Behelfsunterkunft in einer Baracke in dieses viel schönere Heim umziehen. Die Trägerschaft des Kindergartens übernahm die Arbeiterwohlfahrt, Bezirk Hannover. Die Stadt stellte den Grund und Boden zur Verfügung. Stadt und Samtgemeinde beteiligten sich an den Baukosten und tragen zur laufenden Unterhaltung bei. Kinder- und Abenteuerspielplätze sind in verschiedenen Stadtteilen geplant.

Der Schulraumnot begegnete man mit einem massiven Schulerweiterungsbau und der Aufstellung von Pavillonklassen und -funktionsräumen in Raumzellenbauweise.

Für alte Menschen errichtete das Deutsche Rote Kreuz, Kreisverband Holzminden, in zwei Bauabschnitten (1961–1963) an der Goethestraße ein Altersheim mit 82 Betten, von denen etwa zehn auf die Station für Pflegefälle entfallen. Die Stadt Eschershausen unterstützte dieses Vorhaben durch nahezu kostenlose Überlassung des Baugeländes. Die Baukosten beliefen sich auf etwa 1,7 Millionen Mark (pro Bett gut 20 000 Mark). Die ersten Heimbewohner kamen aus dem Altersheim in Ottenstein, das zu diesem Zeitpunkt aufgegeben wurde.

Die Bau- und Siedlungsgesellschaft des Landkreises Holzminden erbaute 1963/1964 in Zusammenarbeit mit dem Bund der Vertriebenen an der Lönsstraße drei Wohnblocks mit zwanzig Altenwohnungen und auf der gegenüberliegenden Straßenseite nochmal einen Wohnblock mit zehn Altenwohnungen, die am 1. Mai 1974 bezugsfertig waren.

Die katholische Kirche richtete in einem Erweiterungsbau zu dem Bischof-Nathan-Heim in der Rosenstraße eine Altenbegegnungsstätte ein (1968), deren Besucher im wöchentlichen Wechsel von den Freien Wohlfahrtsverbänden (Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz und Innere Mission) betreut werden. 1975 kam im ehemaligen Amtsgericht noch eine Sozialstation hinzu, die allen Bedürftigen offensteht.

Samtgemeinde Eschershausen

Die Niedersächsische Gebiets- und Verwaltungsreform brachte auch für den Eschershäuser Raum eine kommunale Neuordnung. Die Gemeinden der Oberen Ithbörde (Dielmissen, Lüerdissen, Oelkassen, Scharfoldendorf, Holzen) und die Elfas-Gemeinden (Eimen, Mainzholzen, Vorwohle) schlossen sich mit der Stadt Eschershausen – dem natürlichen Mittelpunkt dieses Raumes – zu einer Samtgemeinde zusammen. Der Geburtstag der Samtgemeinde Eschershausen war der 1. Januar 1971.

Zwei Jahre später – am 1. Januar 1973 – erfolgte in Fortführung der Reformen auf der unteren Kommunalebene ein weiterer Zusammenschluss innerhalb der Samtgemeinde.

Die Gemeinde Scharfoldendorf (875 Einwohner) ging in Eschershausen als Ortsteil auf. Die vergrößerte Stadt zählte nun 5197 Einwohner. Die Gemeinden Lüerdissen und Oelkassen bildeten die neue Mitgliedsgemeinde Lüerdissen mit zusammen 665 Einwohnern.

Die Elfas-Gemeinden Eimen (472 Einwohner), Mainzholzen (363 Einwohner) und Vorwohle (418 Einwohner) schlossen sich zur Mitgliedsgemeinde Eimen mit 1253 Einwohnern zusammen.

Nur Dielmissen (1166 Einwohner) und Holzen (824 Einwohner) blieben im Rahmen der Samtgemeinde selbständig.

Zu diesem Zeitpunkt zählte die Samtgemeinde 9105 Einwohner, die sich in einem günstigen Verhältnis je zur Hälfte auf die Stadt Eschershausen und die Mitgliedsgemeinden verteilten. Über 16 Kilometer Luftlinie erstreckt sich die Samtgemeinde fast gradlinig von Dielmissen bis Eimen – geographisch durch Ith–Hils und Vogler–Homburgwald–Elfas begrenzt und verkehrsmäßig durch die Bundesstraßen 64 und 240 zusammengeklammert.

Auf Beschluss des Samtgemeinderates übernahm die Samtgemeinde 1976 Wappen und Farben (rot-gold) der Stadt Eschershausen.

Wirtschaftliche Entwicklung

Im Laufe eines Jahrhunderts hat sich Eschershausen von einem Ackerbürgerstädtchen mit regem Handwerk und Handel zu einer industriell geprägten Stadt gewandelt.

Die Volkszählung 1970 ermittelte 1613 Erwerbstätige, von denen über die Hälfte (59,1 %) dem „produzierenden Gewerbe“ angehörten, 15,8 % sich zur Berufsgruppe „Handel und Verkehr“, aber nur noch 5 % zum Bereich „Land- und Forstwirtschaft“ zählten.

Sieht man von den Frühformen industrieller Produktion (Spinnerei, Leineweberei, Steingewerbe) ab, dann setzte die Industrialisierung mit der Entdeckung des Asphalts im Hils 1866 ein und erfuhr zu Beginn unseres Jahrhunderts eine Ausweitung durch die Holzindustrie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die industrielle Struktur Eschershausens wesentlich. Betriebe, die ihren ursprünglichen Standort verloren hatten, siedelten sich in Eschershausen an und bereicherten die Produktionsbreite unter anderem durch Herstellung von Schlauchbooten, Spezialfahrzeugen und Leichtmetallprodukten. Diese neuen Betriebe waren nicht mehr bodenständig, aber – wie die Asphaltindustrie – von überörtlicher Bedeutung, ja von Weltgeltung.

Als wirtschaftlicher Mittelpunkt der Ithbörde hat Eschershausen aber auch geradezu eine Verpflichtung, einen wesentlichen Beitrag zur Erschließung dieser reizvollen Landschaft für den Fremdenverkehr zu leisten, der sich nach dem Kriege zu einem Wirtschaftsfaktor ersten Ranges im Weserbergland entwickelte.

Industrie – sofern sie nicht umweltschädlich oder belästigend wirkt – und Fremdenverkehr schließen sich keinesfalls aus; im Gegenteil – eine gesunde Wirtschaftsstruktur schafft die besten Voraussetzungen für diesen Wirtschaftszweig.

Der Landesentwicklungsplan hat der Stadt Eschershausen daher aufgrund ihrer Lage und bisherigen Entwicklung drei Zukunftsaufgaben zugeordnet: Ausbau als zentrale Wohngemeinde in der Ithbörde, Förderung von Gewerbe und Industrie und Wahrnehmung der Funktion eines Erholungsortes.

Fremdenverkehr

Staatlich anerkannter Erholungsort

Erst nachdem in den ersten Nachkriegsjahrzehnten die wirtschaftliche Grundsicherung der auf das Doppelte gestiegenen Bevölkerung erreicht, der Wohnungsbedarf gedeckt, der Straßenbau abgeschlossen war und auch Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung gewährleistet waren, konnte sich die Stadt verstärkt der Förderung des Fremdenverkehrs widmen. Sie fand dabei die Unterstützung der an diesem Wirtschaftszweig interessierten Einwohner, die den schon seit langem bestehenden Verkehrsverein zu neuer Entfaltung brachten.

Stauweiher am Voglerrand
Stauweiher am Voglerrand

Es wurden Einrichtungen und Anlagen geschaffen, die der Erholung und dem Sichwohlfühlen des Feriengastes dienen: Beheiztes Mineralwasser-Freibad, Parkanlage im Zentrum der Stadt, Wassertretbecken am Wolfsberg und am Voglerrand, Ruhebänke und rustikale Schutzhütten an den Wanderwegen und ein Stauweiher mit Grillplatz, Kinderspielplatz und Parkplatz am Vogler (1975/1976).

Schutzhütte am Pfeffersberge
Schutzhütte am Pfeffersberge

Die Bemühungen um Steigerung des Erholungswertes der Stadt und der Umgebung brachten die staatliche Anerkennung als Erholungsort durch die Regierung in Hildesheim am 10. September 1974. Unter den weiteren Plänen steht an erster Stelle die Erschließung einer Ferienhaussiedlung am Kirchberg.

Im Bereich der Samtgemeinde haben sich schon seit Jahren auch die Verkehrsvereine in Holzen und Vorwohle erfolgreich für die Hebung des Fremdenverkehrs eingesetzt. Die Samtgemeindeverwaltung sieht es als ihre Aufgabe an, die Einzelbestrebungen zu koordinieren.

Sonderstempel Eschershausen 1970
Mit der Umschrift „Beheiztes Mineralbad“, „Segelfliegen“, „Wandern“ wirbt seit dem 1. Februar 1970 ein Sonderstempel des Eschershäuser Postamtes in treffender Kürze für das Angebot, das die Raabestadt dem Feriengast zu machen hat.

Beheiztes Mineralwasser-Freibad

Anstelle eines 1928 erbauten Schwimmbades, das nach fast vierzigjähriger Nutzung baulich überaltert war und nicht mehr den hygienischen Anforderungen entsprach, entstand ebendort in einer windgeschützten Mulde – der Hanglandschaft des Stadtberges gut angepasst – eine großzügige Luft- und Schwimmbadanlage von 125 Ar Gesamtfläche, die am 1. August 1965 der Öffentlichkeit übergeben werden konnte.

Den Zufluss erhalten die Schwimmbecken und das Planschbecken aus der unmittelbar oberhalb der Anlage aus großer Tiefe aufsteigenden und deshalb nie versiegenden Salzquelle, dem „Herrenborn“.

Eine Analyse des Quellwassers, die das Chemische Laboratorium Fresenius in Wiesbaden vornahm, qualifizierte das Wasser als „Mineralwasser“ (nach der Tafelwasserverordnung) und als „Natrium-Chlorid-Wasser“ (nach den Bestimmungen des Deutschen Bäderverbandes). Dieses Ergebnis berechtigte zu der Bezeichnung „Mineralwasser“-Freibad.

Eine Umwälzanlage, die das Wasser der beiden großen Becken innerhalb von zwölf Stunden filtert, sorgt für stets sauberes und einwandfreies Wasser. Nach Installierung einer Beheizungsanlage (1967) besaß Eschershausen nicht nur eines der schönsten Freibäder im Weserbergland, sondern auch das erste beheizte Freibad im Kreis Holzminden.

Das große Schwimmbecken mit sechs Schwimmbahnen und einer Ausbuchtung für den Sprungteil entspricht den Vorschriften für Wettkämpfe und macht Eschershausens Bad geeignet für größere Schwimmveranstaltungen.

Die Beliebtheit aber bei den Badegästen verdankt das Bad nicht zuletzt seinen weiträumigen Liege- und Spielwiesen, die selbst bei größtem Andrang bei den Besuchern nicht das Gefühl des Eingepferchtseins aufkommen lassen.

Mineralwasser-Schwimmbad
Mineralwasser-Schwimmbad

Segelflug

Segelflugzeuge über dem Ithkamm oder über der Börde – getragen von den Hangaufwinden oder der aufsteigenden Luftströmung sommerlicher Thermik – sind dem Einheimischen ein gewohntes Bild. Der Sommergast aber wird die lautlos dahingleitenden, schlanken Flugzeuge mit den weit ausladenden Tragflächen als eine Besonderheit empfinden, die in ihm den Wunsch erweckt, solche Segelflugzeuge einmal aus der Nähe betrachten und den Flugbetrieb miterleben zu können. Ja – es wird ihm sogar die Möglichkeit geboten, in einem zweisitzigen Segelflugzeug einen Rundflug mitzuerleben.

Segelfluggelände auf dem Ith
Segelfluggelände auf dem Ith

Der Ith war nächst der Wasserkuppe (Rhön) das bekannteste Segelfluggelände Norddeutschlands. Der Aero-CIub Hannover hatte es „entdeckt“ und 1931 auf den Ithwiesen ein Segelfliegerlager mit Flugzeughallen und Unterkünften eingerichtet, nachdem die beteiligten Regierungen (Staatsministerium in Braunschweig und Oberpräsidium in Hannover) den Ith als Segelfluggelände anerkannt hatten. Mitte der dreißiger Jahre wurde die Segelfliegerschule Ith errichtet, deren Hauptgebäude – weithin sichtbar – zu einem landschaftlichen Markierungspunkt geworden ist. Während des Krieges unterstanden die Anlagen auf dem Ith der Luftwaffe. Nach dem Kriege waren dort britische Einheiten stationiert (1945 bis 1967). In dieser Zeit entstand die Ithsiedlung für Angehörige der Besatzungsmacht.

Die Bundesregierung richtete 1971 in den freigewordenen Gebäuden eine Zivildienstschule zur Vorbereitung von Wehrdienstverweigerern auf ihren zivilen Dienst ein.

Als die Besatzungsmächte 1952 den Segelflugsport freigaben, lebte die alte Ith-Tradition wieder auf. Die Luftsportvereine Eschershausen, Holzminden und Einbeck schlossen sich zu der „Flugplatzgemeinschaft Ith“ zusammen, die über ein eigenes Gelände von 130 Morgen verfügt.

Vom Frühjahr bis zum Herbst laufen alljährlich Lehrgänge für Segelflug-Anwärter und -Fortgeschrittene. Der Ith kann wegen seiner guten Hangwinde auf der ganzen Länge (etwa 23 km) ausgeflogen werden. Außerdem besitzt der Ith die besten Bedingungen für Höhenflüge und Starts zu Langstrecken- und Dreiecksflügen, die über dreihundert bis vierhundert Kilometer reichen. Auch der „Wellenflug“ ist auf der Leeseite des Ithkammes möglich. Großflugtage auf dem Ith locken Tausende von Menschen an. Außerdem veranstaltet die Luftsportgemeinschaft „Tage des Luftsports“, um für diesen Sport zu werben und ihn volkstümlich zu machen.

