Eschershäuser Wappen

Flur­namen der Stadt Eschers­hausen

Carl Kaese junior
Orts­heimats­pfleger

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Noch in Arbeit ‐ Teile fehlen noch!

Diese Seite enthält die Aufzeichnungen und Informationen zu den „Flurnamen der Stadt Eschershausen“ von Carl Kaese junior, die dieser von 1940 bis 1943 sammelte.

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Für weitere Informationen zum Original und zu der hier verfügbar gemachten Version siehe Kapitel „Notizen zum Digitalisat“.

Bearbeitung durch Christian Kaese, Eschershausen 2020.





1. „Alte Mühle“

Assekuranz-Nummer 95.

Plattdeutsch: „Aule Möhlen“.

„Muehlenhof“ (Wickenser Erbregister 1580) (?); „Mühle“ (Fleckensbeschreibung 1761).

Am südwestlichen Stadtrande, wo der am Fuße des Stadtberges entspringende Salzbach den steinigen Wellenkalkzug an seinem nordwestlichen Ende durchbricht, liegt das wohl uralte Mühlengrundstück. Schon 1197 übergab ein Rudolf von Delen ein bisher hildesheimisches Lehen „eine Mühle und tres areas“ dem Kloster Amelungsborn. Sonderbarerweise wird sie allerdings 1580 im Wickenser Erbregister unter den Mühlen nicht mit aufgeführt, sie war dem fürstlichen Hause wohl nicht zinspflichtig. Unter Eschershausen wird aber der „‚Muehlenhof‘, so sonsten 10 Groschen jährlich zinset“ erwähnt, Besitzer Peter Amelung, der damalige Bürgermeister.

1761 gehört die Mühle Daniel Sölten, „ist erblich und nur mit einem Mahlgange versehen“. Sie bestand damals aus sieben Ruten Hofraum, neun Ruten Garten beim Hause und einem 93 Ruten großen Teiche. Das Gebäude war damals „ziemlich, mit Steindach und Schornstein“, heute ist das alte Fachwerkaus verbaut und verhängt und dient Wohnzwecken. Ein daneben liegendes Wohnhaus soll früher eine Scheune gewesen sein, die auch einmal abgebrannt sein soll. Seit 1879 ist die Mühle nicht mehr im Betriebe, das große Wasserrad ist verschwunden, der letzte Besitzer war Friedrich Pape.

Zugänglich ist dies abseits der der Hauptstraßen gelegene Grundstück durch drei enge Gassen: die Deckgazze von der Stadtbergstraße, von der Steine und über den Bauernhof Krösche vom Steinwege her.

Erbmüller Seulcke (?), dessen Geist hier nach seinem Tode noch umging und deshalb „durch einen eigens dazu geholten katholischen Pfarrer in den Mühlenteich gebannt wurde.

Bildbeschreibung
Die alte Mühle in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2019)
Bildbeschreibung
Das Schild an der alten Mühle in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2019)

2. „Am Ackerborn“

Siedlung Ackerborn, auch kurz „Siedlung“ genannt.

1761: „Am Ackerborn“, „Am Acker-Born“ (Flurkarte.) (Goldborn nach Einecke?)

a) Der Name haftet zunächst an der kleinen Quelle, die auf Lias-Tonen entspringt und ihr Wasser, den Ackerbornsbach, nach kurzem Lauf westlich des Othberges in die Lenne schickt. Wurde beim Bau der Eisenbahn reguliert.

b) 1761 werden die im Gebieter dieses Wassers belegenen 24⅛ Morgen zweihäuige, also gute Wiesen (dabei „der lange Siek“ mit 5⅛ Morgen) mit dem Flurnamen „Am Ackerborn“ bezeichnet.

c) In den Jahren 1921/1923 und später wurden am Südrande dieses Gebietes beiderseits der Straße Eschershausen–Wickensen Siedlungshäuser errichtet und diesem jetzt im Zuge der Reichsstraße 64 liegenden Straßenteile die Bezeichnung „Am Ackerborn“ gegeben. Hierzu wurde auch ein angrenzender Teil der Feldmark Wickensen, die sogenannte „Papenbreite“ benutzt.

Das Gelände liegt ostsüdöstlich der Stadt zwischen Othberg und Bruchweg.

3. „Anger“

Im Anger, Angerweg, Angerteich, Angerbach (siehe dort).

1761: Trift vor dem Thore (siehe dort), aber auch schon „Anger“!

Vor 1800 und 1831: Gemeindeanger (städtische Akten).

Tal des „Angerbachs“ im Westen der Stadt zwischen Hüschebrink (siehe dort) und Reichsstraße 64. Die hindurchführende Straße zum Kappenberg heißt der „Angerweg“.

Der eigentliche Anger ist heute eine mit Gras bewachsene Fläche nördlich des Angerbaches, die an ihren Längsseiten zwei Reihen prächtiger Kastanienbäume (zusammen 48 Stück) trägt (ca. 20 bis 30 m breit, ca. 200 m lang). 1831 standen dort Pappeln, auch die Flachsrotten (1892 noch fünf und ein Teich) zogen sich am Bache entlang. Zwei jetzt im Anger gelegene Teiche, der Angerteich und ein der Brauerei Allersheim gehörige Teiche bilden eine Stätte des Wintersportes der Jugend und im Frühjahr die Laichstätte aller Amphibien der Gegend. Froschkonzert und die lieblichen Rufe der Glockenkröte (Alytes) gehören zur Angerstimmung.

Die hohe Zeit des Angers ist aber Ende Juni, wenn der Johannimarkt die ganze Bevölkerung der Gegend hier zusammenführt und fahrendes Volk mit Schaubuden aller Art im Schutze der Kastanien seinem geräuschvollem Berufe nachgeht. Auch für andere große Festlichkeiten und Aufmärsche ist der Anger ein geeigneter und beliebter Platz – im Ganzen eine Stätte frohen Gemeinsinnes der Einwohnerschaft.

Die Bewohner des westlichen Stadtteiles von Eschershausen nennt man „Angeraner“.

Weiter westlich bilden das Sägewerk Fricke und die Ziegelei Eschershausen den Abschluss des Angers.

4. „Alte Schule“

Nach 1864 beziehungsweise nach 1931.

Der Entwicklung des Schulwesens entsprechend befanden sich die ältesten Schulräume Eschershausens in der Nähe der Kirche, so in der ehemaligen Diakonatpfarre, dem alten Kantorat (Nummer 74) und in dem diesen benachbarten Gebäude Nummer 73. In diesen drei Gebäuden wurde jedenfalls um die Mitte des 19. Jahrhunderts der vierklassige Schulunterricht erteilt. Besonders das zuletzt genannte Haus Nummer 73 (heute Richtmeister Maaß) wurde als „alte Schule“ bezeichnet, nachdem am 17. Oktober 1864 ein prächtiger Schulneubau an der Hauptstraße errichtet war, der fast siebzig Jahre lang der im Wachsen begriffenen Bürgerschule ein stattliches Heim bot.

Ursprünglich enthielt das Obergeschoss der letzteren zwei Lehrerwohnungen, die erst später zu Klassenräumen ausgebaut wurden. Der Schulhof vor ihr war früher von Eschen umgeben, ein eiserner Zaun grenzte ihn am Steinwege ab. Die in der Mitte stehende große Linde wurde nach dem siegreichen Kriege 1870/1871 feierlich angepflanzt. Auf diese Bürgerschule ging der inzwischen in Vergessenheit geratene Name „alte Schule“ über, als sie den Anforderungen der Neuzeit nicht mehr genügte und gegenüber 1931 die moderne Wilhelm-Raabe-Schule erbaut wurde. Sie beherbergte eine Zeitlang zwar noch einige Klassen, diente aber auch anderen Zwecken, so vorübergehend der katholischen Gemeinde, der Ortskrankenkasse und vor allem Parteidienststellen nach der Machtübernahme der NSDAP. Seit [Jahreszahl fehlt im Text] enthält sie ausschließlich das Lager 1880 des weiblichen Arbeitsdienstes und birgt damit wieder frohe Jugend in ihren Mauern.

5. „In der Aue“

1761: „In der Aue“ (Flurbeschreibung).

In der Wiesenbeschreibung von 1761 werden sieben Morgen meist zweihäuige Wiesen „In der Aue (vom Wege an)“ aufgeführt. Es handelt sich dabei um den Wiesengrund, der an der heutigen Nordgrenze der Feldmark Eschershausen westlich der Straße Eschershausen–Holzen den kleinen Wasserriss (Steinbrinksbach) begleitet, der östlich davon „auf dem Bruche“ in einer sumpfigen Geländefalte beginnt und bald der Lenne-Niederung zustrebt. –

Im Jahre 1761 begrenzte der Hauptweg Eschershausen–Alfeld anscheinend dieses Flurstück an der westlichen Seite, während die heutige Straßenführung damals erst durch einen kleineren Feldweg erkennbar ist, der über den Pfennigbrink (= Penjebrink, vielleicht von „Pantjebrink“?) führte. „Der kleine Steinbrink“ schließt sich der westlichen Hälfte der Wiesen „In der Aue“ nach Norden an.

Der Flurname ist heute für die Äcker und Wiesen noch gebräuchlich (Auewiesen). Infolge Austausches an Scharfoldendorfer Bauern gekommen.

6. „In Amerika“

„Amerika“.

1761 noch nicht bekannt, auch im amtlichen Rezess am Ende des 19. Jahrhunderts nicht erwähnt.

Als „In Amerika“ wird das Gelände bezeichnet, das sich im Südosten der Stadt vom Medizinbach (siehe dort) bis zum Wolfsbergbach einerseits und zwischen Mühlentrift und Stadtberg andererseits in Form von Wiesen und Äckern befindet. Ausgenommen davon ist der östlichste Zipfel, der „Eichencamp“, oder „In den Eichen“ genannt wird.

1761 lag das Gebiet noch außerhalb der städtischen Feldmark. Der Name wird auch auf den unteren ungefähr hundert Meter breiten Waldstreifen der staatlichen Forst ausgedehnt (Forstort Stadtberg 40). Zwei durch den kleinen Medizinbach getrennte vorwiegend jüngere Anpflanzungen werden sogar als „erstes“ und „zweites“ Amerika unterschieden. Beiderseits derselben führen beliebte Spazierwege mit einigen Ruhebänken, im zweiten Amerika war früher ein Forstgarten (um 1900 durch Förster Bethmann angelegt) sowie eine durch einige im Kreise gepflanzte Fichten gebildete „Laube“. Ein kleiner Waldbrand betraf vor einigen Jahren dies Gebiet. –

Oberster Buntsandstein (Röt) bildet den Untergrund der Amerika-Flur.