Wandern

Für Wanderungen ist Eschershausen ein idealer Standort. Ith, Hils, Vogler und Homburgberge warten darauf, ihre Schönheiten und Besonderheiten zu offenbaren. Sie alle liegen im Blickfeld der Stadt und sind von hier leicht zu erreichen. Nicht umsonst wählen Schulen die Eschershäuser Jugendherberge als Stützpunkt für ihre Unternehmungen. Aber auch der Autowanderer ist in Eschershausen gut aufgehoben. Überall findet er Parkplätze, von denen gut beschilderte Rundwege ausgehen. Dank seiner größeren Beweglichkeit erschließen sich ihm auch die entfernteren Schönheiten des Weserberglandes.

Wanderweg am Pfeffersberg
Wanderweg am Waldrand des Pfeffersberges mit Blick auf Eschershausen

Der Homburgwald

Südlich der Stadt breitet sich ein aus vielen Bergkuppen bestehendes, landschaftlich sehr schönes Waldgebiet aus. Der höchste Bergkegel (400 m) trug einst die Homburg, deren Name später auf den Berg und dann als Sammelbegriff Homburgwald oder Homburgberge auf das ganze Waldgebiet überging.

Die Homburgberge sind Eschershausens „Hauswald“. An den gegen die Lenneniederung auslaufenden Hängen des Stadtberges bauten sich schon die ersten Siedler an und breiten sich heute die Altstadt und neue Siedlungsgebiete aus.

Am Fuße der Homburg unterhält die Forstverwaltung seit 1950 nahe dem Kattenborn das Waldjugendlager „25 Eichen“, in dem Jugendgruppen und Schulklassen mit dem Wald, seiner Pflege und seiner Bedeutung, vertraut gemacht werden. Auf der anderen Seite fressen sich die Gipsbrüche, die das Material für die Stadtoldendorfer Gipsindustrie liefern, in das Waldgebiet hinein. Bemerkenswert sind in der Umgebung der Homburg die Erdfälle (Dolinen). Sie entstanden durch Einsturz von Hohlräumen, die durch Auslaugung der unter dem Zechstein lagernden Salzschichten geschaffen wurden.

Der Aufstieg zur Homburg – auch wenn er steil und beschwerlich ist – lohnt sich wegen der noch vorhandenen Ruinen und des weiten Ausblicks. Vor dem Betrachter liegt in einer von Holzberg, Solling und Burgberg umschlossenen Beckenlandschaft Stadtoldendorf als größte Siedlung. Interessiert und vielleicht auch versonnen wird er auf die Stadt „unter der Homburg“ hinabschauen wie weiland die Burgherrn voller Stolz auf ihr mit Mauer, Bastionen und Wartturm (jetzt Försterbergturm) befestigtes „Oldendorp“, dem sie 1281 die Stadtrechte verliehen und auch ihre Münzstätte anvertrauten.

Blick auf die Homburg
Blick auf die Homburg

Die alte Poststraße von Eschershausen nach Stadtoldendorf nimmt ihren Ausgang mit der Stadtbergstraße, führt dann über die Einsattelung zwischen Stadtberg und Pfeffersberg, läuft an der Tentrus-Eiche vorbei, am Kohlenberg entlang und durch den Kathagen (Quathagen). Rechter Hand des Weges breitet sich das Odfeld aus, die Senke zwischen den Homburgbergen und dem Vogler, die seit alters her den Verkehr von der Weser zur Leine und in den Braunschweiger Raum vermittelte. Der Name leitet sich wahrscheinlich von dem Bischof Udo von Hildesheim (1079–1114) ab, der hier die ersten Rodungen veranlasste und nach dem auch die wieder wüst gewordene Siedlung Odenrode (Udosrode) genannt wurde, die östlich von Holenberg auf dem Odfelde lag und 1556 noch erwähnt wird.

Der Vogler

Zwischen Odfeld und Weser erhebt sich der Vogler, ein in seiner Ausdehnung nur kleines, aber in seiner Gestalt stark zertaltes und zergliedertes Sandsteingebirge, das zusammen mit dem Solling 1963 unter Landschaftsschutz gestellt wurde – Naturpark Solling-Vogler.

In einer Grenzbeschreibung der Diözese Hildesheim (1020) wird der Vogler als „mons fugleri“ – Berg des Vogelfanges – bezeichnet. Dass aber der Sachsenherzog Heinrich (König Heinrich I.) hier einen Vogelherd hatte, wie immer wieder gesagt und geschrieben wird, ist geschichtlich nicht erwiesen. Der Vogelfang wurde zu jenen Zeiten ganz allgemein betrieben und stellte keine Besonderheit dar. Und auch Heinrichshagen ist dafür kein Anhaltspunkt. Der Ortsname geht vielmehr auf einen Edelherrn Heinrich von Homburg zurück, der hier eine Siedlung nach Hägerrecht ansetzte.

Die höchste Erhebung, der Ebersnacken (461 m), trägt seit 1960 wieder einen 26 m hohen, hölzernen Aussichtsturm, der nächst dem Köterberg den schönsten Rundblick im Weserbergland gewährt. Bei klarem Wetter reicht die Sicht vom Brocken im Osten bis zum Hermannsdenkmal und Eggegebirge im Westen, vom Solling im Süden bis zur Porta Westfalica im Nordwesten.

Für den Turmbau schlossen sich die Städte Eschershausen und Bodenwerder und die Dörfer rund um den Vogler zum „Verein der Freunde des Voglers“ zusammen, der sich anschließend auch der weiteren Erschließung des Voglers annahm.

Ebersnackenturm
Ebersnackenturm

Ein zweiter Aussichtsturm, der 1957 auf dem Zimmertalskopf (412 m) errichtete neue Bodoturm, musste 1976 gesperrt und später abgerissen werden. Neunzehn Jahre lang war er das Ziel vieler Wanderer, die von seiner Plattform den Blick in die Weite genossen. Berechtigt erscheint die Sorge, wie lange der kaum drei Jahre jüngere Ebersnackenturm den Zerstörungskräften der Natur widerstehen wird.

Von Verkehrswegen umgangen, stellt der Vogler noch ein echtes Wandergebiet dar. Siedlungen legen sich wie ein Kranz um ihn herum – die beiden Städte Eschershausen und Bodenwerder, die Erholungsorte Holenberg, Golmbach und Rühle am Südrande, Oelkassen und die alten Adelssitze Kirchbrak (von Grone, jetzt Heinrichshagen), Westerbrak (von Grone) und Buchhagen (von Hake) im Lennetal. Sie alle sind gut geeignet als Ausgangspunkt für Wanderungen in die abwechslungsreichen Bergwälder. Von Kirchbrak führt eine Stichstraße in den Kessel von Breitenkamp und Heinrichshagen. Von hier hat der Wanderer den kürzesten Aufstieg zum Ebersnackenturm. Aber auch von Eschershausen ist der Ebersnacken über den Piepenbrink und den Kohlhai in knapp zwei Stunden zu erreichen.

Der Hauptkamm, von dem zahlreiche Seitenkämme und Bergnasen tälerumschließend abzweigen, schwingt sich in einem welligen Auf und Ab im weiten Bogen von Eschershausen um das Wabachtal, den Kessel von Breitenkamp und Heinrichshagen und das Ahlbachtal bis Bodenwerder. Ihn voll auszuwandern, müssen schon etwa fünf Stunden eingeplant werden. Dafür wird der Wanderer aber auch – ohne einen Aussichtsturm besteigen zu müssen – durch immer wieder neue und überraschende Ausblicke belohnt. Vom letzten Aussichtspunkt – der Königszinne, die zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig und an den letzten König von Hannover 1863 erbaut wurde – blickt man immerhin noch aus einer Höhe von 255 m ins Wesertal und hinab auf die Münchhausenstadt Bodenwerder, auf Kemnade mit der alten romanischen Klosterkirche des 962 gegründeten Nonnenklosters und weiter stromab auf das 1579 bis 1584 in Art einer wehrhaften Wasserburg erbaute Renaissanceschloss der Grafen von der Schulenburg in Hehlen – wahrhaft ein bedeutsamer Abschnitt der „Deutschen Märchenstraße“, die von Hanau bis Bremen führt.

Blick auf das Wabachtal
Blick auf das Wabachtal

Gern wird das Wabachtal aufgesucht, das sich vom Kohlhai zur Lenne bei Osterbrak absenkt und als eines der schönsten Täler im Vogler gilt. Eine Wanderung von Eschershausen aus am Ostrande des Voglers entlang und über den Teibock, den Bergnacken zum weit vorspringenden Bützeberg, nach Holenberg lässt sich gut mit der Besichtigung der Amelungsborner Klosterkirche verbinden. Aber auch die Wege im Vorfeld des Voglers durch den mit aufgegebenen Steinbrüchen durchsetzten Wiemelsberg am Odfeldabbruch und durch die Feldmark zur neuen Stauweiheranlage und zu den in den Vogler hineinführenden Waldwegen entbehren nicht ihres besonderen Reizes.

Waldweg im Wiemelsberg
Waldweg im Wiemelsberg

Der Holzreichtum der Bergwälder – nicht nur des Voglers – lockte im 17. Jahrhundert die Glasmacher an. Im Wabachtal hat längere Jahre ein Glashüttenbetrieb gearbeitet, ebenso oberhalb von Holenberg. Breitenkamp führt seinen Ursprung auf die Glasbläser zurück. Auch im Homburgwald sind mit größter Wahrscheinlichkeit Kleinbetriebe der Wanderglashütten am Werk gewesen. Urkundlich belegt ist die herrschaftliche Glashütte bei Holzen am Ith, die noch 1760 in Betrieb war und an die noch heute die Ortsteilbezeichnung „Holzer Hütte“ erinnert. Die Zeiten überdauert hat nur die „Spiegelglashütte Grünenplan“ im Hils.

Wer mehr über den „Naturpark Vogler“ erfahren möchte, dem sei das Büchlein von Friedrich Schreiber „Kleiner Wanderführer durch den Naturpark Vogler“ empfohlen.

Der Ith

Von ganz anderer Gestalt und anderem Gesteinsaufbau sind Ith und Hils, die bei Holzen ineinander übergehen. Von dieser Nahtstelle aus zieht sich der Ithkamm – oft gratartig ausgebildet – in nordwestlicher Richtung über gut zwanzig Kilometer geradlinig hin, um dann nach Osten umzubiegen und im steil abfallenden Hohenstein (328 m) zu enden.

Aufgebaut ist der Ith aus Jurakalken (Korallenoolith). Nach Nordosten fallen die Schichten flacher ein, während der Steilabbruch der Schichtstufe gegen die Ithbörde gerichtet ist. Die Verwitterung hat hier aus den Dolomitfelsen groteske und bizarre Formen herausmodelliert – die Ithklippen. Einige stehen schon frei, die meisten aber sind noch mit dem Schichtabbruch verbunden, so dass sie vom Kammweg aus zu besteigen sind und als natürliche Aussichtspunkte einen freien Blick über die Wipfel des Buchenwaldes hinweg auf die Börde und die Gipfelflur des Weserberglandes gewähren. Vor dem Steilabbruch und den Klippen breiten sich Blockfelder aus.

Diese Felspartien sind ein geeignetes Übungsgelände für Bergsteiger. Im Mai 1976 eröffnete der Deutsche Alpenverein nahe dem Kammweg oberhalb der Lüerdisser Klippen für die Alpenvereinsjugend den „Jugendzeltplatz Ith“, der aber auch anderen Jugendgruppen zur Verfügung steht.

Der Kelchstein
Der Kelchstein

Die seltsamen Felsgebilde haben alle ihren Namen erhalten. Bei Holzen beginnend: Nasenstein, Rothenstein, Kelchstein, Bärenhöhle, Teufelsküche – und jenseits der Ithstraße Twägerstein, Krokodil, Hexenkanzel, Kamelskopf, Teufelstrichter, Pilzstein, Wilhelm-Raabe-Klippe, Falkenhorst und Pfaffenstein. Im weiteren Verlauf kommen unter anderem Elsenstein (396 m) und Hammerslust oberhalb von Dohnsen, Poppenstein oberhalb von Haus Harderode und Mönchenstein, Adam und Eva, Falkenstein und Fahnenstein in der Ithkrümmung.

Den sichtbaren Felsgebilden stehen Spalten und Höhlen im Innern des Gebirges gegenüber – von Holzen bis zur Ithstraße unter anderem die Nasensteinhöhle, Rothesteinhöhle und Bärenhöhle, von denen die Rothesteinhöhle am bekanntesten ist und – wenn man mit Taschenlampen ausgerüstet ist – leicht begangen werden kann. Bald nach dem Eingang fällt der Weg steil ab und biegt scharf nach rechts in die Haupthöhle mit seitlichen Nischen ein. Am Ende der Spaltenhöhle liegt in vier bis fünf Meter Höhe der schwer zu erkletternde „Saal“ (3 m × 4 m). Die Wände der Höhle sind versintert und weisen einfache Tropfsteingebilde auf. Der Name geht auf eine Rodung unterhalb der Felsgruppe zurück, die 1004 urkundlich als „villa rothe“ erwähnt wird.

Blick auf den Ith
Blick auf den Ith

Hinter dem Kamm breiten sich auf dem Flachhang die Ithwiesen aus – das bekannte Segelfluggelände (siehe Abschnitt Segelflug), das im Winter (eine genügende Schneelage vorausgesetzt) auch ein gutes Skigelände abgibt.

An der Fülle der Kalkflora, an der Schönheit seltener Blumen und Blüten hat wohl jeder, der durch die Buchenwälder, über die Hangwiesen oder auf dem Kamm wandert, seine Freude und sein Wohlgefallen: Seidelbast (geschützt), Lerchensporn, Himmelschlüssel, Aronstab, Maiglöckchen (Wurzelstock geschützt) und an Orchideen zum Beispiel geflecktes Knabenkraut, Waldvöglein und Sumpfwurz (alle geschützt). Der geologisch interessierte Naturfreund wird hier auch versteinerte Muscheln und Schnecken finden können.

Vor dem Kriege erwartete die Wanderer, Ausflügler und Freunde des Segelflugs auf der Passhöhe ein gut geführtes Hotel, das dann aber in die militärischen Anlagen einbezogen wurde. Seit 1971 gibt es wieder die Möglichkeit zur Einkehr im Flugzeugrestaurant „Silbervogel“ (Viscount). Nach der Freigabe durch die Bundesvermögensverwaltung wurde auch das ehemalige Hotel 1977 wieder seinem ursprünglichen Zweck zugeführt.

Ithwanderungen können von Holzen, Scharfoldendorf, Lüerdissen und Dielmissen aus angetreten werden oder auch nach einer Anfahrt von der Ithsiedlung aus.

Der Ith hat bis in unsere heutige Zeit seine grenzbildende Kraft behalten. Sein Kamm trennt die Landkreise Holzminden und Hameln-Pyrmont. In frühgeschichtlicher Zeit verlief hier die Dukatsgrenze zwischen Engern und Ostfalen, der sich die Grenze der Diözesen Hildesheim und Minden und später die der Länder Braunschweig und Hannover anglichen.

Im Landesraumordnungsplan ist der Ith als Erholungsgebiet von überregionaler Bedeutung ausgewiesen. Ein Teil des Ithes gehört zu dem 1975 gegründeten Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln. Teilgebiete unterliegen schon seit 1938/1939 dem Reichsnaturschutzgesetz. Als Naturdenkmale sind alle Höhlen und die Lüerdisser Klippen geschützt. Im angrenzenden Hils, das mag hier gleich angefügt werden, stehen der Bärenbrink (Wacholder) und der Buchenbrink mit Hahnenklippe bei Holzen unter Landschaftsschutz.

Die Ausdehnung dieses Landschaftsschutzes auf den gesamten Ith und Hils ist geplant.

Der Hils

Der Hilskamm umschließt wallartig eine elliptische Mulde (Ohrmuschel) von 12 km Länge und 5 km Breite. Die größte Höhe erreicht der Kamm oberhalb von Holzen in der Bloßen Zelle (480 m). Nur wenige Meter niedriger erhebt sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Große Sohl (472 m), auf dem die „Brüder vom Großen Sohl“ 1910 das erste Raabedenkmal aufstellten. Der Aussichtsturm, 1909 anstelle eines umgestürzten Holzturmes in Eisenkonstruktion ausgeführt, erhielt den Namen „Raabeturm“.

Raabeturm und Raabedenkmal sind ein beliebtes Wanderziel. Der Aufstieg kann von Holzen oder über die Ithwiesen erfolgen. Bequemer erreicht man den Großen Sohl vom „Roten Fuchs“ aus, dem Waldgasthaus am Hilspass der Landstraße 484 von Eschershausen nach Grünenplan (Alfeld), ehemals eine beschwerliche Poststraße, die 1835 als feste Landstraße ausgebaut wurde und heute, da sie stark befahren wird, in das Bundesstraßennetz eingegliedert werden soll.

Der „Rote Fuchs“ ist der geeignetste Ausgangspunkt für Kammwanderungen und Rundwanderungen durch die Fichtenwälder der Hilshöhen. Bei entsprechendem Verhalten und mit etwas Glück bekommt der Wanderer wohl auch Wild zu sehen. Zu den Beständen an Reh-, Rot- und Schwarzwild ist Ende der dreißiger Jahre das Muffelwild gekommen, das – im Hils ausgesetzt – hier heimisch geworden ist.

Im Innern der Hilsmulde liegt Grünenplan, das seine Entstehung dem Oberhofjägermeister von Langen verdankt, der dem Herzog Carl I. von Braunschweig um 1744 vorschlug, zur Nutzung des Holzreichtums der Hilswälder hier „auf dem Grünen Plan“ eine „Fürstliche Spiegelhütte“ einzurichten. Private Wanderglashütten waren im Hils schon im 17. Jahrhundert tätig gewesen. Heute produziert die „Deutsche Spiegelglas AG Grünenplan“ Gläser für optische Zwecke und viele Arten von Spezialgläsern.

Grünenplan, das nach wie vor „vom Glas lebt“, hat sich aber – begünstigt durch die idyllische Lage – auch zu einem bekannten Luftkurort entwickelt und 1976 die staatliche Anerkennung als Erholungsort erhalten.

Ein Glasmuseum erzählt dem Besucher von der Geschichte der Glasbläserei und der mehr als zweihundertjährigen Tradition der Spiegelglashütte.

Wanderweg im Hils
Wanderweg im Hils

Der Ringwall um die Hilsmulde ist aus den Sandsteinschichten der Kreidezeit („Hilssandstein“) aufgebaut, die nach außen steil – aber ohne Felsbildung – abbrechen, nach innen flach einfallen. Die Sandsteinschichten überlagern die Jurakalke, die daher nur am Außenrande zutage treten. Bei Holzen wird aus ihnen der „Naturasphalt“ gewonnen. In den Asphaltbrüchen und -gruben sind viele Versteinerungen (Ammoniten und andere Lebewesen des Jurameeres) gefunden worden.

Bau der Landschaft

Das nördliche Weserbergland, insonderheit das Ith-HiIs-Gebiet, ist das Musterbeispiel einer Schichtrippen- oder Schichtkammlandschaft.

Während das südliche Weserbergland (südlich der Senke Einbeck, Dassel, Stadtoldendorf, Holzminden) aus mächtigen, schwachgewölbten Schichten des Buntsandsteins aufgebaut ist (Solling, Bramwald, Reinhardswald, Kaufunger Wald) und sich links der Weser die nur flachgewellten Muschelkalk- und Keuperschichten der Paderborner Hochfläche (Ottensteiner Hochfläche) ausbreiten, ist das nördliche Weserbergland ausgezeichnet durch das Vorhandensein aller Schichten des Erdmittelalters (Mesozoikum): Trias (Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper), Jura (schwarzer, brauner, weißer Jura) und Kreide (Sandsteine der Unterkreide, Kalke der Oberkreide).

Ursprünglich flach auf der Rumpfscholle des Variskischen Gebirges abgelagert, wurden die mächtigen Sedimente durch die saxonische Gebirgsbildung zwischen den alten Massiven des Harzes und des Rheinischen Schiefergebirges als Widerlager in mehreren Phasen seit der Jurazeit, am stärksten aber in der jüngeren Kreidezeit zusammengeschoben, gefaltet, gezerrt, zerbrochen und an Verwerfungslinien gehoben oder abgesenkt. Dadurch ergab sich im Einzelnen ein recht komplizierter Aufbau.

Die geologischen Leitlinien (Hebungslinien) des Ith-Hils-Gebietes sind die Elfas-Achse (Elfas, Homburgwald, Vogler) und die Leinetalachse, die beide von Südost nach Nordwest streichen (herzynisch, wie der Harz). Zwischen diesen beiden Achsen (Sattelfalten) wurden die Gesteinsschichten zur Ith-Hils-Mulde zusammengeschoben. Durch Ausräumung der Sattelfalten, die im First aufrissen und der Verwitterung große Angriffsflächen boten (im Leinetalsattel noch begünstigt durch Aufpressungen der Zechsteinsalze), kam es zu einer Umkehr des Landschaftsbildes (Reliefumkehr). Aus Sätteln wurden Tall⁠andschaften, aus Mulden Bergland.

⁠⁠Für Höhen und Tiefen im heutigen Landschaftsbild sind daher weniger die Hebungen und Senkungen als vielmehr Widerstandsfähigkeit und Neigung der Gesteinsschichten verantwortlich.

Wie Schüsseln von verschiedener Größe liegen die Gesteinsschichten ineinander. Die harten Schichten (Muschelkalk, weißer Jura, Sandsteine der Unterkreide) sind von der Verwitterung scharf herauspräpariert und bilden bewaldete Kämme und Rippen in der Landschaft. Die weicheren Schichten sind ausgeräumt worden und zeigen sich als Hang- und Tallandschaften mit Ackerbau.

Am schönsten ausgebildet ist die Unterkreideschüssel aus „Hilssandstein“, deren Rand den fast vollständig erhaltenen Ringwall um die innere Hilsmulde bildet. Auf dem Grund der Mulde haben sich noch Reste der Kalkablagerungen der jüngeren Kreidezeit im ldtberg und Hohen Heimberg erhalten.

Am großartigsten herausgearbeitet sind die Ränder der Juraschüssel, die die äußere Hilsmulde (Ithmulde) als langgezogene Ellipse umwehren: Ith mit den Dolomitklippen, Thüster Berg, Duinger Berg, Reuberg, Steinberg und Seiter.

Nicht ganz so kräftig treten die Schichtkämme der Muschelkalkstufe in Erscheinung. Sie begleiten als Külf und Rettberg die Leine von Alfeld bis Gronau. In der Ithbörde verläuft die Lenne auf weite Strecken auf der Grenze von Buntsandstein und Muschelkalk und hat im Unterlauf die Muschelkalkstufe des Tuchtberges (Zementwerk), des Kreienberges und des Tönniesberges besonders eindrucksvoll herausmodelliert. Diese Bergkette setzt sich nach Nordwesten im Kruckberg und Eichberg fort, nach Südosten im Eschershäuser Bereich im Kappenberg, Hang des Stadtberges, Kirchberg, Othberg, Mühlberg, Kleeberg und dann im Tal zwischen Elfas und Hils bis Eimen.

Die Sandsteinschichten des Voglers (Firstscholle) und des Homburgwaldes sind an einer Bruchlinie, die bis in das Grundgebirge hinabreicht, gehoben und zusammen mit den oberen Zechsteinschichten auf die Sandsteinscholle des Sollingabbruches aufgeschoben worden, während der Elfas wahrscheinlich ein von Rissen durchsetzter Sattel ist, der im „Stollen“ die beachtliche Höhe von 410 m erreicht.

Ablagerungen der Tertiärzeit sind wieder abgetragen worden; sie haben sich nur in Resten im Eschershäuser Senkungsfeld und im Lenne/Wangelnstedter Becken erhalten, in größerem Umfange aber in der Ithmulde. Bei Wallensen wurden die tertiären Braunkohlenlager im Tagebau durch die Zeche Humboldt abgebaut. Nach Einstellung des Abbaues 1966 füllten sich die ausgekohlten Becken mit Grundwasser und gaben Anlass, diese Industrielandschaft in eine durch Seen belebte Erholungslandschaft umzuwandeln.

Die eiszeitlichen Lössablagerungen, die in der Ithbörde stellenweise fünf Meter mächtig sind und bis Eschershausen reichen, gaben dieser Tallandschaft ihre Fruchtbarkeit.

Eschershausens Industrie

Die AsphaltindustrieFirmenlogo Dasag

Waldarbeiter im Hils – so wird erzählt – beobachteten, dass aus den Steinen, die sie um ihre Feuerstellen gelegt hatten, durch die Hitze eine dunkle, zähe Masse herausquoll. Apotheker Kubel in Eschershausen, dem man diese seltsamen Steine vorlegte, erkannte ganz richtig – wie durch weitere Untersuchungen bestätigt wurde – dass es sich um Asphaltgestein (mit Bitumen getränktes Kalkgestein) handeln müsse.

Vermutlich ist das Asphaltgestein des Hilses durch in Spalten und Rissen an Verwerfungsstellen aufgestiegenes Erdöl entstanden, dessen Abdunstungsrückstände das Kalkgestein durchsetzten.

Mit einem vier- bis achtprozentigen Bitumengehalt erwiesen sich die Vorkommen als abbauwürdig und riefen einen Run auf den „Naturasphalt“ im Hils hervor, der nur mit den Vorgängen bei der Entdeckung der Erdöl- und Kalivorkommen in der Lüneburger Heide vergleichbar ist.

Im Hils liegen die größten und nach der Erschöpfung der Limmer Asphaltfelder auch die einzigen, abbauwürdigen deutschen Asphaltlager mit einer Mächtigkeit bis zehn, ja bis fünfzehn Meter. Abbau und Verarbeitung nahm 1868 eine englische Gesellschaft auf, die spätere „Naturasphalt-Gesellschaft m.b.H.“. Die „Deutsche Asphalt-Aktien-Gesellschaft der Limmer und Vorwohler Grubenfelder“ wurde 1873 gegründet. Bis 1906 siedelten sich weitere Firmen an, so dass zeitweise acht Fabriken das in vierzehn Gruben gewonnene Asphaltgestein verarbeiteten. Die beiden ältesten Firmen überdauerten Krisenzeiten und beide Weltkriege. Als aber die englischen Gesellschafter 1956 ihr Kapital abzogen, übernahm die DASAG (Deutsche Asphalt-Aktien-Gesellschaft) Förder- und Produktionsstätten der „Naturasphalt-Gesellschaft m.b.H.“ und in den Firmennamen das Wort „Natur-“: Deutsche Naturasphalt-AG. Im gleichen Jahr erfolgte die Eingliederung der DASAG in die „Niedersachsen GmbH“ und 1966 die Umwandlung von einer AG in eine GmbH.

Zu Beginn der Asphalt-Ära transportierten Pferdefuhrwerke das Rohmaterial in die Fabriken in Eschershausen und auch die Erzeugnisse zur nächsten Bahnstation Vorwohle.

Später gelangte das nun bergmännisch gewonnene Asphaltgestein von den Hauptförderstellen – Schachtanlage „Grube Herzog Wilhelm“ und „Stollen Gustav“ – über zwei etwa vier Kilometer lange Seilbahnen in die Verarbeitungsbetriebe. Der Bau der Vorwohle-Emmerthaler-Eisenbahn (VEE) mit Gleisanschlüssen zu den Betrieben begünstigte ab 1900 den ungeahnten Aufschwung der Asphaltindustrie ganz wesentlich.

Nach der Vereinigung der beiden Asphaltunternehmen im Jahre 1956 erfolgte eine Rationalisierung und technische Umrüstung der Förderanlagen. Die Grube „Herzog Wilhelm“ Seilbahnen wurden abgebrochen. Den Bedarf an Rohmaterial deckt ausschließlich der „Stollen Gustav“, dessen neuartige Abbau- und Fördermethoden zu einer Schichtleistung von 70 bis 80 Tonnen pro Mann führten und im Inland wie im Ausland Beachtung und Nachahmung fanden.

Seit der Abbau unter Tage in Angriff genommen wurde, geschieht das im „Pfeilerbruchbau“. Hauptstollen und Querschläge durchziehen schachbrettartig den Berg, nur Pfeiler von 4 m × 4 m bleiben stehen, die das Deckgebirge tragen. So wird eine fast restlose Ausbeute erreicht. Abraum gibt es nicht. Aus Sicherheitsgründen wurde früher das „Hangende“ durch Holzverbauungen abgestützt, die nach Ausräumen der Strecken entfernt und erneut verwandt wurden. Heute halten Stahlanker, die sich beim Eintreiben in die Stollendecke spreizen, das Deckgebirge.