Über Alter und Ursprung der zunächst wohl scherzhaft gebrauchten Bezeichnung ist nichts sicheres bekannt. Vermutlich aus der Auswandererzeit um 1850 bis 1880 Bezeichnung für den vielleicht damals erst urbar gemachten verhältnismäßig weit entfernt liegenden Teil der Feldmark. –

(Lütjes und grautes Amerika. – Grenze ist der Voßhüttenweg.)

7. „Der Angerbach“

Plattdeutsch „Die Angerbeeke“.

1580: Die Brambke (= Brambeeke).

1761: Der Reuterbach (= Reiterbach), Auf der lüttjen Beeke.

Die Entwässerung des nördlichen Odfeldes, des östlichen Voglerrandes und des westlichen Abhanges des Pfeffers- und Kohlenberges übernimmt der etwas über zwei Kilometer lange Angerbach, der vom Wimmels-Born, auch der Wiemelsgrund (Taibock), kommend dicht vor dem sogenannten Überfall im Norden der Stadt Eschershausen sein Wasser der Lenne zuführt. Zwei zeitweise wasserreiche Zubringerbäche (aus der Fismeke und der Kuhtrift) speisen ihn von den seitlichen Buntsandsteinhängen her; aus romantischen Schluchten führt sein bei der Separation stark regulierter Lauf an Wegen und Äckern vorbei durch freundliche Wiesen dem Anger zu, dem er seinen jetzigen Namen verdankt. Hier füllt er den städtischen Angerteich und fließt durch das alte Flachsrottengelände unter der Angerbrücke, der Ithstraße und der Unteren Straße hindurch gezähmt und begradigt in die hier schon für die Scharfoldendorfer Mühle aufgestaute Lenne. –

Interessant ist der wiederholte Namenswandel dieses Baches. Im Wickenser Erbregister von 1580 heißt er Brambke (= Brambeeke); es heißt dort: „Die Brambke springet im Vogler und kommt benedden Eschershausen in die Lenne, und ist dieser Bach gleichfalls gar geringe, in der Leichell-Zeit steigen die Vorellen darauf“ (vier Morgen lang). Der Name Brambeeke wird wie der Ortsname Bremke auf Breite Beeke = Breiter Bach zurückzuführen sein, breit und sumpfig mag der Unterlauf in früheren Jahrhunderten gewesen sein. –

Während des siebenjährigen Krieges in der Flurbeschreibung von 1761 wird er „Reuterbach“ = Reiterbach genannt. Vielleicht hat er damals als Pferdeschwemme gedient oder Reiter mögen das Bachbett den sicherlich sehr schlechten Wegen vorgezogen haben (siehe Wilhelm Raabes Odfeld, Kapitel 22, Seite 199!). Zum Angerbach ist er wohl erst nach seiner Begradigung und nach Anlage des Gemeinde-Angers zu Anfang des vorigen Jahrhunderts geworden. –

Übrigens sagt der waschechte Eschershäuser gerne „die Angerbache“ und von der plattdeutschen Form „Angerbeeke“ hat der Schriftsteller Ludwig Kubel den Decknamen für Eschershausen in seinem Heimatroman „Die Apotheke zu Angerbeck“ abgeleitet. –

Auch der Name „Lütje Beeke“ (siehe dort) bezieht sich auf den Angerbach (Mittellauf am Wäschewege), dessen Oberlauf auch vielfach als Wiemelsbornsbach bezeichnet wird.

Bildbeschreibung
Die Mündung des Angerbaches in die Lenne am Eschershäuser „Überfall“ (Foto: Martin Lucé, 2018)

8. „Brambke“

Wickenser Erbregister 1580, heute unbekannt, siehe unter „Angerbach“.

Ältester Name für den Angerbach.

Mit Rücksicht auf Nummer 9, „Bremker Thor“, halte ich obige Namensableitung für wahrscheinlich, sonst eventuell wie Bramburg–Bramwald und ähnliches.

9. „Bremker Thor“ 1688

1827: „In der Bremke“!!!

„Bremker Garten“ (Mitte des 19. Jahrhunderts).

Heute unbekannt.

Nach dem Protokoll der Grenzbeziehung vom 22. Mai 1688 (unter Bürgermeister Johann Wilhelm Scholle) begann die Feldmarksbesichtigung am „Bremker Thore“ und führte dann über die Howiese auf Scharfoldendorf zu. Vermutlich (?) mit dem Brincke-Thor identisch, dessen Thorhaus vor der Abzweigung der Unteren Straße lag. Da eine Umzäunung oder Ortsbefestigung wohl nie vorhanden war, kann ein eigentliches Tor auch hier nicht in Frage kommen; gemeint ist wohl nur der „Ortsausgang“ und in diesem Falle die Gabelung der Heerstraßen nach Holzminden und Hameln vor dem 1580 „Brambke“ (= Brambeeke) genannten Angerbach.

Der Name Bremker Tor lässt zwar zunächst an das an der Hamelner Straße gelegene Dorf Bremke (12½ km entfernt) denken, jedoch ist diese Ableitung bei der in der Niederbörde geringen Bedeutung des zwar recht alten Dorfes, dessen Name 1580 noch „Brehmecke“ geschrieben und von „Breitenbach“ abgeleitet wird, höchst unwahrscheinlich. Vielmehr ist anzunehmen, dass der ebenfalls von „Breitenbach“ abzuleitende alte Bachname „Brambke“ (= Brambeeke = Brehmecke) den Ursprung des Flurnamens „Bremker Thor“ bildet, dieser also Ortsausgang am Breitenbach bedeuten würde. Ein wertvoller Hinweis, der diese Ansicht stützt, stammt vom Bauern Wilhelm Scholle, der sich erinnert, dass sein Vater am Ende des vorigen Jahrhunderts noch einen am Angerbach vor dem jetzigen Kirchhofe belegenen Garten immer mit „Bremker Garen“ bezeichnet habe. (Ein solcher ist für „Wilhelm Scholle“ auf der Flurkarte von 1761 85 Ruten groß unter Nummer 90 tatsächlich verzeichnet).

10. „Brincke-Thor“ 1761

Torhaus.

Nur einmal in städtischen Akten mit diesem Namen gefunden.

Heute unbekannt.

Schon 1761 war das Torgebäude des „Brincke-Thores“ alt und baufällig, das laut Flurkarte an der Einmündung des Unteren Straße in die Hauptstraße des Ortes gestanden hat (heute ungefähr vor der Buchhandlung Bruns). Es wohnte dort damals noch der Gerichts- und Feldvogt (Pfeuder) Friedrich Schulze darin.

1771 wurde es aber wegen Unbewohnbarkeit und „damit die Straße erhöht und trocken gemacht“ werden könne, abgerissen. Dies Torhaus (um ein eigentliches Tor dürfte es sich nicht gehandelt haben), das den alten Ortskern nach Norden abschloss, mag in früheren Jahrhunderten größere Bedeutung gehabt haben, vielleicht war hier der Schlagbaum, von dem in Stadtrechnungen des ausgehenden 18. Jahrhunderts noch die Rede ist. (Im Mittelalter war Eschershausen neben Bodenwerder, Stadtoldendorf, und Wickensen Zollstelle des Amtes Wickensen beziehungsweise der Herrschaft Homburg). –

Falls die Lesart „Brincke-Thor“ überhaupt richtig ist (siehe „Bremke-Thor“, Nummer 9), könnte der Name ganz gut von der ursprünglichen Geländeform (ein „Brink“) abgeleitet sein.

In unmittelbarer Nähe dieses ehemaligen Torhauses wurde bei Abbrucharbeiten vor einigen Jahren der Ofen einer mittelalterlichen Töpferei, die Ofenkacheln auch für die Homburg herstellte, freigelegt (aus dem 15. Jahrhundert).

11. „Badeanstalt“

1) Eine postalische Druckschrift aus dem dritten Viertel des vorigen Jahrhunderts soll (unter Postmeister Einecke) das „ländliche Bad Herrenbrunnen“ bei Eschershausen erwähnt haben. Gemeint ist hiermit zweifellos die Badeanstalt die um [Jahreszahl fehlt im Text] von einer aus Bürgern der Stadt bestehenden Gesellschaft am alten Herrenborn in (siehe dort) oberhalb der alten Mühle (siehe dort) gegründet wurde. Die Kosten wurden durch kleine Anteile aufgebracht. Hauptförderer war der Kaufmann Stümpel, auf dessen Gelände das Badehaus durch Zimmermeister Walter errichtet wurde. Das Gebäude enthielt außer einem Kochraume mit großem Kessel 3 Badezellen mit Wannen, in denen eine Badefrau (zuletzt Frau Stolzenberg) heiße Bäder, vor allem stärkende Fichtennadelbäder verabfolgte. Gegen 1900 hörte der Betrieb auf und das Badehaus verfiel. Die schöne Anlage (es existieren davon noch Fotografien) war zweifellos ideal gedacht, eigenartigerweise sollen aber damals sogar einige Ärzte dagegen gewesen sein oder jedenfalls die Sache nicht unterstützt haben.

2) Auch der Gedanke eines Freibades im Flusse wurde schon früher einmal verwirklicht, allerdings war der Platz weniger günstig gewählt. Wasserfreunde jener Zeit (Pastor Close und andere) erstellten am Überfall an der Lenne nördlich der Stadt eine hölzerne Umkleidekabine mit Sprungbrett etc. Um die Jahrhundertwende verfiel auch diese Anlage, die arge gesundheitliche Gefahren durch das verschmutzte Wasser barg.

3) Erst der Zeit nach dem Weltkriege blieb es vorbehalten, dies so eng mit der Entwicklung des Sportes und mit den Bestrebungen zur Hebung der Volksgesundheit verbundene Projekt in glücklicher Weise zu lösen. Stadtverwaltung und Parteien nahmen sich der Sache mit großem Interesse an und erbauten nach langer Planung im Jahre 1929 die heutige moderne Badeanstalt am Herrenbrunnen, das „Städtische Schwimm- und Luftbad“, das unter Leitung eines Bademeisters alljährlich während des Sommers der körperlichen Ertüchtigung und Gesundung aller Bevölkerungsschichten, vor allem der Jugend, dient. Die Kosten dafür wurden in erheblichem Maße durch freiwillige Spenden aufgebracht.