Nach wie vor wird der Fels „vor Ort“ losgesprengt, aber die Sprengmethoden (Fächerschießen, Kanonenschießen) sind wirkungsvoller geworden. Früher wurde das losgesprengte Gestein mit Schrappaufladern, Schüttelrutschen und Kettenbahnen gefördert und mit den Seilbahnen zu den Brechanlagen transportiert. Heute schafft ein einziger schwerer Dieselkipper, der sich selbst belädt, die Gesteinsbrocken in die unterirdische Brechanlage. Ein Transportband bringt das auf Walnussgröße zerkleinerte Material in einen Hochbunker vor dem Stolleneingang. Und ein einziger Lastzug reicht zur Weiterbeförderung in die Fabrik aus. Zu den Arbeiten unter Tage werden nur noch fünf Bergleute benötigt. Früher wurden im Asphaltbergbau bis zu zweihundert Bergleute beschäftigt.

Das vorgebrochene Gestein wird in Desintegratoren zu Asphaltmehl vermahlen, das in Koch- und Rührwerken angereichert mit Bitumen aus der Erdöldestillation und versetzt mit Mineralien – zu Guss- oder Stampfasphalt (1884 von der DASAG erfunden) weiterverarbeitet wird.

Asphaltprodukte finden Verwendung im Hoch- und Tiefbau zur Feuchtigkeitsisolierung und Wärme- und Schalldämmung. Der Stampfasphalt beherrschte über Jahrzehnte hin den Straßenbau („leise Straßen“). In Hannover wurde 1886 zum ersten Male eine große Straße (Engelbosteler Damm) im DASAG-Stampfasphaltverfahren gebaut. Die Naturasphalt-Gesellschaft stellte bis 1915 in Berlin 1,5 Millionen Quadratmeter Asphaltstraßen her. Seit im Jahre 1903 die ersten maschinell gepressten Stampfasphaltplatten (je nach Bindemittel und mineralischen Zuschlagstoffen auch öl-, benzin- oder säurebeständig) auf den Markt kamen, trat dieser Produktionszweig immer stärker in den Vordergrund, vollends seit sich die Kombination von Terrazzo auf Asphaltunterlage bewährte.

Die Eschershäuser Asphaltprodukte beherrschen nicht nur den deutschen Markt; sie werden schon seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts exportiert, anfangs vorwiegend nach England und in die nordischen Staaten. Heute gilt die DASAG als der größte Asphaltplattenhersteller auf dem Kontinent.

40 Millionen Quadratmeter Industriefußboden liegen in Fabriken, Lagerhallen, Großmärkten, Schulen, Museen, Werkstätten und Büros. Als größter Einzelauftrag (1971) sei die Lieferung von 116 000 Asphaltplatten für die Düsseldorfer Messehallen vermerkt. Den Bedürfnissen der Bauwirtschaft hat sich die DASAG (ab 1964) durch Ausweitung der Produktion auf den Beton- und Natursteinsektor angepasst. Seit 1973 stellt sie auch Fertigkeller her. Die 1964 gegründete Betriebsstätte Amstetten/Württemberg hat sich zum modernsten Terrazzo-Plattenwerk der Bundesrepublik entwickelt.

Als die DASAG 1973 ihr einhundertjähriges Bestehen beging, betrug die Tageskapazität beider Werke etwa 16 000 m² Fußbodenplatten, zur Hälfte reine Asphaltplatten. Mit ungefähr 400 Beschäftigten erzielte die DASAG einen Jahresumsatz von über 30 Millionen Mark.

Inzwischen hat die DASAG die Produktion in Amstetten eingeschränkt, dafür aber im Frühjahr 1975 in Köln eine neue Betriebsstätte eingerichtet, die im Rahmen des Waschbetonplattenprogramms arbeitet.

Die Holzindustrie

Die Holzindustrie ist bei weitem nicht so alt, wie man angesichts der umgebenden Bergwälder vermuten würde.

Das Holzsägewerk Gebrüder Haasper besteht seit 1920 und verarbeitet ausschließlich Nadelholz. Nach dem Kriege hat sich der Betrieb auf die Herstellung von Dachlatten spezialisiert. Die Automatisierung des Produktionsablaufes verringerte die Zahl der Beschäftigten von früher etwa vierzig auf etwa sechzehn Arbeitskräfte.

Der Sägewerk- und Holzbaubetrieb Heinrich Fricke OHG hat sich aus einem schon 1804 nachweisbaren Handwerksbetrieb (Zimmerei) entwickelt. Nach mehrfachem Wechsel ging der Betrieb 1912 in den Besitz von Zimmermeister Fricke über. Ein damals schon in den Anfängen vorhandenes Sägewerk trat dann immer mehr in den Vordergrund. Einer Phase der Herstellung von Büromöbeln (1950–1962) folgte die Umstellung auf die Fertigung von Bauelementen für die Fertighausindustrie. Im Durchschnitt beschäftigt der Betrieb 20 bis 25 Arbeitskräfte.

Die 1928 gegründete „Weser-Sperrholzwerke-GmbH“ verarbeitete vor allem ausländische Hölzer wie Gabun, Oregon pine, Limba und andere zu Furnier- und Tischlerplatten und fertigen Sperrholztüren. Mit der Stilllegung dieses Betriebes 1967 gingen Eschershausen etwa 130 Arbeitsplätze verloren.

Deutsche Schlauchboot-FabrikFirmenlogo DSB

Die „Deutsche Schlauchbootfabrik Hans Scheibert“ ist die älteste und größte Schlauchbootfabrik Deutschlands. Seit 1951 ist sie in Eschershausen ansässig. Das Stammwerk wurde 1931 in Berlin gegründet und bald um das Zweigwerk Großschönau/Sachsen und das Gummiwerk Grottau/Sudeten erweitert. In diesen Betrieben wurde die Schlauchbootfertigung zu Industriereife und Anerkennung auf internationaler Ebene geführt. Der Ausgang des Krieges hatte den Verlust aller Werke zur Folge. Der Wiederaufbau – jetzt in Eschershausen – konnte erst voll einsetzen, als Schlauchboote, die unter den Begriff Kriegsmaterial fielen, 1953 von den Besatzungsmächten zur Produktion freigegeben wurden und ein Großauftrag aus den USA als hoffnungsvoller Anfang auf dem Wege zu erneuter Weltgeltung gewertet werden konnte. Nach einem Großbrand (1962), der die Aufwärtsentwicklung zu stören drohte, erstand das Werk neu. Der Beitritt der Continental Gummiwerke AG, Hannover, als Gesellschafter (1963) gaben der DSB den finanziellen Rückhalt, Schrittmacher im deutschen Schlauchboot- und Rettungsinselbau zu bleiben.

Als der 1969 verstorbene Begründer der „Deutschen Schlauchbootfabrik“ zwei Jahre zuvor seinen 80. Geburtstag feierte, wurde ihm als Nestor des Schlauchbootbaues große Anerkennung gezollt.

Die Stadt Eschershausen trug ihm als Dank für die Wirtschaftsförderung der Stadt zu einer Zeit, als das Wirtschaftsleben allgemein zum Erliegen gekommen war, die Ehrenbürgerschaft an.

Der US-Bundesstaat Texas ernannte Hans Scheibert für seine Verdienste um Menschenrettung auf See zum Ehrenadmiral der Flotte (Honorary Admiral in the Navy) und verlieh ihm die Ehrenbürgerschaft des Bundesstaates Texas und den Rang eines Internationalen Botschafters.

Schlauchboote werden aus gummibeschichteten Textilien hergestellt. Seit 1964 besteht die Gewebeeinlage aus synthetischem Material.

Fachkräfte bauen aus dem nach Schablonen zugeschnittenen Material die Boote in handwerklicher Arbeitsweise auf. Das verbürgt eine einwandfreie Qualität der Erzeugnisse und außerdem eine flexible Produktionstechnik, die sich jedem Sonderwunsch anzupassen vermag. Das Werk beschäftigt 250 Arbeitskräfte, in der Mehrzahl Frauen.

Drei Produktions- beziehungsweise Absatzbereiche tragen das Werk:

Schlauchboote aller Art und Größen bis hin zu schweren Pionierbooten für den Brückenbau finden Verwendung im militärischen Bereich, in der Seefahrt, beim Bundesgrenzschutz, bei der Wasserschutzpolizei, bei den Wasser- und Schiffahrtsämtern, bei Katastropheneinsätzen des Technischen Hilfsdienstes, der Feuerwehr, der DLRG und des DRK.

Rettungsinseln dienen der Menschenrettung auf See. Ihre Fertigung steht unter Kontrolle der Seeberufsgenossenschaft. Auf kleinsten Raum verpackt (Packtasche, Kunststoff-Container), beanspruchen sie an Bord nur wenig Platz, können im Seenotfall leicht zu Wasser gebracht werden und blasen sich nach Betätigung der Reißleine in Sekundenschnelle automatisch auf. Je nach Größe bieten die viereckigen, sechs- oder achteckigen überdachten Schlauchinseln 6 bis 25 Personen Platz, im Notfall sogar der doppelten Personenzahl.

Sportboote der Marke „Zephir“ bieten dem Wassersportler eine reiche Auswahl an Modellen und vielseitiger Ausrüstung.

Möglichkeiten, die das aufblasbare Schlauchbootmaterial in sich birgt, führten zur Entwicklung von Auftriebskörpern (Minenhebern), von Liftern und Hebekörpern bis zu 25 Tonnen Tragkraft und 2,5 Metern Hub (Flugzeugheber). Für Feuerwehren und andere Organisationen technischer Hilfeleistung stehen Rettungs- und Bergesätze zur Verfügung, die eingeklemmte Menschen ohne weitere Gefährdung befreien oder große Lasten (umgestürzte Lastwagen) schnell anheben oder gar aufrichten können. Sicherung und Rettung von Menschenleben und Bergung wertvollen Materials geben den Entwicklungsüberlegungen des Betriebes immer wieder neue Impulse.

Maschinen- und Fahrzeugbau

Die Maschinen- und Fahrzeugbau-Firma H. Hoffmann & Sohn siedelte sich 1963/1964 in Eschershausen an. Ursprünglich war der Betrieb in Essen beheimatet (1926 gegründet), fiel aber 1943 dem Bombenkrieg zum Opfer. Die Familie Hoffmann fand in Wangelnstedt (Kreis Holzminden) ein Unterkommen und die Möglichkeit, in einer alten Schmiede an den Neuaufbau ihres Betriebes zu gehen.

Aus der günstigen Entwicklung ergab sich die Notwendigkeit einer Vergrößerung des Unternehmens, die durch eine Verlagerung nach Eschershausen erreicht wurde.

Produziert werden landwirtschaftliche Fahrzeuge (Kippanhänger, Plattformwagen, Allzweckwagen, Wasserwagen), Baufahrzeuge (Bauwagen, Gerätewagen, Wassersprengwagen, Teerspritzmaschinen) und Lkw- und Pkw-Anhänger.

1971 nahm die Firma Hoffmann die Herstellung von „Mobilheimen“ auf und erschloss sich damit einen Markt, der für die Naherholung von Bedeutung ist. Mobilheime ähneln großen Wohnwagen, können aber nicht an ein Auto angehängt werden, sondern müssen mit einem Spezialtieflader an den vorgesehenen Standort gebracht werden, können aber – im Gegensatz zu Wochenendhäusern – den Standort wieder wechseln. Die Firma Hoffmann, die auch Auslandsaufträge auszuführen hat, beschäftigt 75 Arbeitskräfte.

Leichtmetallbau

Die Firma E. und P. Schaar – Leichtmetallbau – entstand aus einem 1938 in Radebeul bei Dresden gegründeten Betrieb zur Herstellung von Klein-Reißbrettern und Gummistempeln für den Schulbedarf. 1949 verlegte die Familie Schaar ihren Wohnsitz nach Eschershausen, baute den Betrieb hier neu auf und erweiterte ihn im Laufe der Jahre beträchtlich.

Seit 1967 stellen eloxierte und kunststoffbeschichtete Aluminiumtüren und -fenster den Hauptanteil an der Produktion dieses Unternehmens. Hinzu kam die Fertigung von Kunststoff-Fenstern, Hebeschiebe-Türen, Schaufensteranlagen, Schau- und Informationskästen, Vitrinen und andere Leichtmetall- und Kunststoffprodukte, die ihren Absatz im norddeutschen Raum und auch im benachbarten Ausland finden.

Eine neue Produktionshalle mit Büroteil und Sozialräumen für die Belegschaft, die zurzeit dreizehn Mitarbeiter umfasst, konnte Ende 1976 in Betrieb genommen werden.

Umspannwerk Wesertal

Das Umspannwerk Eschershausen des Elektrizitätswerkes Wesertal ist Zentrum der Stromversorgung im Bereich Ith/Hils bis hin zum Nord-Solling. Über zwei Hochspannungsleitungen für 100 000 Volt wird dem Umspannwerk die elektrische Energie vom Kraftwerk Afferde (Hameln) zugeleitet und nach Umspannung auf 25 000 Volt an das regionale Versorgungsnetz weitergegeben. Zwei Hochspannungsleitungen für 100 000 Volt führen weiter nach Holzminden zur Versorgung der Kreisstadt und des südlichen Landkreises. Das Stromnetz des Elektrizitätswerkes Wesertal steht im Verbund mit dem Stromnetz der Preußen-Elektra zum Austausch elektrischer Energie im Bedarfsfalle.

Der Landkreis Holzminden schloss 1912 mit dem damals gegründeten Elektrizitätswerk Wesertal in Hameln einen Stromlieferungsvertrag ab. Eschershausen, das schon vor 1912 von der Scharfoldendorfer Wassermühle und einem der Asphaltwerke mit Strom versorgt wurde, schloss mit dem E-Werk Wesertal 1913 einen gesonderten Stromlieferungsvertrag ab, der noch heute Gültigkeit hat. Der sofort begonnene Ausbau des Überlandnetzes ging nach der Unterbrechung durch den ersten Weltkrieg planmäßig weiter. Im Ausbau des Leitungsnetzes fiel Eschershausen aufgrund seiner Knotenpunktlage eine beherrschende Stellung zu, die durch den Bau eines großen Umspannwerkes zum Ausdruck kam, das laufend den Erfordernissen der Weiterentwicklung angepasst wurde.

Seit Einführung der elektronischen Steuerung von Schaltvorgängen werden auch im Eschershäuser Umspannwerk wesentliche Schaltungen unmittelbar von der Schaltzentrale in Hameln ausgeführt.

Interessant ist der Wandel im Kreis der Abnehmer elektrischer Energie. Lag vor gut zwanzig Jahren die Industrie mit rund 70 % an der Spitze, so ist deren Anteil inzwischen auf fast 40 % gesunken, während der Verbrauch in den Haushalten von etwa 12 % auf fast 40 % gestiegen ist.

Die Ursache ist in dem enormen Zuwachs an Wohnungen und dem starken Ansteigen der Verwendung elektrischer Geräte und Nachtspeicherheizungen in den Haushaltungen zu suchen.

Bilder aus der Vergangenheit

Ein Geschlecht der Menschen vergeht nach dem anderen, ein Geschlecht gibt die Waffen des Lebens weiter an das andere.

(Wilhelm Raabe – Hungerpastor)

Vor- und frühgeschichtliche Besiedlung der Ithbörde

Die Ithbörde gilt als urgeschichtliche Völkerstraße. Der langgezogene Ithkamm mag den wandernden Stämmen in der Jungsteinzeit (etwa ab 4000 v. Chr.) als Leitlinie gedient haben. Für den waldarmen Lößlehmstreifen der Ithbörde kann auch schon eine spärliche Besiedlung angenommen werden. Bodenfunde – Feuersteinspitzen, Steinbeile und andere Steingeräte – weisen im Bereich von Bisperode bis Eschershausen auf beides hin.

Auch die Erforschung der Ithhöhlen oberhalb von Holzen brachte bedeutsames Material zutage. Die Nasensteinhöhle scheint einer steinzeitlichen Sippe als Aufenthalt gedient zu haben. In der Haupthöhle fand man Kochstellen mit Holzkohle und Knochenresten von Jagdtieren, dazu Geräte aus Knochen und Stein und in einer Nebenhöhle primitiv hergestellte Tongefäße („Töpferhöhle“).

In der Rothesteinhöhle, die außer Gefäßscherben und Geräten aus Knochen auch Bronzegegenstände barg, wurden keine Tierknochen, wohl aber Menschenknochen gefunden, die zu der Annahme führten, diese Höhle sei nur zu rituellen Zusammenkünften aufgesucht worden.

Wenn auch aus der Bronzezeit kaum, aus der Eisenzeit keine Funde vorliegen, so muss doch für die Ithbörde eine kontinuierliche, spärliche Besiedlung als gesichert angesehen werden. Zumindest seit dem ersten Jahrhundert v. Chr. gehört die Ithbörde zum Stammesgebiet der Cherusker, die um die Zeitenwende Hauptträger der Abwehrkämpfe gegen die Römer waren (Varusschlacht 9 n. Chr.). Gegen Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. unterliegen sie den von Süden vorstoßenden Chatten. Etwa drei Jahrhunderte später überlagern die von Norden sich ausbreitenden Sachsen dieses Gebiet mit einer Herrenschicht, die zum Krieg aufruft, Dienste und Abgabe fordert und Gericht hält.

Bei der in sächsischer Zeit entstehenden Gaugliederung nahm der Eschershäuser Raum eine Sonderstellung ein. Hier bildete sich der kleine Gau Wikanavelde, dem auch das castellum Wikanafeldisten (-stén = -stein = -berg) als Vorgänger der Homburg zuzurechnen ist, umgeben von den weit größeren Gauen Thiliti, Auga und Flenithi.

Nach der Christianisierung der Sachsen glichen sich die Grenzen der Diözesen im großen und ganzen den alten Gaugrenzen an. Der Gau Wikanavelde kam zum Bistum Hildesheim, umschlossen von den Diözesen Minden im Westen, Paderborn im Süden und Mainz im Südosten.

Das Alter Eschershausens

läßt sich nicht genau bestimmen. Die erste Erwähnung geschieht nach 891 in Urkunden des 822 gegründeten Klosters Corvey als Astiereshusen. In anderen Urkunden erscheint Eschershausen 1040 als Aschgereshusen, 1062 als Aschereshusen, 1146 als Eschershusen und 1180 als Heschereshusen. Im Plattdeutschen sagt man Eschershiusen.

Nun belegen Urkunden zwar das Vorhandensein einer Siedlung, aber sie sagen wenig über das wirkliche Alter aus. Nach der Ortsnamenforschung entstanden Orte auf -hausen bei der ersten Ausweitung des Siedlungsraumes über das altbesiedelte Lößgebiet hinaus durch Rodung. In der Ithbörde ist dieser Siedlungsvorgang wahrscheinlich schon auf das 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr. anzusetzen.

Für die Entstehung Eschershausens gerade an dieser Stelle mögen verschiedene Gründe zusammengetroffen sein: Lage am Schnittpunkt alter Handelswege (Hameln–Ithbörde–Einbeck; Höxter/Holzminden–Odfeld–Braunschweig); Einengung des Lennetales durch vom Stadtberg und vom Ith vorstoßende flache Höhen, die einen kurzen und leichten Übergang über die Lenneniederung ermöglichten, und das Vorhandensein zweier ergiebiger Quellen, des Wehnborns und des Herrenborns, der salzhaltiges Wasser spendete, das in jenen Zeiten wohl begehrt gewesen sein muss.

Zwischen diesen beiden Quellen breitet sich noch heute der älteste Stadtkern aus.

Hagenkolonisation

In der deutschen Siedlungsgeschichte des Mittelalters nimmt Eschershausen eine besondere Stellung ein. Bischof Udo von Hildesheim und sein Nachfolger Bischof Bernhard I. setzten um 1100 und 1135 „vlämische“ Kolonisten in Eschershausen zur Urbarmachung von Waldgebieten an und billigten ihnen Privilegien zu – im sogenannten „Eschershäuser Vertrag“, ein Meisterstück weitschauender Politik. Die Heimat der Kolonisten wird in Flandern oder am Niederrhein vermutet.

Die Namen der Rodungssiedlungen endeten meistens auf -hagen und sind heute noch in Ortsnamen wie Buchhagen und Heinrichshagen erhalten oder in Wüstungsnamen (Langenhagen und Hillekenhagen bei Wickensen, Bodenhagen bei Holzen, Quathagen auf dem Odfeld) überliefert. Das mittelhochdeutsche „hag“ bedeutet „eingehegter Platz“, in diesem Zusammenhang wohl auch „von dem alten Siedlungsland durch eine Hecke abgegrenztes Rodungsland“, für das ein neues, an den Boden gebundenes Recht galt.

Während die ansässige bäuerliche Bevölkerung als Hörige im Fronhofsverband die Ländereien des Grundherrn (Adel, Kirche, Kloster) bebauten, an die Scholle gebunden und persönlich unfrei waren, weder über ihren Besitz frei verfügen, noch ihn ohne Genehmigung des Grundherrn verlassen durften, gab das „Hägerrecht“ den Neusiedlern Freiheiten, die sie weit über die rechtliche Stellung der eingesessenen Bauern hinaushob. Die Siedler bekamen ihr Land als Erbgut zugeteilt. Sie konnten sich frei bewegen, den Hof verkaufen und abwandern. Jagd und Fischfang waren frei – außer im Wildbann des Bischofs. Ersatzmannschaft für das Heer brauchten sie nicht zu stellen. Das gerodete Land war, sobald es unter den Pflug genommen werden konnte, noch sechs Jahre zins- und zehntfrei. Als Fremde hatten sie außerdem ihre eigene Gerichtsbarkeit, das „Hägergericht“. Die Bedeutung der von den Hildesheimer Bischöfen eingeleiteten Hagenkolonisation erkennend, haben insbesondere die Edelherrn vom Homburg, aber auch die Eversteiner Grafen an den Hängen von Ith und Hils, rund um den Vogler und in anderen Waldgebieten Rodungen nach Hägerrecht angesetzt.

Von Eschershausen wanderte das Hägerrecht nach dem linksweserischen Lippe, nach Schaumburg-Lippe, in das Hannoversche Gebiet und nach Mecklenburg und Pommern und wurde Vorbild für das Bauernrecht der Ostkolonisation.

Zu der Weiterentwicklung der Rechtsform trat die – im Ursprungsgebiet um Eschershausen noch nicht ausgeprägte – Flurgliederung des Hagenhufendorfes.

Die meisten Hagensiedlungen unserer Gegend sind aber bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts wieder wüst geworden, da sie sich als Fehlgründungen erwiesen (dürftige Böden, ungünstige klimatische Verhältnisse). Das freizügigere Hägerrecht erleichterte nicht nur die Abwanderung in die sich entwickelnden Städte, eine Bevölkerungsabnahme durch Seuchen begünstigte auch die Inbesitznahme alten Kulturlandes und die Umsiedlung in die alten Dörfer.

Die Homburger Zeit

brachte für Eschershausen eine vorteilhafte Entwicklung. Nicht nur die günstige Lage, auch das Wohlwollen der Edelherren von Homburg, die 1183 als Burgherrn erscheinen, hob Eschershausen von den anderen Siedlungen der Ithbörde ab. Es erhielt die Fleckensgerechtigkeit, die bürgerliche Freiheit, das Recht des bürgerlichen Zwanges als niedere Gerichtsbarkeit und die Braugerechtigkeit.

Die Homburger Hoheit über Eschershausen wird ganz deutlich, als Heinrich von Homburg in einer Urkunde von 1245 als „dominus et advocatus civium“ benannt wird. Aber auch schon 1228 werden Bodo von Homburg, der Pfarrer Hedenricus, der Vogt Konrad und die Eschershäuser Einwohner Theodoricus incifor, Sifridus Papa und Widekin als Zeugen in einer Urkunde über die Beilegung eines Streites zwischen den Grafen von Dassel als Lehnsherren und ihren Lehnsleuten zu Eschershausen aufgeführt.

Der letzte Edelherr, Heinrich von Homburg, ließ 1384 seiner Gemahlin den Zoll in Eschershausen als Leibzucht verschreiben.

Er und seine beiden Brüder Gewehard und Borchard stifteten 1382 „aus Ehrfurcht vor dem allmächtigen Gotte und zum Seelenheil ihrer Eltern und aller aus der Verwandtschaft Dahingeschiedenen“ in der Kapelle von Lüerdissen eine „immerwährende Vikarie“ und statteten sie mit Besitzungen in Lüerdissen und Scharfoldendorf aus.

Bei Einführung der Reformation kam diese Vikarie als Diakonatspfarre nach Eschershausen.

An die Zeit der Homburger erinnert noch heute das Wappen der Stadt Eschershausen, das den goldenen Löwen der Homburger (heraldisch nach rechts schreitend, blau bezungt und bewehrt) auf rotem Grund über einem goldenen E zeigt. Der Landkreis Holzminden führt in seinem Wappen den aufrecht schreitenden, silbernen Löwen der Eversteiner Grafen mit goldener Krone – rot bezungt und golden bewehrt – auf blauem Grund über einem silbernen Wellenband.

Wappen Stadt Eschershausen Wappen Landkreis Holzminden

Die Braunschweigische Zeit

begann mit Auseinandersetzungen zwischen dem welfischen Herzogshause, das sich den Besitz der Herrschaft Homburg durch Verträge mit dem dann 1409 kinderlos verstorbenen Edelherrn Heinrich von Homburg gesichert hatte, und dem Hildesheimer Bischof, der alte Ansprüche auf das Homburger Gebiet durchzusetzen versuchte. Hildesheimer Kriegsleute brachten 1447 die Homburg, Stadtoldendorf und Eschershausen vorübergehend in ihre Gewalt. 1462 plante der Bischof erneut, Stadtoldendorf und „den kerkhof to E. myt hundert to voete unde viven edder sessen to perde“ zu besetzen. Die Kirche mit dem von einer hohen Mauer umgebenen Kirchhof muss damals – noch nicht verdeckt durch das große Gebäude des Amtsgerichtes (heute Norddeutsche Landesbank) – einer Befestigungsanlage geglichen haben.

Hundert Jahre später wurde die Homburg aufgegeben und der Sitz des Fürstlichen Amtmannes nach dem Wirtschaftshof Wickensen verlegt.

Obwohl die Einwohner Eschershausens als „freie Leute“ galten und ihren Bürgermeister und ihren Magistrat selber wählen konnten, hatten sie auf dem Amt Wickensen Hand- und Spanndienste zu leisten. Eine bis ins Einzelne gehende Festlegung der Herrendienste und der dafür vom Amt zu leistenden Entlohnung in Naturalien oder Geld enthält eine Urkunde aus der Zeit um 1550, zum Beispiel „Müßen mit 5 pflügen järlichs 1 Tag im Gerstenlande pflügen bekommt jeder 3 Brodte und speisebier“ oder „Müssen järlichs 1 Tag uf der Langen Wiesen heu machen, und die Schafe waschen, dagegen bekommen sie alle wohl küchenspeise jede 3 Brodt und 2 Brote Buttern, Kese, Würste, Speck oder Hering“ oder sie müssen Korn bansen, den Kohl- und Hopfengarten bestellen, einen Wagen Hafer nach Gandersheim bringen oder auch „Fürstliche Befehle übers Othfeldt als nach dem Amelungsborn, Forst, Bevern, Holzminden und Fürstenberg“ tragen.

Diese Herrendienste haben sich bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts gehalten. Aus dem Jahre 1801 ist eine Beschwerde der Pflichtigen über unmenschliche und schlechte Behandlung bekannt. Etwa zehn Jahre zuvor war es zu Spannungen zwischen dem Magistrat und dem Pachtamtmann und Droste Freyenhagen von Rosenstern gekommen, der sich darüber beschwerte, dass nicht genügend Leute zum Herrendienst kämen. Er wollte niemanden dispensieren, nicht die Ratsherrn, nicht die Männer von Wöchnerinnen und auch nicht die Bademutter. Den zur Arbeit erschienenen Pflichtigen kürzte er die ihnen zustehende Beköstigung. Doch der Magistrat verstand es, sich gegen diese unangemessenen Forderungen durchzusetzen.