4) Das Bedürfnis nach heißen Wannen-Bädern, die in der Zeit nach dem Kriege anfänglich von gewerblichen Unternehmen (Gaststätten-König) verabfolgt wurden, ist mit dem Neubau der Wilhelm-Raabe-Schule gestillt worden. Hier sind Duschräume und eine Anzahl Badezellen eingerichtet, in denen gegen eine geringe Gebühr Bäder verabfolgt werden.

Bildbeschreibung
Das Schwimmbad in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2014)

12. „Bahnhof“

„Bahnhofstraße“, „Bahnhofsberg“, „Bahnhofshotel“.

In dem Winkel zwischen Mühlenbergstraße und Homburgstraße liegt am Ostrande der Stadt der Bahnhof mit seinen Gleisanlagen, der mit der Inbetriebsetzung der Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn um 1900 den bis dahin durch die Post und durch Fuhrwerke über Stadtoldendorf und Vorwohle bewältigten Personen- und Güterverkehr übernahm. Das einfache massiv gebaute Backsteingebäude liegt auf einer Anhöhe von mittlerem Keuper, der hier unter Ausschaltung der unteren Keuperschichten gegen oberen Muschelkalk verworfen ist.

Die vom Kreise erbaute und diesem noch unterstehende Zugangsstraße aus dem oben bezeichneten Winkel heraus liegt am sogenannten Bahnhofsberge; diese sowohl wie der Teil der Reichsstraße 64 von ihrer Einmündung bei der Staatsbank bis zur Lennebrücke beim Seulcke’schen Hause trägt laut Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 13. April 1907 den amtlichen Namen Bahnhofstraße. Früher auch „Hauptstraße“ (siehe dort) genannt, verläuft dieser untere Teil der Bahnhofstraße an der Stelle des früheren Lennebettes. Der Fluss wurde bei Erbauung der Staatsstraße begradigt und dabei etwas nach Süden verlegt. Einige prächtige alte Riesen-Kastanienbäume schmücken als Reste einer ursprünglichen Kastanien-Allee („Unter den Kastanien“) zur Zeit noch diesen in jenen Jahren erbauten Straßenzug.

„Bahnhofshotel“ nannte der damalige Gastwirt Johannes Müller seine Gaststätte, die mit großem Saalbau und Garten kurz vor Beginn der Bahnhofstraße an der Worth-Seite liegt. Heutiger Besitzer ist Richard Hake, daher auch Hakes Hotel genannt. Früher der Familie Kleinhans gehörend; am 21. September 1890 war Wilhelm Raabe bei einem seiner so seltenen Besuche in Eschershausen hier als Gast eingekehrt.

Bildbeschreibung
Der ehemalige Bahnhof der Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn-Gesellschaft (VEE) in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2016)

13. „Boerde“

Siehe Niederboerde und Oberboerde.

„In der Boerde“ = „Niederboerde“ (so hier heute noch gebräuchlich).

14. „Bönemanns Camp“ 1761

Rezess Seite 16.

Plattdeutsch nach Scholle: Bönnemans Camp, auch Bögemanns Camp.

„Auf Rönemans Campe“ lagen auf der Geitelschen Flurkarte von 1761 48¾ Morgen Brachfeld dritter Wanne. Dies ist aber ein Schreibfehler, denn in der Flurbeschreibung jener Zeit wird der Flurname „Bönemanns Camp“ geschrieben und in dieser Form auch im Rezess und heutigen Akten verzeichnet. In mündlicher Form ist der Name zu „Bönnemanns Kamp“ und „Bögemanns Kamp“ geworden.

Die Herkunft des Namens wird vielleicht im Wickenser Erbregister um 1625 angedeutet, wo dem Heinrich Goetemann (= Boenemann) und anderen gehörende zehn Morgen Land und Wiesen „genandt Boniemanß gueth“ (zehntpflichtig dem Herzoge) erwähnt werden. Sonst ist das Vorkommen des Familien-Namens hier nicht bekannt. –

Der Flurort bildet den Rücken und Abhang des nördlichen Odfeldzipfels zwischen dem Driftwege und dem Odfeldswege, er wird vom Walde des Wiemelsberges an gerechnet. Der Untergrund besteht aus mittlerem Buntsandsteine.

15. „Der Bogenhof“

1580, Wickenser Erbregister.

Nach Helmer: „Wochenhof“?

Lesart nicht unbedingt sicher. Im Wickenser Erbregister von 1580 (Abschrift von 1625) wird auf Seite 336 in Eschershausen ein Gese Köneken als Besitzer eines Hofes, „der Bogenhof genandt“, verzeichnet.

Name und Lage heute gänzlich unbekannt.

16. „Der Bolchenbaum“

Schon um 1870.

Unter Bolchen oder Böltchen versteht man hier Bonbons, also Süßigkeiten aus Zucker. Schon in der Jugendzeit meines Vaters um 1870 wurde die an dem über den Kappenberg nach Oelkassen führenden Waldwege an einer ehemaligen Lichtung stehende Buche (südöstlich des Dorfes Oelkassen), bei der häufig kleine Dorffestlichkeiten, Musik der käseschen Kapelle und dergleichen zur Sommerzeit stattfanden, als „Bolchenbaum“ bezeichnet.

Wenn kleine Kinder dabei waren, wurde sie von den Großen geschüttelt, mit dem Erfolge, dass Bolchen als Früchte herunterfielen. Heute ist der Baum zum Schütteln zu groß und vor einigen Jahren durch Blitzschlag stark beschädigt, er macht seinem Namen aber jetzt noch Ehre. 1942 nur noch Ruine, zugewachsen und der Bänke beraubt.

Dies ist der eigentliche „Oelkasser Bolchenbaum“; als Eschershäuser Bolchenbaum wird in neuerer Zeit eine an der Eschershäuser Seite am Südrande des Kappenbergwaldes stehende Großbuche mit ähnlichen Eigenschaften gern bezeichnet.

Bildbeschreibung
Der Eschershäuser Bolchenbaum – trotz seines Alters noch ein markanter Baum (Foto: Martin Lucé, 2019)
Bildbeschreibung
Der Eschershäuser Bolchenbaum (Foto: Martin Lucé, 2019)
Bildbeschreibung
Der Eschershäuser Bolchenbaum (Foto: Martin Lucé, 2019)
Bildbeschreibung
Der Eschershäuser Bolchenbaum – innen bereits vollständig hohl (Foto: Martin Lucé, 2019)

17. „Borwelle“

Feldmark Scharfoldendorf.

Um 1760 in einer Grenzbeziehungs-Akte ältestes Vorkommen.

Im Anschluss an den „Hüschebrink“ und die „Howisch“ bildet die Borwelle den südlichen Teil der Feldmark Scharfoldendorf. Besonders ruht dieser alte, bisher völlig ungeklärte interessante Name auf der ca. 750 Meter langen bis zum südlichen Dorfrande reichenden nördlichen Strecke der „Kottenstraße“ und den südöstlich daran anschließenden Ländereien.

„Die Borwelle“ führt am Nordhange eines 220 Meter hohen Keuperhügels (unterer Keuper) entlang, an ihrem höchsten Ende lassen hohe grasbewachsene Böschungen die alte „Mergelkuhle“ (1688) erkennen. Hier Fundpunkt einiger Feuerstein-Artefakte (Sammlung Carl Kaese) und eines spitznackigen Steinbeiles (Museum Holzminden).

Auf der Borwelle soll früher nach Eisenstein gegraben sein – wie an vielen anderen Stellen. In Scharfoldendorf leitet man den Namen deshalb – wohl fälschlicherweise – von einer „Bohrung“ nach Eisenstein oder dergleichen ab.

Auch „Bodenwelle“.

Deutungsversuch (Kaese, 1942): Welle = felle = Feld. Bor (wie Borrmann?) = Borch = Burg. (= Burgfeld oder ähnliches.) Oder wie zum Beispiel „Bortfeld“ (das Dorf bei Braunschweig) = Borfelle? Burenfeld.

Bildbeschreibung
Die Borwelle in Eschershausen vom Scharfoldendorfer, dem unteren, Ende fotografiert (Foto: Martin Lucé, 2020)
Bildbeschreibung
Die Borwelle in Eschershausen vom oberen Ende aus (Foto: Martin Lucé, 2020)
Bildbeschreibung
Straßenschild Borwelle in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2020)

18. „Brauhaus“ und „Brauhausberg“

Der heutige Gasthof „Zum Brauhaus“ im Westen der Stadt, an der Einmündung der Reichsstraße 240 auf die Reichsstraße 64 gelegen, ist der Nachfolger eine älteren Gaststätte, die von einem Justitiarius Wichmann schon 1754 geplant und von Herzog Carl I. genehmigt war, aber erst nach 1763 von dem an der Holzener Glashütte beschäftigten Johann Heinrich Runge am „Bremker Tore“ nach erneuter Genehmigung erbaut wurde.

Dieser erstellte auf einem „freien Bauplatz an der Landstraße vorn am Anger auf den alten Flachsrottenlöchern“ ein 40 Fuß langes und 30 Fuß breites Haus mit zwei Etagen und erhielt bei 25-jähriger Steuerfreiheit die erbliche Konzession „die Gastwirtschaft in dem neu bebauten Hause zu treiben, Bier, so aus dem Eschershäuser Braukeller genommen und Brandtwein ausgeben und Fremde beherbergen und speisen zu dürffen“ (nach O. Hartmann).

Dies Haus ist aber vermutlich mit dem gleich nach 1900 abgebrannten Gebäude identisch, das neben dem sogenannten „Schlosse“, also hinter dem jetzt Professor Knüll gehörigen Hause, stand. Hier war, wie heute noch zu erkennen, die alte Straßenführung nach Scharfoldendorf, auch nach Aussage meines alten Onkels soll hier früher die Wirtschaft gewesen sein.

Das heutige aus massivem Sandstein erbaute Brauhaus wurde um 1840 errichtet (über die Einweihung und anderes siehe städtische Akten).

Brauhausberg = heute das letzte steile Ende der Reichsstraße 240 am Brauhause.

Bildbeschreibung
Das Brauhaus in Eschershausen an der Ecke Odfeldstraße und Scharfoldendorfer Straße um 1890 (Bild: Familienarchiv Kaese)
Bildbeschreibung
Das „Brauhaus“ in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2014)

19. „Breiter Busch“

Volkstümliche und forstliche Bezeichnung für den südlich Oelkassen gelegenen Teil des Voglers, umfassend die Jagen 49 und 50 westlich des Kappenberges. Heute vorwiegend Buchenwald. Der nordöstlich durch den Ostrand führende uralte Klosterweg Oelkassen–Amelungsborn geht durch den „Breiten Busch“ – jetzt Wanderweg Oelkassen–Homburg. Früher wohl Buschwaldgebiet, um 1840 Waldbrand.

20. „Breite Grund“

Heute Forstorte 59–60–61 am Ostrande des Voglers, östlich des Piepenberges, erstere beiden die städtische Feldmark begrenzend.

Der Name kommt schon bei einer Grenzbeziehung (unter Herzog Carl I.), also um 1760 (?) vor.

Siehe „Fickelnbuche“.

21. „Auf dem Bruche“

Vorgeschichtliche Funde: Ein Steinbeil, ein Feuerstein-Schaber (Sammlung Carl Kaese).

Bruchland = Sumpfiges, feuchtes schweres Land (von Lehm bedeckte Lias-Tone).

a. 1580: Das große Bruch bei Krabberode = 25 Morgen Brachfeld „etwas wesserich und hat mergell vonnöten“.

1652: Snadbeschreibung: „Brüchewiesen“.

1761: „Auf dem Eschershäuser Bruche“: Der westliche Teil des Reineken Sieke, 28⅙ Morgen Sommerfeld. Inmitten dieses Planes Wegespinne = Treffpunkt von fünf Feldwegen, deren zwei die heutige Straßenführung Eschershausen–Holzen anzeigen. Wickenser Eigentum.

b. 1580: Das kleine Bruch = 22½ Morgen Sommerfeld.

1761: Südöstlich am Reineken Siek anschließend. Fürstliches Amt Wickensen = 29 Morgen = „Das Holzer Bruch“.

Bei der Grenzbeziehung am 4. Oktober 1770 traf man sich am „Bruchanger“ mit den Wickenser Beamten. –

c. „Am Bruchwege“ 1761: Sechste Wanne Winterfeld = 71⅙ Morgen (vorm Langen Sieke).

d. „Bruchweg“. Seit 1940 städtischer Straßenname für den bebauten Teil des Bruchweges (siehe auch „Glasschneiderei“).

22. „Brunnengasse“

(Geschichtliches unter „K“.)

Seit Frühjahr 1918 amtliche Bezeichnung für die „Kontributionsstraße“, im Volksmunde „Konterbutschengasse“ (siehe dort). –

Der neue Name wurde mit Bezug auf den in dieser alten Gasse belegene „Wehnborn“ (siehe dort) gebildet.

Bildbeschreibung
Die Brunnengasse in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2020)

23. „Brüggegasse“

Vor der Lennebegradigung in der Stadt soll nach Aussage alter Einwohner (zum Beispiel Scholle – Mönkemeyer) unweit und ähnlich der „Fellegasse“ (siehe dort) im Gebiet des heutigen Bahnhofsberges ein kleiner Feldweg zwischen den Gärten so geheißen haben. Wahrscheinlich wegen der Verbindung mit einer hölzernen Lennebrücke in der Gegend der Staatsbank (eine solche Brücke bestand von 1830 bis 1889 gegenüber der heutigen Staatsbank).

Heute unbekannt.

24. „Brümmers Weg“

So benennt der Volksmund einen von der Mühlentrift (siehe dort) abzweigenden, sich schräg am Nordosthange des Kirchbergs bis etwa zu halber Höhe hinaufziehenden Grasweg, dessen Nutzung früher der Pferdeschlachter Brümmer in Pacht hatte. Im Winter gibt der Weg eine beliebte Rodelbahn für die Jugend.

25. In der „Büe“

Der Bü – Büh – Buy – Am Bui (Rezess).

1547 = Die „Buewisch“ das. auch Bauernwieschen.

Deutung = Gemeinschaftsbesitz? Wie Worth?

Nördlich des Stadtkerns bildete die Lenne (vor der 1934 erfolgten Begradigung) einen Doppelknick, in dessen Verlängerung nach Norden bis zum „Überfall“ der ungefähr 18 (?) Morgen große Plan „Am Bui“ (so im Rezess von 1893) liegt. Ursprünglich feuchte Wiesen, neuerdings Gärten und Kulturland. Gehörte früher zum Hofe Nummer 1, nach dessen vorletztem Besitzer Friedrich Schütte auch „Schütten Büh“ genannt. Hart an der Lenne gelegen, früher häufig überschwemmt.

Schon 1547 erwähnt: Wurde zusammen mit der „Howisch“ von Herzog Heinrich dem Jüngeren dem Wickenser Amtmann Johann Oelßen als Buewisch (auch Bauernwieschen) von fünf Fuder Heu getreuer Dienste halber übereignet: „auch dass er in Zeit unserer … gegnung und vortreibens in großen schaden und verderb um unserent willen gekommen und erlitten hatt.“

1761: Am Buy (von Fleckemann) = 46¼ Morgen, zum Teil morastig wegen Überflutung, dabei ein ehemaliger Teich von 4 5⁄12 Morgen. Es waren meistens „zweihäuige“ Wiesen.

26. „Buttestorpe“

Auch Budestorp, siehe Rustenbach, Wikanavelde, Seite 240.

Vielleicht „Außendorf“?

Ungefähr zwei Kilometer westlich von Eschershausen hat an oder in der Nähe der alten Heerstraße nach Amelungsborn die Siedlung Buttestorp gelegen, die urkundlich als Butesdorp schon 1136 erwähnt wird und bei der Gründung des Klosters Amelungsborn in dieser Zeit zu dessen Ausstattung gehörte. Nach Steinacker (Seite 255) besaß dieses auch seit etwa 1150 den Zehnten und 1228 zwei Hufen. 1384 erwarb es deren vier hinzu, als hildesheimsches Lehen hatten andererseits 1245 die „de Curia“ (von Eschershausen), 1340 und 1384 die Homburger Edelherren den Zehnten. 1146 gehörten Güter in Boccistorp zu dem Besitz, den der freie Mann Ekbert bei Eschershausen der hildesheimsches Kirchen zu Lehen auftrug, beziehungsweise von ihr wieder empfing. Die Ländereien sind wohl größtenteils in der Feldmark Eschershausen aufgegangen, die Schäferei ist nach Rustenbachs Ansicht an Scharfoldendorf gefallen, dessen Feldmark sie jedenfalls angehört (vielleicht die auf dem Hesse’schen Hofe Nummer 2 frühere liegende Schäferei, da dieser viel Land in dem betreffenden Gebiete hatte).

Im Wickenser Erbregister von 1580 ist Buttestorpe nicht mehr – weder als Dorf noch als Wüstung – mit aufgeführt, der Name erscheint aber noch im „Buttislurfer Bruch“ (siehe dort).

27. „Buttislurfer Bruch“

Der „Buttislufer Bruch, ein Eichenmastholz zwischen dem Ortfelde und dem Vogeler, geht vom dem Eschershausischen velde bis an das Amelungsbornische Holtz: vier morgen lang, zwei morgen breit“.

Die Samthude darin hatten Eschershausen und das Kloster gegen Gebühr an das Haus Wickensen.

In den Grenzbeschreibungen 1688: Bütjebruch, 1770: Bütztorfer Bruch.

Die Wiesen und Ländereien der ehemaligen Feldmark Buttestorpes hießen laut Magistratsbericht 1766 noch: „im Butjdorpe“ die Erinnerung an die alte Ortschaft war noch (oder schon wieder) vorhanden. In der Feldbeschreibung 1761 wird der Name aber auch schon stark verstümmelt mit „auf dem Witsdorfe“ wiedergegeben. Die betreffende Länderei war (vom Vogler an) zweite Wanne Brachfeld und 69 Morgen groß (1835 auf dem „Vietsdorfe“).

Im Separationsrezess von 1893 (Seite 31) heißt sie „auf dem Vietsdorfe“. Jetzt (1942) hörte ich noch für ein Ackerstück des Bauern Krösche die Bezeichnung „Up Kröschen Vitjdörpe“ – ein interessantes Beispiel für die Wandlung der Namen im Laufe der Zeit.

28. „Butzeberg“

Als Butzeberg und Bützeberg (aber auch Britzeberg) hat sich der Name des Ortes im Südausläufer des östlichen Voglerrandes etwas besser erhalten. –

29. „Cogrove“

Wüstung, jetzt zur Feldmark Eschershausen gehörend.

Wie Buttestorpe zur Ausstattung des Klosters Amelungsborn bei dessen Gründung gehörend, wird Cograve erstmalig um 1120 erwähnt. Auch der freie Mann Ekbert belehnte wie bei Buttestorpe 1146 das Stift Hildesheim mit 10½ Hufen in Cogrove. 1197 beanspruchten die Homburger die Vogtei in Cogrove. Letzte Erwähnung 1228 als Besitz des Klosters Amelungsborn (nach Steinacker Seite 256). Der Ort, der wie Buttestorpe keine Hägergründung sein kann, muss schon früh wüst geworden sein, er wird im Wickenser Erbregister 1580 nicht mehr genannt, seine Lage aber wohl durch das Flurstück „Kühegraben“ und „Kohgraben“ bezeichnet.

In der Grenzbeschreibung von 1652 (?): „Kuhgrube“ und „Kühegruben“.

Heute noch „Kuhgrube“. Ceograbe.

Lage: Südlich der „Schelenhufe“ (siehe dort) als Ostecke des Odfeldes. Hier stößt ein südlich vom Kohlenberge kommender tiefer Graben auf die Stelle, der mit dem Namen wohl im Zusammenhang stehen könnte. –

Heute vorwiegend Wiesen und Kartoffelland. –

30. „Clevihawe“ (?)

Lesart unsicher.

Diese rätselhaft scheinende – jetzt unbekannte – Flurname findet sich nur in der Snadt- und Gräntze-Beschreibung von (wahrscheinlich) 1652, und zwar an drei Stellen:

1) Eschershausen hat „ferner die Samptmasthude mit dem Kloster Amelungsborn hinter die Kuhgube an dem Graben entlang des Quathagens bis an den alten Thurm und ferner oben der ‚Clevihawe‘ (?) hinauf“ – bis an den Taibock usw. –

2) Ferner die Samptgraßhude „durch den Quathagen bis an den graben hart vor der Heßenbreide von daher nahr Clevihawi zu und weiden die Holenbergschen Kempe daselbst vor Maytage und nach Michaelis mit gehütet ab,

3) weiter von Clewihave an durch den Butisdorfer Bruch“ – usw.