Erst 1839 bis 1842 wurden diese Herrendienste der Bürgerschaft durch eine einmalige Zahlung abgelöst und „auf ewige Zeiten aufgehoben“.

Pest und Krieg

beherrschen die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts. 1613 schlug die Pest, die schon 1582 und 1598 in dieser Gegend gewütet hatte, erneut zu. In Halle raffte sie 55 Menschen, in Dohnsen 75 Menschen hinweg. In Eschershausen und den anderen Siedlungen der Ithbörde wird es ähnlich gewesen sein.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde das Jahr 1625 zum Schreckensjahr. Tillys Söldnerscharen brachen in das Amt Wickensen ein und verwüsteten Dörfer und Fluren und brachten auch wieder die Pest mit. Von Stadtoldendorf berichtet Pastor Eggeling in seiner Chronik, dass bei Ende des Krieges „kaum noch 40 standhafte mehrenteils ganz enervierte und aller Nahrung entblößte Bürger“ in der Stadt lebten.

Aber dieses Jahrhundert brachte Eschershausen auch die Bestätigung alter Rechte durch die Landesherrn. Auf eine Eingabe des Magistrates, dass die Leute in den Nachbarorten zum – man würde heute sagen – „Schwarzbrauen“ übergegangen seien, dem Flecken Eschershausen aber „bey diesen Zerrütteten erbärmlichen Kriegsunwesen die Documenta, Briefe und Siegulla über solche privilegia und gerechtigkeit abhanden kommen“ seien, erneuerte und „confirmirte“ Herzog Friedrich Ulrich 1630 die Braugerechtigkeit und wies das Amt Wickensen an, diese Bestätigung im Amtsbuch festzuhalten und Bürgermeister und Rat gegen Beeinträchtigungen zu schützen.

Herzog Anton Ulrich erweiterte 1691 das Marktrecht „zu beförderung und aufnahme Ihrer Nahrung“ von jährlich zwei auf vier freie Jahr- und Krahmmärkte, davon zwei mit Viehmärkten verbunden. Es sollte jeder ehrliche Kauf- und Gewerbemann zugelassen sein „mit Ihren tüchtigen Wahren an Seiden, Wullen und Leinen Tuch und Gewerke, höltzern Gefäß und Eisen-Wahren, und was immer zur täglichen Haushaltung an Gewandt, Victualien, Gewürtz und anderen dergleichen Nohtwendigkeiten gehörig, nichts davon ausbescheiden“. „Und damit diese Unsere zum theil neu ertheilte und zum theile anderweit declarierte und extendirte Fürstliche Conceßion und begnadigung deßo mehr Kund werde“, wurden Abdrucke im Fürstentum öffentlich ausgehängt.

Streitigkeiten mit dem fürstlichen Amt Wickensen

hat es wohl des öfteren gegeben. Eine Beschwerde des Flecken-Magistrates gegen Übergriffe des Amtes beim Herzog Carl von Braunschweig aus dem Jahre 1749 und die sich aus der Untersuchung ergebende „Instruktion, nach welcher die Einrichtung des Obrigkeitlichen und übrigen gemeinen Wesens in dem Flecken Eschershausen geschehen soll“, gibt einen Einblick in die damaligen Verhältnisse.

Es ging den Eschershäusern um das Recht des bürgerlichen Zwanges und das Recht, wie Bürger, nicht wie Bauern behandelt zu werden. Sie beriefen sich dabei auf die schon von den Homburger Edelherrn verliehenen und von den Herzögen 1630 und 1717 bestätigten Privilegien. Es sollte – so die Instruktion – auch weiterhin „dem Flecken-Raht aus Gnaden vergönnt sein, einen Verbrecher in Hand- und Beinschellen legen zu lassen“, auch die Wiederaufstellung des Schimpfpfahles – vom Amt Wickensen verboten – wurde dem Magistrat erlaubt, doch musste vor der Vollstreckung der Strafe das Protokoll an das Amt eingereicht werden. Und wieder einmal ging es um das Recht des alleinigen Bierverlages in den Krügen der Dörfer des Kirchspiels, das sich das Amt Wickensen für sein eigengebrautes Bier angemaßt hatte. Hier setzte der Herzog aber eine Entscheidung aus. Die Fahne dagegen, die der Flecken seit undenklichen Jahren besaß und zur Bescheinigung der Untertänigkeit allemal bei der Durchreise der durchlauchtigsten Herrschaften gebrauchte und die das Amt Wickensen vorübergehend eingezogen hatte, durfte der Flecken weiterhin zeigen. Die Instruktion regelte auch die Stellung des Bürgermeisters, die Ratsherrn-Würde, die Abwechslung der Gemeinheitsherren, die Abnahme der Kirchenrechnung, die Einkünfte und Rechnungslegung des Fleckens, die Finanzierung der Anschaffung einer größeren Feuerspritze und die Bepflasterung der Langen Straße. Wegen der Anlegung einer Apotheke wurde ein Bericht angefordert und die Einrichtung einer Poststation ausgesetzt.

Die Zwistigkeiten scheinen weitergegangen zu sein; denn zwei Jahre später – 1751 – wurde Amtmann Heinrich Adolf Osterloh zum Gerichtsschultheiß von Eschershausen bestellt und das Amt Wickensen angewiesen, sich der bisherig angemaßten Jurisdiction in dem Flecken Eschershausen und auf der Feldmark zu enthalten. Bis zu diesem Jahr hatte das Amt Wickensen einen eigenen Vogt in Eschershausen.

Im gleichen Jahr kam es zu Tumulten um den gewählten Bürgermeister Klie und den eingesetzten Bürgermeister Grove, dem die Ratsherrn, die Gemeinheitsherrn und der Fleckenvogt nicht gehorchen wollten. Sie weigerten sich auch, ihm den Schlüssel zum Rathaus auszuhändigen. Daraufhin verfügte Herzog Carl, den Bürgermeister Grove nachdrücklichst zu schützen, die gegen ihn vorgenommene Wahl zu cassieren und den Gemeinheitsherrn und auch andere Rädelsführer „beyzustecken“.

Der Siebenjährige Krieg

(1756–1763) brachte erneut Not und Drangsal über die Bevölkerung. Die Ithbörde war wiederholt Schauplatz des Kriegsgeschehens. Nach dem Sieg des Herzogs Ferdinand von Braunschweig aus dem Hause Bevern bei Minden (1759) nahm die abgeschnittene französische Armee ihren Rückzug durch die Ithbörde nach Göttingen und Kassel. „Im Jahre 1761 wurden der Superintendent in Halle und die Pastoren in Dielmissen und Eschershausen als Geiseln mitgenommen und sieben Wochen in Göttingen festgehalten, bis das Amt Wickensen 75 000 Taler Kriegskontributionen aufgebracht hatte“ (Rauls: Deensen).

Der Eschershäuser Bürgermeister Grove legte sein Amt nieder, weil er bei der Bereitstellung von Quartieren von den Franzosen oft geschlagen und geschunden worden war. Aber es fand sich niemand, dieses Amt zu übernehmen. Schließlich willigte Grove ein, den inneren Dienst weiterzuführen, als man ihm den großen und starken Fleckenvoigt und Schuster Wessel als zweiten Bürgermeister zur Seite stellte, der die Billetierung bei Einquartierungen, die Kriegsfuhren, Leute für das Tragen der Tornister und Kriegsboten zu besorgen hatte.

Ein treffendes und eindrucksvolles Bild dieser wirren und turbulenten Zeit – hineingepresst in das Erleben eines einzigen Tages, des 5. November 1761, – zeichnet Wilhelm Raabe in seiner Erzählung „Das Odfeld“.

Lebensumstände und wirtschaftliche Verhältnisse

im 18. Jahrhundert vermittelt eine Beschreibung des Fleckens aus dem Jahre 1761, die auf Anordnung des Herzogs Carl I. – noch mitten im Siebenjährigen Kriege – angefertigt wurde. Danach zählte Eschershausen 547 Einwohner – 117 Männer, 143 Frauen, 112 Söhne, 143 Töchter, 8 Diener, Gesellen oder Knechte, 4 Lehrjungen und 20 Mägde. Das Ackerland umfasste 876 Morgen, die nach der Dreifelderwirtschaft in 7 Wannen eingeteilt waren und etwa zu gleichen Teilen auf Sommerfeld, Winterfeld und Brache entfielen. Hinzu kamen noch 285 Morgen Wiesen, 90 Morgen Gartenland und 44 Morgen Triften.

Von den Ländereien waren 280 Morgen dem Fürstlichen Amt Wickensen zehntpflichtig, 275 Morgen der Eschershäuser Pfarre (die dafür einen Bullen und einen Kempen halten musste), 28 Morgen dem Kloster Amelungsborn und 35 Morgen dem Herrn von Wrisberg. 204 Morgen waren zehntfrei.

An herrschaftlichen Gefällen hatte der Flecken 471 Taler Kontribution, 62 Taler Landschatz und 109 Taler Proviantgeld aufzubringen; außerdem noch 438 Himten Getreide und 10 Taler für Meierzins, Rottzins, Hof-, Wiesen- und Gartenzins.

An Vieh waren vorhanden 53 Pferde, 88 Kühe, 23 Rinder, 16 Kälber, 1 Brummochse, 161 Schafe, 66 Schweine und 25 Ziegen. Als Hude stand das Brachfeld, der Wald und die abgeernteten Felder zur Verfügung. Je ein Kuh-, Schaf- und Schweinehirte trugen die Verantwortung für die Herden.

Die Pferdehalter konnten sich durch Fuhren für die Kaufleute oder Vorspann einen Zuverdienst verschaffen. Gegen Ende des Jahrhunderts geriet das Ackern mit Kühen und Ochsen in Verruf. Mancher Bauer verschuldete sich durch Ankauf von Pferden über Gebühr. Von größter wirtschaftlicher Bedeutung war der Anbau von Flachs und die Leineweberei. Die Flachsrotten befanden sich im Anger. Fast in jedem Haus stand ein Webstuhl. Aber es gab auch Berufs-Leineweber.

An Hofstellen gab es 4 Halbspänner, 45 Riegesitzer, 5 Bödener, 38 Brinksitzer und 11 Anbauer. Nur die Halbspänner und Riegesitzer hatten die Braugerechtigkeit.

Die Gewerbetreibenden, die aber nebenbei alle noch etwas Landwirtschaft betrieben, waren in Gilden zusammengefasst. Man zählte damals 12 Leineweber, 6 Schneider, 7 Schuster, 4 Kramer, je 3 Musikanten, Grobschmiede und Maurer, je 2 Tischler, Bäcker, Kleinschmiede und Tabakspinner und je 1 Koch, Braumeister, Drechsler, Bader, Müller, Fleischer und Knopfmacher.

Wie in unsrer heutigen Zeit die Stadtverwaltung versucht, die Wirtschaftskraft durch Ansiedlung neuer Industriebetriebe zu heben, so war man damals amtlicherseits darauf aus, durchziehende Handwerksgesellen zu veranlassen, sich mit ihrem Gewerbe in Eschershausen sesshaft zu machen.

Eschershausen hatte – obwohl der größte Ort in der Ithbörde – damals nur eine bescheidene Ausdehnung; das zeigt der alte Grundriss des Fleckens aus dem Jahre 1761. Die Häuser drängen sich um Kirche, Rathaus und Marktplatz: Friedhofstraße (Stadtbergstraße), Lange Straße (Steinweg), Driebe und Kontributionsgasse (Brunnengasse); das war der Raum zwischen Herrenborn/Salzbach und Wehnborn. Die Worth lag schon außerhalb des geschlossenen Siedlungskernes jenseits der Lenne, war aber mit ihm seit 1742 durch eine steinerne Bogenbrücke verbunden. (Siehe Kapitel Eschershausen, Abschnitt Alte Lennebrücke).

In Richtung Scharfoldendorf endete der Flecken dort, wo heute die Straße „Vor dem Tore“ beginnt. Hier (etwa vor dem Hause der Buchhandlung Bruns) stand das alte „Brincke-Thor“, in dem der Gerichts- und Fleckenvogt wohnte. Es wurde aber schon 1771 wegen Baufälligkeit abgerissen. Nur wenige Häuser lagen außerhalb dieser Begrenzung.

Grundriss von Eschershausen 1761
Grundriss von Eschershausen 1761

Die Lenne – im Grundriss gut zu erkennen – verlief damals noch parallel zur Worth. Wegen der Hochwasserbedrohungen wurde sie 1887 umgeleitet. In dem alten Lennebett steht die eine Häuserzeile der Bahnhofstraße.

In der Beschreibung des braunschweigischen Weserdistriktes von 1799 werden aufgeführt: 1 Kirche, 2 Pfarren, 2 Witwenhäuser, 2 Opfereien und Schulen und 120 Feuerstellen.

Die Verleihung der Stadtrechte

erfolgte im Jahre 1833. Nicht zu Unrecht hatten sich die Einwohner Eschershausens schon lange als Bürger einer Stadt gefühlt. In der Ithbörde nahm Eschershausen eine bevorzugte Stellung ein; seit den Zeiten der Homburger Edelherrn besaß es stadtähnliche Rechte; der Ort hatte auch im Laufe der Zeit ein städtisches Aussehen gewonnen, war Sitz einer Poststation und des Kreisamtes; ein Arzt und ein Apotheker hatten sich niedergelassen; die Bevölkerung war auf über 1200 Einwohner angestiegen.

In dem Einladungsschreiben zur Ablegung des Huldigungseides bei Regierungsantritt des Herzogs Wilhelm von Braunschweig war Eschershausen als Stadt bezeichnet worden: „Wir entbieten daher den Bürgermeister der Stadt Eschershausen, von Rosenstern, an gedachtem Tage (25. April 1831) nach beendigtem vormittägigem Gottesdienst im Bevernschen Schlosse hieselbst sich einzufinden, und den erwähnten Eid abzulegen.“

Umso größer war die Enttäuschung, als die Bürgerschaft aus der neuen Landschaftsordnung entnehmen musste, dass Eschershausen den übrigen Landstädten nicht zugerechnet worden war, und man befürchten musste, dass es „unter das platte Land völlig zurückgeschoben“ werden sollte. Erst ein energisches Gesuch des Bürgermeisters, dem alle Urkunden über die Bestätigung alter Rechte durch die Landesherrn beigefügt waren, sicherte schließlich die Anerkennung als Stadt. In dem Antwortschreiben des Herzogs – 25. April 1833 – hieß es: „Wir finden uns daher bewogen, den genannten Flecken in Verwaltungsangelegenheiten den Landstädten des Herzogstums hierdurch gleich, und in administrativer Beziehung unmittelbar unter die höhere verwaltungsbehörde zu stellen".

Eschershausen um 1870
Eschershausen um 1870

Wilhelm Raabe über seine Jugendheimat, das Land zwischen Ith, Solling und Weser:

„Es ist eine Gegend, in der man schon mit erklecklichem Behagen geboren sein kann, eine schöne Gegend in der wirklichen Bedeutung des Wortes“.

(aus „Horacker“)

Homburg und Eberstein

In dem Bergwaldgelände zwischen Eschershausen und Stadtoldendorf befinden sich auf einem steilen Bergkegel von rund 400 m Höhe die Ruinen der Homburg. Die Mauerreste vermitteln noch eine Vorstellung von der Anlage und dem Aussehen der Burg, die sich über eine Länge von einhundert Metern und eine durchschnittliche Breite von dreißig Metern erstreckte. Der verfallene Westturm wurde 1935 zu einem Aussichtsturm erhöht, von dem aus sich nicht nur die Schönheit der Landschaft erschließt, sondern auch deren Geschichtsträchtigkeit, wenn der Blick über das Kloster Amelungsborn hinweg zur Kuppe des Ebersteins gleitet, auf der – nur sieben Kilometer von der Homburg entfernt – die Stammburg der Grafen von Everstein thronte.

Schon lange bevor Graf Siegfried IV. von Northeim um 1129 die Homburg erbaute, befand sich auf dem Bergplateau die Schutzburg des kleinen Gaues Wikanafelde, die in einer Grenzbeschreibung der Diözese Hildesheim um 980 als „Castellum Wikanafeldisten“ erwähnt wird. Graf Siegfried aus dem berühmten Geschlecht der Northeimer Grafen hatte der neuen Burg, der Hohen Burg = Homburg, nach der er sich auch Graf von Homburg nannte, die Aufgabe zugedacht, den Schutz seiner Güter und der von ihm betriebenen Klostergründung Amelungsborn zu übernehmen und einen Rückhalt gegen das aufkommende Geschlecht der Grafen von Everstein zu bieten.

Nach seinem Tode kam die Burg 1145 durch Kauf an Graf Hermann von Winzenburg, der sie aber schon bald wieder verlor. Die Sühneforderungen für einen politischen Mord, den er oder sein Vater veranlasst hatte, zwangen ihn, die Homburg und die Winzenburg an den Hildesheimer Bischof abzutreten, um dann 1150 beide Herrschaften als Lehen wieder zurückzuerhalten. Als Graf Hermann von Winzenburg kurz darauf selbst einem Mordanschlag zum Opfer fiel, machte Heinrich der Löwe 1152 seine Erbschaftsansprüche geltend und behielt die Burg bis zu seiner Ächtung im Jahre 1180. Auf dem Reichstag zu Erfurt 1181 wurde die Homburg durch Fürstenspruch dem Bischof von Hildesheim zuerkannt.

Die Eigentümer der Burg wechselten, aber die Edelherrn Homburg hatten als Lehnsträger schon seit der Zeit des Grafen Siegfried ihren Sitz auf der Burg und bekamen sie auch vom Hildesheimer Bischof 1183 als Lehen zugesprochen, zunächst nur die eine Hälfte, aber um 1250 auch die andere, die bis dahin die Grafen von Dassel innehatten. Mit der Teilung des Burgbesitzes hatten die Hildesheimer Bischöfe ihre Oberlehnshoheit absichern wollen, aber ihre Befürchtungen traten doch ein. Im südlichsten Zipfel der Diözese entwickelte sich eine selbständige weltliche Herrschaft unter den Edelherrn von Homburg. Das „Vier-Diözesen-Eck“ (Hildesheim, Minden, Paderborn, Mainz) – weit ab von den Zentren fürstbischöflicher Macht – begünstigte ebenso die Entstehung der Grafschaft Everstein.

Planmäßig und mit großer Zähigkeit verfolgten die Edelherrn von Homburg die Ausweitung und den Ausbau ihrer Herrschaft. Zwangsläufig gerieten sie dabei in Gegensatz zu den Machtbestrebungen der Grafen von Everstein. Die enge Nachbarschaft, die Gemengelage ihrer Besitzungen und die Vogteiansprüche über das Kloster Amelungsborn führten immer wieder zu Streitigkeiten, die zeitweise so heftig geführt wurden, dass ein Eversteiner Graf sich dazu hinreißen ließ, den Edelherrn Bodo den Jüngeren zu ermorden (um 1227). Der Sage nach soll dies in der Klosterkirche geschehen sein. Dass es so gewesen sein mag, dafür spricht – obwohl nicht belegt – die außergewöhnlich schwere Sühne, die der Hildesheimer Bischof den Eversteinern auferlegte.

Die Grafen von Everstein – politisch Anhänger der Hohenstaufen und mit diesen auch verwandtschaftlich verbunden – erlebten (insbesondere nach dem Sturz Heinrichs des Löwen) zunächst einen glanzvollen Aufstieg, verbrauchten dann aber ihre Kräfte in einem sich über fast zwei Jahrhunderte hinziehenden Abwehrkampf gegen die wiedererstarkende Macht der welfischen Herzöge, die sich schon 1284 im Besitz der Stammburg auf dem Eberstein befanden. Nach einem verzweifelten Ringen (E⁠versteinischer Erbfolgekrieg 1404–1407) übertrug Graf Hermann VIII., der letzte männliche Spross der E⁠versteiner, durch Acht, Aberacht und Bann zermürbt, seinen Besitz den Braunschweiger Herzögen als Brautschatz seiner Erbtochter Elisabeth, die 1408 den Herzog Otto von Lüneburg heiratete.

Demgegenüber entwickelte sich die Herrschaft Homburg im guten Einvernehmen mit dem Landesfürstentum der Welfen zu einem abgerundeten, wohlgeordneten mittelalterlichen Kleinterritorium mit einer voll ausgeprägten Ämterverfassung.

Als die Herzöge Bernhard und Heinrich von Braunschweig – durch Verträge mit dem letzten Edelherrn Heinrich und dessen Lehnsherrn abgesichert, aber dennoch nicht unbestritten — 1409 die Nachfolge antraten, zählte die Herrschaft Homburg sechs Burgen, drei Städte (Stadtoldendorf, Wallensen, Bodenwerder) und etwa einhundert Dörfer, darunter der Flecken Eschershausen mit stadtähnlichen Rechten. Verwaltungsmäßig aufgegliedert war die Herrschaft in die Ämter und Häuser Homburg (Wickensen), Lauenstein, Greene, Hohenbüchen und Lüthorst.

Eigenartig verflochten erscheint die Geschichte der Homburger Edelherrn und der Eversteiner Grafen. Fast gleichzeitig treten sie im 12. Jahrhundert in Erscheinung, bestimmen fast dreihundert Jahre lang das Geschehen im Weserraum und treten gleichzeitig wieder von der politischen Bühne ab. Beide Herrschaften, die zusammen ziemlich genau den Kreisen Holzminden und Hameln entsprechen, gehen in den Besitz der Welfenherzöge über. Im Verhältnis der beiden Geschlechter zueinander spiegelt sich die Reichspolitik – der Gegensatz zwischen Welfen und Hohenstaufen – im verkleinerten Maßstab des Weserraumes wider.

Amt Wickensen

Nach Erwerb der Herrschaft Homburg durch die Braunschweiger Herzöge blieb die Homburg zunächst noch Sitz eines herzoglichen Amtmannes für das Amt Homburg.

Da aber die Verwaltung des Amtes von der Burg aus recht beschwerlich war und zudem die militärische Bedeutung der Burgen überhaupt dahingeschwunden war, wurde der Amtssitz nach Wickensen, dem Wirtschaftshof der Homburg, verlegt, der sich für diese Funktion geradezu anbot.

Vorsorglich hatte Herzog Heinrich der Jüngere die Amtsländereien schon beträchtlich erweitert und darin unter anderem die Feldmarken der wüst gewordenen Siedlungen Hillekenhagen, Langenhagen und Krabberode ganz oder zu einem Teil aufgehen lassen. Der letzte Amtmann, der die Burg noch bis 1535 bewohnte, war der Adlige Wilken Klenke.

In Wickensen erstanden 1542 stattliche Amtsgebäude, umgeben von einem Wassergraben, über den eine Zugbrücke führte. Die verlassene Homburg lieferte dazu Steine, Säulen und Gebälk als Baumaterial.

Über die Anlage des Wickenser Amthofes gibt ein Merian-Stich Aufschluss, der nach einer Vorlage des Braunschweiger Kupferstechers Conrad Buno aus dem Jahre 1652 angefertigt wurde.

In dem Namen „Wickensen“ hat sich in stark abgeschliffener Form die Bezeichnung der alten Schutzburg „Wikanaveldisten“ erhalten, die man vermutlich als „Hohe Burg Wikanaveldisten“ von der „Niederen Burg Wikanaveldisten“ unterschied.

Während sich in Wickensen der alte Name erhielt, wandelte sich die „Hohe Burg“ in „Homburg“; und in Verkennung der ursprünglichen Zusammenhänge wurde nun wiederum der Wirtschaftshof Wickensen um 1529 als „Niederhomburg“ bezeichnet.

Die Ämter hatten mehrere Funktionen zu erfüllen – sie waren fürstliche Großwirtschaften und zugleich Träger der Verwaltungs- und Justizhoheit. Unter den Ämtern des Braunschweigischen Weserdistriktes (etwa des späteren Kreises Holzminden) war das Amt Wickensen das größte und bedeutendste und deshalb meistens mit einem Oberamtmann besetzt.

Ausschnitt aus einem Merianstich von 1652
Ausschnitt aus einem Merianstich von 1652

In einer Beschreibung des Braunschweigischen Weserdistriktes aus dem Jahre 1799 heißt es: „Das Amt Wickensen hat seinen Sitz zu Wickensen, woselbst sich die Gerichtsstube nebst den Haushaltsgebäuden der Kammerpachtung befindet. Außer dem Justizbeamten stehen an dem Amt als Subalternen ein Gogrefe, zwei Amtsvoigte, ein Klostervoigt, ein Wegebesserungsvoigt und ein Gerichtsvoigt. Es übt die Gerichtsbarkeit über 31 Dörfer mit Einschluß von Wickensen und der ehemaligen Glashütte bei Holzen aus, und hat die Obergerichte über den Flecken Eschershausen, Bisperode und Harderode allein, über Hehlen mit dem dasigen adligen Gerichte gemeinschaftlich.“ Der Amtsbezirk reichte vom Elfas/Holzberg bis fast vor die Tore von Hameln und gliederte sich in die Ober- und Niederbörde, deren Grenze zwischen Dielmissen und Hunzen verlief.

Die Amtsherren auf Wickensen hatten in der Kirche St. Martin zu Eschershausen einen besonderen „Stuhl“, die Wickenser Prieche oder Empore. Bei der Renovierung der Kirche 1970/1971 wurde die Empore entfernt und den Epitaphien zweier Amtmänner aus der Familie Freyenhagen, die im 18. Jahrhundert auf Wickensen residierte, ein neuer Platz gegeben. Das eine erinnert an den Oberamtmann (summus praefectus) Heinrich Julius Freyenhagen (1679–1744) und seine Ehefrau Ottilie Auguste von Lippe (1684–1734), das andere an den Nachfolger August Philipp Freyenhagen, Oberamtmann in Wickensen und Kemnade (1707–1762). Der dritte Freyenhagen – Heinrich August Wilhelm –, Pachtamtmann auf Wickensen, wurde am 8. März 1782 von Kaiser Joseph II. als „von Rosenstern“ geadelt. Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig verlieh ihm den Titel „Droste“. Sein Sohn, Carl Friedrich Conrad, der 1872 in Eschershausen verstarb, war hier Notar, Bürgermeister und Postmeister. Auf dem alten Friedhof befindet sich noch ein Freyenhagensches Grabmal der Charlotte Luise Bonhorst (1717–1770) in Form eines Obelisken. Am Sockel dieses Denkmals wurde 1960 eine Tafel eingelassen, die dem Initiator der Freyenhagenschen Familientage in Eschershausen gewidmet ist: „In memoriam Friedrich Freyenhagen von Rosenstern, Pastor, geb. 1865, gest. 1957, aus dem Hause Wickensen.“

Mit der napoleonischen Fremdherrschaft (1807–1813) und der Gründung des Königreiches Westfalen ging die Jahrhunderte alte Amtsverfassung zu Ende. Nach französischem Vorbild wurde das Königreich Westfalen ohne Rücksicht auf historische Entwicklungen in Departements, Distrikte, Kantone und Munizipalitäten oder Communen als unterste Verwaltungseinheiten gegliedert, die von Präfekten, Unterpräfekten, Cantonmaires und Maires geleitet wurden.

Eschershausen gehörte mit dem Kanton Eschershausen (größter Teil des Amtes Wickensen, das aufgehört hatte zu existieren) zum Distrikt Einbeck im Departement der Leine. Nach Beendigung der Fremdherrschaft behielt das Herzogtum Braunschweig die neue Verwaltungsgliederung im Wesentlichen bei.