Im Wickenser Erbregister findet der Name keine Erwähnung. Nach diesem befand sich als Grenze des Quadthagen zwischen Amelungsborn und Eschershausen die „Landwehr“ – wohl ein verbindendes dichtes Waldstück zwischen dem Homburgwalde und Butzeberge auf dem Odfelde. In oder an dieser Landwehr, jedenfalls zwischen Quathagen und Taibock, beziehungsweise Butisdorfer Bruch, also auf dem Odfelde, muss dieser Flurort gelegen haben.

12.II.1950: Vermerk: Cleven sind im Mittelalter eine Soldatenart = einfache Fußsoldaten mit Schwert etc. (siehe Raabekalender 1914 Fehse, Seite 103: ab Indagine: Chronik der Stadt Nürnberg von 1750: 1422 Reichstag zu Nürnberg, erste Reichsmatrikel: Nürnberg stellte danach „dreißig Cleven und dreißig Schützen“). Lateinisch clava = Keule!! –

KS soviel wie „Landwehr“!!!

31. „Crairsborn“

Flurname heute unbekannt.

Kommt vor auf Blatt 21 der Akte Amt Eschershausen Nummer 1 betreffend die Scharfoldendorfische große Mast- und Coppelhude, vielleicht 1652 bis 1770 (Wolfenbüttel): „Noch hat Scharfoldendorf mit denen von Eschershausen im Craisborn von obendahl bis in die mitte an die Mohlreyders (?) die Graß- und Coppelhude.“ –

Da zwischen Drögenberg und Steinbrink erwähnt, Lage vermutlich im Süden oder Südosten des Dorfes!

32. „Deipekuhle“

„Deepenkiuhle“ nach Wilhelm Scholle.

Ludwig Kubel erwähnt in seinem 1907 in zweiter Auflage erschienenen Roman „Die Apotheke zu Angerbeck“ auf Seite 168 die „Deipenkuhle“ am Stadtberg. Er muss in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, in dem die Jugenderinnerungen Kubels wurzeln, für ein tiefes Loch oder eine der am Stadtberge vorhandenen Schluchten und Hohlwege gebräuchlich gewesen sein. Der Roman spielt ungefähr in der Zeit von 1865 bis 1875. –

Laut Wilhelm Scholle wird die tiefe Schlucht am Fußwege nach Stadtoldendorf (Ursprung des Schelnhube-Baches oder Kuhtriftbaches) seit jeher als Deipenkuhle bezeichnet.

33. „Driebe“

„Driebe“ bedeutet zweifellos „Trift“ und ist in dieser Form die seit alters sehr gebräuchliche Bezeichnung für den vom Marktplatz in der Stadt nach Süden zum Stadtberg führenden Fahrweg. Auf diesem Wege wurde früher das Vieh zur Hude in den Wald getrieben.

Im unteren Teil mit fünf Häusern, darunter dem ältesten Hause der Stadt von 1580, bebaut.

Der Weg zieht sich hinter dem Kirchberge hinauf und wird in seiner unteren Hälfte vom Driebenbach begleitet, der aus dem Stadtberge kommt und seit ca. 1820 (?) beim Eintritt in die Stadt kanalisiert ist. Dieser Kanal führt unter dem Bürgersteige entlang und mündet heute zusammen mit dem Abfluss des Wehnborns in die Lenne. Vor dem 1879 fertiggestellten Bau der „zentralen Wasserleitung“ war geplant, vom Driebenbache her eine Röhrenleitung zum Marktplatz zu legen, schon vorher wurde ihm das zum Brauen benötigte Wasser entnommen. –

Eine in alten Akten des vorigen Jahrhunderts vorkommende Namensdeutung Driebenbach = trüber Bach ist abwegig. –

(Der Driebenbach ist in alten Akten einmal als „trüber Bach“ bezeichnet – sicher eine anfechtbare Verhochdeutschung! – Nach Einecke.)

Statt Driebe hört man auch „Driebenweg“, die Anwohner bespöttelte man früher gerne als „Dreibenkeile“ (Driebenkiele).

Amtliche Bezeichnung ist auch heute „Driebe“.

Ob der um 1760 vorkommende Name „An der Trift“ mit der „Driebe“ identisch ist, ist nicht sicher (siehe auch Mühlentrift).

Bildbeschreibung
Straßenschild Driebe in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2020)
Bildbeschreibung
Die Driebe in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2020)
Bildbeschreibung
Blick über die Driebe nach Norden auf Eschershausen um 1950 (Bild: Familienarchiv Kaese; Foto: Wally Gottwald)

34. „Deutsche Fabrik“

(Früher vorwiegend Pfarrland.)

Am Südostausgange der Stadt liegt zwischen der Reichsstraße 64 und dem Lenneflusse das ausgedehnte Fabrikgelände der Deutschen Asphalt A.-G. Der älteste Teil dieses Werkes wurde um 1873 (?) erbaut und trägt in seinem Äußeren noch unverkennbare Züge jener solide und mit Sorgfalten bauenden Epoche, da der moderne Schönheitsbegriff der reinen Zweckmäßigkeit bei Industriebauten noch nicht bekannt war.

Während der Betrieb neuerdings abgekürzt oft mit „D. A. G.“ bezeichnet wird, war früher der Name „Deutsche Fabrik“ dafür mehr gebräuchlich, im Gegensatz zu „Hahnen Fabrik“, die einer englischen Gesellschaft gehörte (siehe dort).

Man sagte auf platt zum Beispiel: „Hei geht nah’r Duitschen“ oder „Upper Duitschen brennt et“ – (Großfeuer am 30. September 1889). –

35. „Doktorhaus“

Nach Jugenderinnerungen des Schriftstellers Ludwig Kubel wurde die heutige Apotheke Nummer 111 (Raabestraße 2), in der auch sein Vater von 1862 bis 1876 die Apotheke betrieb, früher als das „Doktorhaus“ bezeichnet.

Erbaut wurde das Haus 1765 von Apotheker Braun. 1807 kaufte es der damalige Arzt und spätere Medizinalrat Dr. Eicke, welcher 1862 als angesehener Arzt und Bürger hochbetagt im Alter von 93 Jahren darin verstarb. Doktor Eicke war ärztlicher Begleiter Friedrich von Schillers auf dessen Reise nach Karlsbad (1791).

Bildbeschreibung
Die Apotheke beziehungsweise das Doktorhaus in der Raabestraße in Eschershausen um 1890 (Bild: Familienarchiv Kaese)

36. „Auf den drei Kreuzen“

Von der Mühlenbergstraße (Straße noch Holzen) wird der oberste Teil, etwa von dem Sperrholzwerk bis nach der ehemaligen Thomaischen Asphalt-Dachpappenfabrik, seit alters her „Auf“ oder „Bei den drei Kreuzen“ genannt.

Der Überlieferung nach sollen hier ursprünglich drei Kreuze gestanden haben, von denen jedoch nur eines auf unsere Tage gekommen ist. Es ist ein altertümlich aussehendes [Zahl fehlt] Meter hohes Kreuz aus rotem Sandstein, dessen Arm abgerundet sind und das auf einer Seite eine schlichte, die Kreuzform markierende, Umrisszeichnung trägt.

Nach Steinacker wurde der Stein 1817 zu Luthers Gedächtnis hergerichtet und mit einer entsprechenden Inschrift versehen. 1883 bekam er den Sockel, abermals mit einer Gedächtnis-Inschrift auf Luther.

Als Umfriedung dient eine an [Zahl fehlt] Steinpfosten aufgehängte eiserne Kette, während ein Lindenbaum für das ursprünglich frei an der rechten Straßenseite stehende, erst neuerdings zwischen Wohnhäusern eingeklemmte Denkmal den stimmungsvollen Hintergrund bildet.

Schon auf der Flurkarte von 1761 ist der jetzige Standort des Kreuzes oder damals vielleicht noch der Kreuze durch ein gesondert eingezeichnetes Stück Brachfeld in Größe von 19/24 Morgen (Nummer 26) nachzuweisen, das in der Flurbeschreibung „Auf dem Kreutz-Fleck“ und „der Kreutzcamp“ benannt wird.

Man ist geneigt, das Kreuz den mittelalterlichen Gedenksteinen zeitlich gleichzustellen, wie solche im Kreise Holzminden noch vielerorts vorhanden sind. Nach Hanels Kollektionen sollen 1775 auch vor dem benachbarten Dorf Holzen zwei „Kreuzsteine“ gestanden haben. Bei diesen Gedenksteinen handelt es sich jedoch immer um eckige Sandsteinplatten, die vielfach auf einer Seite Radkreuze, Nasenkreuze und dergleichen tragen, ein ausgehauenes Kreuz dieser Art scheint indessen im Kreise nicht weiter vorhanden zu sein.

Ich möchte deshalb annehmen, dass es sich hierbei ursprünglich nicht um einen Gedenkstein auf irgendeine Person (ermordet), sondern vielleicht im Mittelalter um eine katholische „Wallfahrt“-stätte für die feierlichen Umzüge gehandelt hat, deren Bedeutung seit der Reformation verschwunden ist. –

Seit 1940 findet sich die Bezeichnung noch unter dem amtlichen Namen der benachbarten kleinen „Straße“: „Am Kreuze“. –

Bildbeschreibung
Das Straßenschild „Am Kreuze“ in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2020)
Bildbeschreibung
Das Eschershäuser Luther-Kreuz (Foto: Martin Lucé, 2020)
Bildbeschreibung
Das Eschershäuser Luther-Kreuz (Foto: Martin Lucé, 2020)
Bildbeschreibung
Das Eschershäuser Luther-Kreuz (Foto: Martin Lucé, 2020)

37. „Driftsweg“

Trift = Viehtreibeweg. Erklärlich, weil das Wiemelsberggebiet ehemaliges Mastholz war.

Der Name wurde in alten Akten noch nicht vorgefunden. In bäuerlichen Kreisen wird der von der Odfeldstraße beim Umspannwerk nach dem Wiemelsberg abzweigende Feldweg, der zum größten Teil an dem vom Wiemelsborn kommenden Angerbach entlang führt, so bezeichnet.