Die drei Funktionen der alten Ämter – landwirtschaftlicher Großbetrieb, Verwaltung und Justiz – spalteten sich auf. Das Kammergut Wickensen wurde als Domäne an Pächter vergeben. Die beiden anderen Funktionen blieben zunächst noch verbunden und oblagen dem in Eschershausen eingerichteten Kreisgericht (ab 1814) beziehungsweise Kreisamt (ab 1823), bis bei der endgültigen Trennung von Verwaltung und Justiz (1849/1850) die lokale Landesverwaltung an die Kreisdirektion in Holzminden überging und die Justiz an das neue Amtsgericht in Eschershausen, dessen Bereich dann achtzig Jahre später, 1929, um die Hälfte des aufgelösten Ottensteiner Amtsgerichtes erweitert wurde. Im Jahre 1973 wurde dann auch das E⁠schershäuser Amtsgericht aufgelöst und mit dem Amtsgericht in Holzminden vereinigt.

Auch die Domäne Wickensen existiert nicht mehr. In der Notzeit nach dem Kriege, als es darum ging, für die aus ihrer Heimat vertriebenen Deutschen neue Lebensgrundlagen zu schaffen, wurde die Domäne zur Aufsiedlung freigegeben. Es entstanden hier 15 landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe mit durchschnittlich 23 Hektar Land und 10 Nebenerwerbsbetriebe. Die in Pulks angeordneten Betriebe wurden am 1. Januar 1960 den neuen Besitzern von der Niedersächsischen Landgesellschaft übergeben. Im Laufe der Jahre erwiesen sich die Betriebe als zu klein. 1976 waren es noch 13 Vollerwerbsbetriebe. Die Besitzer haben die Wirtschaftsgebäude erweitert und Land in Vorwohle, Lenne, Holzen, Scharfoldendorf und Eschershausen hinzugepachtet, sodass sie im Durchschnitt über 30 Hektar verfügen.

Das Herrenhaus befindet sich in Privatbesitz. Ein Teil der Wirtschaftsgebäude gehört zu einem der neuen Höfe, ein anderer Teil wird als Zweigniederlassung von der Wirtschaftlichen Landhandelsvereinigung Hildesheim (Adolf Karlbaum & Co.) genutzt.

Die Aufsiedlung Wickensen gehört als Ortsteil zu der Stadt Eschershausen.

Wickensen, Amtshaus
Wickensen, Amtshaus

Amelungsborn

Nur fünf Kilometer südwestlich von Eschershausen liegt unmittelbar an der Bundesstraße 64, der alten Heerstraße von Köln nach Braunschweig, am Südrande des Odfeldes das ehemalige Zisterzienser-KIoster Amelungsborn. Vom tief eingeschnittenen Hooptal zwischen Stadtoldendorf und Negenborn aus gesehen, liegt es hoch auf dem Auerberge.

Der Name des Klosters geht zurück auf den Klausner Amelung, der hier – wie die Sage erzählt – in der Nähe der von ihm entdeckten Quelle (Born des Amelung) lange vor der Gründung des Klosters gewohnt haben soll.

Graf Siegfried IV. von Northeim veranlasste die Gründung des Klosters und stattete es mit Gütern aus, weniger aus innerer Überzeugung als vielmehr aus einer Standesverpflichtung heraus. Noch während der Vorbereitungen sandte der heilige Bernhard von Clairvaux, der dem 1098 in Cîteaux (Frankreich) entstandenen Zisterzienserorden erst seine Schwungkraft gegeben hatte, den ersten Mönchen in Amelungsborn ein Ermunterungsschreiben (1129). Im gleichen Jahr noch bestätigte Papst Honorius II. die Klostergründung und verlieh dem Abt – und das war eine große Seltenheit – das Recht, bischöfliche Insignien zu tragen. Beide Auszeichnungen lassen darauf schließen, dass Orden wie Papst allergrößte Erwartungen in diese (nach Walkenried) älteste Klostergründung der Zisterzienser im sächsischen Raum setzten, die die Amelungsborner Mönche auch mehr als erfüllten. Als Stiftungsjahr gilt das Jahr 1135, in dem der vollständige Konvent aus dem Kloster Altenkampen bei Wesel einzog.

Mit drei Tochterklöstern (Marienthal 1138, Riddagshausen 1145, Dobberan in Mecklenburg 1171 und nach Vernichtung des ersten Konvents noch einmal 1186 neu besetzt) und vier Enkelklöstern (Isenhagen–Marienrode und Walshausen durch Riddagshausen, Dargun und Pelplin durch Dobberan) war A⁠melungsborn – wie Steinacker schreibt – „das an kultureller Ausdehnungskraft reichste Kloster in Niedersachsen“.

Klosterkirche Amelungsborn

Heinrich der Löwe berief den Amelungsborner Mönch Berno auf den Bischofssitz von Schwerin und zum Apostel der Wenden. Zu den Patres, den Mönchen, die das volle Gelübde abgelegt und auch die Priesterweihe empfangen hatten, traten die Conversen (Laienbrüder), die nur ein Teilgelübde ablegten und als eine Art geistlicher Arbeitsdienst anzusehen sind. Eine große Zahl der Mönche und Laienbrüder gehörten dem heimischen niederen Adel an, so den Familien von Dassel, von Eschershausen, von Halle und von Uslar. An bürgerlichen Namen waren Bertram, Bremer, Brinkmann, Kruse, Hartmann, Riemenschneider, Schütte, Twele und Weidemann vertreten. Die Familiares suchten sich durch Stiftungen einen Anteil an den guten Werken des Klosters und das Recht, innerhalb der Klostermauern beerdigt zu werden, zu sichern.

Neben der Missionsaufgabe stand gleichbedeutend die Kultivierung des Landes – die Wildnis in einen Weinberg des Herrn zu verwandeln“ (Schnath).

So ging gleichzeitig mit der von den Hildesheimer Bischöfen im Eschershäuser Raum eingeleiteten Hagenkolonisation eine zweite Kultivierungswelle vom Kloster Amelungsborn aus, dessen Mönche eine besondere Technik bei der Urbarmachung von Brüchern und Flusstälern entwickelten. In der landwirtschaftlichen Erschließung des Leinetales von Greene aus flussaufwärts und flussabwärts haben sie eine großartige Leistung vollbracht.

Amelungsborn war, wie alle Zisterzienserklöster, ein Selbstversorgungszentrum mit einem System von Außenhöfen. Solche Außenhöfe besaß das Kloster unter anderem in Erzhausen bei Greene, in Allersheim bei Holzminden, in Schnetinghausen bei Moringen, in Einbeck und weitab in Mecklenburg.

In der näheren Umgebung hatte sich der Klosterbesitz durch Schenkungen, Tausch und Eigenerwerb abgerundet. Negenborn, Holenberg und Golmbach waren die eigentlichen Klosterdörfer. Um ihren Einfluss auf das Kloster zu festigen, wetteiferten die Edelherrn von Homburg und die Grafen von Everstein mit Zuwendungen. Nach der Arrondierung ihrer Territorien verlief die Grenze mitten durch das Kloster.

Anhäufung von Kapitalien ermöglichte dem Kloster auch die Beteiligung an mittelalterlichen Industrieunternehmungen. So standen dem Kloster Einkünfte aus den Salinen von Lüneburg und Hemmendorf und aus den Minen des Rammelsberges bei Goslar zu.

Ende des 13. Jahrhunderts war das Kloster mit fünfzig Mönchen und neunzig Conversen besetzt. Mit dem Nachlassen des Zustroms von Mönchen und Conversen seit Beginn des 14. Jahrhunderts schwand dann auch die Bedeutung Amelungsborns.

Der Reformation in den Braunschweiger Landen nach dem Regierungsantritt des Herzogs Julius 1568 schloss sich auch Abt Steinhauer mit seinem Konvent an, ja – er heiratete noch im Alter von sechzig Jahren eine Bürgerstochter aus Stadtoldendorf. Herzog Julius schränkte den Konvent des Klosters auf fünf Personen ein, die die neueingerichtete theologische Schule mit zwölf Zöglingen zu betreuen hatten.

Im Dreißigjährigen Kriege unterhielt Herzog Friedrich Ulrich 1622 in Amelungsborn eine Prägestätte für minderwertiges Geld, die dreihundert bis vierhundert Menschen beschäftigte.

Von 1629 bis 1631 waltete nochmal ein katholischer Konvent in Amelungsborn.

Durch Erlass einer neuen Klosterordnung ging 1635 die Verwaltung des Klosters an die „Klosterratsstube“ (später Domänenkammer) über. Das Klostergut unterstand einem fürstlichen Amtmann.

Herzog Karl vereinigte dann 1760 die Klosterschule mit der Stadtschule in Holzminden zum Gymnasium, das noch bis in den Anfang unseres Jahrhunderts mit dem aus der Klosterschule übernommenen Internat verbunden blieb (1939) und das in seinem Siegel bis 1933 das „A“ (von Amelungsborn) in einem Schild vor den gekreuzten Bischofsstäben führte.

Dem Direktor stand bis 1812 der Titel eines Priors von Amelungsborn zu, während der Abttitel einem höheren Geistlichen verliehen wurde. Als letzter trug ihn um die Jahrhundertwende Konsistorialrat Johannes Schütte im Konsistorium in Wolfenbüttel.

Die Klosterkirche – nach Zisterzienserart in „schlichter Großartigkeit“ und nach den Regeln des Ordens ohne Turm erbaut – besteht aus einem romanischen Langhaus aus dem 12. Jahrhundert und einem gotischen Choranbau aus dem 14. Jahrhundert. 1684 erhielt die Kirche einen Dachreiter. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges (1945) wurde der romanische Teil durch Bomben zerstört und auch das große Ostfenster im gotischen Teil mit wertvoller Glasmalerei vernichtet.

Als die Braunschweig-Stiftung (Eigentümerin des Klosters) 1954 das zerstörte Langhaus abbrechen und nur den gotischen Teil als Pfarrkirche für Negenborn und Holenberg erhalten wollte, kamen die Mittel für eine vollständige Erhaltung und Restaurierung durch Spenden zusammen. Heute gehört die Amelungsborner Klosterkirche zu den schönsten Sehenswürdigkeiten des Kreises Holzminden. Aufmerksamkeit verdienen der gotische Levitensitz mit Skulpturen aus Sandstein und der Figur des heiligen Bernhard von Clairvaux am Baldachin, das Grabmal eines eversteinischen Ehepaares aus dem Ende des 14. Jahrhunderts und der Grabstein des Abtes Steinhauer am Aufgang zur Orgelempore.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Klostertradition Amelungsborns wieder aufgenommen und 1960 – nach fünfzigjähriger Vakanz – der langjährige Vizepräsident des Landeskirchenamtes Professor Dr. D. Christhard Mahrenholz als Abt von Amelungsborn eingesetzt, der nicht nur die bauliche Wiederherstellung betrieb, sondern auch Amelungsborn durch Wiederaufnahme der alten Mönchstradition zu einem Glaubenszentrum machte. An mehreren Wochenenden des Jahres kommen die „Familiares“ – Männer des geistigen und geistlichen Lebens – in Amelungsborn zusammen, um in mönchischer Lebensweise Tage der Einkehr mit Gottesdienst, Gebet und Diskussionen zu halten. Nachfolger von Abt Mahrenholz und jetzt amtierender Abt ist Landessuperintendent Dr. Kurt Schmidt-Clausen aus Osnab⁠rück. Den Titel eines Priors des Klosters Amelungsborn, den als erster Superintendent Apel, Holzminden, innehatte, führt jetzt Landessuperintendent Henze, Hildesheim.

Wanderhilfe

  1. Wanderkarte „Naturpark Vogler“ mit zahlreichen Wandervorschlägen. Die Karte umfasst außer dem Vogler auch den Homburgwald und den Ith von Holzen bis oberhalb Hunzen.
  2. Messtischblatt 4023 Eschershausen, das im Umfang etwa der genannten Wanderkarte entspricht.
  3. Messtischblatt 4024 Alfeld (Leine), das sich östlich anschließt und das Wandergebiet Hils umfasst.
  4. Friedrich Schreiber: Kleiner Wanderführer durch den Vogler.
  5. Topographische Karte 1 : 50 000: Wandern und Freizeit im Naturpark Solling–Vogler.

Berichtigung

Im Kapitel Sehens- und Bemerkenswertes, Abschnitt Kirche St. Martin, muss im ersten Absatz die Jahreszahl für die Altarkanzel nicht 1851, sondern 1751 heißen.



Notizen zur Digitalisierung des Originals

Das Originalbüchlein im Format von 11,8 cm × 17,0 cm (B6, beschnitten) hat 88 Seiten zuzüglich Einband. Gedruckt wurde schwarzweiß auf weißem glänzendem Papier, der Einband ist aus gelbem Karton. Das Kapitel „Wanderhilfe“ ist auf die hintere innere Einbandseite gedruckt. Dem Buch liegt ein kleiner Zettel mit einem Korrigendum bei, der hier als Kapitel „Berichtigung“ wiedergegeben ist. Die Korrektur ist bei dieser Digitalisierung im Fließtext bereits vorgenommen.

Gesetzt wurde das Buch in der schlichten Schriftart Helvetica, 1956 entworfen von Max Miedinger und Eduard Hoffmann, erschienen in der Haas’schen Schriftgießerei.

Für den Computersatz gibt es viele Digitalisierungen der Helvetica; für diese Fassung wurde die Schriftart Helvetica Now von Monotype, erstellt 2019, verwendet. Die Schriftgröße des Fließtextes ist mit 8,5 Punkt sehr klein, was eine gute Annäherung an das Original darstellt. Der Schnitt „Text Light“ sorgt für das helle und leichte Schriftbild.

In der modernisierten Version sind Schreib- und Satzfehler korrigiert, Abkürzungen ausgeschrieben, die Schreibweisen, außer in historischen Zitaten, an die aktuelle Rechtschreibung angepasst und einige stilistische Änderungen vorgenommen (beispielsweise Zahlwörter statt Ziffernschreibweise).

Die hellblauen Unterüberschriften sind im Original schwarz. Statt der im Original schwarzweißen Wappen der Stadt Eschershausen und des Landkreises Holzminden sind hier farbige Versionen aus Wikipedia eingefügt.

Die Seiten sind nun für A5-Größe (14,8 cm × 21,0 cm) formatiert, wobei die Breite des Satzspiegels von 9,1 cm beibehalten wurde. Durch das größere A5-Format sind die Seitenränder breiter als im Original, und der Satzspiegel ist höher.

Christian Kaese
Eschershausen 2019