Am Nordhange von Bönemanns Campe verläuft parallel mit dem Driftswege noch ein Teilstück des an seiner Stelle vor der Separation hier vorhandenen Hohlweges von beträchtlicher Breite und Tiefe, der an seinem oberen Ende nahe dem Wiemelsberge zugeschüttet erscheint.

Am Bachbette des Angerbaches längs des Driftsweges herrliches Weidengelände. –

Bildbeschreibung
Einmündung des Unteren Triftweges in die Odfeldstraße am Umspannwerk in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2020)

38. „Drögenberg“

Name heute nicht mehr bekannt. Kommt als Grenzort verschiedentlich vor in der „Snadt- und Gräntze“-Beschreibung von (?) 1652. Eschershausen hatte mit Scharfoldendorf zusammen die Samptgraßhude „von der Fißmecke bis an den Drögenbergk die Wege herunter bis an den Kappenberg“ usw.

Es muss sich dabei um den Piepenberg-Ausläufer des Voglers (Forstort Breitegrund und Breitebusch) handeln.

Der Name wäre vielleicht von „trockener Berg“ herzuleiten.

39. „Eckernhof“

= Eichenhof.

Als Begrenzungspunkt der Scharfoldendorfer Koppelhude Snadt- und Gräntze-Beschreibung von (?) 1652 genannt. „Auf der Egge des Hüschebrincks herunter bis auf Jobst Kroschen Kirchen-Landt über der Heerstraßen bis an den Eckernhof“ usw.

Es muss sich um einen an der Südecke von Scharfoldendorf gelegenen Bauernhof handeln (Heinrich Meier, Hesse, Heinrich Müller?). Der schöne Hofname ist heute leider unbekannt. Severith?

40. „Auf dem Eichenkampe“

Sg. Feldbeschreibung 1761 und Rezess (Seite 22).

Winter-Feld 1761: Vierte Wanne 10 3⁄12 Morgen.

Heute noch gebräuchlicher Flurname für das Ackerland zwischen „Ferkenloch“ und „Amerika“ am Südende der „Mühlentrift“. Grenzt an die „Hintere Weide“ der Wickenser Feldmark.

Auch der Name „In den Eichen“ dürfte sich auf diesen Teil der Feldmark beziehen.

In neuerer Zeit wird der Name auch auf die früher mit „Sottmanns Wisch“ bezeichnete Anpflanzung am Stadtoldendorfer Wege am Stadtberg angewandt.

41. „Eisensteingrube“

1) Auf dem Grundriss von dem Flecken und der Feldmark Eschershausen von Georg Christian Geitel 1761 ist unter dem Vogler nördlich des Brachfeldes „Auf dem Witsdorf“ eine 37 Ruten große „Eisensteingrube“ eingezeichnet.

Diese dürfte in der nördlich des Wäsche-Weges (siehe dort) noch erkennbaren Gelände-Mulde gelegen haben, wo beim Tiefpflügen auch Stücke von Raseneisenstein gefunden wurden. Heute ist dort alles Acker.

Danach ist dies wohl der älteste Schürf nach Eisenerzen in der Umgebung von Eschershausen, zurückzuführen wahrscheinlich auf die merkantilistischen Bestrebungen der „Volkswirtschaft“ unter Herzog Karl I, der bestrebt war, die in Delligsen gegründete Karlshütte mit Roherz möglichst aus der näheren Umgebung zu versorgen.

Wegen Unergiebigkeit war die Grube aber schon 1761 nicht mehr im Betriebe. In dem als Quelle nur mit Vorsicht verwendbaren Büchlein „Der braunschweigische Weserdistrikt“ von 1799 (Neudruck 1913 Hüpke und Sohn, Holzminden) heißt es: „Auf der Feldmark am Kattenberge unter dem Vogeler findet sich vieler Flussspat, den man zum Schmelzen des Eisens auf der Karlshütte braucht“. Wenn nicht die Kalksteine des Kappenberges gemeint sind (Kalkspat), könnte sich diese Bemerkung auf diese alte Eisensteingrube beziehen.

2) Eine andere Eisensteingrube aus etwas jüngerer Zeit befand sich nördlich der Schelenhufe unten „auf der Steine“, gleich gegenüber dem heutigen Umspannwerke.

Hier wurden noch um 1830 eisenhaltige Kalksteine aus dem Oberoligozän der dortigen Tertiär-Versenkung anfänglich im Tagebau, dann aber auch eines mittels eine sich in südlicher Richtung erstreckenden kurzen Stollens im „Tiefbau“ abgebaut.

Um die oben erwähnte Zeit soll ein Bergmann M. Leistner (1838 Erbauer des Wohnhauses Assekuranz-Nummer 131 = Heinemeier) den Abbau betrieben und die Steine dann mittels Gespannes nach der Delligsen gebracht haben (nach mündlicher Überlieferung!). Der Stollen lässt sich heute noch an zwei Einbruchlöchern oberhalb der alten Abbau-Böschung nachweisen; die gelben fossilreichen Kalksteine liegen für den Kenner herum.

Um die letzte Jahrhundertwende soll sich der damalige Fabrikdirektor Maiswinkel von der Hannoverschen Baugesellschaft um das gleiche Vorkommen versuchsweise bemüht haben, natürlich erfolglos, was nach den geologischen Verhältnissen nicht verwunderlich ist.

3) Mit etwas größerer Hartnäckigkeit – bis in die allerneuste Zeit hinein – sind dann „Eisensteingruben“ in den Feldmarken Scharfoldendorf, Lüerdissen, Dielmissen, Dohnsen, also in der Ithbörde, anzulegen beziehungsweise wieder anzulegen versucht worden, wo Lager von Toneisensteingeoden in den Tonen des mittleren Lias und Doggers mit vielleicht abbauwertigen Eisengehalt vorkommen. Sowohl die in dem zweiten Viertel des vorigen Jahrhunderts auf der Tran bei Linse bestehende „Ither Hütte“, wie auch die Delligser Karlshütte waren ursprünglich daran interessiert.

Von diesem Bergbauversuchen blieb die Feldmark Eschershausen jedoch unberührt.

42. „Enge Gasse“

Heute unbekannt.

Auf der Geitelschen Karte von 1761 wird die schmale, nur [Zahl fehlt] Meter breite „Fahrt“ zwischen den jetzigen Häusern Bertram und Specht, Raabestraße 7 und 9 beziehungsweise Assekuranz-Nummer 91 und 92, so bezeichnet.

Die Gasse ging in gerader Richtung zwischen den hinter den Häusern liegenden Gärten hindurch bis auf „die Steine“ und weiter hinauf bis an den Wald; nach links bog ein Weg zur „Alten Mühle“ ab. Es ist ein öffentlicher Weg zur Mühle und in die Feldmark gewesen.

Bei der Separation hat der Besitzer des hinter dem Bertram’schen Hause liegenden Gartens, Bürgermeister Rustenbach, den anliegenden Weg käuflich erworben und seinem Garten einverleibt, da die Mühle ja seit 1879 nicht mehr im Betriebe war, und die Feldmark anders aufgeteilt wurde. Auch der untere Teil des Weges ist seitdem Privatbesitz der Anlieger.

Ob die Gasse früher hohlwegartig in die hinter den Häusern vorhandene Lehm-Böschung einschnitt und nachträglich zugeschüttet wurde? Jetzt befindet sich bei Beginn der Steigung eine kleine Steintreppe.

Bildbeschreibung
Die ehemalige „Enge Gasse“ in der Raabestraße in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2020)
Bildbeschreibung
Die ehemalige „Enge Gasse“ in der Raabestraße in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2020)

43. „Engelken Treppe“

Auch Kirchentreppe, plattdeutsch Kerkentreppe.

Neunzehn Sandsteinstufen mit einseitigen eisernen Handläufen führen zwischen der Nordseite des Amtsgerichtes und der Südseite der früher Engelke’schen Schmiede (in dem Vorbau vor seinem Wohnhause) als einzige „Treppenstraße“ der Stadt zu den Wohnhäusern „An der Kirche“, im Volksmunde humorvoll „Ziegenprieche“ genannt.

Vor dem Neubau des Amtsgerichtes ([Zahl fehlt]) beziehungsweise nach der Karte von 1761 grenzte das Kirchengrundstück, wohl der um die Kirche gelegene Kirchhof vielleicht mit einer Umzäunung, Mauer oder Hecke, an Engelken Haus. Eine vor diesem Häusereingange liegende Sandsteinplatte zeigt zwei Wappenschilder und stammt wohl von dem alten Kirchhofe davor.

Die „Kirchentreppe“ wird mit Vorliebe von den Kirchgängern benutzt.

Bildbeschreibung
„Engelken Treppe“ am Steinweg in Eschershausen, rechts davon stand bis 2019 das Haus „Engelken Schmiede“ (Foto: Martin Lucé, 2020)

44. „Engelken Schmiede“

Im Erdgeschoss des bei Nummer 43 erwähnten Vorbaues befand sich bis ungefähr 1910 (?) die Werkstatt des Schmiedemeisters Engelke, später diente es verschiedenen gewerblichen Zwecken.

In der darüber befindlichen „Wohnung“ war 1895/1890 das erste Geschäftslokal der Firma Carl Kaese.

Dass ganz früher vor der Schmiede einmal ein sogenannter „Schannepahl“, ein Schandpfahl, an welchem Übeltäter zur Strafe angeprangert wurden, gestanden haben soll, wurde in meiner Jugendzeit erzählt, ist aber nicht urkundlich belegbar. –

Bildbeschreibung
Das Haus „Engelken Schmiede“ an der Ecke Steinweg und Stadtbergstraße in Eschershausen um 1950, damals Fischgeschäft der Familie Meldau (Bild: Familienarchiv Kaese)
Das Haus Engelken Schmiede
Das Haus „Engelken Schmiede“ unmittelbar vor dem Abriss im November 2019 (Foto: Christian Kaese)

45. „Eschershausen“

Älteste urkundliche Namensform der Stadt ist laut Rustenbach: „Astiereshusen“ (im § 108 der Traditiones Corbeienses an der Weser), aus dem nach 861 ein gewisser Asic einen seiner Hörigen dem Kloster Corvey übergab.

Aus der ebenfalls vorkommenden Form Asciereshusen und wohl auch Aschgereshusen (letztere um 1040) glaubt Rustenbach (Wikanavelde, Seite 223) auf einen Asic als Gründer und ersten Ansiedler des Ortes schließen zu können.

Genau dieser Eigenname wird von anderer Seite von Ask-ger = Eschenspeer abgeleitet. Angesichts der Unmöglichkeit ihrer Begründung führen sehr gewagte Schlüsse dann zu einem Sohne des Normannenführers Hengist, der Aesk hieß, zu dem dem 534 aus England zurückgekehrten Askomannen und Wikingern, vielleicht Gründung der Orte und der alten Feste Wikinafeldisten in Verbindung gebracht werden könnten.

Selbstverständlich handelt es sich hierbei nur um romantische Vermutungen und Möglichkeiten, die ausdrücklich als solche gekennzeichnet werde, aber immerhin für Ortseinwohner nicht ohne Interesse sind.

Steinacker (Seite 268 Holzminden) deutet den Stadtnamen, der 1062 als Aschereshusen, 1146 schon als Eschershusen und 1180 als Heschereshusen auftritt, als „Behausung eines Aschari beziehungsweise Ansgar“.

Eine adlige Familie „von Eschershusen“ (de Curia), die im 12. Jahrhundert lebte, nannte sich nach dem Orte und muss hier wohl auch begütert gewesen sein.

Im Wickenser Erbregister 1580 heißt der Flecken Eschershausen. Plattdeutsch = Eschershiusen.

Die Ortsnamen mit der Endung -hausen gehören ? Siedlungsperiode an? –

Eschershausen = Askgers Hus.

46. „Deikgasse“

Nach Wilhelm Scholle.

So wurde früher der Heckenweg genannt, der von der Friedhofstraße zur „Alten Mühle“ führte. Der Name findet seine Erklärung durch die früher bei dieser vorhandenen Mühlen- und Fischteiche.

Zeitweise vielleicht auch auf „Kröschen Gasse“ (siehe dort) angewandt. –

Bildbeschreibung
Sicht von der heutigen Stadtbergstraße (früher Friedhofstraße) auf die nach rechts hinten abzweigende Straße Alte Mühle, früher Deikgasse (Foto: Martin Lucé, 2020)
Bildbeschreibung
Sicht von der Straße Alte Mühle, früher Deikgasse, auf das Gebäude Alte Mühle in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2020)

47. „Fellegazze“

Ein von dem untersten Ende der Mühlenbergstraße hinter dem Grundstück der Staatsbank in Richtung auf den Bahnhof abzweigender kleiner Weg zwischen den Gärten, der schon nach [Zahl fehlt] Metern wieder aufhört, wird von ältesten Einwohnern Fellegazze oder Fillegasse genannt.

Auf der Flurkarte von 1761 ist dieser Weg auch nur als kurzer „Sackweg“ eingezeichnet, der ein dreieckiges in die Heerstraße nach Alfeld etwas hineinragendes Gartenstück (Nummer 37 Besitzer Heinrich Albrecht) von den Ländereien abtrennt. Er scheint also auch früher im Gegensatz zu dem südlich davon in ähnlicher Weise bergwärts führenden Wege, der sich nach dem sein Mittelstück mit der Heerstraße gleiche Richtung hatte, mit scharfen Knick in die Felder „auf der Gniesbreite“ wendete, kein längerer Durchgangsweg beziehungsweise Feldweg gewesen zu sein.

Ein Teil dieses letztgenannten Feldweges war vielleicht mit der Brüggegasse (siehe Nummer 23) identisch, zum Teil werden diese Namen auch vertauscht angegeben (zum Beispiel August Schoppmeyer).

Mit „Fildergasse“ = Villergasse, wie oft behauptet wird, hat der Name vermutlich nichts zu tun, ein Abdeckereibetrieb ist hier bislang nicht nachgewiesen. Wahrscheinlich ist die einfachste Deutung „Feldergasse“ also „da ‚Gazzen‘ da na’n Felle foiert“. –

48. „Felsenkeller“

So wird ein von der Mühlentrift aus in den Wellenkalk des Kirchberges getriebener 23 Meter langer gerade Stollen benannt, der früher zur kühlen Lagerung von Bier diente, bis die Erbauung eines Eiskellers im Anger ihn entbehrlich machte.

Nachher war er, feucht und spinnwebbehangen, ein beliebter Ort für die Mutproben abenteuerlicher Jungenspiele. Jetzt ist der Eingang verschüttet und der Stollen kaum noch begehbar.

1943 wurde er wieder freigelegt um als bombensicherer Bunker für die Anwohner der Gegend dienen zu können. –

Bildbeschreibung
Der „Felsenkeller“ in der Mühlentrift in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2020)
Bildbeschreibung
Der „Felsenkeller“ in der Mühlentrift in Eschershausen (Foto: Martin Lucé, 2020)

49. „Im Ferkenloche“

Schon im Wickenser Erbregister 1580 wird die tiefliegende Lenne-Niederung südlich des Othberges im Südosten der Stadt mit „das Ferckenhohl“ bezeichnet. Das Haus Homburg hatte dort 4½ Morgen Wiesenwachs.

Bei der Grenzbeziehung am 22. Mai 1688 heißt die Gegend „Farkenhohl“, in der Wiesenbeschreibung von 1761 werden dagegen 5⅚ Morgen „meistens zweihäuige“ Wiesen „im Fercken Loche“ der städtischen Feldmark zugerechnet. Auch in dem Separationsrezess des vorigen Jahrhunderts ist das Wiesengelände „Im Ferkenloche“ erwähnt und so heißt der Name heute auch.

Da das jetzt noch im Hilse häufig vorkommende Schwarzwild früher sicherlich noch verbreiteter war, ist die Ableitung des namens von Ferken–Forken zum hochdeutschen Ferkel, also Jungschweinen, die hier dicht unterhalb des Eichenhanges (siehe dort) gute Nahrung fanden, wohl richtig wenn auch – wenigstens für Jungschweine der Ausdruck „Fickeln“ heute im hiesigen Plattdeutschen üblicher erscheint.

Die Bezeichnung Hohl = Loch passt sehr gut auf das betreffende Gelände. –

Es kann sich auch um ein altes Weidegebiet für Schweine handeln.

An dem an die Mühlentrift anschließenden Teile des Ferkenloches war um noch die Jahrhundertwende der Schießstand der Schützengesellschaft. Eine kleine Quelle diente zur Kühlung der Getränke.

50. „Fickelnbuche“

Heute unbekannt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein markanter Baum im „Breiten Grund“ am Voglerrande westlich der Stadt (siehe Nummer 20).

Das geht aus seiner Eignung als Grenzteichen hervor, wie es in einem Grenzbeziehungsprotokolle (unter dem Eschershäuser Gerichtsschultheißen Laurentius, Bürgermeister Grove und vielen anderen hohen und niederen Beamten und Bürgern der Gegend zum Ausdruck) kommt. Diese Buche hatte der Oberjägermeister von Langen (Gründer der Porzellanfabrik Fürstenberg und von Grünenplan, der bedeutendste Forstmann Europas seiner Zeit) so benannt, da er, als er im Vogler auf Pirschgang war, bei dieser Buche „eine wilde Sau werfen gesehen“.

So in einem Artikel über Grenzbeziehungen veröffentlicht in Nummer 69 der NTZ-Weserbergland vom 23. März 1938 (von O. Hartmann?).

51. „Fismecke“

Die heutigen Forstorte 62 und 63 am östlichen Voglerrande im Westen der Stadtflur tragen amtlich den Namen „Fisemke“.

Vermutlich ist dies eine Entstellung der im Volksmunde noch „Fismecke“, plattdeutsch auch „Fisecke“ lautenden Bezeichnung, für das Gebiet, das durch starke Zerfurchung und Talbildung der dem unteren Buntsandstein angehörenden Berg-Schichten gekennzeichnet wird. Dort, wo diese Täler mit ihren Bächen den Waldrand berühren, trifft gewöhnlich auch ein ausgedehntes Wegenetz zusammen und stempelt diese Orte zu wichtigen Geländepunkten.

Das unbewaldete Vorland dieses Gebietes hat Zechsteinletten im Untergrunde, die einen feuchten, vorwiegend für Viehweiden brauchbaren Boden abgeben und mit ihren vereinzelten Baum- und Gebüschgruppen landschaftlich von eigenartigen Reiz sind.

Geologisch von Bedeutung ist ein Punkt, wo zwei Verwerfungen, eine Art Sattelspalte der Elfas-Achse und die westliche Begrenzung des Tertiär-Einbruches zusammenstoßen; hier trifft die von ihrem früheren Verlauf wohl etwas abweichende alte „Kattenstraße“ auf ein solches Tal, das seit alters „die Fischmecke-Grund“ genannt, schon bei der Grenzbeziehung von 1688 erwähnt wird.

Dies scheint die bisher älteste urkundliche Erwähnung und Schreibform zu sein, und daraus wäre die Abwandlung in „Fismecke“, wie der Name im Rezess lautet, leicht zu verstehen. Aber auf Blatt 21 der in Wolfenbüttel liegenden Akte Amt Eschershausen Nummer 1 (Jahreszahl unbekannt, circa 1652 bis 1770) findet sich auch schon die Form „Vißemke“ – der heutigen amtlichen Forstbezeichnung Fisemke (wobei häufig an „Vieh-Senke“ gedacht wird) entsprechend.

Die erstgenannte Form, die ich zurzeit für die richtige halten möchte ist, fast gleichlautend der „Fischemäkerstraße“ in Goslar, die allerdings schon 1324 als „Vischmengerestrate“ = Straße der Fischhändler vorkommt. Ein früher dort fließender kleiner Wasserlauf war wohl die Voraussetzung für die Anlage der Bassins für lebende Fische.

Nun werden die Fismeke-(Fismecke-, Fißmecke-)Bäche, sowie ein Fismecke-Bach in den alten Urkunden öfters erwähnt und bei Fischmecke-Grund deutet eine sumpfige und durch die Bodenveränderung gekennzeichnete Stelle vor dem Walde nahezu auf eine alte Teichanlage hin wie, auch grade dieser Bach sicherlich Forellen führen könnte.

Ein sicherer Beweis für diese Deutung ist aber noch nicht zu erbringen und so muss dieser interessante alte Name zuerst noch etwas geheimnisvoll bleiben.

52. „Flachsrotten“

Der Anbau von Flachs hatte früher in hiesiger Gegend eine große Bedeutung. Bei jedem Dorfe lagen an einem Wasserlaufe die kleinen viereckigen Wasserlöcher, in welche der Flachs nach dem „Repen“ zum Verrotten der Weichteile gelegt wurde.

Die Eschershäuser Flachsrotten befanden sich im Westen der Stadt am heutigen Angerbach. Nach 1763 wurde der Vorläufer des heutigen Brauhauses (siehe dort) am Bremker Tore, „vorn am Anger auf den alten Flachsrottenlöchern“ erbaut. Sie müssen also zu dieser Zeit weiter am Unterlauf des Baches gelegen haben als später, wo sie sich am heutigen Anger oder an Stelle des heutigen städtischen Angerteiches befanden (siehe Rezess Seiten 258, 269).

1892 waren noch fünf Flachsrotten (und ein Teich) da.

53. „An der Fontäne“

Bei dem 1879 erfolgten Bau der städtischen Wasserleitung wurde als besonderes Zierstück auf dem Marktplatze neben dem Amtsgerichte eine Fontäne mit erbaut. Im Kostenanschlag waren dafür 1050 Reichsmark gesondert eingesetzt. Das kreisrunde mit einer Sandsteinwulst umgebene Bassin hatte einen Durchmesser von fünf Metern. Der sich zu ansehnlicher Höhe erhebende Wasserstrahl entsprang in der Mitte und war sicherlich ein äußeres Zeichen des Fortschrittes, auf das die Bürgerschaft sehr stolz war. Eine Rasenfläche und Akazienbäume umsäumten diese Anlage.

In neuerer Zeit verlor sie an Interesse. Beim Bau des Kriegerdenkmals nach dem Weltkriege verschwand sie, nur die eine Hälfte des Bassins wurde der neuen Anlage als Wasserbecken eingefügt. Die südliche Häuserreihe am Marktplatz lag also früher „neben“ oder „an der Fontäne“ und wurde auch so bezeichnet.

54. „Fohren-Heller“

Im Wickenser Erbregister Seite 45 (1580): „Drey Vohrenheller Boven Eschershausen haben zusahmend ungefähr 1¼ morgen, die Fohren haben ziembliche art und gedeyen darein und können wohl dareyn gesezet werden“.

Der Fischreichtum unserer Gewässer wurde in früheren Jahrhunderten als Regal des fürstlichen Hauses besonders gepflegt und genutzt. Noch um 1760 wohnte in Eschershausen ein fürstlicher Forellenfänger.

Besonders wurden die Fohren = Vohren = Voren = Vorellen geschätzt, unter Voren-Heller verstand man „Forellenbehälter“ an fließenden Gewässern, die vielleicht zur Zucht dienten, die zum Teil aber wie die übrigen Dieche (Teiche) auch mit Schleien, Karauschen, Rotaugen, Weißfischen und Hechten besetzt waren.

Die „drey Vohrenheller boven Eschershausen“ lagen beim Herrenbrunnen beziehungsweise der alten Mühle, also am Salzbach. Weiter lagen „drey Hellern“ unter dem Alten Hause Homburg – wohl zwischen Wickensen und der Burgveste im Walde – und ein „kleiner Heller boven Holtensen“ (1½ Morgen groß). Letzterer ist wahrscheinlich der (Homburger) Fischteich nach dem der uralte Samse’sche Hof „Dieckhof“ genannt wird. –

55. „An der Fried“

„Upper Freid“ (?) oder Freie (?) – siehe unten.

1761 lagen an der Fried circa 13½ Morgen Brachfeld erster Wanne mittlerer Güte (vom Anger an) und circa neun Morgen „einhäuige“ Wiesen.

Nach der damaligen Flurkarte lag das Gelände dieses Namens zwischen der Heerstraße nach Holzminden und der Lütjen Beeke, also der heutigen Odfeldstraße und dem Angerbach; es reichte etwa vom Bauer Knoche bis zum Umspannwerk.

Der Name ist im Rezess und auch heute noch gebräuchlich, besonders für die jetzt dem Bauern Knoche gehörenden Äcker.

Ich hörte aber auch den plattdeutschen Ausdruck „Up Störmers Freie“, angeblich für das Gebiet an der gegenüberliegenden Straßenseite unterhalb des Waldes der „Schellenhube“ (siehe dort). –

Deutung unsicher. Wahrscheinlich so viel wie „Freiheit“, welcher Flurname mancherorts vorkommt. Damit wäre denn wohl zinsfreies Land gemeint. – (Hägergut?)

Bildbeschreibung
Odfeldstraße in Eschershausen mit Blick in Richtung Umspannwerk/Wiemelsberg, hier lag das Flurstück „An der Fried“ (Foto: Martin Lucé, 2020)

56. „Friedhof“

= Kirchhof.

Begräbnisplatz = Hof des Friedens.

Der Friedhof war auch in Eschershausen ein echter „Kirchhof“, das heißt, er lag seit den ältesten christlichen Zeiten rings um die Kirche, wie dies allgemein üblich war. Nur hochgestellte Persönlichkeiten, Pfarrer, oder dergleichen wurden früher in der Kirche selbst beigesetzt.

Nach einer Anordnung Herzog Carls I. mussten ab 1765 die Begräbnisplätze aus gesundheitlichen Gründen außerhalb der Ortschaften angelegt werden. Der Eschershäuser Friedhof (der alte Friedhof bisher) entstand damals im Süden des Ortes an dem Fußwege zum Stadtberge beziehungsweise nach Stadtoldendorf. Er reichte bis 1871 für die wachsende Bevölkerung des Ortes aus.

1830 wurde eine nur vier Monate alte Schwester unseres Ehrenbürgers Wilhelm Raabe hier beerdigt. 1862 fand 93-jährig der Medizinalrat Dr. Ferdinand Eicke, der in jüngeren Jahren ärztlicher Begleiter Friedrich von Schillers gewesen war, hier seine letzte Ruhestätte.

Um 1940 wurde dieser alte Friedhof aufgelassen und dem Tischlermeister Sander zu anderer Nutzung verkauft. Eine trotz ihrer Verwilderung idyllische und romantische Stätte fand damit ihr Ende. Drei Grabmäler wurden der Erhaltung für Wert befunden und anderweitig aufgestellt (siehe Heimatbrief Weihnachten 1941).

Seit 1871 liegt der inzwischen verschiedentlich vergrößerte Friedhof am Nordende der Stadt zwischen der Reichsstraße 240 und der „Untern Straße“, etwa gegenüber dem „Überfalle“ der Lenne.

Belegung nach Skizze:

Skizze des alten Eschershäuser Friedhofes
Ia (Mitte) = 1871–1876
Ib (oben und unten) = 1876–1886
IIa = 1887–1895
IIb = 1896–1901
III = 1902–1912
IV = 1913–1919
V = 1919–1927
VI = 1927–1932
VII = 1932–1942
Zusammen 72 Jahre (etwa 2000? Gräber).
Ab 1943 wird wieder I. belegt.

Das kapellenartige Leichen-Gerätehaus wurde um 1900 erbaut. Im Wesentlichen gliederte sich dieser an einem Abhange gegen Osten liegende Friedhof bisher in einen sogenannten alten und neuen Teil. Dem oberen Teile des ersteren geben große immergrüne Koniferen („Thuja“-Bäume; „Baum des Lebens“) ein charakteristisches Gepräge. Angesichts der ungeheuren Vielseitigkeit der Grabmäler besonders in neuster Zeit kann von einer guten Friedhofskultur nicht gesprochen werden, zumal eine gärtnerische Ausgestaltung sich nur auf das Notwendigste beschränkt. Der älteste Teil dieser Anlage ist inzwischen wieder eingeebnet und wird seit Beginn des Jahres 1943 – also 72 Jahre nach ihrem Entstehen – wieder aufs Neue belegt.

Der Boden dieses Friedhofes besteht aus gelbem Lösslehm, im Untergrund kommen auch rotgefärbte Bundsandstein-Schotter zum Vorschein.

Bildbeschreibung
Die Remise für den Leichenwagen am alten Friedhof (Foto: Martin Lucé, 2018)

57. „Friedhofstraße“

Friedhof.

Seit alter Zeit heißt der aus der Mitte der Stadt steil in südlicher Richtung zum Stadtberg beziehungsweise weiter nach Stadtoldendorf führende Fahrweg kurz „Friedhof“, in neuerer Zeit auch Friedhofstraße genannt. Im unteren Teile bebaut, gehört sie zu den ältesten Anlagen der Stadt (das älteste Haus an ihr stammt noch aus dem 16. Jahrhundert). Die Anwohner werden „Freidhöfer“ genannt, sie leben nach der ortsüblichen Bezeichnung „Auf dem Friedhofe“.

Aus dem vorhergehenden Abschnitt ist dieser Name leicht erklärbar. In Folge seines Doppelsinnes ist man 1940 dazu übergegangen, die amtliche Bezeichnung „Stadtbergstraße“ dafür anzuwenden. Im Volksmund dürfte sich die alte historische Bezeichnung aber noch lange erhalten (siehe Heimatbrief Weihnachten 1941).

58. „Glasbeeke“

Ähnlich wie der bekannte Glasebach bei Grünenplan.

Eine „glaßbeeke“ erscheint schon 1580 im Wickenser Erbregister: Eschershausen hatte am Kohlenberge „die Graßhude unter der Egge entlang nach dem felde bis auf die Glasbeeke“.

Der Name erinnert an die alte Waldglas-Industrie, die schon 1397 für den Solling bezeugt ist und auch hier im Vogler schon zur Zeit des Herzogs Heinrich des Jüngeren (1514–1568) urkundlich nachzuweisen ist. Er beweist, dass schon vor 1580 auch im Homburgwalde eine „Glasehütten“ im Betriebe gewesen sein muss.

Tatsächlich fanden sich Spuren dieser Hütte in Gestalt von Schmelzhäfen-Bruchstücken um 1920 bei der Anlage eines Holzabfuhrweges oberhalb des Baches gegenüber dem nordwestlichen Mittelbergshange auf der Grenze der Forstorte 40 und 41. Dieser Bach, der in der „Alten Helle “ seinen Ursprung hat und der nach Vereinigung mit dem Wolfsbergbache westlich Wickensen in die Lenne fließt, könnte die alte Glasbeeke sein, wenngleich die alte Ortsbeschreibung der Gegend nicht ganz zu passen scheint.

(Auf eine Glashütte in diesem Gebiete deutet auch der Name „Hüttenkopf“, für einen Berg südsüdöstlich einen Kilometer von genannter Stelle entfernt, hin. –)

Heute ist der Bachname nicht mehr bekannt.